Beiträge von oleR

    Es spricht prinzipiell nichts gegen Zwangsanleihen europaweit. Es gibt sie aber nicht, weil man genau diese Diskussion scheut und mächtige Interessengruppen dafür sorgen, dass sie nicht eingeführt werden.


    Der Sinn oder zumindest ein nicht ganz unerwünschter Effekt der ganzen Verrenkungen ist m.E. gerade, dass viele das Gefühl haben, ihr Vermögen sei vorerst sicher. Obwohl das wohl im Leben nicht zu erfüllen ist, weil die fiktiven Werte einfach viel mehr sind, als wir real haben. Und selbst, wenn jeder das weiß, spielt man das "normale" Spiel erst einmal weiter mit, weil alle anderen auch mitmachen und ein Ausscheren nicht lohnt. Das ist m.E. Ziel der Krisenpolitik der letzten Jahre - weitermachen in der Hoffnung, doch noch irgendwie eine Lösung zu finden. Irgendwann ist aber einfach der Punkt erreicht, an dem man die sich immer weiter aufschaukelnden Ungleichgewichte nicht mehr kaschieren kann. Spätestens dann müssen die Lasten verteilt werden. Dann ist die Lage aber auch in Südeuropa eine andere. Würde man heute schon anfangen, die Vermögen einzusammeln, kann man sich die weitere Krisenpolitik sparen - das wäre ja eine Art Signal, dass es jetzt losgeht mit dem Crash und das "normale" Spiel vorbei ist.


    Zitat

    Gefährlicher Unsinn ist es vielmehr, dass wir für die Fehler in den Südländern blechen müssen. Denn wenn es hier erst mal an die Geldbörse der Deutschen geht (bislang ist das ganze ja 'nur' ein Medienthema) ...


    Wie schon einmal gesagt: Es ist absolut irre zu glauben, die ursächlichen Fehler wären alle südlich der Alpen passiert. Deutschland hat u.a. einen viel zu großen Außenhandelsüberschuss aufgebaut, der in Südeuropa mit Schulden bezahlt wurde. Die, wie man spätestens heute weiß, fast sicher nie mehr zurückgezahlt werden. Maschinen gegen Euro-Schuldscheine - für den deutschen Unternehmer klasse (die Euros, die er kriegt, sind ja keine anderen), für die deutsche Volkswirtschaft ein absoluter Reinfall. Zu solchen Geschäften zählen immer zwei Parteien. Die Krise hat einige Leute auch relativ unverschuldet getroffen bzw. es hätte ebenso gut Deutschland erwischen können. (Auch Deutschland ist hoch verschuldet.) Aus der Warte argumentiert es sich schlecht, die europäischen Lasten allein dem Süden aufdrücken zu wollen. Und das ist die letzten zwei Jahre aber passiert.

    Zitat

    Hessen wird 2013 die Grundsteuer von 3,5 auf 5% erhöhen. Hatte die Hessen-CDU vorher nicht "..keine Erhöhung" auf die Tagesordnung geschrieben?


    Du meinst du die Grunderwerbssteuer?


    Zitat

    Schon kostet die Wunschbehausung wieder einen Kleinwagen mehr


    Kleinwagen = 8.000 €? Vielleicht lässt sich irgendwo noch Geld zusammenkratzen, damit die Immobilie für somit schlappe 535.000 € (+ die bereits heute anfallenden Erwerbsnebenkosten) trotzdem gekauft werden kann!


    Zitat

    Ich denke, hier in der Diskussion ging es mir (und einigen anderen) darum, dass die Bevölkerung eines Landes die eigenen Probleme lösen muss.


    Die Probleme im Euroraum sind schon immer auch deutsche Probleme gewesen. Deutschland hat nicht aus reinem Altruismus Rettungspaket um Rettungspaket durchgezogen. Die Vorstellung, dass nur in den Südländern heftige Fehler gemacht wurden, ist m.E. gefährlicher Unsinn.

    Zitat

    Aber mal eine ehrliche Frage an dich: Stell dir vor du bist auf einem Schiff, was langsam zu sinken beginnt. Es stehen genug Rettungsboote zur Verfügung. Würdest du einsteigen und bequem an Land fahren oder auf dem Schiff bleiben, nach dem Motto "Jetzt heißt es: mitgehangen, mitgefangen." ?


