Was ist es denn, das an (ordentlichen) Prepaid-Tarifmodellen so attraktiv ist?
Wenn ich sowieso irgendeinen festen Betrag im Monat für mein gewünschtes Datenvolumen ausgebe, wo ist dann noch der nennenswerte Unterschied zu einem rechnungsbasierten Modell? Schneller Wechsel von Tarifmodellen? Gibt es, z.B. SIMon Mobile. Hat auch keine längere Vertragslaufzeit.
Tarife mit möglichst geringen Kosten? Gibt es, z.B. simyo oder die Drillisch-Marken.
Was ich dagegen bei Lidl Connect vermisst hatte, war tatsächlich die Inflexibiltät, vom Datenvolumen abgesehen. Beispiel: ich musste in die Schweiz reisen, aber gab es irgendwelche Optionen dazu (für Daten/Telefonie)? Nö. In vielen Vertragstarifen hätte ich die als Zusatzoption gehabt. Vielleicht nicht das günstigste, aber dafür unkompliziert. Klar, es gibt es auch bei Prepaid, bspw. Magentamobil oder tatsächlich auch bei Callya. Aber nicht bei otelo oder simon (oder gar Fyve), wenn wir nur das Vodafone-Netz betrachten.
Das ist manchmal aber willkürlich gewählt: mit Congstar Prepaid kann ich auch in der Schweiz mein Datenvolumen nutzen. Mit Congstar Postpaid kann ich das nicht und habe nicht einmal eine Tarifoption für Schweiz (tatsächlich Kosten von 50€ pro GB). Ist halt zielgruppenorientiert. Nimmst du fraenk, selbe Firma, ist wieder alles mit drin und sogar günstiger als Congstar Postpaid.
Die Telekom hat ja eigentlich auch nur eine Trennung von Prepaid/Postpaid, um zwischen den Zahlungsniveaus zu unterscheiden. Postpaid beginnt ab 30€ im Monat, Prepaid hat Preispunkte von 5–20€ (also faktisch höher wegen Vierwochenrhythmus). Da es hier aber ja auch kein Grundgebührfreies Modell mehr gibt, ist das lediglich eine psychologische Unterscheidung. Ein rechnungsbasiertes Modell, monatlich kündbar, wäre dasgleiche in grün. Siehe Drillisch.
Meine Meinung ist: die Grenzen verwischen heutzutage, da es schon lange nicht mehr um das Nutzungsverhalten „nach Bedarf“ geht: mal telefoniert man, mal nicht. Internetzugriff ist nicht mehr nach Bedarf (das war mal, das war sackteuer), sondern einfach ein festes Kontingent zum Verbrauchen. Deswegen zahlt man in den allermeisten Fällen auch hier regelmäßig, und dann gibt’s nicht mehr wirklich den Unterschied, ob man ein guthaben- oder rechnungsbasiertes Tarifmodell wählt. Man muss sich lediglich das Tarifmodell suchen, das die Anforderungen erfüllt.
Und wenn man das alles nicht braucht? Also kein Internet? Genau dann gibt’s doch noch z.B. Fyve oder Callya: 9ct pro Minute und SMS. Braucht man regelmäßig mehr, ist man ja schon wieder bei Paketen / Flatrates mit monatlichen festen Kosten.
Ich prophezeihe, dass bei otelo Prepaid, Rossmann mobil und fyve nichts mehr passieren wird.
Die Marken sind tot.
Vodafone wird bei Prepaid nur noch auf Lidl Connect und CallYa setzen.
Nunja, totgelaufene Marken muss man nicht wiederbeleben, das kann sogar teurer werden als neue Marken zu etablieren, weil man gegen ein negatives Meinungsbild angehen muss. Eine neue Marke startet dagegen neutral.
E-Plus hatte damals ein Business-People-Image, teuer, inflexibel, usw. Sie haben dann einfach BASE gestartet und auf der grünen Wiese begonnen. Das war dann so erfolgreich, dass die Grundmarke ein paar Jahre später ganz eingestampft wurde. Es gab kein E-Plus mehr, das war nur noch das Netz an sich. Und es hat funktioniert. Vielleicht auch, weil BASE nicht mit dem eher schlechteren E-Plus-Netz in Verbindung gebracht wurde.
Vodafone pflegt immerhin Callya, und das ist ja auch der richtige Weg, das ist ihre Marke. Lidl Connect will ihren 5€-Preispunkt nicht anpassen – da ist Callya selbst sogar besser, weil ganze Flatrate. Und es kostet ja auch Geld, mehrere Marken zu pflegen. Selbst Drillisch lässt die regelmäßig auslaufen und aktualisiert aktuell nur drei ihrer Dutzend Marken.
Lidl, Rossmann und Fyve sind Branding-Angebote, keine Marken des Netzbetreibers. Wenn diese Firmen da keine neuen Kunden erreichen wollen, müssen sie nicht. Otelo dagegen als Vodafone-Tochter sollte aber schon zusehen, den Markt nicht gänzlich zu verlieren. Ich finde die Marke sympathisch, und hier wäre sicherlich noch was zu holen, zumindest im Prepaid-Bereich. Ich finde die Tarifmodelle da aber auch sehr unübersichtlich (auch, weil ich gerade so einen otelo-Baukasten-Tarif habe, der von Wiederverkäufern wie Logitel spezifisch konfiguriert werden kann). Heißt also, es wird was dran geschraubt, aber so halbgar, und das alte Zeugs bleibt auch noch da … schwierig. Und dann gibt’s mit SIMon noch Konkurrenz im eigenen Haus (für postpaid, aber halt dieselben Preispunkte).