Erdbeben in Japan - Nuklearkatastrophe von Fukushima

  • Zitat

    Original geschrieben von HappyDay989
    Keine Ahnung, welches "obige Zitat" Du meinst... :confused:


    Mein Beitrag bezieht sich auf den Beitrag von Robert Beloe und dem dort zitierten Bericht der BBC.



    Zitat

    Gegen die Logik, dass Wasser verdampft, wenn man es auf Brennstäbe schüttet, die noch in einem sogen. Abklingbecken liegen, ist erst einmal nichts einzuwenden.


    Die Freisetzung von radioaktivem Wasserdampf wird (wiederum im von Robert Beloe verlinkten BBC-Bericht) als Unterschied zu Tschernobyl aufgeführt, was meiner Meinung nach allerdings eben nicht stimmt.


    Auch ich will keine Panik verbreiten, aber der Beitrag der BBC erscheint mir etwas schöngeredet...

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  • Zitat

    Original geschrieben von Martin Reicher
    Welche denn?


    Es gibt tatsächlich Reaktoren, bei denen droht auch im Fall einer Schnellabschaltung und nachfolgendem Kühlsystemversagen definitiv keine Kernschmelze.


    Dazu wurde schon was geschrieben, guckst Du hier: http://www.telefon-treff.de/sh…ostid=4451838#post4451838


    Dafür sind die potentiellen und realen Risiken im laufenden Betrieb aber derartig groß, dass eine konventionelle kerntechnische Anlage als das kleinere Übel erscheint.



    Zitat

    Original geschrieben von frank_aus_wedau
    Obwohl die Existenz (und insbesondere die Finanzierung) dieses Zugs seinerzeit den Verhältnissen des damaligen "kalten Kriegs" geschuldet war (inzwischen existiert der Zug m.W. nicht mehr), war natürlich auch der nationale Katastrofenfall in Form ernster Zwischenfälle in AKW Bestandteil der Ausbildung. Von daher ist mir schon bekannt, dass die aktuellen Abläufe in Japan in Anbetracht der Zustände am 12.03. als "Regelfall" angesehen werden müssen.


    Zwar gilt stets die Weißheit "keine Regel ohne Ausnahmen" ... dass unser HappyDay den anzunehmenden Regelfall aber als Spekulation bezeichnet, mache ich nicht mehr mit.


    Der "Regelfall" war damals etwas völlig anderes, nämlich die mögliche Versorgung der Bevölkerung nach einem Kernwaffeneinsatz.


    Wenn Du den Unterschied zwischen einem Kernwaffeneinsatz und einer KKW-Havarie wie in Fukushima nicht verstehst, dann solltest Du Dich wirklich mit anderen Dingen beschäftigen... :rolleyes:


    Es ist in Fukushima bislang NICHT zu einer Kernexplosion gekommen, und nach allen bislang vorliegenden Erkenntnissen wird es dazu auch nicht kommen. Bei einer Kernwaffenexplosion wird bereits durch die Explosion eine erheblich höhere Menge an Radioaktivität freigesetzt, als bislang in Fukushima, dazu kommt noch der sogen. Fallout, der in der Umgebung der Explosion niedergeht. Von den Wirkungen der Hitze- und der Druckwelle mal ganz zu schweigen.



    Zitat

    Original geschrieben von handytim
    Mein Beitrag bezieht sich auf den Beitrag von Robert Beloe und dem dort zitierten Bericht der BBC.


    Die Freisetzung von radioaktivem Wasserdampf wird (wiederum im von Robert Beloe verlinkten BBC-Bericht) als Unterschied zu Tschernobyl aufgeführt, was meiner Meinung nach allerdings eben nicht stimmt.


    Auch ich will keine Panik verbreiten, aber der Beitrag der BBC erscheint mir etwas schöngeredet...


    Durchaus nicht. Wer sich mit Tschernobyl beschäftigt hat, der weiß, dass die Reaktorexplosion mitten im laufenden Betrieb während eines Tests passierte, d. h., der Reaktor war durch Fehler bei der Bedienung und durch katastrophale Konstruktionsmängel in einen Zustand geraten, in dem die Leistung im Reaktor schlagartig um das knapp 100fache(!) des üblichen Wertes anstieg, und das war natürlich mehr, als das Kühlsystem abfangen konnte. Was dort geschah, war eine gewaltige Wasserstoffexplosion im Druckbehälter selbst, bei der ein großer Teil des Reaktorkerns und des Moderationsmaterials (Graphit) in die Umgebung geschleudert wurde. Da es beim sowjetischen Reaktortyp RBMK keinen Sicherheitsbehälter (Containment) gibt und das Reaktorgebäude im Grunde nicht mehr ist als ein Wetterschutz, konnte so eine Menge an Radioaktivität in die Umwelt gelangen, die ca. dem 200fachen der sogen. Hiroshima-Bombe entsprach. Als man dann mit Löschhubschraubern in den nächsten Tagen Wasser auf die Reste des Kerns schütte, gelangte dieses Wasser nicht auf zum Abklingen aus einem Reaktor entfernte, ausgebrannte Brennstäbe in ihren Brennstabbehältern, sondern auf die geschmolzene Masse aus immer noch völlig überhitztem und freiliegenden Brennstoffmaterial. Und das ist schon ein gewaltiger Unterschied zu Fukushima.

