Die Bahn streikt und Deutschland steht still

  • Zitat

    Original geschrieben von Boogieman
    Die wichtigste und globalere Frage ist aber:


    5) Warum greift der Staat nicht endlich ein? Nicht nur im Bahnkonflikt, sondern generell in die Ausbeutung des Arbeitnehmers.


    Weil er es gar nicht kann?


    Denn das wäre ein Verstoß gegen die im Grundgesetz verankerte Tarifautonimie.

  • Hallo Leute,
    ich mache es mal relativ kurz. Ich bin jeden Tag 7 Stunden mit der Bahn unterwegs um zu meinem Arbeitsplatz zu kommen (meine Arbeit hat ungefaehr das Gehaltsniveau der Lokfuehrer).
    Allerdings stehe ich hinter den Streikenden, da ich genau weiss, wie ist ist, von solchen Gehaeltern zu leben. Klar, haette einen anderen Beruf erlernen koennen, aber ich liebe ihn und mache ihn aus Ueberzeugung.


    Aber meiner Meinung ist das wichtigste Argument fuer den Streik das folgende:
    Wir leben in einer Demokratie und Arbeitnehmer haben das Recht zu streiken. Basta! Dabei ist es unerheblich, ob uns der Streik gefaellt oder nicht.
    Oder mal ganz polemisch gefragt: Moechte evtl. jemand Zustaendwie in manch anderen Laendern, in denen die Armee ausrueckt, um einen Streik zu beenden?


    Liebe Gruesse und schoenen Sonntag
    Tom


    Geschrieben auf dem P1 in der RB Mannheim-Mainz

  • Zitat

    Original geschrieben von raix
    Man steigt doch immer hoch in eine Verhandlung ein, damit man sich runterhandeln lassen kann aber trotzdem sein Ziel bekommt.

    Nur: Man sollte realistisch einsteigen, sonst gibt's einen Tritt in den Arsch und es hat sich. 30% sind nicht realistisch, nicht einmal annähernd.


    Wenn ich in einen Handyladen gehe, unverschämt auftrete und ein freies N95 für 200 EUR will, dann fliege ich in hohem Bogen raus und kann mich da nie wieder blicken lassen.

    Sie nannten ihn Trollfütterer.

  • Zitat

    Original geschrieben von bambi05
    Nur: Man sollte realistisch einsteigen, sonst gibt's einen Tritt in den Arsch und es hat sich. 30% sind nicht realistisch, nicht einmal annähernd.


    Wieso zitierst du von raix nicht die Erklärung mit wie die 30% zu sehen sind? Willst du es nicht verstehen?

    "Wer denkt, er kommt morgen mit seinem Wissen von heute weiter, ist übermorgen schon von gestern."

  • 30 % mögen nicht realistisch sein, aber sie sind definitiv angemessen und gerecht.
    Der Lokführer, der freundlicherweise weiter oben ein paar Zahlen nannte, käme bei jetzigen 2050 € auf 2665 €. Nach 10 Jahren, mit so einer Verantwortung, bei den Schichten meiner Meinung nach immer noch zu wenig!


    @ Chicken: Auch das Grundgesetz läßt sich IMHO mit entsprechender Mehrheit ändern. Aber wir reden hier nicht nur über ungelegte Eier, sondern über Eier, die nie gelegt werden können, weil unsere Politiker ein lobbyistischer Haufen ist und es wahrscheinlich nicht mal zu solchen Vorschlägen kommen wird.
    Um noch eine kleine OT-Idee zu bringen: Gehälter sowohl der Angestellten, als auch der Chefs am Unternehmensumsatz / -gewinn orientieren. Oder einen Schlüssel ausarbeiten, der das Gehaltsgefüge zwischen Chef und Mitarbeiter in Abhängigkeit der Anzahl der Mitarbeiter reglementiert. Das klingt zwar sehr nach einem eher sozialistischen Plan, aber ich denke nur so kann man der Lage Herr werden.

  • Zitat

    Original geschrieben von diego206
    Wieso zitierst du von raix nicht die Erklärung mit wie die 30% zu sehen sind? Willst du es nicht verstehen?


