Erdbeben in Japan - Nuklearkatastrophe von Fukushima

  • Zitat

    Original geschrieben von frank_aus_wedau
    Der Begriff "in der Nähe des Atomkraftwerks" ist ziemlich relativ. Der bisher gezogene Kreis von 30 km kann natürlich nicht für den Einsatz von Helfern der Hilfsoganisationen gelten.


    Und warum das nicht, bitte? :confused:


    Zitat

    Original geschrieben von frank_aus_wedau
    Selbst in Tokio, das etwa 250 km vom Reaktor entfernt liegt, wäre ihr Einsatz im Hinblick auf die aktuell gemessenen Werte (und wer weiß, was noch kommt) nicht zu verantworten. Und wo man es verantworten könnte, benötigt man sie ganz sicher nicht ...


    Wie hoch sind denn die Strahlungswert Deinen Informationen nach in Tokio?


    Mir liegen hier folgende Infos vor: Am Abend des 16. März liegt die gemessene Strahlung bei 0,15 μSv/h, was nicht einmal das Vierfache der normalen Strahlungsmenge von 0,04 μSv/h darstellt. Bitte beachten, dass hier von Mikrosievert die Rede ist, nicht von Millisievert!


    http://chottomatte.net/2011/03…ion-levels-daily-updates/


    Die normale Menge entspricht also 14,6 μSv/a, das Vierfache sind knapp 60 μSv/a oder 0,06 mSv/a, womit man gerade mal 6/1000 der selbst für Babies und Schwangere als vollkommen unbedenklich geltenden Strahlungsdosis abbekommen hat; diese Werte nun auf die Jahresdosis hochgerechnet. 0,06 mSv ist übrigens die Dosis, die man bei einer normalen Röntgenuntersuchung abbekommt, bei einer kompletten Computertomographie werden es bis zu 20 mSv.


    Also bitte lass die Kirche im Dorf und mach keine Pferde scheu.



    @ Daniel_23: Ich hatte deswegen schon die kommerziell nutzbaren Reaktortypen Hochtemperaturreaktor und Brutreaktor erwähnt, bei denen ebenfalls Kernschmelze ausgeschlossen ist. ;)

    Viele Grüße und einen Happy Day


    Guy Fawkes was the only person ever to enter Parliament with honest intentions.

  • Was ichg nicht verstehe und erschreckend finde ,sind die Bilder aus dem Fernsehen ,die die Japaner mit Mundschutz zeigen.Sie tragen einen Mundschutz und die Kleinkinder,Babys,Kinder tragen keinen Mundschutz.
    Darauf kann ich mir keinen Reim machen. :rolleyes:


    Die Stimmung kocht hier teilweise sehr hoch.Und manchmal scheint es mir,das bei manch User die Freude größer ist,wenn er bei strittigen Punkt Recht hat,als die Bestürzung über das geschehen.


    Es ist Hammer was geschieht gerade und wohl keiner kann absehen was der morgige Tag bringt und welch Ausmaß das noch annimmt. Noch ein Beben?Vielleicht Stärke 8?


    Ich persönliche gehe ungerne ins Bett abends und wache auch schon mal nachts auf.
    Einige hier sind sehr gelassen und sachlich.Respekt.


    Was wie hier über die Medien erfahren und diskutieren ist definitiv nicht alles was da gerade läuft
    und vieleicht auch nur die halbe Wahrheit.


    Wie tough war Japan zu Beginn der Katastrophe und jetzt bitten sie international um Hilfe.
    Das ganze gerät völlig aus den Ruder.


    Sehe das ganze nicht als Panik mache.

    Life is too short to be small.

  • kinslayer, Du hast recht. Ich bekomme abends ebenfalls Beklemmungen und habe immer mal wieder richtig Angst um die Japaner. Die ganze Situation - nicht nur die Reaktorkatastrophe - ist so furchtbar, dass ich mich manchmal nur schwer zusammenreißen kann. :-|


    Der Mundschutz hat eher etwas mit Schutz gegen Allergien zu tun und ist in Japan generell nicht unüblich, aber da mögen mich Japan-Kenner korrigieren, sollte ich falsch liegen.

  • Zitat

    Original geschrieben von HappyDay989
    Und warum das nicht, bitte? :confused:


    Wie hoch sind denn die Strahlungswert Deinen Informationen nach in Tokio?


    Mir liegen hier folgende Infos vor: ...


