Klar, an Ray Cokes und seine Sendung erinner ich mich auch noch. Ray musste MTV damals verlassen, nachdem er mit seiner Show auf der Reeperbahn in Hamburg für einen Eklat gesorgt hatte. Er hatte einen Live-Auftritt der Toten Hosen versprochen und hatte den anwesenden Zuschauern in Hamburg offenbar nicht klar gesagt, dass die Hosen nur aus Berlin zugeschaltet sein würden, aber nicht live in Hamburg vor Ort seien. Daraufhin wurde Ray regelrecht vom Platz gepfiffen, mit Flaschen, Eiern und allem möglich beworfen und musste die Show vorzeitig abbrechen.
Zum Thema MTVIVA:
Nach den sehr negativen Presseberichten gestern rudert MTV mittlerweile etwas zurück, wohl aus Angst, mit möglichen Abgängen von Sarah Kuttner und Charlotte Roche einen in Relation gesehen ähnlichen Imageschaden wie SAT.1 beim Abgang von Harald Schmidt zu erleiden.
So hieß es gestern abend sowohl von MTV, VIVA als auch von Kuttners Management, dass die Show auch 2005 wie gehabt auf VIVA laufen soll, der Produzent der Kuttner-Show soll allerdings gegenüber dem Kölner Stadtanzeiger eingeräumt haben, dass die Sendung anstatt viermal wohl nur noch zweimal pro Woche produziert werden soll.
Auch mit Charlotte Roche sollen Gespräche geführt werden, um sie weiter an die Viacom zu binden. Zudem will MTV dreimal die Woche gegen späten Abend und in der Nacht Musik spielen, die vom Mainstream abweicht.
Dennoch ist doch klar, was MTV mit dem Kauf von VIVA bezweckte. Solange es VIVA gab, war MTV gezwungen, anspruchsvollere eigene Formate für den deutschen Markt zu entwickeln, um nicht wie ein Trashsender gegenüber VIVA dazustehen. Dann ist man bei MTV wohl irgendwann auf die Idee gekommen, dass es auf Dauer billiger ist, VIVA zu kaufen und sich damit auch fast den kompletten Jamba-Werbeetat zu sichern, als teure Programme für den Konkurrenzkampf zu produzieren. Jetzt kann man fast den ganzen Tag billiges US-Trash-TV (mit einigen wenigen Ausnahmen) ausstrahlen.
Das neue VIVA-Programm kostet fast keinen Cent zusätzlich, denn zu MTV Networks gehören viele amerikanische Kabelsender wie VH-1, Nickelodeon, Comedy Central, Nick at Nite, MTV2 usw., die mehr als genügend Programm für ein halbes Dutzend Billigsender produzieren. Außerdem sind die meisten Sendungen von MTV Networks in Deutschland nicht an andere Sender lizensiert, d.h. es müssen auch keine Rechte zurückgekauft werden.
Klar ist, dass sowohl MTV als auch VIVA mit dieser neuen Programmstruktur massive Reichweitenverluste werden einstecken müssen, jedoch wird das bei einem extrem billigen Programm nichts mehr schaden.
Früher hat man sich aufgeregt, dass sich Privatfernsehen nur nach der Quote richtet, dabei war das noch das Paradies, denn heute sich richtet sich der Erfolg eines Privatsenders nur noch nach dem Shareholder Value. Bestes Beispiel ist auch ProSiebenSAT.1. Beide Sender landen einen Flop nach dem nächsten, haben massive Quotenverluste erlitten, dennoch hat ProSiebenSAT.1 ein Rekordergebnis erzielt, weil die Kosten massiver gesenkt wurden, als die Quote sank.