Ein neues Wirtschaftsszenario

  • Ja, sorry, war wohl nicht gut formuliert. Das ist wirklich der Punkt, an dem das Ganze leicht scheitern könnte. Aber wer weiß, vielleicht könnte eine schrittweise Einführung über mehrere Jahre hinweg funktionieren.


    Edit: Und wenn dann Resteuropa noch mit diesem Modell nachzieht gibt es keine zu großen Gefälle. :p


    Übrigens war das Bürgergeld besonders im konservativen Lager lange Zeit überhaupt nicht salonfähig. Inzwischen wird angeblich hinter den Kulissen durchaus parteiübergreifend über dieses Thema gesprochen - auch wenn das meiner These einer Instrumentalisierung der Arbeit zum Machterhalt widerspricht. ;)

    “The ideas of economists and political philosophers, both when they are right and when they are wrong, are more powerful than is commonly understood. Indeed the world is ruled by little else. Practical men, who believe themselves to be quite exempt from any intellectual influence, are usually the slaves of some defunct economist.” (Keynes)

  • Zitat

    Original geschrieben von Brainstorm
    Jedem Bürger pauschal einen bestimmten Betrag zu überweisen, zu dem er sich dann wenn er will, noch etwas dazuverdienen kann, halte ich für sehr "faulheitsfördernd". Und außerdem für verdammt teuer für den Staat. Von den 25% Mwst. kann der das bestimmt nicht finanzieren.

    ich glaube, du hast das Interview nicht ganz verstanden (nicht persönlich nehmen ;))! Es geht ja darum, dass immer wenig Arbeit benötigt wird, was ja ein Fakt ist. Arbeiten werden immer mehr von Maschinen übernommen, was sich sicher noch stark fortsetzen kann, und momentan wird die Arbeit ja immer auf weniger Schultern verteilt (Stichwort: Massenentlastungen). Außerdem soll die Mwst. ja 48% betragen.
    Ich habe mich auch schonmal gefragt, ob es überhaupt möglich ist, den 5 Millionen Arbeit zu geben. Ich meine, offensichtlich braucht Deutschland diese 5 Millionen Arbeitsplätze (bis auf manche, unterbesetzte Bereiche, wie z.B. den Lehrbereich) nicht, daher ist es eigentlich utopisch, außer, der Staat subventioniert diese und schafft durch Zwang neue Arbeitsplätze. Aber wie man sieht, sind diese doch wirklich nicht von Nöten. Daher gilt das Argument des Faulheitsförderung garnicht, da Nicht-Arbeiten der Menschen eben keine Faulheit darstellt, sondern anders nicht geht.
    Und ich bin mir 100%ig sicher, dass noch recht viele Menschen trotz Bürgergeld arbeiten würden, da wir hier einfach an den Luxus gewöhnt sind, und dafür reichen 1300 EUR im Monat nunmal nicht. Dafür würden diese Leute dann wieder arbeiten. Dann dürften sicherlich die Dauerbschäftigungen auch abnehmen, sodass man nur noch dann arbeitet, wenn man mehr Geld möchte, bzw. wenn gerade irgendwo Arbeit gebraucht wird und man sich etwas hinzuverdienen möchte. Gleichzeitig können die Armen & Schwachen oder die ohne ausreichende Bildung von dem Bürgergeld leben, und je nach dem auch mal die eine oder andere Arbeit machen (der Dienstleistungsbereich wird ja schon noch vorhanden sein, wenn man manches davon mittelfristig auch durch Robotik ersetzen kann, aber sicher nicht alles, wie z. B. Nachhilfe).
    Gleichzeitig könnte man auch die Rente abschaffen, da die Senioren ja ebenfalls das Bürgergeld bekommen würden.
    Interessanter habe ich den Bürgergeld-Ansatz mal in einer Obdachlosenzeitschrift (welche ich nur empfehlen kann, da sie einem mal eine völlig andere, jedoch nicht falsche, Sichtweise zeigen) gelesen, und fand ihn damals schon ganz gut, dort war das Argument auch, dass man eine Grundexistenzsicherung bekommen, und so nur noch der, der wirklich will, arbeiten sollte. Jedoch war die Idee dort nicht wirklich durchdacht, das Modell des DM-Chefs dagegen ist ja schon gut durchdacht, ich könnte mir schon vorstellen, dass das funktioniert.
    Drogen wären ja dann auch mit 48% besteuert, somit auch nicht günstig, und da könnte man ja statt einer Steuer eine strengere Überwachung einsetzen (z.B. Verkauf von Drogen in vom Staat eingerichteten Läden) oder halt dort die Mwst. als einzige Ausnahme höher setzen.


