Das ist ja genau meine Meinung - sie wollen die Medien und diese heizen sie u.U. sogar noch an. Das ist kritisch zu betrachten, keine Frage.
Richtig eindrucksvoll wird das, wenn Geiselnehmer noch Interviews geben oder mit ner Geisel im Arm und ner Knarre an ihrem Kopf in die Kamera grinsen. Oder eben ein Selbstmörder, der noch in die Kamera winkt, bevor er zu einem Hecht ansetzt (was überdies genau gegen seine totale Abwesenheit spricht).
Nur, die Aufgabe der Medien ist nunmal zu berichten. Und gerade in einer Großstadt passiert eben öfter mal was, bei dem auch ein Medienmensch gleich zur Stelle ist. Das läßt sich nicht verhindern; wo etwas passiert, schauen die Menschen eben hin. Noch habe ich aber das Gefühl, dass die Medien ihrer Selbstverpflichtung nachkommen und zu markante Stellen ausblenden.
Außerdem bin ich schon froh, dass wir aus Gladbeck gelernt haben und Reporter nicht mehr allzu nah an den Ort des Geschehens lassen - dies bremst zumindest mediengeile Motivationen bei Straftätern. Einen auf ner Kirche herumturnenden Menschen wird man vor Blicken in einer Großstadt aber nicht schützen können. Und folglich auch nicht vor seiner evtl. Veröffentlichung. Das weiß auch solch ein Kranker vorher; ein absolut neben der Mütze hängender Mensch klettert kaum stundenlang auf nem Dach herum.
Er hat nach Hilfe geschrien, aber es konnte ihm anscheinend keiner helfen - vielleicht, weil ihm zu diesem Zeitpunkt keiner mehr helfen konnte. Das geschieht leider viel zu oft, aber es gehört heutzuage besonders im Großstadtleben schon fast dazu.
Das Tragische ist für mich nicht der Sprung und auch nicht der Artikel mit den Bildern. Das Tragische sind die ursachen, die solche Menschen zu medienträchtigen Abgängen aber auch zum stillen Tod bewegen. Und dies sehe ich als ein Problem der Gesellschaft, über das eher nachgedacht werden sollte als über einen Bericht über einen aus dieser Vielzahl.
In einem Land, in dem sich Kinder wegen Schule oder Eltern umbringen, ist die Art der Berichterstattung nun wirklich kein Grund für Theater um die Rolle der Medien. Hier sitzen tiefere Probleme, über die die Gesellschaft nachdenken könnte. Aber jeder ist sich selbst der nächste und ich nehme mich da nicht aus. Aber ich denke, dass man auch außerhalb einschneidender Naturkatastrophen wie Hochwasser etc. das "wir" in "unserer" Gesellschaft zumindest ein Stück weit in den Vordergrund rücken können sollten. Selbstmörder zeigen überdeutlich, dass manche Menschen sich sehr weit von ihrer Umwelt entfernen - und das hat viele Gründe.