Manchmal sieht ein Crash schlimmer aus als er für die Beteiligten ist. Genau hinter uns ist mal ein Porsche vom Beschleunigungsstreifen mit Volldampf im spitzen Winkel auf die linke von drei Fahrspuren gezogen. Hat sich "bissel" verschätzt und hat die Karre in der Leitplanke zerlegt. Die Kiste ist durch die Gegend gedreht, dass man kaum geglaubt hätte, dass der Fahrer noch von alleine ausgesteigen wird - aber er tat es, zwar etwas bedippert, aber immerhin.
Ein anderes mal drängelt uns ein Benz ab, nicht nur uns sondern alle der Reihe nach. Wenige Kilometer weiter steht er und ein anderer brennend im Graben. Der Armleuchter hats mit paar Schrammen überlebt, die Familie im anderen Auto nicht.
Ich kann nur sagen, dass es der Hammer ist, was man auf Autobahnen so erlebt. Das schlimmste war ein Verbrannter, der unbedeckt auf ner Ösi-AB lag und noch gedampft hat. Und alle Fahrzeuge wurden über den Streifen direkt neben ihm vorbeigeleitet. Feuerwehrmänner saßen benommen daneben auf der Leitplanke, war eben nichts mehr zu tun. Sein Auto lag auf dem Dach. Er war Anfang 20, und in dem Moment mußte ich mir vorstellen, dass im selben Moment die Bullen bei seiner Family klingeln. Das ging mir heftig in die Magengrube.
Der Mann meiner Schwester hat sich mit 25 fast vor dem Haus seiner Eltern tot gefahren. War etwas zu schnell mit dem Motorrad und eine Alte biegt ohne ihn zu sehen vor ihm auf die Landstraße ein - sein Cousin und er starben vor Ort. Der Cousin war der Sozius, weil meine Schwester sich mit ihrem Mann vorher gestritten hatten und nicht mitgefahren ist.
Da merkt man, wie nah Leben und Tod beisammen liegen! Und wenn man eins daraus lernen kann, ist es so zu fahren, dass man selbst und andere einigermaßen heil ankommen; und auf ne Viertelstunde Zeitverlust kommt es im Leben nicht an, wenn man durch eine gehetzte Aufholjagd seine restlichen Jahre verliert.
Was mich geschockt hat, war eine Reportage - ich glaube auf Spiegel-TV -über ne jugendliche Gruppe, die die Landstraßen unsicher machen. Sie verloren einen Freund (samt seinem Opel einmal um nen Alleebaum gewickelt), aber zeigten nicht den Hauch einer Einsicht! Die präsentierten weiterhin stolz, wie geil es ist, mit über 200 km/h zwischen den Bäumen durchzufegen. So sinnlos war der Tod des Freundes, dass diese Idioten nichtmal was draus lernen konnten.
Von mir aus könnte sich jeder Depp um einen Baum seiner Wahl wickeln, ist schließlich sein Leben und da kann er machen was er will. Nur in den meisten Fällen, die ich bisher gesehen habe, traf es irgendeinen anderen und die jeweilige gesenkte Sau am Steuer kommt mit ner Schramme davon. Das ärgert mich, aber so ist leider das Leben - manchmal ist es einfach seeehr, seeehr ungerecht.