Günther Oettingers Trauerrede

  • http://www.achgut.com/dadgdx/i…ztes_zur_sache_filbinger/http://www.achgut.com/dadgdx/i…ztes_zur_sache_filbinger/


    Aussschnitt:


    "Filbingers Verteidiger, wie Günter Gillesen, argumentieren, Filbinger habe nicht anders gekonnt, als der Anweisung des Gerichtsherrn, als Ankläger die Todesstrafe für Glöger zu fordern, Folge zu leisten. Andernfalls sei er selbst erschossen worden.


    Der Militärhistoriker Manfred Messerschmidt bezeichnet diese Deutung als “vollkommenen Quatsch”. Filbinger hätte im Falle einer Weigerung höchstens die Strafversetzung, allenfalls ein Disziplinarverfahren fürchten müssen, keineswegs schlimmeres. Es gebe zahlreiche Fälle, in denen Richter und Ankläger in ähnlichen Fällen entsprechenden Weisungen nicht Folge leisteten und die Todesstrafe nicht verhängten, und denen sei nichts geschehen, so Messerschmidt."

  • Es tut aber nichts zur Sache weil es schließlich kein Nazi-Vergehen war die Todesstrafe für einen Deserteur zu fordern. Die Todesstrafe war damals - und ist in vielen Ländern bis heute - eine akzeptierte Bestrafung für gewisse Taten, und Desertation gehörte im damaligen Deutschland dazu.


    Ich habe zwar auch ein moralisches Problem damit und lehne die Todesstrafe kathegorisch ab, nur wurde der Angeklagte Gröger damals nicht wegen seiner jüdischen Abstammung etc. umgebracht, sondern aufgrund eines strafbewehrten Vergehens, das es so in zahlreichen Ländern gab und gibt, hingerichtet.
    Man kann von der Todesstrafe halten was man will, aber es wäre nicht korrekt den damaligen Vorfall als Nazi-Verbrechen hinzustellen - weil das war es nicht.


    Also welchen Vorwurf kann man Filbinger nun machen? Sicher ist das nicht gerade toll und stellt auch mich vor ein Problem mich einem Menschen zu nähern, der maßgeblich an einem Todesurteil beteiligt ist/war. Aber dieses Urteil war schließlich kein Nazi-Unrecht. Deswegen ist das auch kein gutes Argument um Filbinger als Nazi hinzustellen. Und doch wird es jetzt überall so hingedreht als habe er sich hier der Teilnahme an einer Nazi-Greueltat schuldig gemacht.

    Ich dachte immer es sei technisch unmöglich mit jemandem Sex zu haben, der Dörte heißt...

  • Du raffst es einfach nicht, oder? Die Wehrmacht war keine Armee, wie jede andere. Nazi-Deutschland hat Vernichtungs- und Eroberungsfeldzüge geführt. Ich finde Deine Ausführungen ziemlich abgefahren angesichts dieser Tatsache!

  • Zitat

    Original geschrieben von Printus
    Ich habe zwar auch ein moralisches Problem damit und lehne die Todesstrafe kathegorisch ab, nur wurde der Angeklagte Gröger damals nicht wegen seiner jüdischen Abstammung etc. umgebracht, sondern aufgrund eines strafbewehrten Vergehens, das es so in zahlreichen Ländern gab und gibt, hingerichtet.
    Man kann von der Todesstrafe halten was man will, aber es wäre nicht korrekt den damaligen Vorfall als Nazi-Verbrechen hinzustellen - weil das war es nicht.


    Das halte ich für eine gewagte These. Schau doch im Wikipediaartikel mal den Abschnitt zur USA im 2. Weltkrieg: "Während des Zweiten Weltkrieges wurden über 21.000 Angehörige der US-Armee wegen Fahnenflucht verurteilt, von denen jedoch nur über 49 das Todesurteil verhängt wurde. Tatsächlich wurde nur Eddie Slovik auch hingerichtet."
    Dagegen "Die NS-Militärjustiz fällte laut Hochrechnungen etwa 23.000 Todesurteile, davon wurden etwa 15.000 auch vollstreckt. Insgesamt sind etwa 350.000 bis 400.000 Soldaten desertiert (inklusive freiwillige Gefangennahme gegen Kriegsende)."


