Finanzkrise - Auswirkungen bei Euch (Job, Konsum, etc.)?

  • Zitat

    Original geschrieben von autares
    Nur die Gesetze kommen den neuen Ausmaßen eben nicht hinterher.


    Ist es denn zuviel verlangt, von den handelnden Personen zu erwarten, Anstand und Moral walten zu lassen und nicht alle gesetzlichen Spielräume auszunutzen?


    Solange sich nur die Gesetze ändern, wird sich insgesamt nicht viel ändern, denn dann beginnt wieder ein Hase- und Igel-Spiel, in dem Gesetzeslücken gesucht, gefunden, ausgenutzt und geschlossen werden. Und das Spiel beginnt von vorne...

    Auch ein Traumjob berechtigt nicht zum Schlaf am Arbeitsplatz.

  • Zitat

    Original geschrieben von autares
    Das ist das gleiche Problem wie bei Politikern. Politiker verdienen eindeutig zu wenig. Würden sie mehr verdienen, sollte auch die Abhängigkeit von Lobbyisten, Interessenvertretungen usw. sinken. Etwaige Nebenverdienste müssten aufgegeben werden, Politiker unabhängiger. Ich weiss, jetzt gibt es hier wieder einen Aufschrei...


    So seh ich es auch. Ändern wird sich gar nichts, und wenn überhaupt, kommen nur irgendwelche Regelungen, die nach gewisser Zeit umgangen werden - alles wie gehabt.


    Um mal zum Thema zurückzukommen: ich nehme an, nächstes Jahr steigt die USt, deshalb werde ich dieses Jahr noch paar Großgeräte im Haushalt ersetzen/neu anschaffen.
    Übrigens profitieren auch Leute von der "Krise". Ein guter Freund von mir ist GF in 'nem Möbelhaus. Die haben das Sortiment umgestellt iSv: kein Geld für's Auto, kein Geld für Urlaub > dann machen wir es uns zu Hause schön für unter 1000€. Bei ihm läuft der Laden besser als je zuvor...

  • Zitat

    Original geschrieben von autares


    @registered:


    Ein Lösungsvorschlag zur gerechten Bezahlung? Zur Erneuerung des Systems?


    Ich meine das folgendermaßen:


    Es kann auf Dauer nicht gut gehen, wenn jeder in seinem Fachgebiet seine Aufgabe nur darin sieht, die Gesetze ("Spielregeln"), also die legalen Spielräume so kreativ wie möglich auszulegen.


    Gerade die Expertise auf dem eigenen Fachgebiet verpflichtet mindestens dazu, die Regeln so mitzugestalten, dass ein fairer Wettbewerb möglich wird.
    So wie zum Beispiel im Schwimmsport die Schwimmer gerade verschiedene Vorschläge zu den neuartigen Schwimmanzügen machen, die noch schnellere Zeiten ermöglichen.
    Der Artikel, den ich vor einigen Beiträgen verlinkt hatte, erwähnt auch Banker, die vor der Krise selbständig "Mängellisten" erstellt hatten und an die zuständigen Behörden weiter leiten wollten. Sie wurden leider von Vorgesetzten mit dem Hinweis zurück gepfiffen, weitere Deregulierung sei besser für die Bank und sie sollten lieber das in einem Brief an die Bankenaufsicht fordern.


    Ich schrieb oben "mindestens", weil es durchaus auch denkbar ist, im eigenen Leben mal nicht "systemkonform" zu handeln. Also etwas nicht auszunutzen, weil es den eigenen ethischen Vorstellungen zuwider läuft.
    Bei den Schwimmern gibt es tatsächlich welche, die *freiwillig* auf die neuen Anzüge aus verschiedenen Gründen verzichten. Und trotzdem gewinnen, wie Michael Phelps.


    Ebenso ist das in anderen Berufen möglich. Man glaubt zwar immer Systemzwängen ausgesetzt zu sein. So nach dem Motto "wenn ich das nicht tue, macht es die Konkurrenz und ich gehe unter" (Spieltheorie lässt grüßen).
    Dennoch muss jeder seine Entscheidungen verantworten können und mutiges Verhalten wird oft mehr honoriert, als man glaubt.


    Gerade wenn man an die Freiheit des Individuums glaubt passt es nicht, sich auf Systemzwänge rauszureden, sobald es unbequem wird und eventuell karriereschädigend ist.



    Ja, ich glaube wir sind es dem Gemeinwesen schuldig, faire Spielregeln mitzugestalten. Mit dem Strom schwimmen kann doch jeder.


    Und die Propheten von heute waren gestern noch Spinner.
    Eigentlich sollte man drei Viertel der in den Medien vertretenen BWL und VWL-Professoren aus dem Beamtenverhältnis schmeißen und durch fähigere Leute ersetzen, die kritischer waren. Aber das ist ein anderes Thema.

