Ukraine / Krimkrise

  • Dass der Westen sich im Vorfeld der Ukraine-Krise nicht immer klug verhalten hat - was auch damit zu tun hat, dass es 'den' Westen nicht gibt - steht m.E. außer Zweifel. Daraus zu folgern, Putin habe deshalb keine andere Wahl gehabt, als die Nachfolgeregierung in der Ukraine zu destabilisieren und die Krim zu annektieren, ist dagegen eine mehr als waghalsige, abwegige und geradezu alberne Annahme. Das wird aber auch niemand mehr vertreten wollen - jedenfalls nicht wenn er ernst genommen werden möchte.

  • Zitat

    Original geschrieben von Robert Beloe
    ...
    Die Forderung, Russlands Aktionen einfach zu billigen und nichts zu unternehmen, weil alles andere ohnehin nutzlos sei, ist übrigens nicht nur ein Wunsch, ...


    Hat diesen Wunsch hier jemand geäußert?

  • Ich hab Galliums Link noch einmal gesichtet und beim zweiten Lesen ist mir folgender Absatz aufgefallen:


    "Die Antwort auf diese Frage könnte sich aus einem jüngst publizierten Strategiepapier des Internationalen Währungsfonds (IWF) ableiten, in dem es heißt, dass Kiew zur Sicherung und zum Erhalt seiner mit dem IWF vereinbarten Bailout-Tranchen in einer Gesamthöhe von $17 Milliarden unbedingt die gegen Kiew aufbegehrenden Regionen im Osten und Süden des Landes wieder unter seine politische und militärische Kontrolle bekommen müsse."


    Diese Aussage erklärt natürlich, warum die ukrainische Regierung einen Waffenstillstand mit allen Mitteln zu verhindern sucht und sie um jeden Preis (in erster Linie Menschenleben) das Blutbad im Osten forciert: Die Aussicht auf Geld!



    Aber sollten wir nicht anstelle der (in weiten Teilen berechrigten) Kritik an Russland eigentlich die Kritik am menschenverachtenden Regime in Kiew in den Vordergrund rücken? Auch mich hatte die Diskussion um die Rolle Russlands (zeitweise) von dessen Verbrechen abgelenkt. Ich muss zugestehen, dass ich den Strategen (fast) "auf den Leim getrapst" wäre.


    Sollten wir uns nicht auf das Wesentliche konzentrieren? Auf das Massentöten eines Regimes, welches nur deshalb gewählt werden konnte/kann, weil der demokratisch legitimierte rechtmäßige Amtsinhaber durch einen Putsch widerrechtlich gestürzt wurde?

  • Zitat

    Original geschrieben von frank_aus_wedau
    Das Einzige, was jetzt noch das Allerschlimmste verhindern kann, heißt: DEESKALATION.

    Achso, das ist also der Grund, warum Putin Truppen und Militärausrüstung völkerrechtswidrig in die Ukraine schickt. Zur Deeskalation. Die Ukraine und die "westlichen Länder" drängen doch schon von Anfang an auf eine politische Lösung, doch Russland fühlt sich natürlich nicht zuständig, weil man ja offiziell nicht in der Ukraine tätig sind.

    Zitat

    Original geschrieben von frank_aus_wedau
    Aber sollten wir nicht anstelle der (in weiten Teilen berechrigten) Kritik an Russland eigentlich die Kritik am menschenverachtenden Regime in Kiew in den Vordergrund rücken?

    Nein, das sollten wir natürlich nicht.

    Zitat

    Original geschrieben von frank_aus_wedau
    Sollten wir uns nicht auf das Wesentliche konzentrieren? Auf das Massentöten eines Regimes, welches nur deshalb gewählt werden konnte/kann, weil der demokratisch legitimierte rechtmäßige Amtsinhaber durch einen Putsch widerrechtlich gestürzt wurde?

    Der Kampf gegen die Separatisten wurde doch erst durch massenhafte personelle und materielle Unterstützung der Separatisten aus Moskau richtig blutig und in die Länge gezogen.

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  • Zitat

    Original geschrieben von frank_aus_wedau
    Hat diesen Wunsch hier jemand geäußert?


    Das ist wohl eher eine rhetorische Frage, und eine Diskussion darum ist mit bestimmten Usern hier leider absolut sinnlos.