    Ich hätte sicher nicht die Chuzpe, als Mann Mitte 20 auf dem sinkenden Schiff direkt vor den Rettungsbooten zu erklären, dass ich eigentlich ein ganz armes Würstchen bin, viel geleistet habe in meinem Leben und darum bitte Alte und Kinder aus den Inseln raus sollen, damit ich durchkomme. Nichts anderes läuft bei der Zwangshypothekendiskussion. Leute, die definitiv zu den sehr Begüterten dieser Gesellschaft zählen, erklären sich plötzlich für arm. Der deutsche Immobilienbestand beschränkt sich auf lauter Häuschen von Oma, die kaum über 50k Wert hinauslaufen und bei der kleinen Oma-Rente aufgegeben werden müssten. Das macht mich manchmal einfach fassungslos.


    Natürlich ist verdammt viel die letzten Jahre völlig schief gelaufen. Die Leute, die ihr Geld retten wollen, gehören zum Großteil auch nicht zu den ganz! großen Profiteuren. An die müssen wir auch ran. Aber Immobilen- und andere Vermögensbesitzer haben eben auch zumindest nicht materiell gelitten unter den Verhältnissen dieser Gesellschaft. Deshalb sollen sie auch die Last mittragen, die absehbar entsteht, statt sie ignorant, gierig und verantwortungslos nach unten durchzureichen. Sie werden davon nicht verarmen.


    Zitat

    Die Wahrnehmung einiger hier wundert mich doch sehr. Wie kann man es den Südeuropäer da noch verübeln, wenn sie sich gegen solche Massnahmen wehren. Wie ich verreite vor etlichen Seiten schrieb: der Deutsche denkt auch nur an sich, So wie der Spanier und Italiener eben auch


    Volle Zustimmung. Griechenland ist auch deshalb immer weiter in die Krise gerutscht, weil die Lastenverteilung völlig wahnsinnig ist. Das Land ist nach meinem Eindruck seit 2009 kaum steuerbar. Niemand will besonders profitiert haben, mehr noch als früher ist zum Volkssport geworden, Vermögen ins Ausland zu verschieben und sich arm zu rechnen, Einschnitte bitte woanders. Tatsächlich gemacht werden sie dann da, wo die Leute sich am wenigsten wehren können - das sind aber die, die wirklich die Wirtschaft am Laufen halten, die kleineren Einkommen. So bricht gerade alles zusammen. Mensch at it's best!

    Zitat

    Ich spreche von selbst genutztem Wohnraum. Wenn ich Mietwohnungen hätte, könnte ich mit 10% leben. Immerhin hätte ich dann Mieteinnahmen.


    Als Mieter ist es ehrlich gesagt genauso - irgendjemand muss die Mieteinnahmen ja ranschaffen. Es gibt hier in HH genug Leute, die über die Hälfte ihres Einkommens in Wohnen stecken, kaum verwunderlich bei Mieten teilweise über 16 €/m². Die Menschen wären froh, wenn sie selbst genutzten Wohnraum wie Du hätten. Da auch die Eigentumspreise regelrecht explodiert sind, ist das aber bei >> 3.000 €/m² derzeit kaum noch drin für Normalverdiener.


    Zitat

    Deiner Logik folgend, müsste jetzt jeder Immobilienbesitzer seine Schäfchen ins trockene (=Ausland) bringen


    Wenn sie die Immobilien über die Grenze kriegen, warum nicht? Da steckt tatsächlich eine dicke persönliche Leistung hinter.


    Zitat

    sich hier via ALG II zur Miete niederlassen, schwarz arbeiten und sich einen Dreck um die Gesellschaft kümmern.


    Ah, was willst du damit sagen? Wer furchtbare Angst vor einer Zwangsabgabe hat, kann tatsächlich einfach sein Eigentum z.B. an den Staat verschenken, anschließend von ALG II leben und sich schwarz im Niedriglohnsektor durchmogeln. Letzteres ist auch eine gute Idee, wenn der Immobilienbesitzer z.B. in Ballungsgebieten wohnen bleiben will. Das, was die ARGE an Miete zahlt, reicht angesichts der explodierenden Mieten allgemein nicht mehr für die aktuellen Marktpreise. Da muss man irgendwie zusehen, an zusätzliches Geld zu kommen. Eine total entspannte Aufgabe für diese auch sonst sehr verwöhnten Menschen, die von ALG II leben.


