Klar, Rap ist per Definition Sprechgesang. Mir geht es aber darum, wie jemand zum Rappen gekommen ist und was er damit vermitteln will, und darüber definiere ich dann für mich, was "richtige" Hiphop-Musik ist, und was nicht. Ist natürlich eine persönliche Definition, das kann jeder etwas anders sehen. Das was Fler macht, ist ja auch Sprechgesang, also Rap, aber was will er damit ausdrücken, was ist seine Intention? Bei ihm sehe ich nur die pure Absicht, Geld zu machen, nicht etwa z.B. die Liebe an der Musik. Andere Rapper, wie z.B. Samy Deluxe oder Kool Savas, sind inzwischen auch sehr bekannt geworden und machen auch keinen Hehl daraus, dass sie mit ihrer Musik Geld verdienen wollen - aber sie rappen schon seit Langem, und wenn man sie schon von früher kennt, weiß man, dass der Grund, weshalb sie anfingen, wohl kaum das Geld machen war, selbst wenn das nun in ihren Texten vorkommt, denn allein davon handeln diese trotzdem immer noch nicht.
Und Jemandem, der ohne diese Absicht, aber mit Talent (welches ich bei Fler bspw. nicht sehe) angefangen hat und dann groß geworden ist, billige ich auch gerne, dass er mit seiner Musik nun Geld machen möchte, denn von etwas muss man ja leben, und was gibt es Schöneres, als von seinem Lieblingshobby, seiner Leidenschaft seinen Lebensunterhalt zu führen? Denn dass es eine Leidenschaft ist und nicht bloß begonnen wurde, um Geld zu machen, sehe ich für mich bspw. bei Samy Deluxe oder Kool Savas ganz deutlich, und natürlich bei vielen anderen auch, nur diese beiden wären jetzt so die bekanntesten Beispiele.
D.h. kurz und knapp gesagt: Mir geht es um den Hintergrundgedanken, um die Intention, um die Fragen: Weshalb hat dieser Künstler so viel Energie in die Musik gesteckt und was wollte er damit ausdrücken?
Allein gut produzierte Beats und finanzieller und medialer Erfolg dagegen sind für mich kein Zeichen dafür, dass jemand dies mit Überzeugung tut und u.U. seine Seele in die Musik steckt. Und es gibt ja viele Rapper, die in ihren Texten viele sinnvolle Messages oder auch persönliche Leidenserfahrungen versuchen rüberzubringen, da sind jetzt Savas oder Samy nicht die Paradebeispiele, da spreche ich von vielen mittelmäßig bekannten und völlig unbekannen Acts, denn leider ist diese Sparte von Rap - und da gebe ich dir, sope, völlig Recht: Rap hat viele Sparten, und dazu gehört leider auch dieser Aggro-Rap - eher unpopulär und kommt nur bei einer Randgruppe von Hörern gut an. Leider beanspruchen inzwischen auch noch Pseudo-deepe-Rapper wie Azad diese tiefergehende Rap-Sparte für sich, das ist eine ebenfalls traurige Entwicklung, aber man kann es wohl nicht stoppen, nur hoffen, dass dieser Trend - wie jeder Trend - bald vorbeigeht und Hiphop dadurch keinen allzu großen, dauerhaften Schaden nimmt.