    Zitat

    Original geschrieben von <registered> Zu diskutieren wäre auch noch, ob sich ein Land eine derart hohe Mehrwertsteuer leisten kann, wenn das restliche Europa meist viel niedrigere Mehrwertsteuern hat.

    Warum denn nicht? Ich meine, wo soll da das Problem sein?
    Du sagst ja selbst, dass dies schon in Nord-Europa der Fall ist - und gerade die nordeuropäischen Staaten sind ja in Sachen Wirtschaft und Bildung oft ein Vorbild. :)


    Da die ganzen Besteuerungen für das Unternehmen wegfallen würden, gäbe es doch auch kein Brutto und Netto mehr, d.h. 48% Mwst. sind dann auch tatsächlich 48% des Produktpreises. :)



    Also ich halte sehr viel von dem Modell, befürchte jedoch genauso wie m@artin und <registered>, dass die Politik und die Öffentlichkeit das nicht ohne Weiteres annehmen würden. Die Wirtschaftsverbände hätten sicher die Macht, die Politik davon zu überzeugen (es gibt ja auch noch genügend andere Themen, mit denen man Wahlkämpfe gewinnen kann, in den letzten Jahren steht halt die Arbeitslosigkeit im Vordergrund), der Öffentlichkeit könnte man das durch eine langsame Heranführung und gute Erklärungen durch Politik, Medien und besondere Aktionen auch schmackhaft machen. Aber dafür müsste es erst mal so weit kommen.
    Vielleicht wäre eine Kampagne im Stile von"Du bist Deutschland" ja für den ersten Schritt brauchbar.

    Vertrauensliste


    Der Mensch erfand die Atombombe. Keine Maus würde auf die Idee kommen, eine Mausefalle zu bauen. (Albert Einstein)

  • So etwas wird aus einem schon angerissenen Grund ganz sicher nicht kommen: die Politik würde damit alle Steuerungsmöglichkeiten aus der Hand geben die jenseits von Ge- und Verboten liegen.


    Dieser Aspekt im Bereich der Steuern wird im allgemeinen ganz gerne übersehen, ist aber für die Politik schlichtweg ein Killer-Argument für oder gegen etwas im Bereich Steuerrecht.

  • ich überlege die ganze Zeit noch, wo der Haken an der Sache ist ;) Das ganze System klingt so auf dem Papier ganz gut (bis auf den Mwst. Satz). Allerdings fürchte ich, dass da irgendwelche Aspekte nicht betrachtet werden.
    Der Grundgedanke des Kommunismus klingt auch sehr sozial und sehr ideell. Was daraus geworden ist, hat die Geschicht des öfteren gezeigt :rolleyes:
    Ich könnte mir vorstellen, dass mehr Leute ihren Job hinschmeissen, als man denkt. Oder wer würde, wenn er 1300,- netto hätte, den Müllwagen fahren, Kanalarbeiten durchführen, am Fließband stehen (ja...noch ist nicht alles automatisiert)

  • Betrachte es doch mal anders herum:


    Das aktuelle Wirtschafts- und Gesellschaftssystem hat einige Haken und Ösen, die mit der Zeit immer deutlicher werden. Der Chef von DM meint z.B., dass das Wirtschaftssystem "zu gut" funktioniert hat und wir uns deshalb Gedanken machen müssen, wie wir die Früchte der Automatisierung morgen verteilen.

