Zitat
Original geschrieben von Jochen
Ich glaube, Ihr redet etwas aneinander vorbei.
Stefan meint die journalistische Auskostung und die grundsätzliche Einstellung gegenüber der Staatsgewalt, die hier wieder deutlich wird.
Ich denke, sachlich liegt Ihr gar nicht so weit auseinander.
(...)
Danke, 'Erklär-Bär'-Jochen. Ich scheine mich irgendwie kompliziert auszudrücken...

Prinzipiell stimmen wir im Grundtenor alle miteinander überein. Selbstverständlich muss gerade die Polizei oder jegliche sonstige staatliche Institution als oberstes Ziel haben, Schaden von sich und dritten abzuwenden und die Umwelt nicht unnötig zu gefährden.
Dennoch muss man diesen Berufsgruppen auch normale und menschliche Fehler zugestehen. So perfekt, dass alles so gut wie in der Theorie läuft, ist kein Polizist nach auch noch so vielen Dienstjahren.
Und genau das ist mein Kritikpunkt. Kaum gibt es einen Vorfall im Kreise der Polizei, wird dies als Skandal aufgebauscht und in der Bild-Bevölkerung wird eine schlechte Meinung über die Polizei verbreitet.
Dem Tenor "Scheiss Job mit geringer Bezahlung" kann ich absolut nicht zustimmen. Polizist wird man sicher nicht, weil man nichts besseres gefunden hat, sondern weil man Polizist werden wollte. Es wird sicher niemand in diesen Beruf (oder besser diese Berufung) gezwungen. Auch verdienen Polizisten, die nicht gerade ihr ganzes Leben Streife fahren, nicht schlecht. Natürlich sind die Gehälter nicht berauschend, zu bedenken ist allerdings, dass Polizisten, wie jeder andere Beamte auch, keinerlei Sozialabgaben zu leisten haben. Ist bei einem Polizisten also z.B. die Rede von einem Bruttolohn über 2.500 €, hat er mindestens 250-350 € mehr in der Tasche als jeder andere nicht-Beamte.
Ich bin mit einem Ex-Polizisten gut befreundet, der mit Leib und Seele Polizist bei der Polizeihundestaffel war - OK, er wurde vor ein paar Jahren rausgemobbt, bekommt jetzt aber eine Rente (mit Ende 40), von der ich als Bruttolohn am Anfang meiner beruflichen Laufbahn nur träumen kann.
Polizisten sind auch nicht generell schlecht gelaunt oder pampig. So wie es in den Wald hinein schallt, so schallt es eben auch wieder hinaus. Und wenn ich täglich mit derartigen Gipsnacken umgehen müsste, die sich in der Opferrolle sehen und von den bösen "Bullen" schlecht behandelt werden, wäre ich schon lange ausgeflippt und säße wahrscheinlich im Knast. 
Von daher gebührt dieser Berufsgruppe mein Respekt, die noch ganz andere Dinge erlebt und zu verkraften hat als "Toto und Harry" oder der "Spiegel-TV-Friesen-Polizist" - ich hatte noch nie Probleme mit der Polizei und beteilige mich weiterhin nicht an derartigen Hetzjagdten.
Helge:
Meine Äusserungen waren zu keiner Zeit auf Dich oder andere Personen, sondern die Medienreaktionen und das Mitgebrülle vieler "Zeitgenossen" bezogen.
Ferner war es mir damals ziemlich scheissegal, als ein guter Kollege bei meinem Ex-Arbeitgeber von einem überholenden in der Kurve abgedrängt wurde und an einem Baum starb, ob es sich beim Unfallverursacher nun um einen Zivilisten oder Polizisten handelte. Es macht die Folgen eines Unfalles nicht besser oder schlimmer, wer der Verursacher dessen war - für die Medien ist es aber einfach "geiler" auf Polizisten zu kloppen als auf Hans Meier von Nebenan.
Aber wie heisst es so schön: "Anti ist in".
In diesem Sinne ... "Alle menschlichen Einrichtungen sind unvollkommen - am allermeisten staatliche." (Otto von Bismarck)
Stefan