    Nach den Angaben wäre das Verhältnis 1:400 (USA) gegen 1:20 (D) bei den Todesurteilen (noch freundlich für D gerechnet). Da ist der ideologische Hintergrund -finde ich- recht offensichtlich.
    Und sich auf das vielzitierte "Was damals Recht war, kann heute nicht Unrecht sein." zurückzuziehen, wäre ja genau der Kern des Problems bzw. der Kritik.

  • Das mag ja alles sein, aber es geht doch hier um die PERSÖNLICHE Schuld von Filbinger. Wie die Wehrmacht zu beurteilen ist oder wie die USA mit irgendwelchen Dingen umging ist zwar auch interessant, spielt aber keine Rolle im Hinblick auf die Bewertung der Schuld, die das Individuum Filbinger auf sich geladen hat.


    Und der hat nur das getan, was er gemäß seines Jobs tun "mußte". Sicher, er hätte theoretisch die Chance gehabt sich zu drücken und vielleicht hätte es keine Folgen für ihn gehabt. Vielleicht aber doch... Ich weiß es nicht, und die ganzen Schlaumeier haben es jetzt auch leicht im Nachhinein anhand einer Statistik nachzuweisen dass ihm bei einer Weigerung nichts passiert wäre weil soundsoviel anderen auch nichts passiert ist. Wußte Filbinger damals von der Statistik? Hatte der subjektiv das Gefühl es anders machen zu können? In anderen Fällen hat er die Todesstrafe für Leute verschleppt, vielleicht sah er in diesem Fall keine andere Chance?


    Ich finde dass viele hier es sich verdammt leicht machen aus unserer bequemen Position heraus zu behaupten dass er ein böser Mitläufer war. Sicher, er war ein Mitläufer, das ist auch nicht toll, besser wäre es anders gewesen usw. usw. usw., nur glaube ich dass ganz, ganz viele von uns an seiner Stelle auch den Kopf eingezogen hätten.


    Wir heute haben einfach Glück nicht in so einer Scheiß-Zeit gelebt zu haben und nicht vor solchen moralischen Entscheidungen und Problemen zu stehen. Wäre es aber so würden wir genauso massenhaft mitlaufen wie die Leute damals. Oder vielleicht wären wir jetzt ein wenig schlauer weil wir das damalige Negativbeispiel kennen, aber so generell sind wir keine besseren und schlaueren Menschen als die, die damals lebten.


    Und das stört mich so ein wenig. Dass hier jeder, der nie in einer Diktatur, wo Menschenleben nichts zählten, leben mußte, aber ganz weit die Klappe aufmacht und erzählt dass man sich doch hätte wehren müssen.


    Stellt euch wirklich mal vor wie die Verhältnisse waren und ob ihr, ganz ehrlich, unter den Bedingungen auch noch alle die Klappe weit auf gemacht hättet. Das glaube ich nämlich nicht.


    Lange Rede, wenig Sinn. Dass Filbinger ein Mitläufer war und somit auch das System unterstützt hat, zumindest nichts dagegen unternommen hat, ist ja unstrittig.
    Dass Oettinger es anders dargestellt hat ist auch klar. Also was ist jetzt daran noch unklar?


    Man kann jetzt zu unterschiedlichen Beurteilungen der Schwere kommen. Da gestehe ich jedem seine persönliche Sichtweise zu. Aber bitte bleibt freundlich... ne Marian...

    Ich dachte immer es sei technisch unmöglich mit jemandem Sex zu haben, der Dörte heißt...

  • Printus


    Stimme deine Beitrag zu 100% zu. er ist einfach perfekt auf den Punkt gebracht! :top:


    Ich bin in der glücklichen Lage noch "Zeitzeugen" aus der Familie und dem Bekanntenkreis zu haben. Der Tenor ist eigentlich immer gleich: Man konnte im dritten Reich entweder abhauen, sofern man das notwendige Geld hatte, und das hatten eigentlich die wenigsten, oder man "passte" sich dem Regime an und teilte derren Überzeugung.