    Auch die 10-15%, auf die die GDL abzielen mag, sind angesichts des Tarifabschlusses mit anderen Gewerkschaften unrealistisch. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Bahn im selbst allerallerletzten Angebot mehr als 6-8% plus Verbesserung der Arbeitsbedingungen etc. anbieten wird.


    Die Bahn hat doch nur folgende Möglichkeiten:


    - Der GDL ein Angebot unterbreiten, das wenn überhaupt nur minmal höher ist als der Tarifabschluss der anderen Bahngewerkschaften, so dass der betriebliche Frieden noch einigermaßen gewahrt ist. Das in Verbindung mit Verbesserungen der Arbeitsbedingungen, was sich nicht plakativ in Geld umrechnen lässt


    - Alle Lokführer in eine Servicegesellschaft ausgliedern. In diesem Szenario kann man vielleicht 8% mehr Lohn zahlen bzw. eine ganz andere Entgeltstruktur mit besseren Aufstiegschancen ab x Jahren Erfahrung/zusätzlicher Qualifizierung anbieten. Aber dann fallen möglicherweise natürlich auch einige Leistungen, die die DB AG den Mitarbeitern gewährt weg, es wird möglicherweise noch mehr Flexibilität verlangt werden und man wird die Leistungen der Lokführer in einem eigenen Profit Center auch besser ablesen und bewerten können mit allen Konsequenzen. Ob die GDL diese Rentabilitätsprüfung wirklich will, wage ich zu bezweifeln.


    - Hart bleiben, so viel Beamte wie möglich zu Lokführern ausbilden, neue mit befristeten Arbeitsverträgen und Schnellausbildung einstellen und warten, bis der GDL das Geld ausgeht.

    23.05.2009, 17:18 Uhr...VfB Stuttgart nach 3:1 in München Deutscher Meister 2009, Diego beendet in seinem letzten Spiel für Werder Wolfsburger Titelträume...

  • Zitat

    Original geschrieben von Boogieman
    @ Chicken: Auch das Grundgesetz läßt sich IMHO mit entsprechender Mehrheit ändern. Aber wir reden hier nicht nur über ungelegte Eier, sondern über Eier, die nie gelegt werden können, weil unsere Politiker ein lobbyistischer Haufen ist und es wahrscheinlich nicht mal zu solchen Vorschlägen kommen wird.


    Du überschätzt den Einfluß von Einzelstaaten gewaltig. Das Kapital, sprich die Großbanken, sind viel einflußreicher und mächtiger als jeder Einzelstaat. Wenn man sieht, wie effizient der Staat mit Geld umgeht, nämlich so, dass von 1 € maximal noch 50 Cent übrig bleiben, ist das vielleicht auch besser so...

    Zitat

    Um noch eine kleine OT-Idee zu bringen: Gehälter sowohl der Angestellten, als auch der Chefs am Unternehmensumsatz / -gewinn orientieren. Oder einen Schlüssel ausarbeiten, der das Gehaltsgefüge zwischen Chef und Mitarbeiter in Abhängigkeit der Anzahl der Mitarbeiter reglementiert. Das klingt zwar sehr nach einem eher sozialistischen Plan, aber ich denke nur so kann man der Lage Herr werden.


    Investivlohn ist nichts wirklich neues und ist ja schon heute möglich, wenn Unternehmen Aktien an ihre MA ausgeben. Und der andere Vorschlag würde nicht nur die Tarifautonomie, sondern auch die Vertragsfreiheit abschaffen und das hat dann mit Demokratie nichts mehr zu tun.

    23.05.2009, 17:18 Uhr...VfB Stuttgart nach 3:1 in München Deutscher Meister 2009, Diego beendet in seinem letzten Spiel für Werder Wolfsburger Titelträume...

  • Ich sag ja: "Eier, die NIE gelegt werden..." ;)
    Natürlich werden unsere Politiker niemals die erforderliche Mehrheit aufbringen, weil es in erster Linie darum geht, einfach gegen den anderen zu stimmen.


