Streik im Osten - Schaufeln am eigenen Grab?

  • Zuerst mal: BB: :top: Selten ein Posting gelesen, und dabei "recht hat er" gesagt, wie bei Deinem !


    Insgesammt kann man wirklich sagen, das die Gewerkschaften zur Zeit mehr Schaden anrichten, als Nutzen bringen.


    Fuer eine kleine Firma kann es der absolute tot sein, wenn sowas passiert wie jetzt gerade im Osten unseres Landes. Gut, ich bin zwar einer dieser bösen, bösen Unternehmerschweine, aber auch als ich noch Angestellter war (viele meinen ja, man wird als einer dieser bösen geboren. Nein, ich war mal ganz normal und glaubte an das gute in der Welt), waere ich lieber mit mehrarbeit zum gleichen Geld einverstanden gewesen, als gar kein Geld fuer gar keine Arbeit zu bekommen, sprich entlassen zu werden.


    Es ist schon richtig, ohne Gewerkschaften ginge es der mehrzahl der Bürger schlechter, aber was momentan abgeht, is einfach nicht machbar. Es ist einfach gegen jedes Wirtschaftliche Gesetz, immer mehr Lohn bei weniger Arbeit, noch dazu in einer wirtschaftlichen Phase wie dieser, zu fordern.


    Und, auch wenns polemisch und alt klingt, aber: Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing !
    Gehts meinem Chef gut, gehts mir auch gut. Klar, der Unternehmer zahlt sich meist (nicht immer !!!) mehr als seinen Angestellten, aber die Frage ist doch auch warum. Z.B. wegen des höheren Risikos. z.B. wegen der Bankkredite, die er im Nacken hat, und die ihn bei Insolvenz privat killen. Oder auch 1000 andere Sachen, die der normale Angestellte (logischerweise) nicht hat.


    Ich brauche z.B. in meinem Betrieb keine Gewerkschaft.
    Ich fordere sehr viel von meinen Angestellten, auch z.B. eine sehr grosse Produkt- und Firmenloyalität.
    Wenn was fertig werden muss, dann gibts halt auch mal die 70 Stunden Woche. Zum vordergründig gleichen Lohn. Allerdings seh ich dann auch so Sachen wie "heute ist schönes Wetter, meine Arbeit krieg ich auch so fertig, ich bleib heute zuhause" auch nicht so eng. Da wird nicht immer gleich ein Urlaubstag abgezogen.
    Auch wenn alle mal wieder richtig rangeklotzt haben, gibts halt auch mal ne richtig wüste Grillpartie im Sommer oder(wenn der Auftrag wirklich fett war) mal ein paar Hunderter Prämie.


    Mit dem System hab ich annähernd keine Kranktage (nur, wenn mal jemand WIRKLICH krank is)und absolut hochmotivierte Mitarbeiter.


    Mit der Denk- und Arbeitsweise der Gewerkschaften wäre sowas aber niemals vereinbar.
    Komm ich mit meiner FIrma irgendwann mal in eine Mitarbeiterzahl, wo ne Angestelltenvertretung unumgänglich wird, krieg ich und meine Angestellen, denen das System ja so auch gefällt, ein Problem !


    Und das ist einfach falsch.


    Gruesse


    Charlie

    --
    Die 5 Sinne des Menschen:
    Unsinn, Irrsinn, Stumpfsinn, Blödsinn und mein persönlicher Liebling, der Wahnsinn.
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  • Zitat

    Original geschrieben von bertl
    D.h im Grunde stehen wir vor einer Situation, in der jegliche Orientierung und Vision abhanden gekommen ist, sei es von Seiten der Gewerkschaften oder seitens der verantwortlichen Exekutive.


    Das kann ich durchaus bestätigen, basierend auf meinen (zugegeben relativ wenigen, da erst knapp 2 Jahre voll berufstätig) eigenen Erfahrungen.


    Aber: Während von Seiten der Arbeitnehmerverbände hinsichtlich gewisser Arbeitsgrundlagen keinerlei Engagement spürbar war (zB bei den entsprechenden Tarifverträgen), war ein Gespräch mit dem Chef im Ernstfall durchaus hilfreich, wenn es darum ging, meine persönliche Arbeitssituation zu verbessern.
    Das aber der Arbeitgeber ein Messias für den armen, gebeutelten Arbeitnehmer wäre, ist natürlich schon rein logisch eine Sache der Unmöglichkeit.
    Dennoch gibt es durchaus genügend intelligente Vertreter dieser Spezies, denen der Zusammenhang zwischen betrieblichem Erfolg und einer zufriedenen Belegschaft nicht ganz unbekannt sein dürfte.


    Und letztlich liegt genau da meiner Meinung nach auch das Problem: Ein Betrieb kann doch im Ernstfall sehr viel besser entscheiden, was bei den Löhnen und Gehältern oder anderen relevanten Fragen zur Arbeitssituation machbar und sinnvoll ist. Das dabei natürlich auch eine entsprechende Arbeitnehmervertretung Mitspracherecht haben muss, steht außer Frage.
    Aber generelle und unflexible Tarifverträge, die dann letztlich für die verschiedensten Betriebe einer Branche ausgehandelt werden, stellen im Ernstfall nur einen mittelmäßigen Kompromiss da, während an Ort und Stelle eher Abkommen getroffen werden können, die beide Seiten zufriedenstellt.