    Wir sollten das dritte Reich nicht durch die Brille unserer "Informaitionsgesellschaft" sehen, denn heute mit damals vergleichen ist nicht möglich!

  • Was ist denn mit denen die es mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren konnten sich in das NS-System zu integrieren und als Folge ins KZ kamen?


    Was unterscheidet diese denn von all den anderen die einfach, wie VFBler sagt, angebliche keine Wahl hatten?

  • Zitat

    Original geschrieben von Printus
    Und der hat nur das getan, was er gemäß seines Jobs tun "mußte". Sicher, er hätte theoretisch die Chance gehabt sich zu drücken und vielleicht hätte es keine Folgen für ihn gehabt. Vielleicht aber doch...


    Nun etwas extremer könnte man mit gleicher Argumentation aber auch sagen, daß Freisler nur seinen Job gemacht hat bzw. machen musste.
    Zumindest ist jemand nicht so einfach Richter geworden, wie man zur Wehrmacht gezogen wurde.


    Zitat


    Ich weiß es nicht, und die ganzen Schlaumeier haben es jetzt auch leicht im Nachhinein anhand einer Statistik nachzuweisen dass ihm bei einer Weigerung nichts passiert wäre weil soundsoviel anderen auch nichts passiert ist. Wußte Filbinger damals von der Statistik? Hatte der subjektiv das Gefühl es anders machen zu können? In anderen Fällen hat er die Todesstrafe für Leute verschleppt, vielleicht sah er in diesem Fall keine andere Chance?


    Der wesentliche Punkt ist in diesem Fall ist -meiner Ansicht nach- auch nicht was Filbinger getan hat (und ob er ggf. Alternativen hatte etc pp), sondern wie er sich im Nachhinein dazu gestellt hat bzw. wie andere sein Handeln beurteilen.
    Und da kann man mit gutem Grund das momentan auch vielzitierte "Er (der Angeklagte) sah voraus, dass nun das Unheil für uns alle unabwendbar geworden sei und versuchte, für seine Person möglichst günstig wegzukommen." aus einer Urteilsbegründung nach der Kapitulation als Maßstab anlegen.
    Oder anders gesagt es geht nicht nur um 'persönliche Schuld' (wobei 'Schuld' viele verschiedene Dimensionen -rechtlich, moralisch, religiös- haben kann.), sondern vorallem um (politische) Verantwortung.

  • Zitat

    Original geschrieben von AdministratorDr
    Was ist denn mit denen die es mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren konnten sich in das NS-System zu integrieren und als Folge ins KZ kamen?


    Was unterscheidet diese denn von all den anderen die einfach, wie VFBler sagt, angebliche keine Wahl hatten?


    Du musst Dich einfach mal versuchen in diese Zeit zu versetzten. Wenn Du dich geweigert hast und bist ins KZ gekommen, warste eigentlich schon so gut wie tot. Wer will das schon ? Ich glaube niemandem der _heutzutage_ sagt "ich nehme lieber den Tod in Kauf als gegen mein Gewissen zu entscheiden!" (Ausser es sind ausgebildete Soldaten).


    Zum Glück sind wir heute in einer Lage wo so was eigentlich nicht mehr passieren kann und ich Entscheidungen treffen kann die nicht zwangläufig zum Tode führen. Ich bin gott froh nicht zu Nazi Zeiten gelebt haben zu müssen.

  • Zitat

    Du musst Dich einfach mal versuchen in diese Zeit zu versetzten. Wenn Du dich geweigert hast und bist ins KZ gekommen, warste eigentlich schon so gut wie tot. Wer will das schon ?


    Es geht sich nicht ums hineinversetzen sondern um die Realität. Es gab eine ganze Menge, die lieber den Tod in Kauf genommen haben, anstatt als Soldat im Krieg andere umzubringen. Dazu gehört meiner Meinung nach eine Menge Courage!

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