Ukraine / Krimkrise

  • Zitat

    Original geschrieben von pithein
    Helmut Schmidt hat sich doch schon früher gegen eine Verteufelung Russlands ausgesprochen.

    Von "Verteufelung" hat ja niemand gesprochen. "Mehr Verständnis für die russische Position als andere" würde ich ihm aufgrund seiner letzten Äußerungen in der Sache aber ebenfalls zuschreiben. Deswegen hatte ich ihm wohl auch die Unterzeichnung zugetraut.
    Dennoch ist die Betrachtung von "die für Russland bedrohlich wirkende Ausdehnung des Westens nach Osten ohne gleichzeitige Vertiefung der Zusammenarbeit mit Moskau" auf dem gleichen Level wie die Annexion der Krim - und das tut der Aufruf - schon ein starkes Stück, das nicht jeder mitmacht. Ob Schmidt eventuell die Unterzeichnung angetragen wurde (könnte man vermuten, siehe den oben verlinkten Fall Dohnanyi) und er abgelehnt hat, weiß ich aber nicht.

  • Zitat

    Original geschrieben von Gallium
    Ich räume ein, dass ich als technischer Ingenieur eher gewohnt bin, materielle Werte und Leistungen abzurechnen. Dafür, dass auch das ideelle 'Gewerbe' nicht von 'Luft und Liebe' leben kann, erkenne ich bspw im Bereich der Künste oder auch der Philosophie natürlich ebenfalls an.


    Bei den Unterzeichnern sind aber zahlreiche Lehrstuhlinhaber (und teils Anwärter darauf), deren Lehrstuhl durch staatliche Institutionen (bspw Deutsche Stiftung Friedensforschung) finanziert wird.
    Wie würde wohl die weitere Karriere einer Anwärterin auf einen solchen Lehrstuhl aussehen, wenn sie sich weigern würde zu unterschreiben - oder gar schlimmer, den Aufruf der 60 Prominenten unterzeichnete?! :p :cool:

    Was passieren würde? Gar nichts. Und schon gar nicht hätte ein Lehrstuhl-Anwärter irgendeinen Nachteil, wenn er hier nicht unterschreibt.


    Gallium, Du verlinkst einen Aufruf von Osteuropa-Experten ersten Ranges, die nicht nur in Deutschland, sondern international - und zwar auch in Russland selbst - hoch renommiert sind und anstatt Dich mit seinen Argumenten auseinanderzusetzen, unterstellst Du ohne jedes Indiz oder gar einen Beweis dafür unlautere Motive. Das ist schon mal an sich eine ziemlich fragwürdige Argumentationsweise.


    Wenn man Einblick hat darin, wie in den Sozialwissenschaften Lehrstuhl-Berufungen und die Vergabe von Fördermitteln funktionieren, dann ist die Vorstellung, dass so eine Berufung auch nur in irgendeiner Weise abhängt von öffentlichen Äußerungen dieser Art, einfach nur absurd. Um es zu wiederholen: Damit sage ich nicht, dass diese Vergaben immer gut ablaufen und nach den richtigen Kriterien, aber die von Dir unterstellten Kriterien spielen dabei nun wirklich keine Rolle. Das Gegenteil ist sogar der Fall.


    Und abgesehen davon ist der Vorwurf um so absurder, wenn man sich die Leute, die ihn unterschrieben haben, im Einzelnen ansieht. Zu unterstellen, dass jemand wie Dietmar Neutatz oder Herr Gestwa so einen Aufruf unterzeichnet, weil er ansonsten Angst haben müsste, keine Fördermittel mehr zu bekommen, ist nicht nur ein bisschen infam, sondern sogar eine geradezu komische Vorstellung. Und nicht nur deshalb, weil so ein Handeln für ihre Forschungen absolut kontraproduktiv wären. Wenn diese Leute nämlich so kurzsichtig nach Vorteilen schielen würden, dann müssten sie eher die russische Seite unterstützen, denn das ist das Land, dessen Archive und Bibliotheken sie nutzen müssen, deren Benutzung immer noch nicht überall selbstverständlich ist.


