Mohammed Karikaturen - wie seht ihr das?

  • Kann es sein, daß du das mit Saudi-Arabien verwechselst? Da sind die Religions-Gesetze sehr streng ...


    Die Emirate wollen sich ja gerade als Tourismusgebiet etablieren und profilieren, da kann ich mir das nicht wirklich vorstellen. Muslime dürfen dort (zumindest in Abu Dhabi ist es so) ja auch keinen Alkohol kaufen, westliche Touristen schon - es wird also schon auf die "Befindlichkeiten" der Touristen eingegangen, da passt ein generelles "Bibel-Verbot" irgendwie nicht.

  • Ein sehr lesenswerter Artikel :


    http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,400035,00.html



    Ein Absatz hat mich besonders überrascht :


    "Das alles wäre ganz unproblematisch gewesen, wenn die Zeitung eine lange Tradition der Verteidigung furchtloser künstlerischer Freiheit hätte. Aber drei Jahre zuvor lehnte "Jyllands-Posten" Jesus-Karikaturen ab. Die damalige Begründung: Sie würden die Leser beleidigen. Einem Bericht des britischen "Guardian" zufolge erklärte der verantwortliche Redakteur Jens Kaiser dem Karikaturisten Christoffer Zieler damals: "Ich glaube nicht, dass die Zeichnungen den Lesern von 'Jyllands-Posten' gefallen werden. Ich denke, sie werden für einen Aufschrei sorgen. Darum werde ich sie nicht verwenden."


    Als er mit seiner ablehnenden Mail von damals konfrontiert wird, sagt Kaiser: "Es ist lächerlich, das jetzt vorzubringen. Es hat nichts zu tun mit den Mohammed-Karikaturen." Aber warum nicht? Darf man muslimische Leser beleidigen, nicht aber christliche? "Im Falle der Mohammed-Karikaturen baten wir Illustratoren um ihre Zeichnungen. Ich habe aber nicht um diese Jesus-Karikaturen gebeten", so Kaiser, "das ist der Unterschied." "




    Ebenso der Schluss :


    "Doch weder Europas wachsende innenpolitische Probleme mit religiösem Pluralismus noch die tölpische Provokation örtlicher Muslime durch eine dänische Tageszeitung erklären die ungewollte internationale Krise, mit der wir plötzlich konfrontiert sind. Offensichtlich bieten die Karikaturen den Extremisten eine große Gelegenheit: Radikale Elemente in islamischen Ländern voll innerer Zwietracht sowie Rechtsextremisten in Dänemark und Europa können Unterstützer unter den Unzufriedenen finden. Unter den Opfern sind die gemäßigten Muslime in Europa und weltweit, die nun immer mehr verwundet werden im Kreuzfeuer zwischen Fremdenfeinden und Islamisten."





    Au revoir...

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  • Da möchte ich doch aus einem Kommentar der RNZ von letzter Woche zitieren, der erschien als es noch keine brennenden Botschaften sondern "nur" Demonstrationen und Botschafterrückrufe gab:


    Zitat: "... Aber offensichtlich geht der Versuch, das kleine Dänemark in die Knie zu zwingen, jetzt erst richtig los. Denn 150000 Jemenitinnen gingen auf die Straße, mehrere arabische Botschafter nach Hause. Irgendwie wäre die "Empörung" überzeugender, wenn auch einmal 150 Jemenitinnen oder ein Botschafter gegen Geiselmord oder Selbstmordattentate auf Muslime demonstrieren würden...."



    Gruß


    Pitter

  • Zitat

    Original geschrieben von andi2511
    Außerdem scheint das Mobilisierungspotential in dieser Sache begrenzt, es gab ja auch keine nennenswerten Demonstrationen und Proteste der muslimischen Bevölkerung in Deutschland gegen die Karikaturen.


    Das wird sich allerdings morgen ändern, wobei damit noch nichts über Teilnehmerzahlen gesagt wird:

    Zitat

    Morgen sind erstmals auch in Deutschland Proteste gegen die Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen geplant. In Berlin wolle man jegliche Gewalt unterbinden, versicherte der Veranstalter SPIEGEL ONLINE. Auch in Düsseldorf sind Demos geplant.


    Wir müssen die Werte unserer Religion verteidigen, egal wo wir leben. Wir müssen Einheit zeigen", lautet der Aufruf zu der Demo. Dieser wurde heute vor mehreren Moscheen in Berlin und außerdem über einen Faxverteiler an viele Muslime in Berlin verbreitet.


