EU-Roaming ab 15.6.2017: Fair Use Policy

  • Die Kommission hat einen Entwurf für die Durchführungsverordnung zu den Punkten Fair Use Policy und Tragfähigkeit veröffentlicht:

    http://ec.europa.eu/info/law/b…atives/ares20164977189_de


    Danach können die Anbieter in einer Fair Use Policy u.a. das aufschlagfreie Roaming auf 90 Tage pro Jahr begrenzen oder ein Log-in im Heimatnetz nach spätestens 30 Tagen verlangen, Art. 3(1) lit. (a), lit. (b).


    Für "open bundles" (u.a. Flatrates im Sprachgebrauch der deutschen Anbieter) dürfen bestimmte Einschränkungen vorgesehen werden; die Untergrenze ist der durchschnittliche monatliche Verbrauch (aller Tarifnutzer, nicht individuell), vgl. lit. (d) zu den Details.



    Auf der Kommissionsseite kann man auch Feedback zu dem Entwurf abgeben.

  • Für Prepaid ist Art. 3(1) lit. (e) relevant. Danach darf eine Fair Use Policy *nicht* verlangen, dass der Nutzer im Inland eine Mindestnutzung erreicht hat, die *über* dem Durchschnittsumsatz (für Prepaid) liegt. Bezugsgröße ist der Durchschnittsumsatz für Prepaid in einem Land, also nicht anbieterbezogen.


    Das bedeutet im Umkehrschluss, dass das aufschlagfreie Roaming an das Erreichen des Durchschnittsumsatzes im Inland geknüpft werden darf.

  • Nach Art. 3(2) wird ein Tag nicht mitgezählt, wenn man sich noch am gleichen Tag wieder im Heimatnetz anmeldet: >> Grenzgänger.

  • Zitat

    Original geschrieben von john-vogel
    Sehr interessant, danke für den Link! Klingt für mich nach einem fairen Kompromiss.


    Das Limit von 30 Tagen für eine Abwesenheit scheint mir auf den ersten Blick streng. Das bedeutet, dass die “Zugvögel”, die z.B. in Spanien überwintern, herausfallen. Natürlich haben die sinnvollerweise auch eine lokale Karte und Nummer. Trotzdem ist das eine spürbare Einschränkung.

  • Wobei das die minimalen Anforderungen sein werden. Ich glaube, dass soll für eine ganz große Mehrheit reichen.


    Jeder Anbieter darf Tarife mit einer besseren FUP oder sogar ohne der FUP anbieten. Das zeichnet sich schon jetzt ab, da wir ja EU-weit immer mehr Vertragstarife sehen, bei denen EU-Roaming ohne Einschränkungen möglich ist. Die "Zugvögel" werden dann den Tarif/Anbieter aus einem der beiden Länder wählen müssen, bei dem sowohl die FUP großzügig genug sein wird, wie auch die Preise angemessen.


    Die fast frei gestaltbare Einschränkung bei Prepaid und die sehr schwer erhältlichen Mobilfunk-Verträge in anderen Ländern werden nach meiner Meinung ziemlich gut verhindern können, dass man günstigere Anbieter aus anderen Ländern benutzen könnte.


    Dass die Grenzgänger generell zuschlagsfrei roamen werden können und die Tage, an denen man zumindest kurz im Heimnetz eingebucht ist, nicht die 90 Tage vermindern, ist wirklich kundenfreundlich! Auch die Tages-/Wochenend-Ausflüge usw. würden somit die 90 Tage nicht schmälern.


    Die Begrenzung der Geschwindigkeit im Roaming auf weniger als zuhause sollte auch nicht mehr erlaubt sein (bei O2 nicht mehr so streng, aber weiterhin präsent).

  • Zitat

    Original geschrieben von peterdoo
    Jeder Anbieter darf Tarife mit einer besseren FUP oder sogar ohne der FUP anbieten. Das zeichnet sich schon jetzt ab, da wir ja EU-weit immer mehr Vertragstarife sehen, bei denen EU-Roaming ohne Einschränkungen möglich ist. Die "Zugvögel" werden dann den Tarif/Anbieter aus einem der beiden Länder wählen müssen, bei dem sowohl die FUP großzügig genug sein wird, wie auch die Preise angemessen.

    So ist es.