    Positionen, die hier unter anderem vertreten wurden:


    - die Ukraine ist kein eigenes Land, sondern gehört zu Russland
    - die Krim ist russisches Gebiet
    - Sanktionen sind kontraproduktiv
    - die Diplomatie wurde nicht ausgereizt (geäußert zu einem Zeitpunkt, als sich Krisentreffen westlicher Spitzenpolitiker mit dem russischen Außenminister und Telefonate mit Putin so häuften, dass man den Überblick verlieren konnte, während Russland sich anfangs de facto weigerte, eine Kontaktgruppe einzurichten)
    - Schuld ist allein der Westen


    usw. usf.


    Ich sage nicht, dass die Welt schwarz und weiß ist. Die Außenpolitik westlicher Staaten war nicht immer klug, zum Teil sogar fehlerhaft. Doch ist 'der' Westen kein Monolith, sondern eher eine Art Konstrukt in der Wahrnehmung Dritter. Die schwedische, finnische, polnische, deutsche, französische, britische, deutsche, amerikanische Außenpolitik unterscheiden sich beträchtlich, und insbesondere im Hinblick auf Russland. Anfangs führte diese Verschiedenheit - und die Verblüffung über das, was sich in Russland und der Ukraine abspielte - ja auch zu Verunsicherung, was die Reaktion auf das russische Handeln angeht. Dennoch: Damit ist vielleicht ein Rahmen beschrieben für das, was sich in diesem Jahr ereignet hat. Aber dieser Rahmen kann keine Entschuldigung für die Annexion und Destabilisierung der Ukraine durch Russland und die völkerrechtswidrige Annexion der Krim sowie die verdeckte militärische Intervention sein. Sie kann noch nicht mal eine Erklärung dafür liefern.


    Um das mal zu illustrieren an einem historischen Beispiel: Eine der Überlegungen zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs ist auch, dass die damalige weltpolitische Führungsmacht Großbritannien mit dieser Supermachtrolle de facto überfordert war. Aber auch das beschreibt nur einen Rahmen und kann relativ wenig zu einer Erklärung dafür beitragen, wieso Europa 1914 in den Abgrund stürzte.

  • Zitat

    Original geschrieben von john-vogel
    ...
    Der Kampf gegen die Separatisten wurde doch erst durch massenhafte personelle und materielle Unterstützung der Separatisten aus Moskau richtig blutig und in die Länge gezogen.


    Russland tritt seit langem und vehement für einen Waffenstillstand und die sofortige Beendigung der Kampfhandlungen ein. Es ist das Regime in Kiew, welches das Blutbad unbedingt fortsetzen will.


    Die Darstellung Kiews, das Gemetzel an der eigenen Bevölkerung ende kurzfristig durch einen Sieg, war offenbar von Beginn an hohle Propaganda. Ist das Töten anderweitig nicht zu stoppen, tendiere ich zu der Lösung, dass Russland den Konflikt kurzfristig militärisch beendet. Der russischen Armee dürfte die Ukraine wenig entgegenzusetzen haben.


    Völkerrecht hin oder her ... wer diesen Konflikt schnellstmöglich beenden kann, soll das in meinen Augen tun. Das Völkerrecht darf doch nicht zur Legitimierung eines Massakers an der eigenen Bevölkerung dienen!


    Das kann doch nicht das Ziel des Völkerrechts sein!



    Aber das ist meine höchstpersönliche Sicht der Dinge, die auch weiterhin davon ausgeht, dass ein solches Vorgehen Russlands einen formalen Verstoß gegen das Völkerrecht beinhalten dürfte. Ein Recht, welches aus meiner Sicht in weiten Teilen aber inzwischen zur Makulatur verkommen ist und das nach Gutsherrenart bei Belieben angewandt wird ... oder eben auch nicht.

  • Wann kommt die Forderung danach, dass Russland die ganze Ukraine besetzt, um diese zu 'befrieden'?

  • Gibt es dort etwas zu befrieden?


    Bisher konnte ich den Meldungen jedenfalls nichts dergleichen entnehmen ... :confused:



    Edit:
    Aber gut ... wer den US-amerikanischen "way of war" als Maßstab nimmt, würde natürlich zu der Frage gelangen, dass möglicherweise die gezielte Ausschaltung der Machthaber in Kiew durch einen der beliebten Droheneneinsätze das Mittel der Wahl sein könnte.


    Was ich davon halte? Nix.

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