Beiträge von Sencer

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    Original geschrieben von galahad13
    Der Wähler will nunmal klare Positionen und keine Wischi-waschi Aussagen der Parteien.


    Wenn man überhaupt von "dem Wähler" sprechen kann, dann würde ich das Wahlergebnis so deuten, dass er für die Zukunft Deutschlands Kompromisse aus den verschiedenen Lösungsvorschlägen der Parteien will.


    Es sind die Parteien die kein Wischi-Waschi wollen, sondern klar Stellung beziehen wollen um ihre eigenen Wähler nicht zu verlieren. Aber in der Gesamtheit der Wähler ist klar, dass es ein Kompromiß werden soll.
    Die "Radikalisierung" finden in der Parteien und ihrem Umgang untereinander statt - nicht bei "dem Wähler".

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    Original geschrieben von qwasy
    Nein, es ist der SPD lediglich bestens gelungen, das CDU-Programm als unsozial hinzustellen [...] Der CDU muss man vor allem zur Last legen, dass sie es nicht geschafft hat, entsprechende Konter gegen die Agitatoren zu platzieren und die Argumente zu entkräften


    Du machst es dir m.E. zu einfach. Als die Union im AUftrieb war, sei es alleine die Rationalität des Programms und der Vorschläge, und jeglicher Verlust, gehe auf Kosten der Propaganda der politischen Gegner? Eine sehr, sehr einseitige Weltsicht. Hier werden realen Ereignisse passend gemacht um nicht der eigenen (politischen) Weltsicht widersprechen zu können (kognitive Dissonanz?).


    Möglicherweise war es etwas von beidem: Ein Teil der Unionsfreundlichen "Stimmung" hatte nie ihre inhaltliche Ausrichtung gestützt, sondern sich lediglich von ihrer endlosen Schlechtredung der rot-grünen Politik einwickeln lassen. Und die haben ihren Flirt mit der Union eben nicht in eine Wahlentscheidung münden lassen, weil sie sich dann wieder vom Wahlkampf der SPD haben überzeugen lassen.
    Und andererseits könnte eben auch ein Teil der "normalen" Unionswähler, die sich politisch in der Mitte sehen, sich bei dem Programm und der Ausrichtung der Union nicht mehr aufgehoben gefühlt haben.

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    Unabhängig von den momentanen Problemen der Koalitionsbildung ist aber wohl der schlimmste Rückschritt darin zu sehen, dass es innerhalb weniger Monate geschafft wurde, den von vielen erhofften und teilweise auch bestätigten Mut zu tiefgreifenden Reformen zugunsten parteipolitischer Egoismen kaputtzureden.


    Das sehe ich nicht so. Daß es tiefgreifende Reformen auf jeden Fall nötig sind, ist gerade eben bei allen angekommen. Die vermeintliche Popularität der Union in den letzten Jahren (falls es nicht eine totale Speukaltion der Demoskopen war), dürfte wohl eher darin gelegen haben, dass die Menschen gehofft haben, dass man mit der CDU sozialere Reformen bekommen könnte.
    Nachdem klar geworden ist, was "sozial" ist wie die "neue" Union es versteht, haben die Menschen verstanden, dass Schröders Reformkurs wohl doch nicht so unsozial ist. Das Programm der "neuen" Union (zusammen mit der FDP) ist jedenfalls gescheitert - daher kann es jetzt auch nicht darum gehen wie man trotzdem dieses Programm durchzieht.


    Die Union hat in ihrem Wahlkampf, aber auch schon in ihrer programmatischen Ausrichtung anscheinend die falschen Annahmen darüber getroffen, woraus die Frustration der SPD-Wähler besteht.


    Und bei aller Polemik vom zuzelbach, bei einem was er schreibt hat er Recht: Es gibt in Deutschland eine Mehrheit die sich sozialere Reformen wünscht, eine linke Mehrheit. Und die Union kann es sich tatsächlich nicht leisten sich selbst weiter an den Rand zu führen. Sie muß aus Selbsterhaltungsgründen ihren Kurs neu überdenken, und eben ihre soziale Seite wieder stärken - und es gibt ja in der Union genug Politiker die dies ohnehin so gesehen haben und die werden durch die fatale Niederlage Merkels und deren favorisierter Politik nun eben stärker werden.

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    Original geschrieben von Martyn
    Bei dieser Wahl gab es keinen eindeutigen Schwenk der Bevölkerung, sondern einige haben einen neoliberalen Schwenk zur FDP gemacht, die anderen aber den aber einen sozialen Schwenk zur Linkspartei.PDS.