    Viele Grüße und einen Happy Day


    Guy Fawkes was the only person ever to enter Parliament with honest intentions.

  • Bitte alle einmal melden, die alles besser wissen!

    “Das Leben ist wie ein Fahrrad. Man muß sich vorwärts bewegen, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren.” Albert Einstein

  • Möglicherweise hatte ich mich missverständlich ausgedrückt:


    Mit "Regelfall" meinte ich in meinem Beitrag ausdrücklich das Szenario eines außer Kontrolle geratenen Reaktorstörfalls in einem AKW:


    Und hier gilt vereinfacht ausgedrückt und für jeden Laien verständlich:
    Kann nach Ausfall der Reaktorkühlung nicht kurzfristig eine ausreichende Kühlung wiederhergestellt werden, kommt es zur Kernschmelze mit zwingender Zerstörung des Reaktorgehäuses. Die Folge ist (zunächst) unkontrollierte Freisetzung von Radioaktivität.


    Weil in Fukushima eben keine ausreichende Kühlung hergestellt werden konnte (mal abgesehen von einigen hilflosen Versuchen, irgend etwas zu improvisieren), muss man obiges Szenario als Regelfall ansehen - wie es ja auch im Gange ist.


    Auch wenn es eine geringe Chance gegeben haben sollte, diesen Regelfall abzuwenden, darf man sich doch wohl nicht unwissend und überrascht geben, wenn das eigentlich zu erwartende dann auch eintritt!


    M.E. gliche es schon einem Wunder, wenn man das Steuer in Japan noch einmal herumreißen könnte.


    Frankie



    Erg.:
    Mir geht es nicht darum, irgend etwas besser zu wissen. Wie ich oben geschrieben hatte, hielte ich es aber für unerlässlich, zumindest den Versuch zu unternehmen, Freunde und Bekannte in diesem Gebiet (so man welche hat), zum unverzüglichen Aufbruch zu bewegen.


    Wie ich dem Thread zu entnehmen glaube, scheinen doch einige Verbindungen nach Japan zu haben. Und den Medien entnehme ich, dass es wohl gar nicht so einfach ist, einen im Krisengebiet verwurzelten Japaner zum Aufbruch zu bewegen. Aber man sollte es zumindest versuchen!

  • Zitat

    Original geschrieben von frank_aus_wedau
    Wie ich dem Thread zu entnehmen glaube, scheinen doch einige Verbindungen nach Japan zu haben. Und den Medien entnehme ich, dass es wohl gar nicht so einfach ist, einen im Krisengebiet verwurzelten Japaner zum Aufbruch zu bewegen. Aber man sollte es zumindest versuchen!


    Du hast doch die Bilder aus dem Gebiet gesehen. Da ist es doch nicht schwer, sich vorzustellen, dass man die Menschen dort per Telefon, SMS oder E-Mail gar nicht mehr erreichen kann, weil die Infrastruktur stellenweise völlig zerstört ist und außerdem in vielen Bereichen des Landes nur noch eingeschränkte Stromversorgung zur Verfügung steht.

    Viele Grüße und einen Happy Day


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  • Wen es interessiert, eine Einschätzung aus britischer Regierungssicht, deren Experten, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, gegenwärtig gemeinsam mit amerikanischen Fachleuten die japanische Regierung zu unterstützen versuchen:


    The Government's Chief Scientific Officer Professor John Beddington comments on the developments following the explosion at Fukushima nuclear plant.


    Following the explosion at Fukushima nuclear plant, the Japanese government has advised all people between 20 and 30kms of the plant to stay inside and keep windows closed. The 20km exclusion zone remains in place.


    The UK Government advises all British citizens to follow this guidance.


    The Chief Scientific Adviser said the Japanese Government’s advice is entirely proportionate and appropriate to the risk.


    Das komplette, relativ ausführliche Transcript findet sich hier:


    http://ukinjapan.fco.gov.uk/en/news/?view=News&id=566799182

  • Zitat

    Original geschrieben von HappyDay989
    Als man dann mit Löschhubschraubern in den nächsten Tagen Wasser auf die Reste des Kerns schütte, gelangte dieses Wasser nicht auf zum Abklingen aus einem Reaktor entfernte, ausgebrannte Brennstäbe in ihren Brennstabbehältern, sondern auf die geschmolzene Masse aus immer noch völlig überhitztem und freiliegenden Brennstoffmaterial. Und das ist schon ein gewaltiger Unterschied zu Fukushima.


    Und die Passage die ich meine ist:


    "In Chernobyl you had a steam explosion which exposed the reactor core, which meant you had a lot of radiation shooting up into the atmosphere."


