Ist die Türkei ein Teil Europas und/oder soll sie irgendwann in die EU?

  • Zitat

    Original geschrieben von autares
    Die Franzosen stellen aber auch die einzige Ausnahme dar. Ich will hier auch gar nicht bewerten, ob das gut oder schlecht ist. Ich widerspreche dir nur in dem Punkt, dass Westeuropa mehr historische Paralöelen zu Russland als zu den USA aufweist.

    Das steht und fällt letztlich mit der Definition des Begriffes "historisch". Wenn man nur die Generation der jetzt Erwachsenen betrachtet, dann hast du (auf Deutschland bezogen) vermutlich recht. Ansonsten sehe ich das eher wie Frank.

  • Zitat

    Original geschrieben von CK-187
    Gerade im europäischen Süden orientiert man sich langsam wieder an den eigenen Werten. Die "Amerikanisierung" nimmt wieder ab und sie ist auch nirgends so fortgeschritten wie hier. ;)


    ....da frag mal die Engländer, Iren, Niederländer, Schweden, Dänen, ...

  • Zitat

    Original geschrieben von rasputin
    Das steht und fällt letztlich mit der Definition des Begriffes "historisch". Wenn man nur die Generation der jetzt Erwachsenen betrachtet, dann hast du (auf Deutschland bezogen) vermutlich recht. Ansonsten sehe ich das eher wie Frank.


    Sorry. Aber selbst auf Deutschland bezogen reichen die kulturellen Parallelen deutlich weiter zurück als die letzte Generation der Erwachsenen. Ich kann im gesamten US-amerikanischen Raum keine Stadt mit russischen Namen erkennen. Es ist wohl vielmehr eine Frage, was man als "kulturelle Parallelen" definiert als den Begriff "historisch". Nochmal: 3/4 der Amerikaner stammen von Europäern ab. Da sollte die "historische Parallele" unbestreitbar sein.

  • Zitat

    Original geschrieben von autares
    Ich kann im gesamten US-amerikanischen Raum keine Stadt mit russischen Namen erkennen.

    Dass du hier falsch liegst, hast du inzwischen ja erkannt. Klar, es gibt in den USA in wahnsinnig vielen Fällen europäische Stadtnamen - u.a. weil die USA keinen so wahnsinnig großen historischen Hintergrund haben. Es gibt sie einfach im Vergleich noch nicht lange - es sind quasi "die jungen Wilden" :D


    Zitat

    Nochmal: 3/4 der Amerikaner stammen von Europäern ab.

    3/4 der Bevölkerung Russlands leben in Europa. Ganz so klar, wie du es darstellst, ist es eben einfach nicht. Im Bewusstsein der Menschen spielen die USA bei weitem keine so große Rolle, wie es häufig dargestellt wird.

  • Kannst du eigentlich auch Beispiele nennen, dass es nicht so ist? Wenn ich mich z.B. in den Schulen umgucke, sind da inzwischen ziemlich viele Kinder namens Ashley, David (wohlgemerkt Englisch ausgesprochen) und Jeremy. Wenn ich durch die Strassen gehe, sehe ich ziemlich viel Subway, Hostels und gerade nach Weihnachten den "Sale" mit "50% off". Im Fernsehen laufen ziemlich viele amerikanische Serien und der Slogan eines Senders lautet nicht etwas "wir lieben es, Euch zu unterhalten", sondern das englische Pemdant dazu.


    Diese Liste könnte ich fast unendlich fortsetzen. Wahrscheinlich hast du aber recht: das ganze wird einfach nicht mehr bewusst wahrgenommen, weil wir uns daran gewöhnt haben.

  • Zitat

    Original geschrieben von Timba69
    Wenn wir die letzten 80 Jahre betrachten, sicherlich nicht. Danach sieht die Lage anders aus. Die Frage ist, wie man solch kurze (bzw. lange) Zeitabschnitte bewertet.


    Das ist eben der entscheidende Punkt.


    Kulturelle Gegebenheiten, wie sie thematisiert wurden, reichen weiter zurück als eine Generation. Es kommt halt darauf an, wie tief die Gemeinsamkeiten (noch) verwurzelt sind. Insbesondere nach dem Fall des eisernen Vorhangs lassen viele Osteuropäer von (aufgezwungenen) Werten ab, die sie nie wirklich verinnerlicht hatten.


    Die Renaissance der repressierten Kirchen ist nur ein Beispiel. Die politischen Vorgänge in der Ukraine zeigen m.E., dass die Völker europäischer sind, als ihre Regierungen es wahrhaben wollen. Der Prozess des Umbruchs ist mitten im Gange und wird in Ländern wie Russland und Weißrussland nach Abdankung gegenwärtiger Präsidenten erst noch richtig beginnen.


    Die USA könnten schneller isoliert dastehen, als man es sich heute vorstellen kann. Russland (im Kern) und die Ukraine gehören aus meiner Sicht (immer noch) zu Europa.

  • Bei allen Argumenten die hier genannt werden, finde ich es spannend warum ausgerechnet bei der Türkei eine so differenzierte Diskussion stattfindet.
    Es werden viele Gründe vorgeschoben, die dagegen sprechen wie bsp. geographische Zuordnung und verschiedene Mentalität.


