Wieso ist es schlecht wenn der Euro stark ist ?

  • 1) Siehe http://www.net-lexikon.de/Hedgegeschaeft.html Dort sind auch weiterführende Begriffe erklärt die man verstehen muss, um Hedging zu verstehen. Sehr verkürzt: Gegen eine (fixe) Gebühr wälzt man das Risiko einer ungünstigen Kursentwicklung auf jemand anderen ab. Der andere nimmt es an weil er andere Zukuntserwartungen hat und die fixe Gebühr einkassiert.


    2) (stark) schwankende Währungskurse


    3) das weiss ich auch nicht.

    Viele Menschen denken, dass sie denken, wenn sie auch lediglich ihre Vorurteile umorganisieren
    - William James

  • Re: Begriffserklärungen.


    Zitat

    Original geschrieben von MartinK
    Warum ist Hedging nur auf kurze Dauer sinnvoll ?


    Das ist nur meine bescheidene Meinung :).


    Hedging ist mit Kosten verbunden, kann sehr spekulativ sein und kann das Unternehmen auch unflexibel machen. Ich greife mal das (rein fiktive) Beispiel aus net-lexikon.de auf:


    Zitat

    Ein Produzent aus Deutschland verkauft Produkte in die USA. Ist der Dollar schwach, fährt der Produzent wegen der Umrechnung der Umsatzerlöse in Euro Verluste ein.
    Kauft er jedoch zum gleichen Termin Rohstoffe in USA ein, wird zumindest ein Teil der Verluste aus Umrechnungseffekten durch die günstigeren Rohstoffpreise ausgeglichen.


    Damit hab ich mein Geschäft abgesichert, wird der Dollar aber noch schwächer oder/und die Rohstoffpreise fallen, dann hätte ich die Rohstoffe später viel günstiger haben können.
    Ergo hab ich dann zu teuer eingekauft. Das Risiko steigt natürlich mit der Menge der eingekauften Rohstoffe (wenig = kurzfristig, viel = längerfristig).


    Natürlich sichern sich die Grossen (BWM & Co.) nicht nur über Rohstoffe ab, sondern nutzen auch viele andere Instrumente. Wie das im Detail aussieht kann ich Dir nicht sagen (vielleicht weiß faxe mehr?).


    Ähnlich lassen sich auch private Depots gegen Kursverluste absichern, indem man einen Anteil (abhängig vom Instrument/Hebel) des Depots, in die Gegenrichtung performen lässt.
    Damit lassen sich im worst case die Verluste dämpfen. Entspricht die Marktentwicklung jedoch den Erwartungen, dann wird i.d.R. dieser Anteil wertlos – das ist der Preis für die Absicherung.

    mfg supersiggi

  • hier mal was aus einer reuters-meldung zum thema eads:


    "Wir sind sicherlich das Unternehmen, das weltweit am besten gegen Währungsschwankungen abgesichert ist", sagte Hertrich am Mittwochabend in München. Aktuell sei ein Geschäftsvolumen von 45 Milliarden Euro abgesichert, wobei der durchschnittliche Kurs bei 98 US-Cent je Euro liege. "Das zahlt sich heute aus und das wird es auch in den nächsten Jahren tun." Trotz des jüngsten Überschreitens der Marke von 1,20 Dollar je Euro seien die Kosten für Hedging nach wie vor "relativ gering". Zudem sei die EADS (Paris: NL0000235190 - Nachrichten) rund zur Hälfte über Warenströme (Natural Hedging) abgesichert


    die kosten sind relativ überschaubar, da die unternehmen dabei derzeit auch von den zinsunterschieden zwischen den usa und europa profitieren.
    große nachteile sehe ich bei einer guten absicherung eigentlich nicht: die gewinnentwicklung ist dann halt weitgehend von der entwicklung des geschäfts und bei den kosten abhängig. wer dagegen schlechter abgesichert ist, kann in guten zeiten währungsgewinne mitnehmen (hat zb vw gemacht). dreht sich der wind, schlägt das pendel dann in die andere richtung. da aber spekulationen auf währungsentwicklungen für die unternehmen nicht zum kerngeschäft gehören sollten, ist eine gewisse absicherung bei unternehmen, die stark von währungseinflüssen betroffen sind, sicher nicht verkehrt.


    allerdings orientierens ich die absicherungsbedingungen für die zukunft natürlich immer am aktuellen dollarkurs. das heißt, das selbst gut abgesicherte firmen bei einer jahrelangen dollarschwäche mit einer gewissen zeitverzögerung die währungseffekte zu spüren bekommen.

    schönen gruß, faxe318

  • Interessant hier 6 Jahre alte Beiträge zu lesen. :)


    Starker €/ schwacher $ = billiges Rohöl/Benzin hat nicht geklappt, wie man im Sommer 08 sah und aktuell sieht.