    Vor kurzem kam in dem Zusammenhang ein sehr interessanter Bericht, in dem es um eine Druckerei ging.
    Dort ging es um die Zukunft mehrerer 100 Mitarbeiter (der Betrieb war konjunkturell bedingt von der Schließung, zumindest aber von massiven Entlassungen bedroht.).
    Während die Gewerkschaften starr auf absolut unrealistischen Forderungen (dabei ging es meiner Erinnerung nach vorwiegend um die Arbeitszeit) beharrten, wurde letztlich in Zusammenarbeit von Arbeitgeber und den Betriebsräten eine Lösung gefunden, die sowohl den Betrieb vor dem Aus rettete, als auch Entlassungen verhinderte.
    Allerdings wurde der Betriebsrat (oder wie immer der höchste Ansprechpartner der Arbeitnehmervertretung auch heißt) von der Gewerkschaft dann aus seinem Amt entlassen, da er quasi mit der Arbeitgeberseite konspiriert hatte. Das er aber nebenbei den Leuten ihren Arbeitsplatz gesichert hatte (und mittlerweile geht es dem Betrieb besser als zuvor), war nebensächlich.


    Vieles lässt sich einfach im Kleinen am besten lösen, und wer einen starken Mittelstand fordert, muss auch einsehen, dass dort von oben herab diktierte Verträge eher hinderlich sein dürften.
    Es geht nicht um ein ausschließliches Fürsprechen für die eine oder andere Seite. Es geht wie immer darum, den bestmöglichen Kompromiss für alle Beteiligten zu finden.
    Aber dieses Vorhaben ist mit den Gewerkschaften in der aktuellen Struktur eher schwierig zu meistern.


    BTW: Ich selber bin weder Chef, noch auch nur im Ansatz in einer beruflichen Situation, in der mir daran liegen könnte, mich auf Seiten der Arbeitgeber zu schlagen.
    Ich bin einfach nur ein kleiner Angestellter, bedroht von einer Insolvenz-bedingten Kündigung.
    Dennoch sehe ich aktuell keinen Anlass, dem Treiben der Gewerkschaften ernsthaft etwas positives abzugewinnen.


    P.S.: Mort
    Sorry, ich hatte offenbar die hier unbedingt notwendigen Smilies vergessen.
    Mein Beitrag war eine Anspielung auf ein Posting eines gewissen Dr. Z ganz am Anfang dieses Threads.
    Das der Spiegel nicht zu Springer gehört und eben auch nicht unbedingt auf Seiten des Großkapitals steht, ist mir nicht nur bekannt, vielmehr war dieser Zusammenhang ausschlaggebend für mein Posting.


    Schau am besten mal auf Seite 1, dann denke ich, sollten sich die Missverständnisse schnell aufklären. :)

  • Ich denke mal niemand wird ernsthaft die Notwendigkeit einer Arbeitnehmervertretung in Frage stellen - da sind wir uns wohl alle einig.


    Wir brauchen weniger Gewerkschaften, sondern mehr starke Betriebsräte. Eine hochprofitablen Firma kann man dazu zwingen, den Angestellten einen gerechteren Lohn bzw. eine bessere Beteiligung am Firmenerfolg zu gewähren. Jedoch drängen die Gewerkschaften mit ihren dämlichen Flächentarifverträgen etliche Firmen ins Aus, weil die sich die Arbeitnehmer nicht mehr leisten können.


    Es gibt bereits eine außergewerkschaftliche Organisation von Betriebsräten, die eine erheblich rationalere Position vertritt als es die Gewerkschaften tun.


    Wenigstens bleibt als Trost, dass immer mehr Leute den Gewerkschaften den Rücken kehren - vielleicht kommt doch noch mal irgendwann der Tag, an dem Gewerkschaften dann auch wieder das tun, wofür sie eigentlich da sind: die Vertretung der Arbeitnehmerinteressen.

    There and back again...


  • Nunja, das mit dem großen Risiko und den 70 Wochenarbeitsstunden passt dann aber auch nicht mehr. Ein Risiko bestünde evtl., wenn man einen neuen Mitarbeiter einstellt und Cheffe in der Aquise des Folgeauftrages dann halt doch nicht so gut ist, wie ursprünglich geplant.
    Sonderlich motivieren würde es mich auch nicht, jede Woche 70 Stunden zu arbeiten und als Bonus am WE mit Cheffe grillen zu dürfen... :rolleyes: Wer bestimmt denn in euerer Firma wo die Grenzen sind?