    Bisher wurden so gut wie kommentarlos die meisten Beitrittskandidaten geschluckt.
    Rumänien als Armenhaus? Kein Problem.
    Kroatien als Pulverfass? Kein Problem.
    Türkei als 6.wichtigster EU Handelspartner? Ein Problem.


    Wie würde eine Volksabstimmung zum türkischen Beitritt ausgehen?
    Das einzig spannende am Ergebnis wäre wohl, ob 80% Gegenstimmen oder 90% Gegenstimmen erreicht werden...


    Woher kommt die Skepsis? Ich tippe auf zwei Faktoren:
    a.) Islam als Religion. Damit ist nicht der extremistische Flügel gemeint - den jede andere Religion auch hat - sondern die Erfahrung aus dem Alltag.
    Also ist nicht die Religion als solche gemeint (!), sondern wie Moslems im Alltag wahrgenommen werden.
    Gespräche beginnen meist damit, das der Islam eigentlich eine sehr friedliche Religion sei, und enden leider in einer Ausschüttung an Argumenten, weshalb die eine Religion besser als die andere sein soll.
    Das nervt unerbittlich, schon x-mal miterlebt.
    Wenn man Akzeptanz erwartet, sollte man ebenso andere Denkweisen nicht herabstufen.


    Das Bild der Frau bzw. der freiheitliche Gedanke kann es jedenfalls nicht sein, da vieles hier in Deutschland genauso schlecht läuft.


    b.) türkischstämmige Deutsche. Was alles falsch gelaufen ist und welche Probleme das mit sich zieht wurde schon zig mal durchgekaut. Vieles wird leider auch auf die Türken projeziert, obwohl es sich um Albaner, Libanesen etc. handelt.
    In dem Zusammenhang sollte man nicht vergessen, das es sich bei den Auswanderern um Personen handelt, die in ihrer Heimat meist keine Chance gehabt hätten ("Bildungsfern" als Stichwort, auch wenn es abwertend klingen mag).
    Sobald die Probleme politisch aufgezeigt werden, kommen entweder Beispiele von erfolgreichen Türken bzw. von solchen, die es geschafft haben - oder die braune Keule. In beiden Fällen wird die Diskussion somit im Keim erstickt. Leider, denn die jetzige Situation ist für beide Seiten nicht zufriedenstellend.
    Grundsätzlich haben viele Bürger ein Problem damit, wenn sich Immigranten nicht assimilieren wollen. Wenn Zuwanderer eines Landes also nicht in der Masse untergehen.
    In den Staaten sinds die Mexikaner, in Frankreich sinds die Afrikaner, in England sinds die Inder etc.
    Fast jedes Land hat Minderheiten, die überhaupt nicht auffallen. Dennoch gibt es Minderheiten, die als problematisch wahrgenommen werden. Warum?


    Ich erhoffe mir von der Regierung eine lebhaftere und damit lebensnährere Diskussion. Das Thema muss endlich mit neuem Mut aufgegriffen werden.


    Zurück zur Türkei: den jetzigen Status halte ich für richtig. Im Moment reicht es noch nicht zum Beitritt, aber irgentwann wird die Türkei ein wichtiger Partner werden. Nicht nur wirtschaftlich wie es im Moment ist, sondern als Vermittler zwischen Orient und Okzident.



    - ein bekennender "rotgrüner Gutmensch" -

    Dieser Account ist nicht mehr aktiv.

  • Zitat

    Original geschrieben von bochumer-22
    Bisher wurden so gut wie kommentarlos die meisten Beitrittskandidaten geschluckt.
    Rumänien als Armenhaus? Kein Problem.
    Kroatien als Pulverfass? Kein Problem.
    Türkei als 6.wichtigster EU Handelspartner? Ein Problem.


    Ich glaube das siehst Du etwas verkehrt.


    a) sicherlich wären hier einige genauso gegen den Beitritt von Rumänien gewesen, allerdings gab es damals nicht so große Berührungspunkte zwischen Rumänen und Deutschen wie zwischen Türken und Deutschen (siehe Anzahl der in Dtl. lebenden Ausländer, da sind Leute mit Migrationshintergrund nicht mal mit bei).
    b) sehe ich Kroatien nicht als Pulverfass. Es ist dort seit Jahren ruhig und viele Deutsche machen dort Urlaub. Ob die Voraussetzungen für den Beitritt von Kroatien wirklich erfüllt waren, kann ich derzeit nicht beurteilen. Schließlich gab es da mit Bulgarien und Rumänien ja auch Kandidaten, die bei objektiver Betrachtung (Korruption, etc.) wahrscheinlich nicht aufgenommen worden wären.


    Allein die derzeitige Position der Türkei gegenüber Syrien (durchlassen von Extremisten nach Syrien) spricht schon für sich.

    Vor dem Fragen - bei https://www.prepaid-wiki.de nachschlagen!

    Kontaktformular
    Nutzer von: Moto g55 | ginlo + Threema| GMX ProMail| C24 + AmEx + DKB + Sparkasse | Fax: simple-fax.de |Internet: Vodafone Smart XL 90_GB für rechnerisch 14,66_€/Monat | Mobilfunk: CallYa Allnet Flat M(50_GB im Vodafone-Netz
    + SMS&Sprach-Flat für 14,99_€/28 Tage)

Jetzt mitmachen!

Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!