Ganz New Orleans wird komplett evakuiert...

  • Zitat

    Original geschrieben von DJ Wisdom
    Was meine Aussage, dass dies INNERHALB eines Staates nicht möglich wäre, natürlich entkräftet :rolleyes:


    Au revoir...


    <seufz>...auch in Deutschland kannst du nicht einfach die Bundeswehr von heute auf morgen mobilisieren und losschicken. Schau dir mal die amerikanische Gesetzgebung für humanitäre Krisenfälle in den USA an, dann kannst du wiederkommen und weiterreden. Der Begriff "Nationalgarde" sagt dir aber schon etwas?

  • Zitat

    Original geschrieben von DJ Wisdom
    Und ich muss mich immer wieder wunder das so viele Leute hier bei TT posten ohne vorher nachzudenken.


    Da bist Du an der falschen Adresse.
    Ich versuche im allgemeinen, mich um verschiedene Blickwinkel und eine ausgewogene Argumentation zu bemühen. Das Problem mit dem SuperDome hatte ich ja gerade angesprochen. Dein kurzes "selber Schuld"-Posting hat mich leider ungewohnt polmisch werden lassen. Da ich gerade in dieser Stimmung bin, lege ich noch einen nach:
    Bezüglich des Stichworts "Mitleidsmasche" konstatiere ich, daß Du ungefähr so mitfühlend bist, wie jener Mann, der sich als "compassionate conservative" bezeichnet. ;)


    Zitat

    Original geschrieben von Braindead
    Aber deine Berliner haben auch hunderttausende Bomben von den Amerikanern abbekommen, sowas sollte man auch nicht vergessen. Vergessen heutzutage aber gerne mal viele ;) Das ist allerdings ein anderes Thema in das ich mich hier nicht vertiefen möchte und es auch nicht angebracht ist.


    In der Wahrnehmung der meisten (West-)Berliner überwiegt aber der positive Eindruck aus Zeit der Luftbrücke und des kalten Krieges.
    Das Verhältnis ist aber durchaus ambivalent. Nirgendwo in Deutschland wurde so intensiv gegen den Vietnamkrieg und den amerikanischen Imperialismus demonstriert wie in West-Berlin. Andererseits war zumindest den klügeren unter ihnen klar, daß sie ihre demokratischen Rechte und ganz persönlichen Freiheiten nur deshalb ausleben konnten, weil amerikanische Soldaten in der Stadt stationiert waren. Ohne die Entschlossenheit amerikanischer Präsidenten notfalls mit allen Mitteln für die Stadt einzustehen, hätte die Geschichte anders ausgehen können. Eine Haltung analog eines "mourir pour Danzig?" hätte die sowjetische Führung möglicherweise zu unerfreulichen Handlungen ermuntert.


    Dieses Thema ist hier eigentlich tatsächlich unangebracht, aber Du hast es angesprochen und mir ist aufgefallen, daß es auch in dieser schrecklichen Situation teilweise zu einem leicht antiamerikanischen Unterton gekommen ist. Dies hängt sicherlich vor allem mit der derzeitigen Administration zusammen. Aber auch da ist Schwarz-Weiss-Malerei nicht angebracht. Vieles entspricht einer grundsätzlich entschlosseneren Haltung in der amerikanischen Politik.
    Nach dem 11. September wurde in Berlin zum Gedenken die Freiheitsglocke geläutet. Dies war sehr passend, wenn man an ihre Inschrift und Geschichte denkt (Link dazu).
    Ich habe mir damals die Frage gestellt, ob unter den 17 Millionen Spendern und Unterzeichnern des Freiheitsschwurs bzw. ihren Nachkommen auch Opfer der Terrorschläge waren.
    In jener Situation existierte ein ausgeprägtes Gefühl von Solidarität. Gerhard Schröder ließ sich bedauerlicherweise zu dem Wort von der "uneingeschränkten Solidarität" hinreissen, was ein großer Fehler war, weil es von vornherein unhaltbar war. Daß er bereits ein Jahr später Wahlkampf vor allem mit der Ablehnung des Irakkriegs machte, musste in diesem Kontext deutliche Verärgerung in Washington auslösen.
    Ich habe ebenfalls keine Sympathien für George W. und lehne den Irak-Krieg ab, aber in seiner Selbstwahrnehmung glaubt er sich in der Tradition der Verteidigung der Freiheit. Es wäre nur zu wünschen, er hätte neben der Entschlossenheit auch die Klugheit seiner Vorbilder.


