Erdbeben in Japan - Nuklearkatastrophe von Fukushima

  • @ Daniel_23: Nein, von der Existenz dieses Blog wusste ich bis gerade nicht einmal. Der Spruch vom "Restrisiko" ist schon sehr viel älter; auch mein Bekannter hat nie ein Urheberrecht darauf geltend gemacht. Und er ist bis heute fest davon überzeugt, dass die deutsche Energiewirtschaft in den nächsten 50 Jahren noch auf Kernkraft angewiesen sein wird und es deshalb spätestens ab 2020 wieder zu KKW-Neubauten kommen wird. (Ich hoffe inständig, dass er sich damit irrt.)


    Aber wir sollten in diesem Thread keine allgemeine KK-Debatte führen, sondern hier die Katastrophe in Japan diskutieren.

    Viele Grüße und einen Happy Day


    Guy Fawkes was the only person ever to enter Parliament with honest intentions.

  • Zitat

    Original geschrieben von HappyDay989


    Ich erinnere mich noch gut an die 1970er, damals galt Kernkraft als die preiswerte, umweltfreundliche und praktisch ewig anhaltende Form der Energiegewinnung schlechthin. Klar, Kernwaffen waren "böse," aber die friedliche Nutzung der Kernkraft war damals so sehr der neuste Schrei der Technik wie heutzutage z. B. die Solarenergie.


    Naja, das Bild ist aber etwas einseitig. Ich erinnere mich noch gut an die vehementen Proteste gegen die Kernkraft in den 70ern. Insbesondere auch an die Proteste gegen den "schnellen Brüter" in Kalkar.

  • Ein klassisches Beispiel, dass es immer der Sieger ist, der die Geschichte schreibt. ;)


    Was im Nachhinein zu einer angeblichen Massenbewegung stilisiert wurde, hatte zumindest in der ersten Hälfte der 1970er die Bevölkerungsmehrheit NICHT hinter sich, und selbst nach dem Zwischenfall in Three Mile Island (Harrisburg) wurde die Mehrheit zwar kritischer, aber noch längst nicht strikt für einen Ausstieg. Die Proteste gegen Gorleben, Wackersdorf und auch den Schnellen Brüter in Kalkar erreichten doch alle erst zu Beginn der 1980er-Jahre Teilnehmerzahlen, bei denen man von einer breiten Massenbewegung sprechen kann, nicht nur von einer kleinen Minderheit.


    Das Blatt wendete sich erst nach Tschernobyl, erst ab dem Zeitpunkt darf man davon sprechen, dass sich die deutsche Bevölkerung zunehmend gegen die weitere Nutzung der Kernenergie aussprach.


    Doch wie schon gesagt: Wenn dieser Aspekt diskutiert werden soll, dann bitte im Kernkraft-Thread, nicht hier. Vielen Dank für Dein Verständnis. :top:



    Und hier eine sogar recht ordentliche Erklärung dafür, warum wir uns in Deutschland wegen Fukushima die Investition in Geigerzähler und Jodtabletten sparen können: http://blog.tagesschau.de/2011…d-von-fukushima-wegtreibt



    Und hier auch mal ansatzweise eine gute Nachricht: Es ist endlich gelungen, die Stromversorgung bis zum Reaktorblock 2 voranzutreiben. Man hofft, dass man während der nächsten 15 Stunden auch die Kühlmittelpumpen wieder versorgen und starten kann: http://www.bbc.co.uk/news/world-asia-pacific-12779512
    Jetzt heißt es für gläubige Menschen beten bzw. für die Atheisten und Agnostiker Daumen drücken, auf dass alles gelingen möge. :top:



    Japan hat inzwischen formell die Havarie in Fukushima von INES-Stufe 4 auf 5 hochgestuft: http://www.bbc.co.uk/news/world-12783832
    Das war eigentlich schon längst überfällig, und man dürfte selbst für den Fall, dass die Stromversorgung der Pumpen und damit die Kühlung des radioaktiven Materials gelingt, diesen Unfall abschließend als INES-Stufe 6 einstufen

    Viele Grüße und einen Happy Day


    Guy Fawkes was the only person ever to enter Parliament with honest intentions.