    Zu gewaltsamen Ausschreitungen soll es jedoch nicht kommen. "Wir wollen friedlich demonstrieren und werden alles dafür tun, das keine Gewalttäter kommen werden", sagte der Anmelder Ercan Alagöz zu SPIEGEL ONLINE. Der in Deutschland geborene Türke hatte die Demo diese Woche angemeldet. "Wir wollen gegen die Schmähung des Propheten demonstrieren", sagte er, "und gleichzeitig für die Pressefreiheit". Die Frage der Veröffentlichung sei vielmehr eine des Respekts und nicht der Zensur, so Alagöz.


    http://www.spiegel.de/politik/…and/0,1518,400140,00.html


    Genau hier taucht dann wiederum die Frage auf, warum die Werte nicht auch mal gegen diejenigen verteidigt werden, die im Namen der Religion Terror verüben und Unschuldige töten bzw. sich zu Gewalteskalationen hinreißen lassen?


    Das solche Demonstration in Syrien, Iran & Friends ausgeschlossen sind und anti-westliche Kundgebungen von den jeweiligen Regimen instrumentalisiert sind, steht außer Frage - es geht bei meiner Kritik alleine um die Muslime in Westeuropa.

    Chuck Norris liest keine Bücher: Er starrt sie so lange an, bis sie ihm freiwillig sagen, was er wissen will.

  • Zitat

    es geht bei meiner Kritik alleine um die Muslime in Westeuropa.


    Das versuche ich ja auch die ganze Zeit hier rüberzubringen. Wo sind die Muslime die eine Demonstration anmelden wo es heisst "Stopt die Gewalt gegen unsere unbeteiligten Gastländer". Oder besser noch eine Demonstration mit "Islam ist Friede" Stopt die Gewalt. Einfach mal ein Signal an die Länder schicken die es anders machen und die Religion Islam an sich in Verruf bringen. Seiner Wahlheimat einfach zeigen das man mit den morden und brandschatzen nichts zu tun hat und die Religion auch friedlich leben kann.


    Liebe Moslems man kann auch anders auf seine Anliegen aufmerksam machen. Da brauch man kein Sprengstoffgürtel oder AK-47 in der Hand.


    Statt sich nur Gedanken zu machen wie Mohammeds Ehre wieder hergestellt wird solltet Ihr vielleicht überlegen wie das Bild des friedlichen Islam hier bei den Bürgern wieder Oberhand bekommt.


    Den der Prophet lebte vor über 1200 Jahre. Aber Ihr lebt im hier und heute. Und wenn heute und in Zukunft Moslem und Christ friedlich miteinander oder nebeneinander leben sollen bedarf es auch etwas mehr Courage die Gewalt zu verurteilen. Wer schweigt duldet diesen Terror oder symphatisiert Ihn.

  • Zitat

    Original geschrieben von IGGY
    Wer schweigt duldet diesen Terror oder symphatisiert Ihn.


    Das ist eine perfide Rhetorik, die eine Beweislastumkehr zur Grundlage hat und in einer Linie mit der "wer nicht für uns ist, ist gegen uns"-Sprüche steht.


    Wenn diese Logik funktionieren würde, dann gäbe es verdammt viel, mit dem ich implizt und stillschweigend sympathisieren würde und du schätzungsweise auch. Hast du gegen die Folterskandale in den alliierten Gefängnissen im Irak und Co. demonstriert? Ich nicht. Sympathisiere ich deswegen damit?


    Wie gesagt: es wäre ein schönes Zeichen, wenn sich die klaren Signale der Verbände auch in größeren Kundgebungen niederschlagen würden, aber ich finde es auch grundlegend falsch, sich jetzt hinzustellen und von den Moslems Vorleistung zu verlangen: solange ihr nicht dagegen demonstriert, gehe ich davon aus, daß ihr doch alles verkappte Terroristen seid oder mindestens doch mit den Ausschreitungen heimlich sympathisiert. ;)


  • Anscheinend bist du bei diesem Thema voll in deinem Element :rolleyes:

  • @No5


    Wie gesagt ich stammt vom Balkan ab. Da ist der Krieg zwischen Christen und Moslems gar nicht so lang her. Daher verfolgt unser einer dieses Geschehen vielleicht etwas empfänglicher und interessierter wie der Otto-Normal Bürger.


    andi2511


    Ich unterstelle Ihnen gar nichts. Wir leben in einem freien Staat. Wie du schon sagtest es wäre eine nette Geste der Völkerverständigung gewesen.


