Ich finde es höhst irritierend, praxisfern und potenziell lebensgefährlich von einem Notruf abzuraten und stattdessen aufzufordern sich an (oft nicht mal vorhandenes) Zugpersonal zu wenden, dass man auch erst suchen müsste
(Brauchte ich aus anderen Gründen Zugpersonal, bin ich oft etliche Minuten lang durch den Zug gelaufen, teils sogar erfolglos. Im Notfall würde so nur wertvolle Zeit verschwendet
)
In einem Notfall kann man wenig falsch machen (ausser garnix) und daher gibt es z.B. für Bahnmitarbeiter auch sehr wenige Vorgaben ausser sinngemäß eine der Situation angepasste Maßnahme zu treffen. Selbiges gilt für den Fahrgast, der sich wie im Flugzeug (dort wird es vor jedem Abflug vorgetanzt...) mit Notfalleinrichtungen, mindestens deren Standort vertraut machen muss. Eine Noteinrichtung in modernen Fahrzeugen ist die Sprechstelle, hier erhält man sofort Kontakt mit dem Zugpersonal. Ebenso hätten wir in einem wirklichen Notfall auch die Notbremse - diese ist bei allen Fahrzeugen, die nicht mit Personal im Fahrgastraum besetzt sind überbrückt, d.h. sie löst beim Lokführer nur ein Signal aus und er hat zu handeln. Hier wieder der Situation angepasst gehandelt. Ist keine Gefahr für die Zugfahrt ersichtlich wird bis zum nächsten sicheren Halt gefahren, zur Not die Strecke gesperrt und dann gehts zur Erkundung. Ist Zugpersonal vorhanden wird die Notbremse vom Personal im Wagen zurückgestellt, d.h. da erscheint ganz schnell jemand bei dir im Wagen und schon geht die Meldekette sauber los. Und sollte irgendjemand wegen des Ziehens der Notbremse in einem Fahrzeug in so einem Fall Probleme bekommen bitte direkt sich bei mir melden, dafür haben wir einen Mitarbeiter im Betrieb, der gleist entsprechende Beschwerdeführer ganz schnell wieder auf. Denn genau für solche Fälle gibt es diese Einrichtungen.
Sowohl Zugpersonal als auch Fahrdienstleiter sind deutlich intensiver als die meisten Fahrgäste auf das absetzen eines qualifizierten Notrufs geschult. Kommt der Notruf von den Fahrgästen wird erfahrungsgemäß zu wenig gesagt aber übertrieben (Stresssituation, ganz klar, kein Vorwurf), so entstehen am Ende noch größere Probleme, es ist nämlich erstaunlich wie schnell Leute wieder ansprechbar sind, die vor zwei Minuten noch wie tot aussehend am Boden gelegen haben.
Abseits davon wurde ja auch schon eingeworfen, im fahrenden Zug bietet der Ruf vom normalen Handy aus deutlich größeres Potential nicht anzukommen, versuchen nun mehrere den Notruf, kann es passieren, dass die Rettungsleitstelle von einem Massenanfall ausgeht. Mir standen schon drei komplette Feuerwehrzüge am Bahnsteig - für ein unterzuckertes Mädl, dem frische Luft und Betreuung gereicht hätte. Die alarmierten Kräfte stehen dann für andere Fälle nicht zur Verfügung, was ebenso ein Gefahrenpotential bietet.