    Starker € = teures Rohöl Ist ja auch logisch, denn die Ölmultis verkaufen ihr Öl gegen Dollars. Mit einem schwachen Dollar kann man aber weniger kaufen als bei einem starken Dollar. Um diese Kaufkraftverluste auszugleichen, muss man den Ölpreis anheben.

    Dr. strg. c. Guttenberg

  • Hmm, dazu hab ich auch mal eine zugegebenermaßen etwas provokante Frage:


    Kann es nicht sein, dass wir den Begriff des "Exportweltmeisters Deutschland" inzwischen überhaupt nicht mehr hinterfragen?


    Gut und schön, dass wir viel exportieren, aber das kann doch nicht der Maßstab sein.



    Ein denkbarer Maßstab wäre z.B. der langfristige Wohlstandszuwachs in D.



    Und da bin ich mir nicht sicher, dass der unbedingt nur durch diese einseitige Exportfixierung zu erreichen ist. Besonders nicht, wenn er mit Jahre langer Niedriglohnpolitik erkauft wird. Und mit krassen politisch gewollten Ungleichgewichten bei Währungen und Außenhandelsbilanzen, die anscheinend eine hohe Labilität mit sich bringen. Wir haben doch jetzt Jahre lang volkswirtschaftlich betrachtet zu einem guten Teil amerikanische Schrottpapiere für unsere tollen deutschen Produkte bekommen. Die haben auf Pump den Wohlstand verkonsumiert, auf den wir verzichtet haben. Seit über 10 Jahren stagnieren hier die Reallöhne.



    Das war schon ein guter Deal. Für die Amis!



    Vielleicht ist der "Exportweltmeister" bei näherer Betrachtung ein klassischer Propagandabegriff.


    Außerdem schlägt jede Krise in einem der wichtigen Abnehmerländer voll bei uns durch, obwohl wir kaum Einfluss auf deren Politik haben.

    “The ideas of economists and political philosophers, both when they are right and when they are wrong, are more powerful than is commonly understood. Indeed the world is ruled by little else. Practical men, who believe themselves to be quite exempt from any intellectual influence, are usually the slaves of some defunct economist.” (Keynes)

  • So provokant finde ich die Frage nicht. Das wir "Exportweltmeister" waren, hat ja in meinen Augen nichts mit dem Wohlstand in einem Land zu tun. Die besten Beispiele sind da die ganzen skandinavischen Länder. Die dt. Industrie ist ja vorallem durch die Abhängigkeit von den anderen Industrieantionen während der Krise eingeknickt. Die meisten Exporte aus Dt. gehen halt in die "reichen" Länder, welche in hohem Maße betroffen waren/sind. China ist da anders, deren produzierter "Krempel" wird in der ganzen Welt konsumiert, billig geht halt immer und überall. Egal ob Spielzeug, Kleidung, Elektonik ... alles "Made in China" und unser Konsumverhalten ist maßgeblich mit daran Schuld, weniger die Politik. Notebooks für 300€ kann man halt nicht mit 20€-Stundenlohn produzieren.


    Wohlstand auf Pump? IMHO ist das das prinzipielle Problem der Marktwirtschaft und der Wertschöpfung. Das Funktioniert halt alles nur mit Wachstum und ohne Wachstum ...


    bye Kai

  • Deinen Hinweis auf die skandinavischen Länder verstehe ich nicht ganz. Wenn ich das richtig weiß, sind das doch Staaten, die strukturell starke Ähnlichkeiten zu Deutschland haben: relativ bis sehr großer Exportüberschuss und sehr hoher Lebensstandard sowie eine starke Umverteilungspolitik.


    Dass ein Land auch ohne Exportüberschuss ein hohes Wohlstandsniveau erringen kann, ist m.E. an den angelsächsischen Staaten zu erkennen.

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