    Im Reaktor 4 liegen Brennelemente offen herum, auftreffendes Wasser wird verdampfen und nach außen (= in die Atmosphäre) gelangen. Das ist wohl nicht als "Dampfexplosion" zu bezeichnen, da der Dampf direkt abziehen kann.


    Wer weiß, ob die Brennstabbehälter noch intakt sind? Die dort auftretenden Brände lassen eher was anderes vermuten.


    Natürlich sind die Brennelemente nicht so radioaktiv wie der Reaktorkern im Falle von Tschernobyl, allerdings wird auch hier Radioaktivität direkt in die Atmosphäre freigesetzt. Aber der Bericht erweckt den Anschein als ob in Fukushima gerade kein radioaktiv belasteter Dampf in die Atmosphäre aufsteigt (dass Dampf kontrolliert abgelassen wurde, ist eine andere Geschichte).

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  • Vermutlich geht es dabei um die schiere Menge und die Tatsache, dass das in Tschernobyl unkontrolliert passierte. So verstehe ich auch die oben angeführte Einschätzung der britischen Regierung. Aber ich lasse mich gern korrigieren, Laie, der ich bin.

  • Aus dem oben angeführten Text:



    http://ukinjapan.fco.gov.uk/en/news/?view=News&id=566799182


    (Absätze für bessere Lesbarkeit ;))

  • Zitat

    Original geschrieben von Robert Beloe
    Vermutlich geht es dabei um die schiere Menge und die Tatsache, dass das in Tschernobyl unkontrolliert passierte. So verstehe ich auch die oben angeführte Einschätzung der britischen Regierung. Aber ich lasse mich gern korrigieren, Laie, der ich bin.


    Nun, unkontrolliert erfolgt eine Kernschmelze auch in Fukushima. Es ist ja eben ein Charakteristikum für eine Havarie außer Kontrolle, dass man den Reaktorkern nicht mehr beherrscht, sondern zu außerplanmäßigen Maßnahmen greifen muss, um z. B. den Kern oder die Brennstäbe in einem offenbar Leck geschlagenen Abklingbecken zu kühlen so gut es geht. Da ist schon ziemlich viel Hoffen und Bangen im Spiel.


    Aber was Tschernobyl angeht, so war das, und das hast Du richtig erkannt, ganz einfach eine völlig andere Dimension - siehe unten.



    Zitat

    Original geschrieben von handytim
    Und die Passage die ich meine ist:


    "In Chernobyl you had a steam explosion which exposed the reactor core, which meant you had a lot of radiation shooting up into the atmosphere."


    Man muss es eigentlich noch etwas drastischer formulieren: durch die Wasserstoffexplosion im Reaktorkern wurde nicht nur der Kern komplett freigelegt, sondern ca. 10-15 % seines Brennstoff- und Moderationsmaterial in die Gegend geschleudert, die Angaben schwanken da etwas. Jedenfalls waren es einige Tonnen(!) glühendes Uran und Graphit, die schlagartig freigesetzt wurden.


    Eine gänzlich andere Darstellung stammt von Konstantin Tschetscherow, einem Moskauer Kernphysiker, der davon ausgeht, dass fast 95 % des gesamten Reaktormaterials bei der Explosion aus dem Reaktorgebäude herausgeschleudert wurde und in einer gewaltigen Verpuffung oberhalb der Reste des Raktorgebäudes in der Umwelt verteilt wurde.


    Siehe dazu http://www.berlinonline.de/ber…3/politik/0021/index.html


    In der "offiziellen" Fachliteratur wird Tschetscherow i. d. R. kaum erwähnt, man hält seine Ansichten für wenig glaubwürdig.


    Zitat

    Original geschrieben von handytim
    Wer weiß, ob die Brennstabbehälter noch intakt sind? Die dort auftretenden Brände lassen eher was anderes vermuten.


    Natürlich sind die Brennelemente nicht so radioaktiv wie der Reaktorkern im Falle von Tschernobyl, allerdings wird auch hier Radioaktivität direkt in die Atmosphäre freigesetzt. Aber der Bericht erweckt den Anschein als ob in Fukushima gerade kein radioaktiv belasteter Dampf in die Atmosphäre aufsteigt (dass Dampf kontrolliert abgelassen wurde, ist eine andere Geschichte).


    Die Brände können auch durch die Knallgasexplosionen verursacht worden sein, die beim sogen. Venting (Überdruckablass aus dem Reaktorbehälter und Containment) aufgetreten sind. Und was da an Trümmern durch die Gegend flog, kann durchaus schwere Schäden an anderen Gebäuden oder auch einem bereits freiliegenden Containment oder Abklingbecken verursacht haben.


    Das Problem ist einfach, dass man zu wenig weiß, aber dass es auch wenig Sinn macht, wild zu spekulieren und Panik zu verbreiten. Dass die Techniker vor Ort jetzt nicht alle fünf Minuten Interviews vor laufenden Kameras geben können und wollen, muss man auch verstehen, die haben wichtigere Dinge zu erledigen.


    http://www.bbc.co.uk/news/world-asia-pacific-12763273

    Viele Grüße und einen Happy Day


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