    Mit Demokratie hat unsere lustige Gesellschaft in meinen Augen eher wenig zu tun. Die Volksvertreter werden zwar noch vom Volk gewählt, aber sind wir doch mal ehrlich. Es ist doch immer nur die Wahl des kleineren Übels.
    Und bei uns bestimmt das Volk doch eher wenig...

  • Zitat

    Original geschrieben von Pfalzbuy
    Das deutsche Problem ist in meinen Augen, das nur Porsche und annähernd Trigema von richtigen Managern geführt werden, viele andere Unternehmen haben leider eine sehr "kurzsichtige" und die Arbeitnehmer ausbeutende Führung! Wenn dann mal eine kleine Gruppe aufmuckt wird mit allen Mittel der Lobbyisten-Propaganda versucht, diese Gruppe mundtot zu machen und/oder den Rest der Bevölkerung gegen diese aufzuhetzen! Durch den in diesem Land sehr stark verbreiteten Egoismus und die hohe Gleichgültigkeit klappt das im Gegensatz zu unseren europäischen Nachbarn hier auch sehr gut!


    Das trifft bei uns zurzeit wortwörtlich zu. Besser kann man es nicht ausdrücken.:top:
    Die Bahn gibt für Propaganda viel Geld aus. Es sind u.a. auch Steuergelder die hier verschwendet werden. Denn die Bahn lebt nach wie vor von Staatlichen Zuschüssen.


    Für den Gesamtschaden der Bahnvorstand muß letzendlich der Steuerzahler aufkommen.


    Das ist ja auch das was ich nicht verstehen kann, denn jedes Unternehmen muß mit eigenen Mitteln zurechtkommen, nur die Bahn darf als einziges Unternehmen Zuschüsse erhalten. Es sind Milliardenbeträge !! Leider wissen das viele unsere Bürger nicht. Unverschämtheit ist noch, das die Bahn jedes Jahr die Ticket-Preise kontunierlich anhebt, obwohl die Einnahmen recht ordentlich sind, durch Gewinne u. Staatl. Zuschüsse. Hier zahlt der Bürger doppelt fürs Bahnfahren. Nur keiner ist sich das bewußt.



    Meiner Meinung nach darf die Bahn nicht als ertragorientiertes Unternehmen geführt werden, sondern soll sich mit eigenen Gewinnen refinanzieren. Mit erzielten Gewinnen sollte man die Bahn ständig moderniesieren u. die Fahrkarten für jeden bezalhlbar u. günstiger machen. So das Bahnfahren wieder für jeden akktraktiv wird. Ein gemeinnütziges u. ehemals soziales Unternehmen darf nicht für Einpaar Profitgierige Manager zum Opfer fallen, zum lasten der gesamten Bevölkerung.



    Schönen Sonntag. :)

  • Zitat

    Original geschrieben von D-Love
    Wenn man sieht, wie effizient der Staat mit Geld umgeht, nämlich so, dass von 1 € maximal noch 50 Cent übrig bleiben, ist das vielleicht auch besser so...


    Dazu muss man aber auch so fair sein und mal anerkennen, daß ein Staat ganz andere Aufgaben als ein Unternehmen erfüllt und auch gar nicht das Ziel hat, Gewinne einzufahren. Das Ziel eines Staates ist in erster Linie, bei Null rauszukommen und den Rest in sich selbst bzw. seine Bürger zu investieren.


    Es hat ja niemand was davon, wenn der Staat aus einem Euro drei macht, diese aber falsch oder gar nicht in den Bürger und Staat investiert.


    Zitat

    Investivlohn ist nichts wirklich neues und ist ja schon heute möglich, wenn Unternehmen Aktien an ihre MA ausgeben. Und der andere Vorschlag würde nicht nur die Tarifautonomie, sondern auch die Vertragsfreiheit abschaffen und das hat dann mit Demokratie nichts mehr zu tun.


    Ein Mindestlohn verstößt nicht gegen die Demokratie und die Tarifautonomie bliebe davon völlig unberührt.

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