  • Zitat

    Original geschrieben von frank_aus_wedau
    Man sollte allerdings berücksichtigen, dass laufende Pumpen nur dann hilfreich sind, wenn das Leitungssystem zur Kühlung funktionsfähig ist ...


    Selbstverständlich. Dazu kommt, dass auch die Pumpen selbst durch die zwischenzeitlichen Explosionen direkt oder durch herumfliegende Trümmer beschädigt worden sein könnten.


    Hier hilft wirklich nur noch Daumendrücken und Beten...

    Viele Grüße und einen Happy Day


    Guy Fawkes was the only person ever to enter Parliament with honest intentions.

  • Ein lesenswerter Kommentar zu dieser furchtbaren Katastrophe:



    http://english.kyodonews.jp/news/2011/03/79425.html

  • Danke für den Link, Robert! :top:


    Und für diejenigen, die nicht wissen, wer Francis Fukuyama ist: Er gilt als DER liberale Gegenpol zu den konservativen Think Tanks und wurde vor 20 Jahren besonders durch sein Werk "Das Ende der Geschichte" berühmt.


    http://de.wikipedia.org/wiki/Francis_Fukuyama

    Viele Grüße und einen Happy Day


    Guy Fawkes was the only person ever to enter Parliament with honest intentions.

  • Offenbar werden die "armen Schweine" (wie sie jemand in den Medien genannt hat) zum Verbleib in dem KKW gezwungen. Tepco wollte offenbar bereits die Mitarbeiter abziehen, weil es zu gefährlich sei. Der Premierminister aber: "Eine Abberufung ist unmöglich". "Es geht nicht darum, ob Tepco kollabiert, es geht darum, ob Japan zusammenbricht", soll er demnach entgegnet haben. Ein namentlich nicht genannter Vertreter der Betreibergesellschaft sagt dem Blatt, dies bedeute, die Arbeiter sollten sich der Strahlung aussetzen und "sterben". (stern.de Ticker 8:34 Uhr)


    Traurig, sehr traurig... :(

    »Wer Sicherheit der Freiheit vorzieht, ist zu Recht ein Sklave« (Aristoteles)

  • Hier mal der Link dazu: http://www.stern.de/panorama/a…on-fukushima-1664363.html


    Falls der Premierminister das wirklich gesagt haben soll, hat er damit übrigens leider recht.
    Es mag aus 12.000 km Entfernung betrachtet skrupellos sein, 50 Menschen in ihren wahrscheinlichen Tod zu schicken. Aber davonzulaufen und zu warten, bis sich tonnenweise radioaktives Material seinen Weg in die Umwelt gebahnt hat und dann über Jahrzehnte Grundwasser, Böden, Atemluft und Nahrungsmittelproduktion belastet, das geht wirklich nicht.
    Es geht hier schon längst nicht mehr darum, eine gute statt einer schlechten Entscheidung zu treffen. Es geht leider nur noch darum, die am wenigsten tragische Entscheidung zu treffen. :(

    Viele Grüße und einen Happy Day


    Guy Fawkes was the only person ever to enter Parliament with honest intentions.

  • In der Tat ist die Situation dort vor Ort sehr traurig und den verbliebenen Arbeitern gebührt der größte Respekt. Aber: Was für eine Alternative hat man denn? Die Reaktoren einfach sich selbst zu überlassen und hoffen das schon alles nicht so schlimm wird?


    Natürlich wäre es viel schöner wenn dort nur Personen arbeiten würden die sich freiwillig der Gefahr aussetzen und sich ggf. auch für den Rest der japanischen Bevölkerung opfern. Nur ist letztendlich keinem damit geholfen wenn dort Laien versuchen das Schlimmste zu verhindern, hier müssen Experten ran. AKW und Atomenergie kann - wie man gesehen hat - auch sehr gefährlich sein. Insofern kann man auch nicht in einem AKW als Experte arbeiten und dann im Krisenfall alles stehen und liegen lassen und auf das beste hoffen.


    Und nochmal nur damit das ganz deutlich ist: Hochachtung vor den Leuten die dort ihr Leben aufs Spiel setzten (müssen). In diesem Zusammenhang muss man aber eben auch sehen, dass man nur die Wahl zwischen Pest und Cholera hat und sich letztendlich für das kleinere der beiden Übel entscheiden.

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