Zitat
Original geschrieben von Stefan
Das Wahlergebnis zählt. Nimmt man dann den Willen der Wählermehrheit (gut so, Laubi, Ray, Jopi etc.?), ginge nichts an einer großen Koalition vorbei - deutlicher als bei einem Beinahe-Patt kann man es eigentlich nicht mer machen. Dort stehen sich jetzt allerdings der rote Kampfhahn und die schwarze Kampfbräulerin gegenüber, sodass es zu dieser Konstellation wohl nicht kommen wird.
Jein. Wenn die rechnerische größte Mehrheit immer das ausschlaggebende wäre, dann hätte es jahrzehntelang eine große Koalition geben müssen, da diese ja zusammen immer die meisten Wählerstimmen abgedeckt hätte (bei gleichzeitig kleinster möglicher Anzahl der Parteien). Daher denke ich, dass jede mehrheitsfähige Koalition die sich bilden kann, gleich "wertig" betrachten werden sollte.
Das Problem was ich persönlich habe, ist wie manche Parteien (und alle haben das ja in der Vergangenheit schon gemacht), bereits vor den Wahlen versuchen verbindliche Aussagen über ihre Koalitionswilligkeit zu machen. Das ist ja eigentlich nicht im Sinne (aber auch nicht "konkret gegen") unseres politischen Systems. Was da teilweise aus wahlkampftaktischen Gründen vorher alles über den/die "Gegner" abgelassen wird, ist natürlich im Nachhinein kontraproduktiv - jedenfalls bei einer Situation wie wir sie jetzt haben. Westerwelle will hier scheinbar das richtige machen, in dem er sein "Wort" was er den Wählern gegeben hat, zur Zeit noch über ein eventuelles Kompromiß-finden legt. Ich kann nur hoffen, dass es - ähnlich wie (hoffentlich) bei Schröder - in erster Linie dazu dienen soll starke Ausgangspositionen bei Koalitions-Verhandlungen zu finden.
Letztlich kann man ja auch nciht erwarten, dass die Verhandlungen über eine Koalition vor TV-Kameras geführt wird - insofern kann man schon froh sein, dass wir keine anderen Szenen in der Elefantenrunde gesehen haben (bspw. ein Stoiber der seinen Schuh auszieht und laut schreiend auf den Tisch hämmert). Zwar macht es auf den Bürger einen besseren Eindruck, wenn man versucht rational und kompromiß-bereit zu erscheinen - aber im Hinblick auf die Verhandlungen ist es natürlich ein (wie es in der Spieltheorie heißt):
Game of Chicken
http://de.wikipedia.org/wiki/Chicken_Game
Koalieren Weigern (Neuwahl)
Partei 2 Koalieren 4/4 2/6
Weigern (Neuwahl) 6/2 0/0
Wer hier den Eindruck beim gegenüber erwecken kann irrationaler und verrückter zu sein, wird eher erfolgreich sein. Die größte "Auszahlung" bekommt die Partei die sich zu weigern scheint und eher auf Neuwahlen steuert, und sich dann zu allerletzt doch noch (mit vielen Zugeständnissen der anderen Parteien) zu einer Koalition überreden läßt.
Daher denke ich, darf man dem was man aktuell in den Medien zu hören bekommt, nciht allzuviel "Relevanz" beimessen. Die tatsächlichen Motive und Bereitschaften werden sich allenfalls in den nachher tatsächlich stattfindenden Gesprächen zeigen (unter Ausschluß der Öffentlichkeit).