Hallo Jochen!
Ich gehöre zwar nicht zur der Gruppe "Mitte 40 mit Teamtrikot und superteurem Zweirad", aber zur Gruppe "Radfahrer mit Radtrikot und überdurchschnittlich teurem Zweirad" und muss zu ein paar Dingen Stellung nehmen, in die Du als Nichtradsportler keinen Einblick hast oder die so einfach nicht stimmen.
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fahre aber äußerst rechts
Zuerst ein ernstgemeinter Radschlag (;)): Nicht machen, es gibt immer einen Autofahrer der einen noch weiter rüberschieben möchte und dann steht im Extremfall ein Baum im Weg. Ein halber Meter Abstand nach rechts ist legitim und durchaus vernünftig. Sicherheit geht vor.
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würde ich das Rennrad entweder durch ein gängiges Rad ergänzen oder dort eben nicht mehr fahren.
Der durchschnittliche Rennradfahrer hat mindestens noch 2 weitere Räder
Und ich möchte meine Aussage von oben noch ein bisschen erweitern: Ein Rennradfahrer ist auf vielbefahrenen und schlechten Straßen nicht freiwillig unterwegs, sondern in 99% der Fälle auf dem Weg nach Hause oder auf dem Weg zu besseren Straßen. Ich muss vor jeder Tour auch erst quer durch die Stadt und dann 10km über schlechte Straßen, bis ich auf wenig befahrenen, guten Straßen bin 
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Aber leider fallen mir ausschließlich Kerle Mitte 40 im T- Mobile- pder sonstigen Sponsoren- und Teamtrikots so negativ auf (und nicht etwa Otto- Normal- Radfahrer), die sich ein superteures Zweirad gekauft haben und die nur deshalb nicht auf dem Radweg fahren, weil man sie da schlechter mit ihrem Trikot und ihrem teuren Rennrad nicht so gut sieht (und das meine ich nicht im verkehrssicherheitstechnischen Sinne!) und weil der gute Lance ja auch mitten auf der Straße durch Frankreich fährt. Und da diese Klientel gerne in Gruppen auftritt und nicht immer nur Windschatten fahren übt, haben sie in der Form auf der Straße noch weniger verloren, als ein einzelner Fahrer und als auf dem Radweg.
In der Tat: Die Gruppe die Du beschreibst gibt es. Es wundert mich auch öfters, mit welcher Arroganz manche Leute sich im Straßenverkehr verhalten. Allerdings kommen auf 100 Radsportler vielleicht 5 von der Sorte, das ist zwar ne Menge, Pauschalisierungen gelten aber nicht.
Mit "wenn diese Klientel in Gruppen auftritt", meinst Du wahrscheinlich alle Radsportgruppen. Als Gruppe haben Radsportler jedoch ganz andere Rechte, sie gelten als ein Zug, dürfen in Zweierreihen fahren und auch eine komplette Fahrspur für sich in Anspruch nehmen - Du darfst sie getrost als ein ganzes Auto mit deutlicher Überlänge ansehen
Ich könnte Dir jetzt Links raussuchen, in welchen Fällen Radwege nicht benutzt werden müssen, bin aber echt zu müde - bei Bedarf reiche ich das gerne nach. Die Quintessenz ist aber, dass es immer ein Schlupfloch gibt, den Radweg nicht zu benutzen (nicht durchgängig, verschmutzt, zu schmal, nicht beschildert, kreuzt unmarkiert Ausfahrten usw. usf.). Aber gerade in der Gruppe werden die allermeisten Radwege auch eindeutig zu schmal, bei Gegenverkehr hat man keine Chance.
Wenn Du Windschatten fahren sagst, meinst Du wahrscheinlich die Einerreihe. Die hat sich aber als sicherheits- und kommunikationstechnisch als äußerst bedenklich herausgestellt, eine in Zweierreihe fahrende Gruppe funktioniert wesentlich besser.
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Wo ein Radweg ist, sollte er auch benutzt werden.
Nein. Ich behindere lieber ein paar Autofahrer, als mich selbst zu gefährden. Wenn der Radweg nicht sicher ist (das beinhaltet auch die Variablen mit welchem Rad ich unterwegs bin und mit wie vielen Leuten), dann benutze ich ihn nicht. Und sei ehrlich: Wie schwierig ist es, einen auf der Straße fahrenden Radfahrer zu überholen (Die absolute Superrushhour mit Dauergegenverkehr mal ausgenommen)? Richtig, es kann nerven, aber im Prinzip ist es kein Problem.
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Wenn es das Glück gibt, daß man eine Verkehrsteilnehmergruppe aus diesem Chaos herausnehmen und ihnen einen eigenen Weg geben kann, dann sollten diese diesen auch nutzen und nicht aus Eitelkeit und falschem Stolz oder auch aus sportlichen Gründen auf der Straße fahren.
Für Sport sind unsere Straßen ohnehin weder geschaffen, noch geeignet.
Du hast Recht, aus Eitelkeit und falschem Stolz sollte das auf keinen Fall geschehen und ein solches Verhalten sollte geahndet werden.
Ob das aus sportlichen Gründen geschehen darf - ich sage ja. Radfahrer haben nun mal - abgesehen von den sehr seltenen Bahnen - kein anderes Revier als den Straßenverkehr, genauso wenig wie der Jogger. Weiterhin gibt der Gesetzgeber Radsportlern (insbesondere Inhabern von Lizenzen) viele Privilegien an die Hand um seinen Sport ausüben zu können. Auch hier könnte ich dir Links an die Hand geben, bin aber noch müder als eben.
Und ja, unsere Straßen sind für Sport geeignet. Jedenfalls für Radsport, für Motorsport eher weniger. Es gibt sehr viele sehr gute, ruhige Straßen, auf denen Du im Sommer jede Menge Rennradfahrer antreffen wirst. Und wie gesagt, der Gesetzgeber legt die Grundlage für die Ausübung des Sports.
Ich habe in meiner Radkluft bis jetzt, ob allein oder in der Gruppe, bisher immer noch mehr verrückte Autofahrer (>50) als verrückte Radfahrer (2) sehen müssen. Und solange Radfahrer die Straße aus Sicherheitsgründen benutzen, habe ich damit als Autofahrer auch kein Problem.
Schöne Grüße, gute Nacht (endlich!)!
Georg