    Daher ist Dein Posting nicht, wie von Frank angedeutet, besonders logisch, sondern sogar das genaue Gegenteil.

  • Zitat

    Auszug aus dem "Gegen-Aufruf"
    Die Ukrainische Sowjetrepublik verlor zwischen 1941 und 1944 mindestens fünf Millionen Menschen. Über zwei Millionen Ukrainer wurden als Zwangsarbeiter nach Deutschland verschleppt. Etwa vier Millionen ukrainische Rotarmisten nahmen an der Niederschlagung des Dritten Reiches teil. Gerade wir Deutschen können nicht abermals die Augen verschließen, wenn es um die Souveränität einer postsowjetischen Republik, ja um das Überleben des ukrainischen Staates geht.

    Das ist doch wirklich ein Grund um seine Unterschrift darunter zusetzen, zumal die Russen bei weitem geringere oder sogar keine Opfer bei der Niederschlagung des Dritten Reiches hatten!
    Haben die Russen überhaupt mitgewirkt?

  • Zitat

    Original geschrieben von beesdo77
    Das ist doch wirklich ein Grund um seine Unterschrift darunter zusetzen, zumal die Russen ...


    Meinst Du solche hier:


    Ohne Worte :rolleyes:


    Beim dem weiß man wirklich nicht so recht, wie er tickt ... und ob er zwischenzeitlich eine "russische Seele" hat, wie er vorgibt. Bei Schauspielern (und Politprofis) besteht nicht einmal der Hauch einer Chance, hinter die Stirn zu blicken.


    Sein Klunker am Arm ist echt zum abgewöhnen, entspricht aber wohl (immer noch) dem russischen Ideal ... zumindest demonstriert der Werbespot (auch), dass russisches Handeln nicht mit der hier üblichen Denkweise interpretiert werden kann. Das ist der Fehler, den viele machen. Wir hier im Westen reagieren einfach anders auf äußere Einflüsse - von daher darf man von Russen nicht erwarten, dass sie so reagieren, wie wir das aus unserem gesellschaftlichen Kontext heraus tun würden. Putin konnte sein (damaliges) Glück wahrscheinlich kaum fassen ...



    Edit:
    Hätten wir diese Erkenntnis schon im Rahmen der Reaktion auf den Umsturz in der Ukraine beherzigt, wäre sogar die Abspaltung der Krim möglicherweise noch zu verhindern gewesen. Stattdessen hat unsere (falsche) Reaktion Putin in die Hände gespielt, weil sie Vorgänge in den Köpfen der ukrainischen Russen begünstigt hat, die Putin für seine Zwecke nutzen konnte.

  • Zitat

    Original geschrieben von beesdo77
    Das ist doch wirklich ein Grund um seine Unterschrift darunter zusetzen, ...


    Während des Zweiten Weltkrieges kämpften etwa 300.000 Ukrainer in deutschen Streitkräften.
    Die wollten keine Sowjetrepublik, sondern eine unabhängige Ukrainische Republik.
    Leider wurden viele Ukrainer als Zwangsarbeiter nach Deutschland deportiert.
    Einige blieben in Deutschland. Von einem erlernte ich - zusammen mit seinen Kindern - die Grundzüge des Schachspiels.

  • Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, war es auch im WW II so, dass ein Teil der im Westen der Ukraine lebenden Bevölkerung der Westmacht (in Person des Deutschen Reiches) nahestand, während weite Teile der Bevölkerung im Osten auf Seiten der Roten Armee standen.


    Andererseits beantragte eine per Volksabstimmung im Westen gewählte Regierung die Aufnahme der Ukraine in die SU, während eine dritte Kraft für die Unabhängigkeit der UA eintrat. Die große Ambivalenz der Bevölkerung in der Frage, ob sich das Land dem Westen oder dem Osten zuwenden soll, hat es wohl auch damals schon gegeben.


