Es sind einfach Leute tot, die leben könnten. Man sollte einfach ma verhandeln, es wird höchstwahrscheinlich kein Ergebnis rauskommen, aber in der Zwischenzeit sterben keine Menschen, dadurch ist schon viel gewonnen.
Das wäre schön, wenn Verhandlungen mit einem Waffenstillstand einher gehen würden. Das ist nur leider selten der der Fall. War es schon 2022 nach dem Angriff Russlands nicht, als Russland und die Ukraine in der Türkei verhandelt haben. Russland hat währenddessen weiter angegriffen. Und in vielen anderen Kriegen und Konflikten haben Verhandlungen erst nach längerer Zeit überhaupt zu einem Waffenstillstand geführt.
Und offensichtlich erwägt Russland, wenn nur eine Teilkapitulation seitens der Ukraine. In dieser Weise ist z.B. die erfolgreiche Offensive Aserbaidschans gegen Berg-Karabach/Armenien mit einer als Waffenstillstandsabkommen benannter Teilkapitulation Bergkarachs beendet worden. Bei passender Gelegenheit (Russland war als Garantiemacht des Abkommens von 2020 weitgehend handlungsunfähig aufgrund des Krieges gegen die Ukraine) hat Aserbaidschan dann (natürlich unter Bruch des Abkommens von 2020) den Sack komplett zugemacht- zuerst Blockade der einzigen Versorgungsberbindung Bergkarabachs nach/von Armenien und dann eine erneute Militäroffensive. Bergkarabach musste kapitulieren, fast die gesamte verbliebene Bevölkerung ist nach Armenien geflohen. Und selbst jetzt wo Aserbaidschan die Kontrolle über sein gesamtes Staatsgebiet wiedererlangt hat, ist der Konflikt mit Armenien nicht beigelegt. Es steht immer noch im Raum, dass Aserbaidschan jetzt, da es offensichtlich militärisch Armenien weit überlegen ist, versuchen könnte sich Teile des südlichen armenischen Staatsgebiets einzuverleiben, um eine Landverbindung zu seiner Exklave Nachitschewan zu kontrollieren. Nicht ohne Grund empfängt das deutsche Aussenministerium gerade Besuch aus Armenien und Aserbaidschan.
Auch der Krieg im Donbas von 2014 bis 2022 hat zwei große Waffenstillstandsverträge und über zwanzig kleinere Vereinbarungen gesehen. Geführt hat es letztlich zum umfassenden Angriff Russlands auf die Ukraine. Anscheinend zu einem Zeitpunkt wo Putin glaubte, dass es schnell möglich wäre die gesamte Ukraine (oder zumindest die wesentlichen Teile inklusive Kiev, Kharkiv und Odessa) einnehmen zu können. Insofern stellt sich schon die Frage, welchen mittelfristigen Vorteil die ukrainische Bevölkerung von einem Waffenstillstand hätte, der absehbar zu einem erneuten Angriff Russlands bei ‚passender‘ Gelegenheit führen würde- egal ob die Waffenstillstandgrenze nun beim status quo, 1991 oder status quo ante 24.02.22 gezogen würde. Und die Bevölkerung in den besetzten Gebieten der Ukraine, welche offensichtlich massiver Willkür (bis zur Tötung) und der Auslöschung ukrainischer Sprache und Kultur ausgesetzt ist, sollte nicht vergessen werden.
Die Ukraine muss so oder so massiv mit Waffen aller Art beliefert werden, um sich im Krieg oder bei Waffenstillstand verteidigen und Wirtschaft und Zivilbevölkerung auch im Hinterland wirksam gegen Angriffe schützen zu können. Erst wenn die Ukraine so verteidiungsfähig ist, wird Russland vielleicht einer wirklich dauerhaften Verhandlungslösung zustimmen.