    Das war jetzt eine sehr weite Exkursion durch die Geschichte. Unter diesem Blickwinkel betrachtet, können manche deutsche Reaktionen auf die Ereignisse in Amerika möglicherweise als richtig beschämend angesehen werden. :(


    Edit: Ich habe zu lange an diesem Beitrag geschrieben und die zwischenzeitlichen Postings nicht verfolgt. Hätte ich Laubis Posting früher gesehen, hätte ich auf die Replik im ersten Teil dieses Beitrags verzichtet. :rolleyes:

    Die Revolution (der mobilen Datenkommunikation) frisst ihre Kinder.
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    Mein MMS-Server ist offline.

  • @ autares


    Habe ich, habe auch dort "Dennis" beobachtet, 4-5 Tage voraus schon gesehen, wohin er in etwa zieht.


    Du sagtest selber:


    Zitat

    Das Hurricane Center kann das Gebiet voraussagen, wo der Hurrikan wahrscheinlich an Land gehen wird, aber auch das erst ein paar Tage vorher.



    Mehr habe ich nicht gesagt, alles klar? ;)

    «"Es ist verboten dem toten Kojoten die Hoden zu verknoten."»

  • Mal die ganzen Diskussionen über „Die Amis sind selber schuld“ abgelegt und die Geschichte betrachtet:


    Das momentane Szenario es genau daß, welches Politiker und Umweltschützer seit Jahren in Ihren schlimmsten Alpträumen sehen.


    Durch das Begradigen des Mississippis und das Bauen von Siedlungen in den einstigen Sumpfgebieten ist der natürliche und wichtige Schutz gegen extreme Wetterkatastrophen nicht mehr vorhanden bzw. beschädigt. Diese Situation wird durch den faktisch nicht vorhandenen Klimaschutz noch verschärft. Wie eine Vorahnung klingen die Worte von Shirley Laska (Professorin für Gefahreneinschätzung und Notfallhilfe in New Orleans) welche Sie im Juni bei einem Kongreß mitteilte: „Es gibt keinen einzigen sicheren Ort in New Orleans


    Vor 100 Jahren war New Orleans, entlang des Mississippi, in einem Halbmond besiedelt. Aber in gehörigem Abstand und ausschließlich auf natürlichen Höhen.
    Die ersten Siedler wußten dass im Sumpfgebiet das Überleben nicht möglich war.
    Aber der Ingenieur Baldwin Wood brachte ein revolutionäres (für damalige Zeiten) Pumpkonzept mit, um das Gebiet am See des Pontchartrain trocken zu legen. Dämme wurden gebaut, und das Regenwasser in Kanäle umgeleitet. Die Bevölkerung explodierte, auf heute 485.000 Einwohner, wodurch die Stadt jährlich etwas zweieinhalb Zentimeter sinkt, weil ständig Grundwasser abgepumpt werden muss.
    Die Dämme halten zudem Ablagerungen auf, die der Mississippi sonst in sein Delta spülen würde. Das Meer frißt die Küste weiter auf. Neues Land kann nicht nachkommen. Wie auch ! „Die natürliche Barriere der Sumpfgebiete ist im 20. Jahrhundert um 40 bis 80 Prozent zurückgegangen“ (Aussage Shea Penland, Uni New Orleans). „Jeder, der dort lebt, bestätigt, dass das, was einst als kleiner Sturm betrachtet wurde, inzwischen als großer Sturm gilt.
    Der amerikanische Präsident verschließt die Augen vor den wirtschaftlichen und menschlichen Schäden, die seinem Land und der Weltwirtschaft durch Naturkatastrophen wie Katrina, also durch unterlassenen Klimaschutz, zugefügt werden", schrieb Umweltminister Jürgen Trittin in der "Frankfurter Rundschau". "Will Bush nicht immer öfter Katastrophenalarm ausrufen, muss er die Klimavorsorge endlich ernst nehmen", fordert der Präsident der Umweltgruppe "Friends of the Earth USA", Brent Blackwelder.


    Einige amerikanische Bundesstaaten ziehen inzwischen an ihrem als widerspenstig empfundenen Präsidenten vorbei. Neun Staaten im Nordosten der USA haben sich im August weitgehend darauf geeinigt, die Treibhausgase aus ihren Kraftwerken eigenständig bis 2020 zu senken. An der US-Westküste formiert sich eine ähnliche
    Koalition.