    Zitat

    Das wäre so, wenn alle so denken würden wie Du - also weniger leisten aber mehr kassieren.


    Ah, woher kennst du mich denn?


    Zitat

    Aber, hey - unten zu warten bis die oben einem Brocken hinwerfen ist nicht mein Ding. So hat jeder seine eigenen Ansichten.


    Du kennst mich nicht, also lass bitte diese unqualifizierten Unterstellungen.


    Wenn du der Meinung sein solltest, dass das Einkommen stark korreliert mit dem Grad persönlicher Leistung - Get a Life! Genug Menschen leisten extrem viel und träumen nur von einer Immobilie.

    Zitat

    Beide haben also die selbe Leistung gebracht, Besitz erworben - aber nur einer muss davon etwas abgeben? Das findest Du in Ordnung?


    Warum konstruierst du hier solche völlig unrealistischen Geschichten? Es kann und wird keine vollständige Gerechtigkeit geben. Die Antwort kann aber kaum sein, dass die Leute ohne relevantes Sachvermögen den Crash voll finanzieren müssen, während Immobilieneigentümer ihre Kaufkraft retten können. Findest du das in Ordnung? Ich nicht. Jeder hat im System mitgespielt, wer Immobilien und andere große Sachwerte besitzt, hat deutlich von dem ganzen Ding profitiert. Anders als Mitmenschen, die sich für 8 Euro die Stunde den Arsch aufgerissen haben, in Städten wie Hamburg für ihren Wohnraum drastisch steigende Mieten an die Immobilieneigentümer abdrücken * und ihre wenigen Ersparnisse im Fall einer Inflation verlieren.


    Jetzt heißt es: mitgehangen, mitgefangen. Die Zeche muss bezahlt werden. Natürlich kann man gut verstehen, wenn plötzlich jeder sich selbst der Nächste ist und seine Mitbürger heranziehen will, damit das eigene Häuschen oder das eigene Zinshaus weiter unbelastet bleibt. Das ist aber für jeden mit etwas Grips im Hirn eindeutig keine Lösung für eine ganze Gesellschaft.


    Wer Weltreisen gemacht hat, den wird man nicht mehr heranziehen können. Und die Zahl der Altauto-Sammler bleibt doch recht überschaubar, ganz besonders deren Werte. Zumal die breite Gesellschaft kaum etwas mit alten Autos anfangen kann, ganz im Gegensatz zu z.B. Wohnimmobilien.


    * Da steigt die Miete bei Auszug und Neuvermierung mal eben von 6,00 Euro auf 8,90 Euro den Quadratmeter. Für ein und dieselbe Wohnung, ohne einen einzigen Pinselstrich vom Eigentümer. Der Markt gibt es her. Das ist natürlich legitim. Und ebenso legitim ist der Wunsch einer Gesellschaft, an diesen Spekulationsgewinnen zu partizipieren.

    Zitat

    Lastenverteilung? Wer gearbeitet hat um sich eine Immobilie zu kaufen, hat bereits Lasten getragen.


    Ah, die anderen haben keine Lasten im Leben getragen oder wie?


    Zitat

    Und wird bestraft? Wer nichts getan hat, verliert nichts


    Du hast die Logik erfasst. Wer nichts hat, dem kann man davon nichts wegnehmen. Mit welchem Recht verlangst du, dass auch die etwas abgeben, die nichts haben, damit du weiter haben kannst?


    Zitat

    - und wir belohnt?


    Willst du infrage stellen, dass die Besitzer einer Immobilie eher zu den Profiteuren des Systems zählen? Der Besitz ist nur durch die Gesellschaft und ihr Wirtschaftssystem möglich geworden. Du hast das Ding doch nicht ganz allein hochgezogen oder auch nur zum Großteil. Du hast das System genutzt, um unter persönlichem Einsatz dir Eigentum zu schaffen. Viele haben dabei mitgeholfen, es ist nicht auf deinem eigenen Mist gewachsen. Mit welchem Recht verlangst du jetzt, dass ausgerechnet dein persönlicher Beitrag vor dem Systemcrash geschützt wird? Das Recht gibt es nicht!


    Zitat

    Dann wird Deutschland brennen.


    Auch nicht gut für eine Immobilie.


    Zitat

    Wenn das so weiter geht verschwinde ich aus Deutschland, aber wohin?


    Griechenland, Spanien, Nordkorea?


