Hmmm...
Ich habe mir gerade die vielen, vielen Beiträge durchgelesen und muß sagen: Kompliment an euch alle! Ich bin beeindruckt, wie einfühlsam, ausführlich und kompetent hier geschrieben wird. Vor allem jene Leute, die sowas schon mal mitgemacht haben, wissen, wie man sich in einer solchen Situation fühlt. Und dazu gehöre ich seit ein paar Monaten auch.
Ist schon erschreckend, wie ähnlich meine letzte Beziehung verlief. Ich hatte meine Ex im Internet kennengelernt, nicht übers Chatten, sondern in einem Forum. Wir führten 3 Jahre eine Wochenendbeziehung. Wegen ihrer Chatsucht (JEDEN Tag bis frühmorgens im Chat; sie mußte nicht arbeiten, weil sie genügend Unterhalt von ihrem Ex-Ehemann für sich und die 2 Kinder bekam) gab es schon oft Krach. Es interessierte sie aber nicht, daß ich was dagegen hatte. Im Gegenteil: Ihre Lieblingsbeschäftigung war der Aufriß im Chat. Telefonieren, treffen, und dann ..... Irgendwie brauchte sie das zur Selbstbestätigung. Sie ist vom Äußeren eher unscheinbar, nicht die Superfrau, der in der Disko alle nachlaufen. Aber im Chat konnte sie das tolle Rasseweib mimen und es finden sich dort immer genügend notgeile Typen, die selbst eine Lokomotive bespringen würden, wenn sie einen Rock tragen würde.
Anfangs verbarg sie ihr "Hobby" noch vor mir. Mit der Zeit war ihr das aber egal, im Gegenteil, sie schwärmte sogar noch von ihren Lovern, die sie unter der Woche hatte. Ich weiß nicht, welcher Teufel mich geritten hat, daß ich mir das so lange angetan habe. Ich habe sie sehr lange noch geliebt, wo ihre Liebe (so es denn überhaupt eine war) längst schon erloschen war. Sie merkte gar nicht mehr, wie sehr sie mich verletzte, wo ich doch wirklich alles für sie und ihre Kinder tat, immer für sie da war, wenn sie mich brauchte, mein eigenes Ich sträflich vernachlässigte.
Ich weiß nicht, was mich davon abhielt, die Konsequenzen zu ziehen. Vielleicht taten mir ihre Kinder leid, daß ich sie nach der Trennung vom Vater nicht noch eine Trennung miterleben lassen mochte, vielleicht war es auch Angst vorm Wieder-Alleinsein, vielleicht mein überhaupt größter charakterlicher "Fehler": meine Gutmütigkeit.
Im Endeffekt machte sie es mir dann aber relativ leicht: Nach unserem gemeinsamen Urlaub Mitte August sagte sie mir, ich sollte mal für ein paar Stunden aus ihrer Wohnung verschwinden, weil sie mit ihrem neuen Freund ungestört telefonieren wollte. -> Boing, das saß! Mir schien sich alles um mich herum zu drehen. Aber komischerweise war ich zu keinerlei Emotionen fähig. Ich packte nur meine restlichen Sachen und verschwand, begleitet von ihrer Häme. Nach dem tiefen Loch, in das ich gefallen bin, stellte sich alsbald Erleichterung ein. Mein Blick wurde klarer und mir war, als ob eine Zentnerlast von mir abfiel. Endlich war der Schrecken zuende! Ich hätte das schon viel früher machen sollen.
Ich beschäftige mich seither viel mehr mit mir selber, hänge mich im Job hinein, gönne mir aber auch viel Freizeit und genieße das Singleleben.
Eine späte Genugtuung erfuhr ich dann auch noch, als sich unsere Trennung in ihrem Freundeskreis herumsprach. Fassungslosigkeit allüberall, viele waren sauer und schimpften mit meiner Ex, so nach dem Motto "Wie konntest du DEN ziehen lassen?". Mittlerweile scheinen ihr auch die Augen aufzugehen, weil ihr Neuer offenbar auch das Weite gesucht hat. Seit ein paar Wochen kommen beinahe verzweifelte Einschleimversuche per SMS. Aber das kann sie vergessen.
Ich bin FREI! Endlich.... Herrliches Gefühl, wenn der Schmerz nachläßt :top:
Ich kann dir, lieber Anonymus, auch nur die Tipps geben, die hier schon gegeben wurden:
- Vergiß die Frau! Jemand, der sich seine Lover im Chat sucht, wird diese Sucht niemals aufgeben! Und das ist mitnichten altersabhängig: Meine Ex wurde vor kurzem 38 und verhält sich immer noch wie ein pubertierendes Teeniegirl!
- Einseitige Liebe führt über kurz oder lang IMMER zum Scheitern einer Beziehung, ebenso, wenn kein Vertrauen mehr da ist.
- Es braucht mir hier niemand erzählen, daß ein einmaliger Seitensprung verzeihbar ist. Man kann sich an der Oberfläche zwar wieder zusammenraufen, aber ein Stück Mißtrauen wird IMMER zurückbleiben! Und den ständigen Streß des Aufpassen-müssens kann sich niemand auf Dauer zumuten. Einmal untreu - immer untreu. Das ist eine grundsätzliche Charakterfrage. Einmalige Ausrutscher? Blödsinn!
Ich wünsche dir, Anonymus, und auch allen Betrogenen, alles Gute und die Kraft, die man braucht, um sich wieder aufzurappeln.
Jeder Tag ist eine neue Chance!
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