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Original geschrieben von Zeus
schmidt3
Der Großteil der Professoren würde auch sagen dass die Rente ab 65-67 die Wirtschaft schwächt denn es könnte doch einfach jeder solange arbeiten bis er körperlich nicht mehr dazu in der Lage ist.
Du verwechselst hier den Unterschied zwischen einer positiven und einer normativen Aussage. Ein Großteil der Professoren wird Dir sicherlich sagen, daß man angesichts unserer demographischen Entwicklung mit einerseits niedrigen Geburtenraten und andererseits steigender Lebenserwartung und unter Beibehaltung eines umlagefinanzierten Rentensystems die Wahl zwischen drei Alternativen bzw. einer mehr oder weniger auswogenen Kombination aus diesen Alternativen hat:
1. Man kann das Rentenniveau senken
2. Man kann den Beitragssatz erhöhen
3. Man kann das Renteneintrittsalter erhöhen
Das ist eine positive Ausage und ein simples Rechenexempel, das so vergleichweise einfach ist, daß es auch jeder nur mittelmäßig begabte Politiker seit mindestens 25 Jahren nachvollziehen kann. Jeder Politiker, der innerhalb dieses Zeitraums etwas anderes behauptet hat, war entweder saudumm oder er hat gelogen.
Nun kann man zu normativen Aussagen kommen. Das wäre z.B. die Aussage, daß das durchschnittliche Rentenniveau breits heute so vergleichsweise niedrig ist, daß man es nicht mehr sehr viel weiter senken sollte. Und man könnte sagen, daß die Beiträge zur Rentenversicherung schon heute so relativ hoch sind, daß man sie nicht mehr drastisch erhöhen sollte. Wenn man diese Meinungen teilt, dann bleibt als einziges Fazit übrig, daß man das Renteneintrittsalter erhöhen muß. Das soll nicht bedeuten, daß man das gerecht oder gut findet, sondern das heißt nur, daß man gewiße Realitäten anerkennt. Tatsächlich wird in Zukunft aber wohl jede dieser drei unschönen Alternativen Realität werden: Die realen Renten werden sinken, die Beiträge zur Rentenversicherung werden weiter steigen und das Renteneintrittsalter ebenfalls. Das ist die sichere Konsequenz einer schrumpfenden und alternden Gesellschaft.
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Original geschrieben von Zeus
schmidt3
Praktisch alle Wirtschaftsführer werden sagen der 8 Stunden Arbeitstag sei Unsinn denn sie selbst würden ja problemlos 14 Stunden arbeiten und das könnte doch jeder tun. 30 Tage Urlaub sind ihnen auch viel zuviel. 10 würden auch genügen, geht ja anderswo auch.
All diese Arbeitsicherheits- und Umweltschutzauflagen dier es hier gibt behindern auch nur die Wirtschaft. In Indien und China geht es ja schließlich auch ohne und dort wird so ein wesentlich höheres Wirtschaftswachstum erzielt als in Deutschland.
usw. usf.
Und rein ökonomisch betrachtet mag das ja auch alles richtig sein.
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In russischen Fabriken des 19.Jahrhunderts soll es angeblich Arbeitszeiten von 18 Stunden täglich und mehr gegeben haben. Daß das kein Pferd länger als ein paar Wochen ausgehalten hat liegt auf der Hand. In den USA beträgt der durchschnittliche Jahresurlaub 14 Tage, in Japan sogar nur 12. In Japan hört man allerdings zunehmend vom Phänomen des plötzlichen Tods am Arbeitsplatz infolge von Überarbeitung. Unsere (Groß)eltern haben in den Anfangsjahren der Bundesrepublik i.d.R. ihr Arbeitsleben mit einer 48-Stunden-Woche und 14 Tagen Jahresurlaub begonnen. Tatsächlich haben die meisten das einigermaßen gut überstanden. Wieviel Stunden ein Mensch täglich arbeiten kann ohne krank zu werden und wieviel Urlaub er zur Erhaltung seier Arbeitskraft benötigt ist eine medizinische Frage, keine ökonomische.
Was den mangelnden Umweltschutz in China betrifft, so sehen sich die Chinesen bereits heute mit so verheerenden Umweltschäden konfrontiert, daß Experten davon ausgehen, daß dren Kosten einen Großteil ihres beeindruckenden Wirtschaftswachstums aufzehrt.Das werden sie nicht mehr lange durchhalten können. Umweltschutzauflagen sind in der ökonomischen Theorie seit vielen Jahrzehnten unter den Stichwort der Pigou-Steuer etabliert, und zwar schon lange bevor irgend jemand etwas von den Grünen gehört hätte.
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Original geschrieben von Zeus
schmidt3
Am Ende muß man sich halt fragen wo man seine persönlichen Präferenzen setzt und in welcher Gesellschaft man leben möchte.
Am Ende muß man sich vor allen Dingen auch fragen, was man sich leisten kann. Soziale Wohltaten verursachen wie auch Maßnahmen zum Umweltschutz eben auch Kosten. Diese müssen irgendwie erwirtschaftet werden. Wenn ein ähnlich gut qualifizierter chinesischer oder indischer Informatiker für 600€ im Monat 10 Stunden am Tag mit 2 Wochen Jahresurlaub arbeitet und seine Leistungen am gleichen Weltmarkt anbietet wie ein Deutscher, dann kann der mit 35-Stunden-Woche und 6 Wochen Jahresurlaub u.U. nicht auf Dauer mithalten. Und daran könnten auch böse deutsche Kapitalisten nichts ändern, selbst wenn sie das wollten.