ZitatOriginal geschrieben von autares
Es ist ein Unterschied, ob man es sich einfach macht, oder aber den Tod von 10.000 leichtwillig in Kauf nimmt. Der Superdome galt als das sicherste Gebäude in NO. Des weiteren sollten hier alle nicht vergessen, dass es keinen Zwang zur Räumung NO gab, zumindest nicht bis vor ein paar Tagen. Du kannst die Leute nicht zwingen, die Wohnung oder das Haus zu verlassen, es handelte sich nicht um eine Zwangsräumung!
Das ist aber eben genau der Fehler, den man jetzt - zu Recht - ankreidet.
Es hat ein paar Tage vor dem Hurrikan schon die Warnung gegeben die Stadt zu verlassen, man hat also durchaus erkannt daß es dieses Mal nicht nur ein Hurrikan wie immer ist, sondern daß es dieses Mal heftiger als je zuvor kommen wird. Man ist deswegen so weit gegangen eine Evakuierung dringend anzuraten - und interessanterweise sind diejenigen, die mobilisiert waren und sich nicht stur gestellt haben, auch in der Tat aus der Stadt und damit in Sicherheit gefahren.
Wenn man also WEISS daß es katastrophal wird und eine Evakuierung die einzig sinnvolle Entscheidung ist, ist es inakzeptabel wenn "der Rest vom Schützenfest" mitten im Schadensgebiet in einem dicht gedrängten Stadion kaserniert, anstatt ebenfalls evakuiert wird.
Hier liegt also erstmal schon eine grundsätzliche Fehlentscheidung vor - ein Fehler, der sich jetzt wiederholt weil man viele der betroffenen in ein Stadion nach Houston verfrachtet, das man wohl offenbar bis November angemietet hat. Glauben die denn ernsthaft daß es dort keine Probleme geben wird? Natürlich sind die äußeren Umstände dort besser, es gibt keinen Hurrikan, keine Überschwemmung, man wird eine Versorung aufbauen. Aber es ist doch total blauäugig zu glauben daß die Leute dort, dicht gedrängt auf Luftmatrazen und Feldbetten, brav liegen bleiben ohne daß es massive Probleme gibt. Im Augenblick sind die Leute dort versorgt, haben Wasser und eine Schlafstelle, Nahrung und sind sozusagen privilegiert gegenüber den Leuten, die noch in NO eingeschlossen und gar nicht versorgt sind. In 1, 2 Wochen werden sich aber auch in Houston massive Probleme ergeben wenn man nicht anfängt sich ein Kozept zu überlegen, wie die Leute in Zukunft "bei Laune gehalten", vor allem mit Infos über ihre Zukunft und das Schicksal von Verwandten versorgt werden.
Nun zum logistischen Problem: es mag sein daß es schwierig gewesen wäre alle Leute rechtzeitig aus NO herauszubringen. Hier muß man sich aber schon fragen: warum? Warum gab es - nicht erst jetzt, sondern schon immer - kein Konzept für das Handling und Evakuierungen in einer Großschadenslage?
In D gibt es städtische Verkehrsbetriebe, Busunternehmen, die Bundeswehr, vor allem die Bahn. Der Weltjugendtag in Köln hat gezeigt daß man hunderttausende Menschen in wenigen Stunden mobilisieren konnte.
Sicherlich hatte man in NO nicht denselben Vorlauf wie in Köln beim Weltjugendtag, es gibt in den USA kein Bahnnetz wie bei uns, keine Verkehrsbetriebe nach hiesigem Vorbild. Dann muß ich aber die Frage stellen: Welche Alternative hat man in den USA vorgesehen um den Bevölkerungsschutz zu realisieren? Warum gibt es dann nicht genügend Busse, wenn andere Verkehrsmittel nicht zur Verfügung stehen?
Nun gut, die Logistik war offenbar Anfang der Woche ad hoc nicht verfügbar und der Hurrikan sollte kommen. Hätte man nicht trotzdem versuchen müssen jeden, den man noch irgendwie evakuieren kann, dann auch wirklich aus der "danger zone" herauszubringen? Selbst wenn am Ende einige übrig bleiben - aber man hätte durchaus noch ein paar tausend Leute wegbringen können.
Das ist aber ebenfalls ausgeblieben. Stattdessen durfte sich jeder stundenlang vor dem Stadion anstellen und warten bis er eingelassen wird. In dieser Zeit hätte derjenige auch abtransportiert werden können.
Ich will jetzt gar nicht weiter darauf eingehen ob das Stadion denn wirklich so geeignet war - es gibt auch Berichte nach denen das Dach von Anfang an als Schwachstelle eingestuft wurde und nicht auszuschliessen war daß es einstürzen könnte.
Aber gut, wenn man den Ort als Zufluchtsstätte auswählt - dann kann man nicht Leute mehr als 24 Stunden, bevor der Sturm kommt, schon dort auf die Plastikstühle setzen und erwarten daß die ruhig bleiben. Man muß vor allem überlegen wie man eine sanitäre Versorgung, neben einer Versorgung mit Lebensmitteln, sicherstellt!
Und ja, selbstverständlich muß es möglich sein Leute mit Zwang zu evakuieren! Gerade in Krisenfällen funktioniert nichts wenn man jedem Deppen überläßt zu tun was er will - da braucht es eine ganz klare Führung, klare Strategien, die eben gerade nicht auf Einzelinteressen Rücksicht nehmen können sondern das Bestmögliche für Viele im Auge haben müssen.
Daß man akzeptiert hat daß so viele Leute in ihren Häusern bleiben hat doch überhaupt erst dazu geführt daß ein völliges Chaos entstanden ist, weil überall Tote, Verletzte und Hilfsbedürftige herumschwirren und die Menschen nicht kanalisiert wurden und werden, sondern jeder ganz allein ums Überleben kämpfen muß. Gerade dieses hat zu der Anarchie und den Plünderungen geführt.
Anfangs mag es noch darum gegangen sein daß Gesetzlose die Gunst der Stunde nutzen wollten um sich zu bereichern, aber bald schon waren die Plünderer rechtschaffene Leute, die auf der Suche nach Lebensmitteln und Wasser waren.
Heute - nach 6 Tagen (!!!) soll ja nun der erste Hilfskonvoi angekommen sein. Darf man das denn so verstehen daß jetzt ein Konzept steht wie man New Orleans zuerst mit Überlebenswichtigem versorgt um dann ganz schnell auch die nach wie vor unumgängliche Evakuierung zu beginnen?
Oder baut man da jetzt schleppend eine Versorgung auf, um dann in weiteren 3 Tagen festzustellen daß die Leute dort nicht nur von aussen versorgt, sondern auch rausgebracht werden müssen?
Bisher hört man nicht daß es Strategien gibt wie es denn weitergehen soll, wann man NO evakuiert und wohin die Menschen gebracht werden sollen. Es wäre höchste Zeit daß man Zeltlager oder was auch immer, Notunterkünfte, organisiert. Denn ohne Unterkünfte keine Evakuierung. Und das wird man ja wohl kaum noch für weitere Wochen so lassen können.
Niemand erwartet daß man von heute auf morgen für alles eine Superlösung hat. Aber man darf schon erwarten daß es Planungen gibt, selbst wenn sich zeigen würde daß sie unvollkommen sind. Blöderweise hat man das Gefühl daß es gar nix gibt.