ZitatOriginal geschrieben von ingo61
Meine Frau hatte z.B. in leitender Position im Öff.Dienst eine 83%-Stelle, was defacto eine Vier-Tages-Arbeitswoche von Mo-Do war. Der Verdienst war durch das niedrigere Brutto fast so hoch, als ob sie 100% gearbeitet hätte.
ZitatOriginal geschrieben von herold
Finanziell lohnt sich die Reduzierung der Wochenarbeitszeit bei teilzeifähigen Stellen auf jeden Fall. Durch weniger Brutto bleibt mehr Netto übrig, weil man in einer niedrigen Progression landet.
Sind das jetzt eigentlich nur saloppe Formulierung, oder glaubt ihr das tatsächlich so explizt wie ihr das schreibt? Ich meine, wenn man sich mal die expliziten Zahlen anschaut, dann ist der steuerliche Effekt sehr klein im Vergleich zum Lohnverzicht.
Beispiel:
Sprich, statt auf monatlich ca. 495€ Nettogehaltsverzicht (wenn es keine Progression gäbe) im Monat kommt man "nur" auf 420€ Verzicht im Monat => Steuereffekt ~75€. Bei geringerem Gehalt ist der Brutto/Netto Unterschied sehr viel kleiner.
Mit dem Steuereffekt kann man sich die Teilzeit sicherlich schön reden - aber das ganze ist schmückendes Beiwerk, entscheidend sind ganz andere, grundlegendere Faktoren.
Ich würde das Thema Teilzeit aber insgesamt nicht als Typfrage abtun. Es dürfte auch sehr mit der Lebensphase zu tun haben und den Perspektiven.
Bei einem Pärchen aus zwei jungen Akademikern welche die nächsten Jahre keine Kinder haben möchten und welche am Anfang ihres Arbeitsleben stehen, dürfte tendenziell Vollzeit attraktiver sein (Karrierechancen, kein "verpasstes" Familienleben, Konsumwünsche nachholen nach dem jahrelangem Leben am Existenzminimum als Student, der Wunsch nun endlich in dem Thema/Branche loszulegen und Verantwortung zu übernehmen, wofür man x Jahre studiert hat etc.).
Wohingegen das Ehepaar Anfang 40 mit jungem Wunschkind tendenziell mehr zur Teilzeitstelle neigen würde (beide wollen weiter Berufstätig sein, Zeit mit der Familie verbringen, man hat vlt. schon eine berufliche Position erreicht die man nicht weiter steigern kann oder will, man hat finanziellen Spielraum hinsichtlich Familieneinkommen).
Außerdem:
Neben der Lebensphase, spielt es auch eine Rolle ob man im Rahmen der beruflichen Tätigkeit selbst wenn sie sehr einspannt auch Phasen zum Ausgleich hat ("zwischen Projekten" mal kürzer treten, Sabbatical, Elternzeit,...), und ob die konkrete Situation am Arbeitsplatz so ist, dass man bei sonst gleicher Job-Beschreiung und Wochenstunden am Ende des Tages körperlich oder geistig ausgelaugt daheim ankommt, oder ob man zufrieden ist und noch die Muße hat sich anderen Dingen zu widmen.
Fazit:
In manchen Lebenssituation mag es besser sein den Arbeitgeber zu wechseln, manchmal doch den Beruf oder die Branche zu wechseln, und manchmal ist die Situation eben so, dass es Sinn macht auf Teilzeit zu gehen. Ich finde es gut, dass es die Option (grundsätzlich) gibt und es wäre sicher wünschenswert, dass sie mehr Akzeptanz hat.
Aber man darf den Effekt von Teilzeit/weniger Arbeiten nicht überschätzen. Es ist keine Lösung für eine Sinn- oder Lebenskrise. Und man wird nicht automatisch ein besser/glücklicher/erfüllterer Mensch, weil man seinen Arbeitsvertrag anpassen lässt - da verwechselt man Ursache/Wirkung bzw. Korrelation und Kausalität.