    Genau das habe ich ja gesagt. Die *Union* hat einen Schwenk in ihrer Politik gemacht, aber das Volk ist nicht mitgezogen - ganz im Gegenteil.



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    _-=voodoo=-_ schrieb:
    Modell holt Wirklichkeit ein


    Du hast es nicht ganz verstanden. Der Platz der wegfällt ist kein "normaler", sondern ein "Sonderplatz", daher fällt kein "regulärer" Platz weg, sondern man bekommt eben einfach nicht das Zusatzmandat.
    In der rechnerischen Wirklichkeit ist natürlich jedes Bundestagsmandat gleich wertvoll und funktional. Insofern ist es nur ein halb-leer vs. halb-voll, also eine Frage der Perspektive.


    edit: Der Unterschied ist: Fällt ein "normales" Mandat weg, dann heißt dass nicht nur einen weniger für die betroffene Partei, sondern auch einen mehr für eine andere Partei. Fällt ein Überhangmandat weg, ist es eben weg - keine andere Partei gewinnt ein Mandat dadurch.

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    Original geschrieben von qwasy
    Zumindest mit den momentanen Wortführern der Parteien scheint das wahrscheinlicher als eine große Koalition, selbst Fischer wirkte in der Elefantenrunde realistisch im Vergleich zum Ex-Kanzler.


    Haben wir dieselben Politiker gehört? Schröder hat sich klar zur großen Koalition bekannt (nur unter der Voraussetzung, dass Merkel nicht Kanzler wird), wohingegen alle Grünen die sich geäußert haben, zwar sagen, dass sie sich gerne anhören was da gesagt wird, es aber bei allen wesentlichen Themen keinerlei Einigung realstisch ist. Das ist eine diplomatische (aber klare) Absage. Die Grünen sind mental auf Opposition eingestellt, das wird ihnen mittel- und langfristig auch wesentlich mehr nutzen.
    Wohingegen die Union heiß aufs regieren ist, da wird man notfalls auch eine Merkel opfern. Das tut zwar zweifellos weh, aber das ist das realistischste Szenario - daher ja auch der Endorphin-Rausch bei Schröder. SPD und Union haben auch weniger Differenzen als Union und Grüne.


    Ich denke, dass der große Schwenk [edit: der Union] in Richtung neoliberale Politik es war, welcher der Union so stark geschadet hat. Die die so denken, haben lieber gleich die FDP gewählt; aber die Menschen der Mitte hat man damit eher verschreckt - man hat sich wohl zu sehr auf die Meinungsforscher/Meinungsschamanen gestützt bei der Entscheidung zu dieser Orientierung - vielleicht ging das Projekt "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" ja nach hinten los.

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    Trotz allem Erfolg hat die INSM (und die anderen Initiativen) ein
    Handlungsdilemma. Sie haben zwar die Meinungsführer von der
    Notwendigkeit von Reformen überzeugt, aber 80 % der Bevölkerung
    sind dagegen. Folge davon ist, dass sich die Initiative verstärkt um
    positive Botschaften bemüht.


    Vielleicht haben sich die Demoskopen ja auch zu sehr von den Kampagnen einlullen lassen. Eine gewisse Ironie könnte man dem ja nicht absprechen.


    Merkel ist mit dieser Neu-Orientierung viel zu stark verknüpft, als dass sie glaubwürdig als Kanzlerin dieser großen Koalition agieren könnte. Merkel, Merz, Kirchhoff usw. werden IMHO beiseite treten, und der "konservativ-soziale" Flügel der Union könnte mit Schröder "können-wollen" und "tun werden".

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    Original geschrieben von Sencer
    Die größe der Stichproben die gemacht werden, erlauben in aller Regel (nach statistischen Gesichtspunkten) nur eine Spannweite von knapp 5% pro Partei mit einer Wahrscheinlichkeit von 95% zu treffen. Der Rest ist manuelles Rumgefuchtele und Bauchgefühl - nur wird es leider nie so dargestellt in den Medien. In der Vergangenheit die eher von Kontinuierlichkeit geprägt war, mag man ganz gut gelesegen haben, das rechtfertigte es aber ganz offensichtlich nicht, das die Institute (und die Presse die es weitergegeben hat) sich so von der (mathematischen) Realität abgehoben haben.


    Ich würde mich freuen wenn das was heute passiert ist, in Zukunft wenigstens zu mehr Ehrlichkeit in bei den Umfrage-Instituten/Medien führt.


    Um mich mal selbst zu zitieren:
    Die folgende Seite ist zwar schon viele Jahre alt, war aber wohl noch nie so aktuell wie heute:


    http://www.wahlprognosen-info.de/

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    Original geschrieben von igel-online
    Was ich allerdings heute abend im Fernsehen dazu gesehen habe macht das Wahlergebnis aber genau zu dem, was Carsten hier beschrieben hat, nämlich zum Super-Gau.


