Libyen und Gaddafi

  • Die Entwicklungen dauern halt so lange, das war bei Tornado und Phanton nicht anders. dafür ist der Phantom jetzt 50 Jahre alt und ausgereift. Leider wird er nur noch max. 2 Jahre fliegen. Wir in D sind eh die letzten Phantomnutzer. In den USA benutzt man die alten Rhinos nur noch als Drohnen, um zu testen oder um sie abzuschießen.
    Der deutsche Tornado ist ein bewährter Jet, aber eben hauptsächlich als Aufklärungsvariante. Die Jets sind so stark spezialisiert, dass man nicht einfach an jede Maschine Bomben und Raketen hängen kann und man schickt sie los. Dazu kommt der spezielle Ausbildungsstand der Piloten. Die Briten setzen ihre Tornados anders ein, und konnten das ja auch öfters live testen. Die sind den deutschen Streitkräften zig Jahre voraus. Ein Glück, denn Kriegerfahrung ist ja nichts, was man unbedingt gerne machen muss...

  • Zitat

    Original geschrieben von Jay
    Luftschläge dienen dazu, die Luftwaffe Gaddafis unschädlich zu machen. Sprich: man schmeisst Eiseneier auf die Flugplätze, genauer: die Shelter, die zum Flugbetrieb notwendigen Radar- u. Kommunikationsanlagen sowie die Versorgungsinfrastruktur.


    OK, dann erklär mir bitte mal, wie man seitens der NATO eine Bombardierung von libyischen Flugplätzen und Fliegern am Boden rechtfertigen will, wenn Gaddafi seine Luftwaffe gar nicht einsetzt! Die braucht er nämlich im Moment gar nicht, weil seine Truppen bereits in Bengasi sind und dort die letzte Hochburg der Aufständischen einnehmen (siehe den Link aus meinem letzten Beitrag). Gaddafi kann jederzeit behaupten, seine Soldaten wären von den Rebellen ständig angegriffen und provoziert worden und hätten sich nur verteidigt, und niemand wird ihm das Gegenteil beweisen können.


    Auch Dir sollte klar sein, dass man als dritte Partei in Häuserkämpfe nur sehr schlecht mit Luftwaffe eingreifen kann, es sei denn, man will ohnehin beide Parteien ausradieren.



    Was ich damit sagen will: die Einrichtung der Flugverbotszone ist für mich wie der Versuch einer Frau, "nur ein bisschen schwanger" zu werden. Entweder man macht Nägel mit Köpfen und interveniert mit allen Kräften, wie man das in Afghanistan auch gemacht hat. Dass man dazu seitens der Deutschen für den Fall einer Teilnahme mal wieder kräftig das Grundgesetz verbiegen müsste, wird wohl keinen Politiker großartig stören, denn das hat es damals für den Afghanistan-Einsatz auch nicht. Die Alternative ist, man hält sich raus und schaut zu, wer von den Konfliktparteien sich durchsetzen wird. Dem stehen aber die Interessen am libyschen Erdöl entgegen. Und so kommt man dann auf die glorreiche dritte Lösung: man entschließt sich, "nur ein bisschen schwanger" zu werden.

    Viele Grüße und einen Happy Day


    Guy Fawkes was the only person ever to enter Parliament with honest intentions.

  • Ich meine gehört zu haben, dass die UNO auch ein Eingreifen erlaubt, wenn Libyen seine Bevölkerung angreift. D.h. wenn die NATO Truppen sehen, dass Gaddafi Truppen dies tun, dann dürfte die Allianz angreifen. Das muss ja nicht mit Bombern sein. Hubschrauber tuns ja auch bei kleineren Kampftruppen.

  • Zitat

    Original geschrieben von SpeedTriple
    Hubschrauber tuns ja auch bei kleineren Kampftruppen.


    Lass Dir mal von den amerikanischen Hubschrauberbesatzungen (denen, die es überlebt haben), die damals in Somalia dabei waren, erklären, wie groß die Überlebenschancen bei einem Hubschraubereinsatz über einer Stadt sind, wenn man nicht einfach wahllos auf alles schießen darf, was sich bewegt. :rolleyes:

    Viele Grüße und einen Happy Day


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  • In Somalia waren alle am Boden gegen die USA, außer ihre Botschaftsleute um die es ging.
    In Libyen gibt es zwei Lager, die man aktuell wohl recht gut von einander unterscheiden kann, da es Fronten gibt.
    Wenn die Armee in Bengasi aktuell die Bevölkerung mit Panzern angreift, dann kannst Du diese Panzer gut markieren. Das ist ja kein Häuserkampf wie damals in Somalia.