    “The ideas of economists and political philosophers, both when they are right and when they are wrong, are more powerful than is commonly understood. Indeed the world is ruled by little else. Practical men, who believe themselves to be quite exempt from any intellectual influence, are usually the slaves of some defunct economist.” (Keynes)

  • Zitat

    Original geschrieben von <registered>
    Gerade wenn man an die Freiheit des Individuums glaubt


    Ich schätze mal, hier liegt der Denkfehler. Es gibt vielleicht weniger Zwänge als in der DDR, aber die "Freiheit des Individuums" ist eine Illusion, sorry.

  • Zitat

    Original geschrieben von StebuEx
    Ich schätze mal, hier liegt der Denkfehler. Es gibt vielleicht weniger Zwänge als in der DDR, aber die "Freiheit des Individuums" ist eine Illusion, sorry.


    Da verstehst du mich falsch, das war als Seitenhieb auf die Ideologie hinter den Deregulierungswellen der letzten Jahre gedacht.

    “The ideas of economists and political philosophers, both when they are right and when they are wrong, are more powerful than is commonly understood. Indeed the world is ruled by little else. Practical men, who believe themselves to be quite exempt from any intellectual influence, are usually the slaves of some defunct economist.” (Keynes)

  • Zitat

    Original geschrieben von einjoe
    Wie kommst Du denn auf Happy Hour? Da sind doch einfach nur die Öffnungszeiten angegeben ;)
    Mo-Sa
    6:00 - 24:00 Uhr
    Sonntags
    12:00 - 24:00 Uhr


    Na endlich hat es mal einer erkannt. Happy Hour quasi rund um die Uhr.
    Zumindest in den Zeiten wo wohl eine Schankgenehmigung vorliegt.
    Und als HH muss es einem vorkommen, wenn man die Preise von vor der Finanzkrise kennt ;)


    Warum ich die Liste hier reingestellt habe?
    In dem von Beugelbuddel am 11.08.09 verlinkten FTD-Bericht
    http://www.ftd.de/boersen_maer…im-Rausch/552119.html?p=1
    mit dem dieser Fred reanimiert wurde, ist nunmal u.a die Stone Street als auch das legendäre harry angesprochen. Hat schon einen Grund warum auch die Autoren von der FTD sich daran aufziehen.


    Aber nun Schluss. Ein guter Abschluss (oder doch besser Abschuss) oder eben Deal soll ruhig auch weiterhin mit einem Louis Roederer, jetzt eben für nur noch 480 $ +TT, begossen werden können.


    Ist schon bezeichnend. Da postet man eine Preisliste, und schon wird einem nur eines unterstellt. Bankerfeindlichkeit. Warum eigentlich? Der gewissenbehaftete Banker kann ja zu dem 60$ Mumm greifen. Da beschwert sich sicher dann auch niemand.



    *Und mal wieder weg*

  • Zitat

    Original geschrieben von autares
    Diese Sichtweise hat sich in den letzten Jahrhunderten nicht verändert. Geprasst wurde schon immer, nur nicht in solchen Ausmaßen. Nur die Gesetze kommen den neuen Ausmaßen eben nicht hinterher.


    Früher waren es Einzelfälle, heute ist es Normalität.


    Es wird ja immer gerne auf "die da oben" geschimpft (also die, die sich immer die Taschen füllen, rein rechtlich korrekt wohlgemerkt).


    Schaut doch nur mal hier in den "Schäppchenbereich" rein. Da findet sich genau das selbe Verhalten, wie es die selben Leute dort, bei "denen da oben" anprangern.


    Da wird sich auf Teufel komm raus die Taschen voll gemacht. Nicht das man sich einfach mal über ein nettes Schnäppchen freut, und für den Eigengebrauch sich eines sichert. Nein, es muß ja direkt an den maximalen Gewinn gedacht werden. Was interessiert mein nebenan, hauptsache "ich" habe. Lieber "ich" habe 6 mal den Artikel, und kann 5 mal das ganze mit Gewinn verkaufen (übrigens werden dann hier schon die ersten Gesetze übertreten), als das 6 Leute glücklich sind.


    Ich mache mittlerweile keinen Unterschied mehr zwischen den gierigen "da oben" und den gierigen "hier im Schnäppchenthread". Beides sind moralisch auf dem selben Level.


    Und es sind die selben, die den Hals nicht vollbekommen, die sich über so Seiten wie diese "Krokofarm" aufregen, weil da einer Gewinn mit macht.