    "Zwischen den Stühlen" scheint heute wie damals der passende Ausdruck für Land und Bevölkerung zu sein. Vielleicht wäre es für die Ukraine nach dem Zerfall der SU besser gewesen, eine neutrale Position einzunehmen - dass hieraus auch Vorteile (nicht nur als Finanzplatz) entstehen können, zeigt die Geschichte der Schweiz. Als gestärktes Land wäre es der Ukraine später leichter gefallen, sich von einer der beiden globalen Richtungen zu lösen.



    Edit:
    Wenn ich mir die gegenwärtige Rolle der Türkei ansehe, könnte sie es sein, dass diese inzwischen den eher neutralen Platz zwischen Ost und West anstrebt, weil ihr die Aufnahme in die EU weiterhin verwehrt wird. Möglicherweise resultiert aus letzterem Umstand sogar noch ein Vorteil für die Türkei, weil sie aus zwei Richtungen hofiert wird und sich im "Rosinenpicken" üben kann. Das hätte die EU dann selbst zu verantworten.


    Scheinbar wurde diese Gefahr bisher nur von den USA realisiert, die stets auf eine Aufnahme der Türkei in die EU drängten. Hier hätte man vielleicht tatsächlich einmal gut daran getan, sich beeinflussen zu lassen ...

  • Die skrupellose Rumballerei der Russen mit der BUK war wohl nicht genug:


    http://www.theguardian.com/wor…passenger-aircraft-sweden


    "... For the second time this year, a Russian military aircraft turned off its transponders to avoid commercial radar and nearly collided with a passenger jet over Sweden, officials have said.


    Swedish authorities said that on Friday, a Russian military aircraft nearly collided above southern Sweden with a commercial passenger jet that had taken off from Copenhagen in Denmark.


    Sweden’s air force chief, Major General Micael Bydén, said the aircraft’s transponders, which make the plane visible to commercial radar, were shut off. Swedish fighter jets were sent up to identify the aircraft, and Hultqvist later identified it as a Russian intelligence plane.


    “This is serious. This is inappropriate. This is outright dangerous when you turn off the transponder,” Swedish defence minister Peter Hultqvist said on Swedish radio. ..."

    LG: V30
    Samsung: Galaxy Tab S2 LTE, A5 (2017);
    Sony: Xperia X Compact;

  • Miltärmaschinen aller Länder fliegen häufiger ohne aktiven Transponder. Sie sind deshalb trotzdem auf dem Radar zu sehen und sehen auch selbst andere auf ihren Bordinstrumenten.
    Gefährlich wird's dagegen, wenn die Flugsicherungs-Systeme komplett sabottiert werden, da die zivile Flugsicherung dann kaum noch Möglicheiten hat, Flugrouten kollisionsfrei zu koordinieren.


    Über mehreren europäischen Staaten wurde das Flugsicherungssystem mehrfach, teils stundenlang angegriffen - von einer AWACS-Maschine und aus Rammstein :eek:
    Vermutlich waren das auch wieder die russischen Foren-Trolle, die da das AWACS-System gehackt hatten und die Rammstein-Airbase stundenlang besetzten :p :apaul:


    ...aber Moment mal... Schweden :confused: ....hatten die nicht erst neulich wieder ein russisches U-Boot vor ihrer Küste versenkt :cool: ;)
    Man kann in Schweden schon gar nicht mehr baden gehen bei den vielen U-Boot-Wracks ;) :D


    Wer den Abschuss von MH17 verursacht hat, ist lt niederländischem Bericht immer noch ungeklärt... ...übrigens, genau wie das Verschwinden von MH370 im Umfeld Australiens. Auch die verschwand urplötzlich von den Radarschirmen
    ...aber da unten sollen ja auch russische Trolle rumhüpfen ... *doing-doing-doing*

  • Zitat

    Original geschrieben von Robert Beloe
    Wenn man Einblick hat darin, wie in den Sozialwissenschaften Lehrstuhl-Berufungen und die Vergabe von Fördermitteln funktionieren, dann ist die Vorstellung, dass so eine Berufung auch nur in irgendeiner Weise abhängt von öffentlichen Äußerungen dieser Art, einfach nur absurd.

