Beiträge von Manfred2

    Was ist eigentlich aus meinem saarländischen Lieblingsstandort in Saarhölzbach geworden? Noch vor 10 Jahren war das als E-Plus GSM der einzige, der den Ort versorgt hat. Inzwischen haben die anderen beiden dort LTE ausgebaut, und o2 hat offenbar den GSM Sender abgeschaltet? :/

    Es ist meiner Ansicht nach nicht klar, dass die Signalqualität/SINRs sich zwingend negativ verändert/n, wenn das Sendeleistungsniveau aller Sender steigt.

    Das ist aber völlig eindeutig. Ich habe mal eine kleine Zeichnung gemacht:


    44543029ld.jpg


    Das SINR berechnet sich als Nutzsignal / (Rauschsignal + Interferenzen). Das Rauschsignal nehmen wir als konstant an (und deutlich kleiner als Nutz- und Interferenzsignal), genauso wie die Standorte von Sendern und Empfänger.


    Im ersten Fall empfängt das Endgerät nur eine Zelle. Das SINR ist somit Nutzsignal / Rauschsignal. Die Interferenzen sind gleich Null.

    Im zweiten Fall empfängt das Endgerät zusätzlich schwach die zweite Zelle. Dadurch wird zum Rauschsignal im Nenner noch das Interferenzsignal addiert. Das SINR sinkt dadurch logischerweise im Vergleich zum ersten Fall.

    Im dritten Fall sind Nutz- und Interferenzsignal (ungefähr) gleich groß. Das SINR wird noch kleiner, und kann sogar unter 1 (= 0 dB) fallen. Dann sind die Störungen stärker als das Nutzsignal.

    Möglich, ich glaube etwas in der Art stand damals auch bei CM im Kommentarfeld. Aber keine Sorge, ich war auch oft genug selbst vor Ort ;)


    Zu deinem Beispiel:

    Der entscheidende Unterschied ist das bessere Signal-Rausch-Verhältnis. Ob das Signal einer Basisstation stärker oder schwächer ist, ist gar nicht so entscheidend. Das sieht man z.B. daran, dass auf wenig genutzten Bändern wie Band 28 extrem hohe Reichweiten mit guten Datenraten möglich sind. Das Signal ist zwar schwach, aber da kaum Störsignale vorhanden sind, kann der Empfänger seine Empfindlichkeit ganz hochdrehen und das schwache Signal trotzdem gut decodieren.

    Sind jedoch Störsignale vorhanden, und dazu zählen ja auch andere Basisstationen im gleichen Band, steigt die Bitfehlerrate und die Datenrate sinkt.


    Bei anderen SFN-Systemen wie DAB+ oder DVB-T macht man sich Interferenzen zunutze, allerdings ist der Unterschied, dass hier alle Sender des SFN das exakt gleiche Signal ausstrahlen. Bei LTE hingegen sind alle benachbarten Sender als Störer anzusehen.

    Ich glaube, dass die höheren Sendeleistungen bei Telefonica für schlechtere Signalqualität sorgen, ist ein Mythos oder hat da jemand eine physikalische Erklärung?

    Gib mal "LTE Interferenzen" bei Google ein, da findest du viele Infos zu dem Thema. Ist ja auch klar - die Versorgungsbereiche benachbarter Zellen müssen sich überlappen, und das genutzte Spektrum ist (bei gleichem LTE Band) das Gleiche. Zwei benachbarte Band 20 Zellen müssen also das bestehende Spektrum irgendwie auf die Nutzer und die beiden Zellen aufteilen.

    Ein praktisches Beispiel wäre die ehemalige "UHS" auf dem Heizkraftwerk Niederrad, die nach einem halben Jahr wieder abgeschaltet wurde, weil sie aufgrund der großen Reichweite in der Stadt wohl viele umliegende Standorte gestört hat. Meine Erfahrung war auch, dass die Datenraten dort erstaunlich niedrig waren - ohne jetzt explizit die Empfangsparameter angeschaut zu haben.

    Telefonica hat das unter anderem 2020 einige Wochen flächendeckend gemacht, da wurden alle weiteren Bänder bis um 7 Uhr morgens abgeschaltet, egal, wie hoch die Last tatsächlich war. Ich finde, das solltet ihr nicht gutheißen.

    Ein starrer Zeitplan macht natürlich keinen Sinn, das muss schon dynamisch anhand der Lastsituation erfolgen. Entscheidend ist auch, wie schnell die zusätzlichen Bänder bei Bedarf zugeschaltet werden können. Dauert das Sekunden, oder eher Minuten?


    Ansonsten finde ich diesen "Sparwahn" relativ sinnvoll. Der Fokus bei TEF liegt ja bekanntlich auf einer stabilen Grundversorgung, und weniger auf hohen Geschwindigkeiten. Das sieht man ja in den Städten: hohe Sendeleistung, etwas niedrigere Geschwindigkeiten, dafür gute Indoor Coverage. Bei der Telekom ist es andersrum, daher würde ich auch erwarten, dass diese nachts keine Bänder abschaltet. Der Vertrag kostet dann aber auch entsprechend mehr.

    Wenn ich mich nicht täusche, hab ich das auch bei o2 schon beobachtet. Genauer an der eNB 70540. Tagsüber laufen drei Bänder, nachts ist mir mehrfach aufgefallen dass nur "LTE" angezeigt wurde, nicht "LTE+". Es war also nur noch ein Band aktiv.

    Wenn das nennenswert Energie spart, macht das ja total Sinn. Vor allem dort wo nur selten eine hohe Last auftritt, z.B. an Fußballstadien, Badeseen oder in Gewerbegebieten.