Günther Oettingers Trauerrede

  • Zitat

    Original geschrieben von superuser_reload
    Genau das war auch der Auslöser weshalb ich überhaupt diesen Thread gestartet habe, weil der Herr Oettinger auf diese Art seine Aussagen indirekt nochmal wiederholt und untermauert hat und seine Uneinsichtigkeit erneut unter Beweis stellte. So nach dem Motto: "Tut mir echt Leid, dass Ihr Euch dran stört, aber die Wahrheit tut manchmal weh".




    Eine gewagte These die ich jetzt aufstelle, aber durchaus schon so manchem Politiker zum Verhängnis geworden.


    Es kann, muß aber nicht sein:
    Es wird vorausgesetzt, dass der Termin des Trauergottesdienstes Filbringer eine vorrangige Bedeuteung für Herrn Oettinger spielte, sodass er sich mit der bevorstehenden Rede intensiv auseindersetzte.


    Was ist aber, wenn der gute Mann seine Rede auf der Fahrt zum Termin, wie so oft bei unseren Volksvertretern, erst kurz vorher von seinem "Redenschreiber" erhielt und auf der Anfahrt zwar retorisch einstudierte, aber sich über den Inhalt vielleicht doch nicht so im Klaren war, was er da eigentlich sagt. Jahre lang vertraut man seinem Backoffice blind um alle Termine zu überstehen, und dann ein solcher Missgeschick. Soll er nun umfallen und sagen, dass habe ich gar nicht so gemeint. Ein "Umfaller" ist heutzutage noch schneller aus dem politischem Geschäft beseitigt als ein "Aussitzer", dessen Chancen die aufgezogene Krise halbwegs zu überstehen durchaus besser sind.



    Nur eine Vermutung von mir, sollten die Aussagen jedoch bewußt gewählt worden sein, so gehört ein Herr Oettinger zu den Kandidaten die gerne mit dem politischem Selbstmord spielen und sich Ihr Grab vorhersehbar selber schaufeln.



    Siemensanier


    PS: ein hochrangiger Politiker ist nur so gut, wie er sein Stab hinter sich dirigiert.

  • Die Rede des Herrn Oettinger kann ma im übrigen auch da nachlesen: http://www.spiegel.de/politik/…and/0,1518,476898,00.html .


    Im Gesamtkontext gesehen würde ich sagen - relativiert es sich etwas. Es ist aufjedenfall nicht so wie es die 1-2 stark verkürzten Zitate es vielleicht vermuten lassen.


    Zumal bei einem Urteil was man ihm anlastet ( Fahnenflucht ) war es auch in anderen Ländern (Beispiel: Schweiz ) durchaus gängige Praxis die Leute zu erschiessen. Macht die Sache zwar auf keinen Fall besser hat aber ansich nichts mit dem Dritten Reich zu tun!

    T-Mobile D @ SE K610i

  • Ob Filbinger Verwerfliches getan hat - oder wenn er es getan hat, ob es aus Überzeugung oder unter Zwang stattfand weil ihm keine andere Wahl blieb - unterliegt letzten Endes persönlichen Beurteilungen und da kann man wohl zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen.


    Der Skandal ist jetzt aber nicht diese Vergangenheit, sondern allein daß Oettinger nun einen Widerstandskämpfer als Filbinger macht. Und das war er ja nun unbestritten nicht! Insofern relativiert sich da durchaus nichts...

    Ich dachte immer es sei technisch unmöglich mit jemandem Sex zu haben, der Dörte heißt...

  • Zitat

    Original geschrieben von ChickenHawk
    Deutschland scheint es ja wieder richtig gut zu gehen, dass sich alle Politiker mit solchen Dingen befassen können...


    :top: :top:


    absolut meine Meinung.
    Das dies das Topthema der letzten 2 Tage ist finde ich schon Anzeichen dafür, dass derzeit nichts großartig anderes passiert, denn sonst würde man das nicht so in die Länge ziehen und alles breittreten...


    Passend zum Wetter --> das erste Sommerloch ;)

  • Zitat

    Original geschrieben von D-Love
    Das heiße Wetter in Kombination mit dem ein oder anderen Bier mag einem ja temporär das Gehirn etwas brutzeln, aber Oettinger in die rechtsradikale Ecke stellen zu wollen, geht nicht nur zu weit, sondern ist völliger Schwachsinn, der jeder Grundlage entbehrt.