    “The ideas of economists and political philosophers, both when they are right and when they are wrong, are more powerful than is commonly understood. Indeed the world is ruled by little else. Practical men, who believe themselves to be quite exempt from any intellectual influence, are usually the slaves of some defunct economist.” (Keynes)

  • Zitat

    Original geschrieben von Bino-Man Der Grundgedanke des Kommunismus klingt auch sehr sozial und sehr ideell. Was daraus geworden ist, hat die Geschicht des öfteren gezeigt :rolleyes:

    Was aber u.A. auch daran liegt, dass er missbraucht wurde, und natürlich ist er auch am Menschen gescheitert. Dieses Wirtschaftsmodell dagegen könnte es schaffen, weil es inzischen genug Menschen gibt, die auf Luxus (und dazu zählen bspw. unsere Handys, sowie Autos, MP3-Player, Digicams, Anlagen etc.) nicht verzichten könnten und dafür jede Arbeit machen würden. Es würde schliesslich auch noch viele angenehme Jobs geben.

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    Der Mensch erfand die Atombombe. Keine Maus würde auf die Idee kommen, eine Mausefalle zu bauen. (Albert Einstein)

  • Zitat

    Dieses Wirtschaftsmodell dagegen könnte es schaffen


    ja, richtig...KÖNNTE...und das ist der springende Punkt...solange der Karren noch nicht völlig vor die Wand gefahren ist, glaube ich nicht, dass jemand diesen mutigen/riskanten Schritt wagen wird. Da müsste man sich eher überlegen ob und wie man so ein System nach und nach integrieren könnte.

  • Ich bin der Überzeugung das man nicht einfach jedem Gelf hinterherwerfen kann.


    Wenn eine Durchschnittsperson schon 1.300€ Bürgergeld im Monat bekommt, würde sie wohl nicht bereit sein für weitere 1.300€ netto so 35 Wochenstunden zu arbeiten. Also würden die Gehälter wohl extrem stark ansteigen müssen, ich denke hier nicht an einen Anstieg um ein paar Prozent, sondern um eine Multiplikation.


    Folglich würden sich aber auch die Produkte direkt proportional verteuern.


    Damit würden wir dann im perfekten Inflationskreislauf, und der € bald noch am ehesten mit der Türkischen Lira vergleichbar sein. Dann gibts in einem 35h Job vielleicht 650.000€ Gehalt, aber das Menü bei McD kostet dafür auch 2.999€.


    Verlierer in diesem System wären die Sparer, die das Geld in Landeswährung ansparen.

  • Zitat

    Original geschrieben von Shani Ace
    Es würde schliesslich auch noch viele angenehme Jobs geben.


    Würde es sicher. Aber es würde auch noch unangenehme Jobs geben. Und die würde dann vermutlich keiner mehr machen.
    Gerade wenn ich an so Sachen, wie Reparaturarbeiten in der Kanalisation, oder Putzen im Männerklo denke, die können derzeit Technisch von keinem robiter erledigt werden, aber es wird sich bei einem Bürgergeld kaum einer finden, der solche Jobs freiwillig macht.


    Und genau daran geht dann Deutschland zugrunde. Weil einfach nur noch die "Nobeljobs" gemacht werden, und die Jobs bei denen man Hart arbeiten muß, oder die Schmutzig oder anderweitig unangenehm sind, werden nicht mehr gemacht, weil dazu keiner mehr Lust hat.


    Auch mit dem "Zeitweise Arbeiten" hab ich so ein Problem. Nicht umsonst hat man für nahezu jeden Beruf eine mehrjährige Ausbildungszeit. Um seine Arbeit auch einigermaßen sauber erledigen zu können, muß man auch wissen, was man zu tun hat. In den wenigsten Berufen, kann man einfach mal hingehen, und sagen: "Ich brauch ein neues Auto, jetzt mach ich mal 6 Monate Wirtschaftsprüfer, und dann hab ich das Geld zusammen" Man muß den Beruf erlernt haben, und jeder der einen Beruf hat, wird zugeben müssen, daß es kaum möglich ist, in den Beruf ohne zumindest eine gewisse Einarbeitungszeit wieder reinzukommen, wenn man vorher 3 Jahre nix gemacht hat.

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