Ein kleiner Exkurs zur Briefzustellung:
Seit einiger Zeit habe ich direkte Erfahrungen, wie sich eine erschwerte Postzustellung darstellen kann. Hier im Studi-Wohnheim gibt es alles: Briefzusteller, die nicht zu den innen aufgestellten Briefkästen gelangen (weil sie die nicht finden oder keinen Schlüssel haben), mehrere oder keine Namen auf den Briefkästen, abweichende Namen auf dem Kasten und der Postkastenliste und viele andere lustige Problemchen, die man sich nie im Leben selbst ausdenken könnte.
Brief direkt, unser münsteraner Alternativanbieter, ist eine durchwachsene Geschichte. Wenigstens kommen über diesen Anbieter nur die meist unwichtigen Sendungen von Versicherungen, der Uni und von Behörden (Achtung: Ironie). Qualitativ haben die sich gebessert: Anfangs hatte ich tatsächlich öfters mal zusammen mit den Zeitungen die Briefe "en block" im Hausflur liegen. Das hörte aber schnell auf. Die Angestellten sind meist nett und mehr oder weniger fähig. Manche Firmenpolitik hat sich aber rumgesprochen und wird vernünftig gehandhabt: Ist ein Empfänger nicht mehr auf der Liste verzeichnet, wird mir (Heimleiter) ein Benachrichtigungszettel in den B-Kasten geworfen und der Brief lagert ab dem Zeitpunkt eine Woche in der Zentrale, dann geht er als unzustellbar zurück. Wenn eine Zimmernummer auf dem Brief steht, wird aber gnadenlos eingeworfen - egal, ob der Empfängername auf der Liste oder dem Kasten steht oder nicht. An Namen, die aus mehr als drei Worten bestehen (Hier gibt es z.B. einen Afrikaner mit bis zu sechs Namensteilen) scheitern die Kollegen gnadenlos. Egal wie lange die Leute schon hier wohnen. Und das auch, wenn man dem allein zuständigen Zusteller, der schon lange Zeit zuständig ist, mehrfach darauf hinweist. Selten zum Zuge kommende kurzfrist-Ersatzzusteller sind in der Regel genauso informiert wie der Standardzusteller. Wechselt dieser, fängt man bei Null an.
Die richtige Post darf im Grunde nur zustellen, wenn der Name auf dem Kasten "von innen" angebracht ist und mit der Angabe auf der Liste übereinstimmt. Der Postbote sortiert selbst vor und holt sich von uns immer die Liste, um effizienter arbeiten zu können. Jetzt fangen die Probleme an: Es gibt mehrere Zusteller.
-Der Hauptzusteller ist an vier Tagen zuständig. Es ist ein regelrechter Postbeamte in äußerst positivem Sinn. Er erledigt alles sehr gewissenhaft, man kann sich sehr gut mit ihm unterhalten und er versteht sämtliche Besonderheiten hier im Studi-Heim bis ins Detail (wer hat Briefkastenschlüssel, wen frage ich bei Unklarheiten, was passiert mit Päckchen, wer darf unterschreiben etc.). Der Mann hat ein unglaubliches Gedächtnis - er prägt sich sehr schnell die ständig aktualisierten Listen ein und weiß immer, was mit problematischen Sendungen passiert ist oder was seine Kollegen wieder mal verbockt haben. Obwohl wir mitten in seiner Tour sind, könnte man die Uhr nach ihm stellen. Weil er so zuverlässig ist, habe ich auch einen Schlüssel für die Haustür gegeben. Würden alle Menschen so gut arbeiten, würde ich gerne 50-100% mehr Porto bezahlen.
-Die Nebenzusteller/Springer sind als Urlaubsvertretungen und für die anderen zwei Wochentage zuständig. Sie kommen sehr unzuverlässig - manchmal sogar garnicht. Wenn sie nicht ins Haus reinkommen, landet die Post schon mal im Hausflur. Paketsendungen werden ganz selbstverständlich auf den Briefkastenschrank deponiert, Zeitungen durch das Reinwürgen in den Kasten zerfleddert, Briefe falsch eingeworfen oder fälschlicherweise "kaputtgeschrieben", Einschreiben eingeworfen statt unterschrieben und übergeben und so weiter und so fort. Mit diesen Aktionen könnte ich Seiten füllen. Intern rumort es übrigens dort heftigst, wie man sich vorstellen kann.
Fazit: Schiefgehen kann es bei allen, es hängt meiner Erfahrung nach meist persönlich beim Zusteller und nicht primär bei der Firma. Bei uns ist meiner groben Einschätzung nach der alternative Briefdienst im Mittelfeld anzusiedeln. Zwei Nachteile gibt es aber: Nachsendeaufträge kennen die nicht, wenn was schiefgeht, hat man keine Chance was zu retten. Dort weiß niemand, was mit nicht zugestellten Sendungen passiert ist oder wo sie sich befinden. Bei der Post ist das anders, kann aber auch an meinem guten Verhältnis zu meinem Zusteller und dessen sehr engagierter Art liegen.