    Quellen für diese Informationen: das World Wide Web. Bitte habt Verständnis dass ich nicht alle Quellen darlegen will. Das würde den Umfang doch etwas sprengen.


    MfG


  • mississippi begradigung, pumpen, staudämme, ablagerungen, umweltschutz hin und her...


    was bringt denn all das, wenn ein hurricane über diese stadt zieht, das mindestens doppelt so groß ist, wie deutschland?!?!


    und was bringt es, darüber zu reden, wie man es hätte besser machen können? erstens könnte man damit solch ein monster dennoch nicht aufhalten und zweitens macht es die aktuelle situation nicht besser!


    wenn alles so belassen worden wäre, wie vor 100 jahren, hätte es den hurricane ebensowenig aufgehalten.

  • Zitat

    Original geschrieben von autares
    Zur Geschichte New Orleans (Englisch)


    cheers


    Sehr gute Infoquelle!!! Und so schnell und so ausführlich...



    Wenn man sich so die Karten von New Orleans ansieht, ist es schon erschreckend, dass man die Stadt so gebaut hat!!! Hätte es keine andere Möglichkeit gegeben den See z.B. irgendwie abzusenken etc.!!! Es wird wohl echt Monate dauer die Stadt trocken zu bekommen.


    Die USA werden sicherlich viele Spendenaktionen machen um den Menschen zu helfen. Die erste findet am 10. September durch MTV, CMT und VH1 statt.


    Zitat

    Top Stars Join Multi-Network Katrina Benefit


    Green Day, Usher, Alicia Keys, Dave Matthews Band, Rob Thomas, Ludacris, Gretchen Wilson, John Mellencamp and Linkin Park's Chester Bennington are the first acts confirmed to appear at a live performance special set for Sept. 10 on MTV, VH1 and CMT. The event will raise funds via call-in donations for relief in the wake of Hurricane Katrina, which devastated New Orleans and several other Southern cities earlier this week.


    Performances will air from New York, Los Angeles, Atlanta and Nashville and will also be broadcast live on MTV2, mtvU and VH1 Classic. (billboard.com)


    Ciao...!


  • Hätte wäre wenn hilft hier nicht weiter. Gebe ich Dir recht. Mit der Beschreibung zeige ich lediglich auf woher die Ursachen kommen. Und wenn man New Orleans vor 100 Jahre so gelassen hätte, dann wäre die Katastrophe jetzt nicht in diesem Ausmaßen. Das sie da wäre schließe ich nicht aus.


    Aus dem Geschehen kann nur gelernt werden. Am liebsten wäre es mir man würde die Stadt wieder aufbauen und zwar an einem anderen sicheren Fleck. Das wird vermutlich nicht möglich sein, aber wäre wohl die beste Lösung. Ich denke man wird weitere Sicherheitsapparate in New Orleans installieren, und das geht dann so lange gut bis was stärkeres und schlimmeres passiert. Leider. Die Natur kann grausam sein, ich weis !

  • So eine Katastrophe hat dort sicherlich jeden getroffen, vom armen Bettler bis zum reichen Unternehmer, und Schuldige kann man unter der Bevölkerung sicher auch nicht suchen. Deswegen wäre etwas Mitgefühl hier sicher angbracht.


    Wenn man sich die Grösse und Wirtschaftsstruktur der USA ansieht, kann man sicher auch sagen das die USA trotz der enormen Katastrophe keine finanzielle oder personelle Unterstützung aus Europa braucht, ich denke das es da genug Ressourcen im eigenen Land gibt.


    Falls es irgendwo in Europa Technologie gibt, das Gebiet eher trocken zu kriegen sollte man nicht zögern diese Technologie der USA zu Verfügung zu stellen.


    Obwohl ich die Regierung Bush ja nicht so toll finde, denke ich das sie hier nichtmal eine grosse Schuld dran trägt. Die Fehler in der Stadtplanung wurden über Jahrzehnte gemacht.

  • kriegsrecht


    der bürgermeister von new orleans hat nun das kriegsrecht verhängt.


    aber was genau bedeutet dieses "kriegsrecht"?


    durch wikipedia habe ich nur erfahren, dass es zwei unterscheidungen gibt: "das recht ZUM krieg" und "das recht IM krieg". aber im aktuellen fall trifft ja weder das eine, noch das andere zu.


    und worin liegt der unterschied zum "notstand"?

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