    Allein aufgrund der mangelhaften bisherigen Informationspolitik zum Unfall, die zum Teil auch widersprüchliche Angaben enthält, hielte ich persönlich es als Mitglied der Führung eines Hilfswerks für absolut verantwortungslos, Helfer in dieses Gebiet zu entsenden. Allererste Voraussetzung wären verlässliche und glaubhafte Messwerte. Und die japanischen Verantwortlichen hinterlassen nicht den Eindruck, über jeden Zweifel erhaben zu sein - eher im Gegenteil.


    Zudem:
    Kommt es zum GAU, steigen die Werte sprunghaft an. Kann der GAU nicht völlig ausgeschlossen werden, wird keine verantwortungsbewusste Hilfsorganisation irgendwelche Hilfskräfte dorthin entsenden ... never!


    Frankie



    Erg.:
    Das deutsche THW hätte natürlich Züge, die etwa eine Versorgung mancher Gebiete (u.a. mit Trinkwasser) gewährleisten bzw. unterstützen könnten. Auch das allerorts fehlende schwere Gerät stünde in gewissem Umfang zur Verfügung. Zu einem Einsatz wird es bei den gegebenen Voraussetzungen aber nicht kommen. Allerhöchste Priorität genießt die Eigensicherung. Und die ist einfach nicht mit ausreichender Gewissheit gewährleistet.


    Oder könntest Du es verantworten, Helfer in ein Gebiet zu entsenden, in dem auch nur die geringste Gefahr einer radioaktiven Verstrahlung bestünde? Solches Verhalten wäre ggf. sogar strafrechtlich relevant.

  • Ich glaube diesen Link hatten wir noch nicht, da scheint es ordentliche und sachliche Infos zu geben, auch ganz gut dargestellt. Man beachte auch den Link zum Reaktorzustand oben in der Seite:
    http://www.grs.de/informatione…kushima-onagawa-und-tokai

    Zitat

    Im Auftrag des Bundesumweltministeriums sammelt und bewertet die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) Informationen zur Lage in den vom Erdbeben betroffenen Kernkraftwerken. Diese Bewertungen werden hier wiedergegeben und aktualisiert.

  • Zitat

    Original geschrieben von frank_aus_wedau
    Oder könntest Du es verantworten, Helfer in ein Gebiet zu entsenden, in dem auch nur die geringste Gefahr einer radioaktiven Verstrahlung bestünde? Solches Verhalten wäre ggf. sogar strafrechtlich relevant.


    Ich gebe zu, dass ich mich tatsächlich freiwillig zu einem Einsatz melden würde, allerdings unter der Voraussetzung, dass man mir bei Einsätzen um die 30-km-Sperrzone ein Dosimeter mitgibt, das beim Erreichen einer Belastung von 20 mSv anschlägt, damit ich rechtzeitig aus der belasteten Zone wieder herauskommen kann. Frische (= unbelastete) Kleidung und eine mobile Dekontaminationsanlage in der Nähe, und dann würde ich dieses Risiko durchaus auf mich nehmen, wenn ich dadurch die Hoffnung hätte, evtl. noch Menschenleben retten zu können.


    Ganz ehrlich: wenn einem Arbeitnehmer in einem KKW 20 mSv/a zugemutet werden können, dann sehe ich nicht, warum ich, als körperlich gesunder und halbwegs fitter Mensch, dies nicht auch aushalten sollte. Wie gesagt, wenn ich damit Menschen das Leben retten könnte, würde ich persönlich diese Entscheidung für mich treffen. Und das hat nichts mit Heldentum aus Unwissenheit zu tun. Es ist einfach so, dass bei einem gesunden Erwachsenen 20 mSv keine Strahlenkrankheit auslösen können. Über die Langzeitfolgen wie "Krebs in 25 Jahren" o. ä. kann ich mir Gedanken machen, aber ganz ehrlich: wer will 25 oder mehr Jahre später das Entstehen eines Tumors zielsicher auf eine bestimmte Exposition radioaktiver Partikel zurückführen? Das ist einfach absurd.


    PS: Falls Du zur Fraktion der Raucher gehörst, dann lass Dir sagen, dass DEIN Risiko, an Krebs zu erkranken, damit deutlich höher ist als eines Nichtrauchers, der 20 mSv Strahlung abbekommt. ;)

    Viele Grüße und einen Happy Day


    Guy Fawkes was the only person ever to enter Parliament with honest intentions.

  • Zitat

    Original geschrieben von HappyDay989
    ... und dann würde ich dieses Risiko durchaus auf mich nehmen, wenn ich dadurch die Hoffnung hätte, evtl. noch Menschenleben retten zu können.
    ...


    Die Möglichkeit, als Helfer noch Verschüttete lebend zu bergen, halte ich für verschwindend gering. Oberflächlich dürfte bereits alles abgearbeitet sein und wie den Medienberichten zu entnehmen ist, fehlte es zuletzt an schwerem Gerät, ohne das es ab einem gewissen Punkt nicht mehr geht.


