Zitat
Original geschrieben von EsCab
Beamtenmentalität = Klischee
(...)
Nein - definitiv nicht. Man redet viel schlechtes über Beamte - wenn man allerdings eine Weile bei einer Behörde arbeitet, merkt man, dass es noch viel schlimmer ist.
Ich habe 8 Monate im öffentlichen Dienst verschenkt. (EDV-Abteilung) Wenn Du schon von jeher nicht mit der Beamtenmentalität (die auch ganz gewaltig unter den Angestellten herrscht) zurecht kommst, lass bloß die Finger davon! Der Durchschnitts-Beamte/Angestellte, den ich kennengelernt habe, ist die Arroganz und Selbsherrlichkeit in Person. Selbstverständlich weiss niemand so gut Bescheid wie er.
Ich kann Dir mal einen typischen Tagesablauf schildern:
08:30 Uhr: Ankunft im Büro - Kollege A hört Musik, Kollege B surft bei eBay und Kollege C "arbeitet" täglich in der selben Excel-Tabelle.
09:00 Uhr: Chefin (Beamtin und Kreis-Parteivorsitzende) kommt herein und kontrolliert mit demonstrativem Blick auf die Uhr die Vollständigkeit der Belegschaft in diesem Büro - nach erfolgreichem Abschluss, weiter ins nächste Büro. Kollege A, B, C und ich tun natürlich sehr beschäftigt.
09:10 Uhr: Kollege C besucht wie jeden Tag um die selbe Zeit die Toilette.
09:15 Uhr: Kollege C öffnet die Tür und ruft "Frühstück" und die gesamte Mannschaft (20 Personen) bewegt sich in die Kantine.
10:50 Uhr: Kurzes Frühstückspäuschen beendet.
11:30 Uhr: Anstehende Arbeiten sind aus der Datenbank selektiert, jetzt beginnt die sinnvolle Arbeit.
12:30 Uhr: Ihr ahnt es - Mahlzeit!
13:30 Uhr: Rückkehr aus Mittagspause und Treffen in Büro X zum Kaffee.
14:00 Uhr: Die sinnvolle Arbeit wird fortgesetzt und gegen 15 Uhr abgeschlossen.
15:15 Uhr: (Die 15 Minuten seit Beendigung der Arbeit wird mit eBay überbrückt) Anrufer mit Fehlermeldung am Telefon an die Hotline abgewimmelt. Nach dem Auflegen die Worte: "Jetzt brauch´ ich auch nichts mehr anfangen" in den Raum stellen.
15:30 Uhr: Die ersten Kollegen verabschieden sich in den Feierabend
16:30 Uhr: Der letzte sichtbare Kollege verlässt das Büro.
17:00 Uhr: Abteilungsleiter betritt das Büro mit den Worten: "Willst Du hier übernachten?"
Diese Beschreibung ist nicht sonderlich übertrieben - so ging es tagtäglich ab. Krankheitstage jenseits der 50 sind im Jahr normal. Irgendjemand ist eigentlich immer krank.
Zugegeben habe ich für 2 Stunden effektive Arbeit täglich, gutes Geld verdient und ich hatte genug Zeit tagsüber einkaufen oder zuhause ein Mittagsschläfchen halten zu gehen.
Nach einiger Zeit gewöhnst du Dich daran, oder es geht Dir - wie mir - gewaltig auf die Nerven. Ich habe nach 8 Monaten das Handtuch geschmissen, jetzt einen ungleich stressigeren Job mit 200 Überstunden bin allerdings wieder zufrieden.
Der Stefan...