    Ich glaube wenn man das eingetretene Wahlergebnis als wahrscheinlich eingestuft hätte, dann hätte keiner der Leute aus dieser Runde zugesagt dort zu erscheinen. Koalitionsverhandlungen kann man nicht im Live-Fernsehen machen - das wissen alle dort erschienenen, nur wollte wohl keiner so kurzfristig absagen (wie sollte man das auch begründen ohne schlecht auszusehen?).
    Ich stimme einerseits zu, dass das Auftreten von Schröder sehr deplaziert war, andererseits ist er nicht der erste deutsche Bundeskanzler der sich zu streitlustig und zu selbstbewußt (bzw. andere würden sagen hochnäsig und arrogant) gegeben hat. Rational kann ich mir das auch nur entweder mit einem ungeheuren Endorphin-Stoß erklären - ob es nun Hirneigene Endorphine waren (wegen des unglaublichen Ergebnisses), oder andere Mittelchen eine Rolle gespielt hatte - ich glaube da muß man nicht drüber diskutieren.


    Die große Koalition mit Schröder scheint IMHO nun am wahrscheinlichsten. Und das wird für die Zukunft Deutschlands nicht schlechter sein, als eine große Koalition mit Merkel an der Spitze.



    Zitat

    Immerhin lagen alle 5 großen MF-Institute deutlich weiter als der statistisch eingeräumte Fehler vom realen Ergebnis weg. Da kann auch ich meine Testsieger-Glaskugel für die nächste Wahl gerne zur Verfügung stellen...


    Das wird hoffentlich auch ein großes Thema in den kommenden Wochen werden. Die größe der Stichproben die gemacht werden, erlauben in aller Regel (nach statistischen Gesichtspunkten) nur eine Spannweite von knapp 5% pro Partei mit einer Wahrscheinlichkeit von 95% zu treffen. Der Rest ist manuelles Rumgefuchtele und Bauchgefühl - nur wird es leider nie so dargestellt in den Medien. In der Vergangenheit die eher von Kontinuierlichkeit geprägt war, mag man ganz gut gelesegen haben, das rechtfertigte es aber ganz offensichtlich nicht, das die Institute (und die Presse die es weitergegeben hat) sich so von der (mathematischen) Realität abgehoben haben.


    Ich würde mich freuen wenn das was heute passiert ist, in Zukunft wenigstens zu mehr Ehrlichkeit in bei den Umfrage-Instituten/Medien führt.

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    Original geschrieben von marlborolights
    Nein, ist es nicht, es gab bereits in Deutschland einen Kanzler, der von der SPD gestellt wurde, obwohl man nur zweitstärkste Fraktion war.


    Ja, allerdings nur in Kombination mit einem kleinerem Partner. (Oder irre ich mich?)
    Novum wäre es daher, dass die stärkste Fraktion (Union) die Regierungskoalition mitmacht, aber nicht den Kanzler stellt.


    Also ausgeschlossen wurde ja alles. Ich gehe nachdem was am wenigstens energisch ausgeschlossen wurde - und das ist große Koalition.


    Schröder kann (rechtlich) auch Kanzler werden, wenn die Union stärker ist. Schröder hat ja gerade deutlich gemacht, dass er damit argumentieren wird, dass die Union wegen Merkel und ihrer Fehler so abgewatscht wurde. Ich kann mir schon vorstellen dass der sozialere Flügel der Union, der ja sehr stark zurückgedrängt wurde im Wahlkampf, der aber ja dennoch existiert, ein Revival erleben könnte. Wenn man sich die Meinungsumfragen zum "Lieblingskanzler(in)" anschaut, dann ist das auch ein Argument mit dem Schröder arbeiten kann. Natürlich wäre es ein Novum - aber bei dem aktuellen Ergebnis -> welche Lösung wäre kein Novum...

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    Original geschrieben von D-Love
    Damit Schröder im Amt bleibt, müssten schon drei Weltwunder auf einmal zusammenkommen.


    Halleluja oder Allahu akbar, oder wie auch immer. :D



    Spaß beiseite: Das Auftreten von Schröder finde ich schon arg befremdlich - unabhängig davon, ob er letztendlich tatsächlich Kanzler bleiben sollte.


    Allem Anschein tippe ich auf eine große Koalition mit Schröder. Oder tatsächlich erneut Neu-Wahlen - alles andere ist wohl hinlänglich(er) und ausdrücklich(er) ausgeschlossen worden