    Und ehrlich gesagt:
    Der Mangel an schwerem Gerät ist mir ein wenig unverständlich. Wer in der Lage ist, große Industrieanlagen zu errichten, soll nicht in der Lage sein, Maschinen zur Bergung bereitzustellen?


    Die Zahl der Ungereimtheiten nimmt immer weiter zu. Japan exportiert auch derzeit noch Lebensmittel nach Deutschland und in der Katastrofenregion mangelt es daran? Wenn man den im Krisengebiet interviewten Betroffenen Glauben schenkt (und ich habe bisher keinen Anlass, das nicht zu tun), sind bis dato auch in den noch per Straße erreichbaren Gebieten kaum LKW mit Gütern zur Versorgung der dortigen Bevölkerung mit Wasser und Lebensmitteln aufgetaucht ... und Japan ist nun wirklich kein Land, in dem es daran mangelt. Auch nach Beben und Tsunami nicht. Für die Folgen von Beben gehe ich mal davon aus, dass in Japan wenigstens insoweit ausreichende Vorsorge getroffen wurde. Auf Beben ist man dort eingerichtet - wie immer wieder betont wird.


    Ich befürchte, dass Japaner ihre Landleute im Stich lassen und sich selbst nicht mit Versorgungsgütern und Bergungsgerät ins Katastrofengebiet trauen - anders ist das für mich kaum zu erklären ... :confused:


    Eine plausible Erklärung ist mir jedenfalls bisher noch nicht zu Ohren gekommen - was nicht ausschließt, dass es sie gibt. Ich bin jedenfalls ein wenig verwirrt ob mancher Berichte.


    Frankie

  • In den Medienberichten, die ich gehört habe, wurde eigentlich keine Kritik an den Aufräumarbeiten geäußert, im Gegenteil. Es wurde aber klar, wie schwierig diese sind und dass schweres Gerät zwar zur Verfügung steht, aber kaum eingesetzt wird, um die Bergung eventuell noch Lebender nicht zu gefährden.


    Woran es Japan anscheinend im Hinblick auf die gegenwärtigen Probleme mangelt, sind Hubschrauber, die sie jetzt in Hülle und Fülle benötigen würden. Das würde in so einer Lage fast allen Ländern so gehen. Dass die Japaner sich gegenseitig im Stich lassen, finde ich angesichts der gegenwärtigen ernsten und bedrohlichen Lage und der Tatsache, dass gut 80.000 Armeeangehörige an Bergung und Aufräumarbeiten teilnehmen und ua am Reaktor in waghalsigen Einsätzen ihr Leben riskieren, eine abwegige Aussage. Verbal auf das Volk einzuprügeln, das gegenwärtig von drei schweren Schicksalsschlägen getroffen ist, hinterlässt keinen guten Nachgeschmack. Wer von uns hat denn überhaupt einen so guten Überblick über die Situation, dass wir uns über so etwas ein Urteil erlauben könnten? Das sind doch Ferndiagnosen, ohne auch nur den Ansatz einer belastbaren Faktengrundlage, die man aus dieser Entfernung als Beobachter gar nicht haben kann. (Und da spreche ich jetzt ausdrücklich nicht von der Reaktorkatastrophe, sondern von den anderen Unglücken.)


    Dieses Land erlebt gerade drei gigantische Katastrophen. Die Bewältigung jeder einzelnen Katastrophe würde die meisten Länder überfordern. Die USA waren bei Katrina am Anschlag. Aber es ist ja klar: Wir Deutschen würden das mal wieder alles viiieeel besser machen.


    Am besten lassen wir möglichst schnell einige der Forum-Experten einfliegen, damit man den Japanern zeigt, wie man die Lage in den Griff bekommt.

  • Zitat

    Original geschrieben von kinslayer
    Was ichg nicht verstehe und erschreckend finde ,sind die Bilder aus dem Fernsehen ,die die Japaner mit Mundschutz zeigen.Sie tragen einen Mundschutz und die Kleinkinder,Babys,Kinder tragen keinen Mundschutz.
    Darauf kann ich mir keinen Reim machen. :rolleyes:
    ...




    Erwachsene tragen einen Mundschutz um andere NICHT anzustecken - bspw. mit einer einfachen Erkältung.


    Bei uns ist der Gedankengang leider genau andersrum, derjenige der einen Mundschutz trägt will sich selber nicht infizieren.


    Daher nocheinmal: Der Japaner denkt an den anderen und will ihn NICHT infizieren! Daher trägt der "kranke (=Schnupfen reicht schon)" einen Mundschutz!

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