Ich fand den konfrontativen Fragestil an sich okay - das ist in der BBC wirklich Gang und Gäbe, übrigens auch in den Morgensendungen des Deutschlandfunks. Das Problem war, dass beiden keine guten Tag erwischt hatten. Gabriel hätte sich eleganter aus der Affäre ziehen können, und Frau Slomka hat - allerdings nur für deutsche Ohren - vielleicht einmal zu viel nachgefragt. Dass sie das Thema angesprochen hat, finde ich nicht manipulativ, sondern durchaus okay. Es ist etwas, das in den Tagen davor und auch danach (zum Beispiel in der Markus Lanz-Sendung, wo sich mehrere in gleicher Weise über das Mitgliedervotum geärgert haben) diskutiert wurde, und Gabriel musste damit rechnen.
Aber in dem Moment, in dem er Slomka vorwarf, Blödsinn zu fragen und Dinge zu behaupten, die nicht stimmten, obwohl sie es doch stimmten (etwa die Frage, ob es Verfassungsrechtler gibt, die die Befragung kritisch sehen), konnte sie auch nicht mehr zurück, sondern musste ihrerseits hart bleiben. Deshalb misslang das Interview - allerdings, um es zu wiederholen, nur für deutsche Ohren. Briten hätten nicht verstanden, warum wir uns jetzt so darüber aufregen.