Entscheidend ist - auch wenn das hier nichts zur Sache tut - wie lange die Ampel schon rot zeigt. Ist es weniger als 1 Sekunde nimmt der Gesetzgeber an daß jemand "noch schnell drüberhuschen" wollte und das wird glimpflicher bestraft als wenn die Ampel mehr als 1 Sekunde rot zeigt - dann ist es nämlich wirklich ein Rotlichtverstoß, der ein Fahrverbot nach sich zieht.
In diesem Fall spielt das nur insofern eine Rolle als es hier wirklich um einen "regelrechten" Rotlichtverstoß geht, denn daß die Ampel mehr als 1 Sekunde lang auf rot stand ist ja unstrittig. Damit steht aber auch die Frage nach einem Fahrverbot - neben Punkten und einem Bußgeld - im Raum.
Ich bin kein Rechtsexperte aber würde auch sagen daß die Haltelinie definiert wo man spätestens stehenzubleiben hat. Rollt man weiter vor - selbst wenn man stehen bleibt - bzw. rollt wie ihr langsam vorwärts ist das zwar weniger schlimm als wenn man ohne Wenn und Aber über die Kreuzung fährt. Allerdings halte ich den Tatbestand eines Rotlichtverstosses bei enger Auslegung dann auch für erfüllt. Weil: Wo will man sonst die Grenze ziehen?
Sicherlich ist das Verhalten des Polizisten kleinlich und nach Menschenverstand ist es ja nicht dramatisch wenn man leicht rollt, solange man eindeutig nicht in die Kreuzung einfährt. Aber wie gesagt: es gibt eben eindeutige Grenzen und die Haltelinie ist nicht aus Jux und Dollerei auf die Straße gemalt worden.
Ich will euch mal nichts unterstellen, aber man kann "so und so" vorwärts rollen. Wenn das einfach nur eine dezente, leichte Rollbewegung ist, man steht letztlich weit genug von allem entfernt, dürfte das auch Polizisten normalerweise kalt lassen.
Es gibt aber auch - ich werde jetzt mal politisch unkorrekt - oft südländisch aussehende Mitbürger in aufgemotzten, tiefergelegten 3er BMW's, oft fragt man sich wer und wie 19jährige Bürschchen sich den Wagen leisten können, und dann stehen sie mit laut dröhnenden Motoren und viel unnötigem Zwischengas an der Ampel, so als wäre man auf ein Rennen mit Gleichgesinnten aus. Leute, denen das Auto die Penisprothese ist und die ein Verhalten und eine Ausstrahlung haben als ob die Straße ihnen allein gehört. Da habe ich dann ein gewisses Verständnis wenn ein Polizist die Regeln eng auslegt und sich denkt "den schnappe ich mir jetzt, der ist jetzt dran!".
Deine Schilderung klingt sehr neutral. Wie wird der Polizist die ganze Szene schildern?
Ich denke daß es wenig Sinn macht sich lautstark gegen die Polizei zu stellen, das wird von Dritten - z. B. dem Gericht - nur gegen einen ausgelegt. Je ruhiger und besonnener man sich gibt und je ruhiger man argumentiert um so besser. Ansonsten: abwarten was kommt und dann sachlich reagieren.
Die Argumentation "man konnte die Ampel noch sehen" ist jedenfalls ziemlich verdächtig. Mal abgesehen davon daß mich das in keiner Weise überzeugen würde wenn ich Richter wäre hätte ich dann um so mehr das Gefühl daß ihr in der Tat seeeeehr weit vorgerollt seid, auch wenn ihr nicht in die Kreuzung eingefahren seid. Wie gesagt: Haltelinien werden nicht zum Spaß auf den Asphalt gemalt...