    Zitat

    Besitzer von Gold belasten, dürfte schwierig sein - wenn das Edelmetall irgendwo versteckt wird.


    Klar - wenn das Gold ohne Quittung aus dem Kaugummiautomaten gezogen wurde vielleicht.


    Zitat

    Mal eine Frage zur Zwangshypothek: Wird diese nachrangig eingetragen? Oder rutscht diese dann per neuem Gesetz auf Platz 1? Könnte man die Immobilien vorher bis an die Oberkante mit Grundschulden absichern?


    Schau mal hier nach, wie man es nach dem letzten Crash gelöst hat:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Lastenausgleichsgesetz


    Zitat

    Ich habe die Immobilie durch versteuertes Einkommen erworben, nicht durch Lottogewinn oder durch Schenkung der Bundesregierung.


    Ich gehe mal davon aus, dass ein Großteil des umherschwirrenden Geldvermögens versteuert wurde. Das macht dein Geld nicht besser als das anderer Leute.

    Das wäre ja noch schöner :)


    Es ist jedem klar, dass den großen Geldmengen keine adäquaten Mengen an Gegenwerten gegenüber stehen. Die große "Enteignung"-Rhetorik bringt nichts - man kann im Dreieck hüpfen, dadurch entstehen auch keine realen Werte. Es ist aber nach einem womöglichen Crash oder einer anderen Anpassung der Geldwerte ein, denke ich und ebenso viele andere, sehr legitimes Interesse der Gesellschaft, mit diesem Problem auch die zu belasten, die durch scheinbar besonders clevere Anlagemethoden ihre Mitbürger übervorteilen wollen. Aus persönlicher Sicht ist die sichere Anlage ideal, weil man möglichst als Profiteur aus der Nummer raus will, aus gesellschaftlicher Sicht ist das natürlich ein No-Go.


    Zwangshypotheken sind ein effektives Mittel zur Lastverteilung, also... sollte man zumindest mit dem Gedanken spielen, dass es sie geben wird. Natürlich kann man auch Aktienbesitzer und Unternehmen belasten und ebenso auch die Besitzer von Gold.

    Die Salamitaktik läuft seit vier Jahren und ist doch ziemlich erfolgreich, nicht? Man hat den Zusammenbruch jeweils aufschieben können, ohne dass es in Deutschland Stress gab.


    Zitat

    Ich frage mich in dieser Situation ernsthaft, wie ich meiner Regierung und meinen Volksvertretern überhaupt noch vertrauen soll


    Merkel hat sehr gute Zustimmungswerte, die Parteien hinter der Euro-Rettungspolitik in jeder Umfrage eine überragende Mehrheit. Obwohl jede Woche eine neue Sau durchs Dorf getrieben wird.


    Zitat

    und damit frage ich mich ebenfalls ernsthaft, ob der deutsche Michel nicht irgendwann einmal doch genug hat, und die Faust nicht nur in der Tasche ballt. Was meint ihr?


    Deutschland hängt mittlerweile so tief in der längst vorhandenen Haftungsunion, dass der Michel im Dreieck tanzen kann. Wenn er "njet" sagt und rebelliert, bricht das Konstrukt sofort zusammen. Wenn er weiter mitmacht, hält es wenigstens noch ein paar Wochen bis Monate mit der leisen Hoffnung, dass es ein Wunder gibt und alles wieder gut wird :)


    Ich war vergangene Woche in Griechenland. Da steppt der Bär. Nicht nur ob der XXL-Arbeits- und mittlerweile auch vielerorts Hoffnungslosigkeit. Ganz offensichtlich: Das Gesundheitssystem ist gerade am Kollabieren. Die Kassen haben kein Geld mehr, in den Krankenhäusern gehen die Medikamente aus.

    Zitat

    Hier hat sich eine interessante Diskussion ergeben. Das Projekt Europa wird in der jetzigen Form definitiv scheitern, die europäischen Völker haben sich über Jahrhunderte bekriegt und an der unterschiedlichen kulturellen Historie hat sich auch nichts durch die EU geändert.


    Halte ich für gewagt. Ist die unterschiedliche kulturelle Historie der Grund, warum es nicht klappen kann? Oder der Punkt, dass in Europa lange Zeit Krieg zum Inventar der Machtpolitik zählte - bis vor knapp 70 Jahren der Kontinent komplett verwüstet und mehrere Millionen Tote zu beklagen waren?