    Da kann man nur mit dem Kopf schütteln. Oder der Plan, bei einem Versandhaus mal wieder den großen "Coup" zu landen schlägt fehl;, das da einige nicht direkt nach Todesstrafe rufen, wundert mich. Es sind übrigens die selben Leute, die Ihre Eltern verkaufen würden, wenn es hier in Deutschland nur ginge und vor allem damit Gewinn zu machen wäre.


    Und man solle nicht meinen, "da oben" sitzen gänzlich andere Menschen. Da sitzen haargenau die selben Menschen ("die gehen auch nur kacken", würde Herbert Knebel sagen, das ist KEINE "Elite").


    Und die machen haargenau das selbe, wie die Leute hier (und natürlich überall sonst auch), nur halt im größeren Rahmen.


    Aber kommt mir nicht mit dem Rahmen. Ist es moralisch etwa weniger schlimm nur 10 Leute zu töten, anstatt 100? (Um den Vergleich mit "Schnäppchenjäger" gegen "Banker" zu halten). Es ist moralisch bei beiden das selbe Problem.


    So etwas gab es natürlich schon immer. Nur waren es früher einige wenige, die die Gesellschaft quasi "durchgefüttert" haben. Heute sind diese aber in der Mehrzahl; und das ist eben ein Problem.

    "Ein Volk sollte keine Angst vor seiner Regierung haben, eine Regierung sollte Angst vor ihrem Volk haben."

  • diger


    Was du skizziert hast, ist eine Beschreibung des status quo. Das ist nicht falsch, hilft aber auch nicht weiter.


    Die Verabsolutierung der Gewinnmaximierung kam "von oben" - sie ist nach und nach in fast alle Milieus eingedrungen. Begünstigt durch Niedriglohnpolitik und Sozialabbau, die den Deutschen ebenfalls verschrieben wurden. Gefühlte 30 Jahre Schreinemakers hinterlassen halt ihre Spuren...



    Der Knackpunkt ist, dass einflussreiche Personen eine Vorbildfunktion haben. Ob sie diese bewusst wahrnehmen wollen, oder nicht, ist dabei egal.



    Ihr Handeln bestimmt, was als "normal" angesehen wird.


    Insofern ist es sehr wohl ein Unterschied, in welchem Maßstab und in welcher Funktion maßloses Verhalten an den Tag gelegt wird.


    Und nebenbei:
    in einer Zeit, in der immer mehr Familien auf möglichst günstige Einkäufe angewiesen sind, sollte man sich nicht auf eine höhere Stufe stellen, nur weil man sich z.B. den Einkauf im Bioladen leisten kann.
    Eine Pauschalverurteilung des Schnäppchen Jagens wäre diesen Kreisen gegenüber unfair.

    “The ideas of economists and political philosophers, both when they are right and when they are wrong, are more powerful than is commonly understood. Indeed the world is ruled by little else. Practical men, who believe themselves to be quite exempt from any intellectual influence, are usually the slaves of some defunct economist.” (Keynes)

  • Zitat

    Original geschrieben von <registered>
    Was du skizziert hast, ist eine Beschreibung des status quo. Das ist nicht falsch, hilft aber auch nicht weiter.


    Natürlich hilft das nicht weiter. Nur hier im Thread wurde schon öfters so getan, als ob die Probleme durch eine kleine "Bevölkerungsschicht" ausgelöst wurden. Dem ist aber eben nicht so.


    Zitat

    Original geschrieben von <registered>
    Die Verabsolutierung der Gewinnmaximierung kam "von oben"


    Das ist eben der Irrtum dabei. Es gibt kein "da oben". Überall sitzen Menschem vom selben schlag, mit den selben moralischen Vorstellungen.


    Zitat

    Original geschrieben von <registered>
    Der Knackpunkt ist, dass einflussreiche Personen eine Vorbildfunktion haben. Ob sie diese bewusst wahrnehmen wollen, oder nicht, ist dabei egal.


    Sollten wir nicht alle ein Vorbild für andere sein. Wir können uns nicht über andere aufregen, aber genau das selbe tun. Und dann kommt oft der Spruch "Wenn die das machen, dann mache ich das auch".


    Genau DAS hilft überhaupt nicht weiter.


    Zitat

    Original geschrieben von <registered>
    Insofern ist es sehr wohl ein Unterschied, in welchem Maßstab und in welcher Funktion maßloses Verhalten an den Tag gelegt wird.


    Maßlos ist maßlos. Da ist der Maßstab vollkommen irrelevant.



    Zitat

    Original geschrieben von <registered>
    in einer Zeit, in der immer mehr Familien auf möglichst günstige Einkäufe angewiesen sind, sollte man sich nicht auf eine höhere Stufe stellen, nur weil man sich z.B. den Einkauf im Bioladen leisten kann.
    Eine Pauschalverurteilung des Schnäppchen Jagens wäre diesen Kreisen gegenüber unfair.