  • Auch, wenn Hubschrauber zum Heer statt zur Luftwaffe gehören, müsste ein Flugverbot zur Vermeidung von Bombardierungen der Bevölkerung sie doch eigentlich einschließen ... alles andere machte wenig Sinn ... :confused:


    Moderne Helikopter erreichen heutzutage Geschwindigkeiten, mit denen sie als Angriffsmittel durchaus geeignet sind.


    Frankie

  • @ SpeedTriple: Wenn das alles so einfach und klar ist, wie Du es darstellst, dann muss man sich wirklich fragen, warum die NATO Gaddafi nicht schon längst den Hintern aufgerissen hat. Scheint doch nur eine Kleinigkeit zu sein, und die Freund-Feind-Trennung bereitet nach Deiner Ansicht auch keinerlei Möglichkeit eines Irrtums, da es ja klare Fronten gibt, auch bei Kämpfen innerhalb einer Stadt.


    Es scheint aber so, dass die westlichen Militärs die Sache etwas anders beurteilen, denn bislang hat man es bei Worten belassen; Taten sind trotz der fortgesetzten Kämpfe in Bengasi bislang noch keine erfolgt.



    @ Frank: Es geht dem Kollegen Speed Triple hier wohl eher um westliche Kampfhubschrauber, die man seiner Ansicht nach zur Bekämpfung von Bodenzielen einsetzen soll.

    Viele Grüße und einen Happy Day


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  • Die Erfahrungen der vorangegangen Militäraktionen im Nahen Osten haben m.E. deutlich gezeigt, dass Luftschläge allein nicht geeignet sind, die Situation in den Griff zu bekommen.


    Wer Luftschläge fliegt, muss zumindest damit rechnen, dass im Verlauf der Kampfhandlungen Bodentruppen erforderlich werden. Und das will man ja auf keinen Fall.


    Ich denke, dass diese Überlegung ein wesentlicher Grund für das zurückhaltende Vorgehen sein dürfte. Zumal die "Rebellen" offensichtlich nicht selbst ausreichende Kampfkraft am Boden haben (wovon man ja eine Zeit lang ausgegangen war).


    Frankie



    @ HappyDay: Stimmt, nach erneuter Lektüre verstehe ich das mit den Hubschraubern auch so.

  • Zitat

    Original geschrieben von frank_aus_wedau
    ... die "Rebellen" ...


    :confused: Was sollen die Anführungszeichen? Die bluten immerhin selbst dafür, um den Diktator endlich loszuwerden. Die wissen was sie nicht wollen.


    Aber bewaffneter Freiheitskampf hat in D keine Tradition und löst oft verständnislose Reaktionen aus. Man merkt es immer wieder. Es ist mit Risiken verbunden, und natürlich verfolgen nicht alle Akteure die gleichen Ziele. Aber das tun in etablierten Demokratien ja auch nicht alle Akteure, sonst gäbe es nur Einheitsparteien. Deswegen vor "unvorhersehbaren Konsequenzen" oder "Kollateralschäden" - angesichts vor laufenden Bombardierungen - zurückzuscheuen, ist schäbig. Daß Länder und Völker, die erfolgreich selbst ihre Freiheit hart erkämpft hatten, nun nicht teilnahmslos abseits stehen wollen, ist naheliegend und ist mit üblichen "öligen" Unterstellungen schlecht zu diskreditieren.

    LG: V30
    Samsung: Galaxy Tab S2 LTE, A5 (2017);
    Sony: Xperia X Compact;

  • Zitat

    Original geschrieben von saintsimon
    :confused: Was sollen die Anführungszeichen?


    Mir selbst ist der Status der kämpfenden Truppen noch nicht ganz klar ... bei kriegerischen Auseinandersetzungen innerhalb eines Staates ist das objektiv nicht ganz einfach zu beurteilen.

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