    Neben den "Endverbraucherpreisen" reguliert die EU ja auch die Großhandelspreise zwischen den europäischen Netzbetreibern. Seit diesem Jahr kostet Roaming für den EU-Kunden maximal "einheimischer Preis + Großhandelspreis". D.h. mit dem Roaming der eigenen Kunden im Ausland kann man keinen Mehrgewinn mehr erzielen als mit der Nutzung zu Hause, denn so war es ja bisher noch.


    Viele Betreiber scheinen daher zu dem Schluss gekommen zu sein, dass nun durch die niedrigen Großhandelspreise + die nicht mehr vorhandenen Zusatzgewinne die Mischkalkulation aufzugehen scheint.

    iPhone 15 Pro im o2 Netz

  • Zitat

    Original geschrieben von peterdoo
    Die "Zugvögel" werden dann den Tarif/Anbieter aus einem der beiden Länder wählen müssen, bei dem sowohl die FUP großzügig genug sein wird, wie auch die Preise angemessen.


    Realistischerweise brauchen die zwei Karten (und zwei Festnetzanschlüsse). Das eigentliche Problem ist ja, dass in vielen Märkten die Gespräche vom Inland zu ausländischen Nummern enorm teuer sind. Spanien gehört zwar nicht dazu, sogar beim historischen Anbieter (Movistar/Telefónica) sind die entsprechenden Preise niedrig. Anderswo funktioniert das aber nicht.


    Meiner Meinung nach eine unglückliche Lücke in der Regulierung; die rechtlichen Erwägungen kann mir vorstellen, trotzdem bleibt die Regulierung so unvollständig. Und die Anbieter bekommen die Quittung durch FaceTime, Skype oder andere OTT services. Wer am Ast sägt..

  • Zitat

    Original geschrieben von peterdoo
    Die fast frei gestaltbare Einschränkung bei Prepaid und die sehr schwer erhältlichen Mobilfunk-Verträge in anderen Ländern werden nach meiner Meinung ziemlich gut verhindern können, dass man günstigere Anbieter aus anderen Ländern benutzen könnte.



    Zitat

    Original geschrieben von john-vogel
    Neben den "Endverbraucherpreisen" reguliert die EU ja auch die Großhandelspreise zwischen den europäischen Netzbetreibern. Seit diesem Jahr kostet Roaming für den EU-Kunden maximal "einheimischer Preis + Großhandelspreis". D.h. mit dem Roaming der eigenen Kunden im Ausland kann man keinen Mehrgewinn mehr erzielen als mit der Nutzung zu Hause, denn so war es ja bisher noch.



    Die Großhandelspreise werden ja ebenfalls noch neu festgesetzt. Der Vorschlag der Kommission sieht Obergrenzen von
    - €0.04/min
    - €0.01/SMS
    - €0.0085/MB
    vor (COM(2016) 399 final, als pdf: http://www.europarl.europa.eu/…nne/com/2016/0399/COM_COM(2016)0399_EN.pdf). Nach Presseberichten ist die holländische Regierung der Auffassung, dass sie niedriger ausfallen könnten.


    In den Ländern, in denen das Endkundenpreisniveau diese (bzw. die endgültig festgesetzten) Beträge hergibt, ist sogar bei Prepaid der Bedarf für Einschränkungen auf Fair Usage-Basis gering.

  • Zitat

    Original geschrieben von john-vogel
    Sehr interessant, danke für den Link! Klingt für mich nach einem fairen Kompromiss.

    Die Beschraenkung auf 90 Tage find ich schon doof. :(


    Besser haette ich es gefunden man haette einfach eine Begrenzung auf 500 Sprachminuten / 500 SMS / 500MB gemacht, dafuer aber die Nutzung an dauerhaft ermoeglicht.


    Denn gerade in Regionen wo die Deutschen Netze nicht so gut ausgebaut sind waere es schoen wenn man z.B. mit nur einer SIM alle Netze nutzen koennte.


    Meine Hoffnung waere vorallem TIM gewesen weil die ein grosser Anbieter sind aber keinem Internationalen Konzern angehoeren. In Deutschland ginge GSM/UMTS Roaming in allen Netzen, LTE Roaming bei T-Mobile und o2. ;)



    Selbst wenn man von den 3GB nur 500MB in anderen Laendern nutzen koennte waere es immer noch toll.

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