    Weil selbst wenn Sie noch von zig Staaten eine Entschuldigung bekommen. Es rechfertigt nicht die Gewalt und die die jetzt geschockt von den Bildern sind werden bestimmt nicht ein besseres Bild von der Religion bekommen.


    Um dieses zu beheben wären Demos die dazu dienen Vorurteile abzubauen in meinen Augen sinvoller wie für eine Entschuldigung zu demonstrieren die schon längst geschehen ist.

  • Ach IGGY, letztes Jahr haben über 20.000 Moslems in Köln für Frieden und gegen Terror demonstriert, und weiß du was ich danach wieder nur gehört habe? Es wurde nur daran rumgekrittelt, warum das ja eigentlich nur Scharade war für den EU-Beitritt der Türkei, und das wir das ja eigentlich gar nicht ernst meinen würden und noch ein dutzend anderer Gründe was man alles hätte anders und besser machen müssen, denn so wie es war, wäre es ja eher dürftig gewesen und es würde nichts bedeuten. Und es sei viel zu spät. Und unsereins solle besser Deutsch lernen usw. usw.


    Meiner Erfahrungg nach ist diese Forderungshaltung und "ihr müßtet mal dies und jenes machen; Ihr müßtet mal demonstrieren" nur eine vordergründige, rhetorische Ausrede um die eigenen Vorurteile besser rechtfertigen zu können.

    "That's not a hair question. I'm sorry." - 01/31/07 - Never forget!

  • Sencer


    Ja viele Leute haben Angst vor einem EU-Beitritt der Türkei. Den Sie kennen nur die türkische Bevölkerung die durch Kopftuch und negativ Schlagzeilen auffallen. Ich bin wort wörtlich mit Türken hier im Viertel aufgewachsen. Sie waren meine besten Freunde.


    Dennoch musste ich eines fest stellen. Das diese Leute vor 30 Jahren hier rüberkamen. In Ihrem denken hat sich nichts verändert. Sie leben und geben ihre alten Traditionen weiter. Leben teilweise eigene Interpretationen der türkischen Kultur aus. Vergessen aber das auch die Türkei sich in der Zwischenzeit weiterentwickelt.


    Ich war in der Türkei schon mehrfach nicht zum Touristenurlaub sondern zu Besuch. Kommt drauf an wo man ist Teile wie Izmir und Istanbul sind voll auf europäischer Höhe. Die Leute sind modern, die Mädels westlich gekleidet, Studentenpartys us.w. Da könnte sich manch ein Europäer eine Scheibe abschneiden.


    Aber es gibt auch diese ländlichen Gegenden wie z.B. Afyon. Die meisten Gastarbeiter stammen dort aus ärmlichen Verhältnissen. Dort gelandet fühlt man sich noch Meilenweit von der EU-entfernt. Diese sind es aber die zum grösstenteil das Bild des von dem in deutschland lebenden Türken wiedergeben.


    Das sind die Ängste der normalen Bevölkerung. Es kommen aber noch wirtschaftliche und politische hinzu.


    Die Türkei ist eines der führenden Textilproduzenten der Welt. Wie hoch wäre der volkswirtschaftliche Schaden durch die ganzen Imitate. Was passiert mit dem ganzen östlichen Teil der Türkei, wo es ausser Steine und Gebirge nix gibt. Wird die Bevölkerung sich dann als EU-Bürger in Deutschland usw. niederlassen. Was passiert mit den Kurden. Werden die sich nach Europa machen weil sie im Osten der Türkei eh nix zu beissen haben. Wird die türkische Polizei keine Gewalt mehr anwenden und Menschenrechte wahren. Könnte die Fragen endlos ausweiten.


    Also du siehst es ist nicht nur eine Forderungshaltung sondern ein gewisses Konzept dahinter um Europa mit Ihren Kulturen auch friedlich zusammen zu führen. Es bringt nix Länder mit an Bord zu holen die selbst noch genug Probleme haben.


    Den eigentlich sollte dem Westen viel an einem Beitritt der Türkei liegen, somit wäre nämlich das Vorurteil es gebe keinen Platz für Moslems in der Eu-wiederlegt. Auch den Fundamentalisten würde man das Wind aus den Segeln nehmen, da der westen ein islamisches Mitglied in Ihre Reihen aufnehmen würde.


    Und da die Türkei den Antrag auf Eu-Beitritt gestellt hat, ist es wohl verständlich das die EU Forderungen hat. Die hat man in jedem Beruf auch, wenn eine Mindestvorrausetzung verlangt wird um dieser Aufgabe gewachsen zu sein.

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