    Problematisch ist dies meiner Ansicht nach insbesondere dann, wenn der Arbeitgeber meint, nach freiem Ermessen über die Arbeitszeit seiner Angestellten verfügen zu können und darüber nicht Buch geführt wird. Im Einzelfall mag dies evtl. funktionieren. Letztlich basiert ein Angestelltenverhältnis auch auf gegenseitiger Verantwortung. Man hat sich schließlich beim Vertragsabschluss geeinigt, für eine Anzahl von X Std die Summe X zu auszuzahlen. Wenn es dann im Gusto des Arbeitgebers liegt für X*2 Std die Summe X am Monatsende zu bezahlen, ist das für meiner Meinung nach schon bedenklich - es sei denn das wird im Vertrag auch so festgehalten. Wenn man sehr eng in eine Firma involviert ist und auch mitentscheiden und Verantwortung tragen darf, geht das evtl. in Ordnung. Für einen Fließbandarbeiter ist sowas auf Dauer aber nicht akzeptabel.


    Wenn die Formel "weniger Arbeit = mehr Lohn" nicht funktioniert, dann ist die Formel "mehr Arbeit = weniger Lohn + wie Cheffe meint" auch nicht das gelbe vom Ei. Flexibilität kann und muss von einem Arbeitnehmer gefordert werden, für eine Bratwurst kann das aber ein Arbeitgeber auch nicht verlangen.;)

  • Wenn man weiterhin in den Typischen Schubladen: Ich Chef, Du (dummer) Angestellter denkt, hat das eh keinen Sinn. Klar, es gibt Firmen/Berufe da gehts nur so oder so ähnlich, allerdings überall wo auch nur ein wenig Hirn verlangt wird, wird diese Einstellung ueber kurz oder lang zum exitus führen!


    Zitat


    Sonderlich motivieren würde es mich auch nicht, jede Woche 70 Stunden zu arbeiten und als Bonus am WE mit Cheffe grillen zu dürfen... Wer bestimmt denn in euerer Firma wo die Grenzen sind?


    Das hört sich ziemlich von oben herab an, so wie Du das darstellst. Das war nur exemplarisch gedacht, und hat allerdings eher was mit identifizierung mit seiner Arbeit und seinem Arbeitsumfeld zu tun, als mit ner gönnerhaften gabe des grossen Chef's !


    Wie gesagt, ich verlange unter anderem eine sehr grosse Produkt- und Firmenloyalität. Ein Mitarbeiter, der sich nicht mit dem Produkt das er herstellt oder nicht mit der Firma fuer die er arbeitet identifizieren kann, hat mir keinen Wert.


    Nicht ich als Unternehmer stelle bestimmte Produkte her, sondern meine Firma als gesamtes. Und meine Firma und deren Produkte sind halt nunmal nur soviel Wert, wie die Leute, die dahinter stehen.


    Gruesse


    Charlie

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    Die 5 Sinne des Menschen:
    Unsinn, Irrsinn, Stumpfsinn, Blödsinn und mein persönlicher Liebling, der Wahnsinn.
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  • Habe es gerade in der tagesschau gehört, das die IG Metall ihren Streik abbricht OHNE das ein neuer Tarifvertrag mit den Arbeitgebern erzielt worden ist.



    Da kommt doch wirklich die Frage auf, ob die eigentlich wissen, was Sie wollen :rolleyes:


    Durch diese Aktion werden doch wohl die Gewerkschaften allgemein " lächerlich " gemacht.


    Ein Streik ohne Ergebnis, gabs das eigentlich schon mal ?


    Gruß


    Ninja6

  • Ob die Forderungen Schwachsinn sind, darüber kann man richtig dolle streiten.
    Laut Dieser Regierung oder der davor, gibt es kein Ost und West mehr.
    Wenn es aber nach der Industrie geht, wird es Ost-Deutschland noch in 100 Jahren geben und damit auch eine Teilung des Landes in 2 Tarifgruppen.Und da haben die Gewerkschaften völlig recht.Es ist ein Land und da müßen die Löhne auch gleich sein.


    Gruß


    Ninja6

  • Zitat

    Original geschrieben von Ninja6
    Und da haben die Gewerkschaften völlig recht.Es ist ein Land und da müßen die Löhne auch gleich sein.


    Wie du schon sagtest: trefflich streiten ;)


    Die Forderung der Gewerkschaft ist genauso hirnrissig wie die Flächentarifverträge, die zum Teil auch gegen den Willen der Betriebsräte angewendet werden. Es sind nunmal nicht alle Unternehmen einer Branche gleich zu behandeln, zumindest diese Lehre hätten doch die Betonköpfe schon längst kapieren müssen!

  • Zitat

    Original geschrieben von Ninja6
    Wenn es aber nach der Industrie geht, wird es Ost-Deutschland noch in 100 Jahren geben und damit auch eine Teilung des Landes in 2 Tarifgruppen.


    Das Problem basiert nicht nur auf dem Handeln einiger Industrieller.
    Diese Teilung ist nach wie vor in den Köpfen, und zwar in den Köpfen etlicher Leute, und die stammen aus allen Schichten.


    Eine abschließende, endgültige und vor allem allumfassende Einheit in diesem Lande wird es in absehbarer Zeit nicht geben, womöglich niemals.
    Das Lohnniveau ist nur eines der Probleme, aber womöglich einfacher zu lösen, als so manch anderes, welches damit im Zusammenhang steht.

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