Zitat
Original geschrieben von noksie
OK, das ist was anderes. Man ist ja IMHO eh befreit, wenn man 'ne Ausbildug hat, oder?
Nein. Man wird nur zurückgestellt, wenn man das erste Drittel der ersten Berufsausbildung absolviert hat. Diese Zurückstellung endet mit erfolgreichem Abschluss der Ausbildung (oder des Studiums).
Erfüllt man dann die Umstände zur Wehrdienstfähigkeit (<23 Jahre, T1 oder T2) wird man i.d.R. gnadenlos "gezogen". Der BW ist es herzlich egal, dass Du einen Job in Aussicht hast. Bist Du nicht gerade z.B. im elterlichen Betrieb unentbehrlich, hast Du Deinen Wehr- oder Zivildienst anzutreten.
Heutzutage werden sowieso nur noch knapp 20% der wehrdienstfähigen Männer zum Wehrdienst herangezogen. Innerhalb dieser 20% erfolgt die Auswahl allerdings anscheinend willkürlich. Dabei wird keine Rücksicht auf die berufliche Stellung genommen, obwohl es sicher mehr Sinn machen würde, z.B. Arbeitslose oder Sozialhilfeempfänger heranzuziehen als krampfhaft neue Arbeitslose zu provozieren. In der Theorie ist es schön und gut, dass der Arbeitsplatz während des Wehrdienstes freigehalten werden muss - welcher Betrieb kann sich das in der Realität allerdings leisten?
Dass Du Totalverweigerer oder "Trickser" als unsozial bezeichnest, ist Deine ganz persönliche und ungenommene, wenn auch undifferenzierte und engstirnige Meinung. Fakt ist allerdings, dass die Verpflichtung zum "Dienst am Staate" schon lange ausgedient hat. Andere Nationen machen es erfolgreich vor, wie man eine Freiwilligen-Armee betreiben kann und auch die Sozialsysteme nicht zu kurz kommen.
Und um wieder auf "meine" Arbeitslosen und Sozialhilfeempfänger zurückzukommen: Jedem (auch Frauen) kann zugemutet werden, als Zivildienstleistende(r) die Zeit sinnvoll zu nutzen. Wer die Chance hat, heutzutage nicht in die sozialen Auffangsysteme abstürzen zu müssen, dem darf diese auch nicht durch die Wehr-/Zivildienstpflicht krampfhaft verbaut werden.
Aber die Kölner Richter beweisen erfreulicher Weise, dass wir uns anscheinend zumindest Ansatzweise auf dem richtigen Weg in Deutschland befinden.
Stefan