    Man sollte schon unterscheiden können, ob Menschen leider mittlerweile mehr als sparsam leben müssen (das sind aber keine Schnäppchenjäger), oder ob maßlose gierige Menschen (die meisten einen sehr hohen Lebensstandard haben) SchäppchenJÄGER sind.


    Schnäppchenjäger hat nichts mit sparsam zu tun. Das hat lediglich mit Gewinnmaximierung zu tun, ohne Rücksicht auf andere. Und meistens kommen genau die von Dir genannten Familien wieder zu kurz, denn die bekommen von diesem Schnäppchen oftmals gar nichts mit, bzw. haben nicht die Zeit, die ganze Zeit im Internet irgendwelche Seiten zu verfolgen, wo man wieder jemand anderes abziehen kann.


    Es ist unfähr, solche Familien in einen Topf mit diesen maßlosen Menschen zu werfen. Damit tust Du diesen Menschen unrecht.


    Und eines sollte klar sein. KEIN Gesetz auf dieser Welt wird etwas daran ändern. Nur wir ALLE können diese Zustand ändern. Also nicht auf "die da oben" (wir sind alle für andere Vorbilder) warten, sondern selber anfangen. Nur so wird sich etwas ändern.

    "Ein Volk sollte keine Angst vor seiner Regierung haben, eine Regierung sollte Angst vor ihrem Volk haben."

  • Zitat

    Original geschrieben von <registered>
    Ich meine das folgendermaßen:


    Es kann auf Dauer nicht gut gehen, wenn jeder in seinem Fachgebiet seine Aufgabe nur darin sieht, die Gesetze ("Spielregeln"), also die legalen Spielräume so kreativ wie möglich auszulegen.


    Und genau das machen im Bankenbereich die wenigsten. Die meisten können aufgrund von Risikomanagement und Gesetzen gar nicht kreativ sein.


    Zitat

    Original geschrieben von <registered> Gerade die Expertise auf dem eigenen Fachgebiet verpflichtet mindestens dazu, die Regeln so mitzugestalten, dass ein fairer Wettbewerb möglich wird.


    Und genau das ist das Problem: Auf einmal wollten alle bei dem Boom teilnehmen. Da wurde gekauft und verkauft, was eigentlich nicht dem realen Wert entspricht. Da hat der Immobilienmakler von den tollen Aussichten auf Wertsteigerung des Hauses gesprochen, der Kreditbearbeiter hat auf seinen Ratinganalysten gehört, dass das eine bombensichere Anlage sei. Mit einem Mal haben Leute in einem Markt mitgemischt, in dem sie nichts zu suchen haben. Nimm doch als Beispiel mal den Öl-/Benzinpreis: Jeder hier im Forum regt sich über hohe Benzinpreise auf: "jaja, diese Spekulanten". Und dann kommt einer um die Ecke und redet was von einem "Öl-Zertifikat". Auf einmal rennen irgendwelche Rentner in die Banken und wollen diese Zertifikate kaufen. Dass die dadurch den Ölpreis nach oben treiben finden, die super. Sie machen ja Gewinn. Aber beim nächsten Tankstopp wird dann wieder über den hohen Preis gejammert. So ist das, wenn sich Leute ohne Ahnung irgendwo einmischen. Verfolg hier mal die Statements, wenn dann einer vom Fach kommt (und so würde ich mich als Trader bezeichnen). Keine Ahnung hätte man, "Besserwisser", "arrogant" wird man hier tituliert. Find ich super. Ich brauche solche Leute, die keine Ahnung haben. Ich warne die Leute häufig genug, aber man will ja nicht hören. Fein, dann müssen sie eben damit leben, dass ich den Gewinn mache und sie den Verlust. Aber dann wird hinterher wieder gejammert...


    Zitat

    Original geschrieben von <registered>
    Und die Propheten von heute waren gestern noch Spinner.
    Eigentlich sollte man drei Viertel der in den Medien vertretenen BWL und VWL-Professoren aus dem Beamtenverhältnis schmeißen und durch fähigere Leute ersetzen, die kritischer waren.


    Was haben Profs damit zu tun? Jeder BWL-Student hat die Immobilienblase in USA sehen können. Während meines Studiums wurde das in mindestens 2 Kursen ausgiebig diskutiert. Ersetzt werden müssen Politiker, die alles abgenickt haben, Aufsichtsräte, die alles zugelassen haben, Ratinganalysten, die nur die Hand aufgehalten haben, Salesmen, die jeden Scheiss der Oma angedreht haben und schliesslich die Strukturierer, die als einzige noch durchgestiegen sind durch das, was sie da kreieren, sich den Risiken bewusst waren, diese abder bewusst verschwiegen haben!

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