    Wie bereits eingeräumt, arbeite ich nicht in diesem Bereich. Jedoch müssen viele dieser Institute eigenständig Budgets aquirieren. Daher ist es nicht, wie Du mir vorwirst, infam (sprich bösartig), für deren Interessenlage Verständnis aufzubringen.

    Zitat

    Und abgesehen davon ist der Vorwurf um so absurder, wenn man sich die Leute, die ihn unterschrieben haben, im Einzelnen ansieht.

    Da sollte man zunächst differenzieren:
    Mitarbeiter amerikanischer ThinkTanks, wie bspw Jörg Forbrig (German Marshall Fund of the United States, Berlin). Solche Leute haben sich diese ganzen 'Neuen Demokratien' überhaupt erst 'ausgedacht'. Für Überzeugungstäter kann ich nur schwer Verständnis aufbringen :mad:


    Im Gegensatz dazu kann ich die Motivation einer Vertretungsprofessorin, wie bspw Kerstin Zimmer (Philipps-Universität Marburg), durchaus nachvollziehen.
    Dass ihr Lehrstuhl mit staatlichen Geldern aus der deutschen Stiftung für Friedensforschung gefördert wird (dort entscheiden Politiker über die Mittelvergabe), lässt nur bedingt an Unanhängigkeit glauben :gpaul:


    Auffällig fand ich bei der Recherche übrigens die zahlreichen Studiengänge dieser Institute, die zu einem beachtlichen Teil 'rein zufällig' im Zeitraum um 2004 aufgelegt wurden. (Orangene Revolution)


    Bei aller 'Friedens-Forschung' ist das derzeitige Ergebnis alles andere als Frieden :mad:
    Im Gegensatz dazu hatten zahlreiche Unterzeichner des Prominentenaufrufs die Beendigung des Kalten Kriegs erreicht. An diesem Maßstab müssen sich alle 'selbsternannten Friedensforscher' nun erst einmal messen :top:

  • Zitat

    Original geschrieben von Gallium
    Wie bereits eingeräumt, arbeite ich nicht in diesem Bereich. Jedoch müssen viele dieser Institute eigenständig Budgets aquirieren. Daher ist es nicht, wie Du mir vorwirst, infam (sprich bösartig), für deren Interessenlage Verständnis aufzubringen.


    Man merkt, dass Du von diesem Bereich keine Ahnung hast. In so einem Fall sollte man sich allerdings nicht mit - ja eingestandener Weise ahnungslosen - Unterstellungen vorwagen, sondern sich einen Tipp eines Kabarettisten und von Hannah Arendt zu Herzen nehmen. ;) Denn selbstverständlich ist es infam zu unterstellen, honorige Persönlichkeiten und Wissenschaftler wie Beyrau, Neutatz und Kappeler verträten ihre Positionen nicht, weil sie diese Positionen inhaltlich teilen, sondern um Mittel zu akquirieren. Die Vorstellung, eine Vertretungsprofessorin könnte mit Vorteilen rechnen, weil sie so einen Aufruf unterzeichnet, ist wirklich absolut lachhaft. Es ist sogar das Gegenteil der Fall. Gerade Privatdozenten auf der Suche nach einem Lehrstuhl halten sich aus direkt politischen Aktionen in aller Regel heraus, um sich nicht mangelnde Wissenschaftlichkeit unterstellen zu lassen. Es ist für solche Leute eher ungewöhnlich, wenn sie sich in dieser Weise exponieren. Die meisten wagen sich da erst aus sicherer Position hervor - wenn sie nämlich einen Lehrstuhl innehaben. Schon deshalb sind Deine Unterstellungen wirklich absolut abwegig.


    Absurd sind sie darüber hinaus auch, da bei der Mittelakquise auch sonst ganz andere (manchmal ebenfalls nicht sinnvolle, aber sei's drum) Kriterien eine Rolle spielen als die von Dir unterstellten. Und zudem ist es leider eine ziemlich unlautere Art zu argumentieren, da sie es vermeidet, auf die sachlichen Argumente einzugehen.

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