1.) Nur weil Bevölkerungen anderer Länder auch mehrheitlich patriotisch oder nationalistisch sind, muss ich das doch noch lange nicht gut finden, oder?
2.) Was soll das Gerede vom "selbstverordneten Dauerschamgefühl"? Ich zumindest habe hier nur von der deutschen Politik der vergangenen 15 Jahre geredet. Aber wenn du über deutsche Geschichte reden möchtest, gerne: (For the records: Ich habe damit nicht angefangen!) Ich bin sehr wohl der Meinung, dass uns der Holocaust eine besondere Verantwortung auferlegt - denn wer auf Goethe stolz sein will, muss sich auch für den Holocaust schämen - oder beides sein lassen. (Ich persönlich bin weder stolz auf Goethe noch schäme ich mich für den Holocaust, sondern begreife beides als eine spezifische Verantwortung - Aber in diesem Punkt sind wir uns ja vielleicht sogar einig.)
3.) Ich hoffe, ich habe dich falsch verstanden, wenn es sich für mich im ersten Moment für mich so angehört hat, als ob du x-beliebige und in der Tat unzählige Verbrechen in der Weltgeschichte mit dem Holocaust gleichgesetzt hast. Beim zweiten Mal lesen hoffe ich, dass du dich nur ungenau ausgedrückt hast und das nicht so meinst. Denn in der Tat habe ich eine solche Relativierung des in seinem Umfang und Charakter historisch einmaligen Vorganges Holocaust bisher nur in extrem Rechten Zeitungen gelesen - noch nicht einmal die CSU würde eine solche unhistorische Relativierung vornehmen. Selbst Stoiber betont die historische Einmaligkeit der Nazi-Verbrechen und verurteilt eine solche Gleichsetzung.
Anders herum wird für mich aber ein Schuh draus: In den USA habe ich z.B. auch sehr viel Sympathie für die Opposition, die sich wegen der vielerorts nicht gerade löblichen Rolle US-amerikanischer (Militär)politik gegen den nationalen Taumel am 4th of July wehren.
ZitatOriginal geschrieben von MunichRocks
ich möchte heute auch trotz solcher sachen die flagge! es schliesst sich für mich nicht aus, dass man solchen und vielen anderen mißständen kritisch gegenüber steht und trotzdem einen nationalfeiertag begeht. und wenns in der hoffnung ist, dass sich was verbessert, am besten durch einen selbst. weil nur "monitor"schauen ändert auch nix!
Das ist eine Position, die ich akzeptieren kann, auch wenn ich sie nicht teile. (Ich glaube halt, dass der Bezug auf das begrenzte Kollektiv Nation da hinderlich ist, auch wenn ich weiss, dass viele - auch gesellschaftskritische Bewegungen vor allem im Ausland - das anders sehen.) Nicht akzeptieren möchte ich aber die unsachlichen Beleidigungen und emotionalen Phantasien, in denen ich hier von einzelnen dazu aufgefordert werde, ins Exil zu gehen.
Viele Grüße,
PvD