    Ich habe ihn zu keinem Zeitpunkt in eine rechtsradikale Ecke gestellt. Ich habe lediglich gesagt, dass seine Frisur aussieht, als sei sie vom selben Frisör gemacht worden wie der, der auch Adolf frisiert hat. :D Das war damals mein erster Gedanke, als ich den Mann zum ersten Mal im Fernsehen sah - der würde vom Aussehen her prima in einen Hitlerfilm passen. :D Das hat nichts mit seiner politischen Gesinnung zu tun, sondern ist halt einfach nur ein Problem seines Typberaters.


    Dass er allerdings zum rechten Spektrum seiner Partei gehört, ist kein Geheimnis und war auch schon vor dieser Verfehlung offenkundig.

    Zitat

    Biographien wie die Filbingers gibt es im Nachkriegsdeutschland auf anderen Ebenen zu vielen tausenden.


    Ja - leider. Viel zu viele Nazieliten rehabilitierten sich nach 45 auf wundersame Weise und belegten im neuen Deutschland wieder ebenso hohe oder gar höhere Ämter als unter den Nazis. Ob das daran lag, dass man keine anderen Eliten hatte, oder vielleicht eher daran, dass man im Deutschland nach 45 ehem. Nazieliten gegenüber denen, die gegen das Regime waren, als das kleinere Übel ansah, sei mal dahingestellt. Die Figur Filbinger war, wie z.B. auch Schleyer, eines von vielen Beispielen für den äußerst fragwürdigen Umgang des Nachkriegsdeutschlands mit Funktionären des Nazistaats, und Öttinger ist einer von Vielen, die damit bis heute ein Problem haben...


    BTW... den Wikipedia-Artikel sollte man schon besser vollständig lesen. Aus folgendem Abschnitt geht hervor, wie in unserem heutigen Werteverständnis Angelegenheiten wie diesen einzuordnen sind:


    Die Affäre Filbinger löste eine jahrelange öffentliche Diskussion zu den Themen Wehrmachtsjustiz und Desertion aus, an der sich unter anderem auch die Evangelische Kirche in Deutschland maßgeblich beteiligte. 1991 bestimmte schließlich das Bundessozialgericht, dass den Hinterbliebenen der von der NS-Militärjustiz wegen Fahnenflucht, Befehlsverweigerung oder anderer antinazistischer Betätigungen hingerichteten deutschen Soldaten eine Opferentschädigung zustehe. 1995 stellte der Bundesgerichtshof fest, bei der NS-Militärjustiz habe es sich um „Terrorjustiz“ gehandelt. NS-Militärrichter, die ihre Laufbahn in der Bundesrepublik fortgesetzt hatten, bezeichnete er als „Blutrichter“, die sich eigentlich „wegen Rechtsbeugung in Tateinheit mit Kapitalverbrechen hätten verantworten müssen“ [...] Schließlich wurde am 23. Juli 2002 das Gesetz zur Aufhebung nationalsozialistischer Unrechtsurteile in der Strafrechtspflege verabschiedet, in dem die NS-Unrechtsurteile gegen die Deserteure der Wehrmacht pauschal aufgehoben wurden.


    Da kann Filbinger selbst damals oder die CDU BW heute lamentieren, wie sie wollen - wie Filbinger einzuordnen ist, hat der BGH festgelegt - es gibt keine höhere Instanz...

    Ist das eine von den Kirchen, wo man so kleine Cracker kriegt? Ich habe Hunger!

  • Nunja BigBlue007, eine Frisur macht nunmal noch keinen Menschen oder eine Gesinnung...


    Zu Filbiger kann ich eigentlich nichts sagen, weil ich ihn nicht persönlich gekannt habe. Das Problem von Oettinger ist, dass ich ihn kenne aber dennoch nichts (großartiges) über ihn sagen oder schreiben kann, obgleich er in Baden-Württemberg ein Urgestein schwäbischer CDU-Politik ist.


    Meine Vermutung ist, dass er sich selbst mit seiner gewagten Graberede bewusst oder unbewusst deplaziert hat. Viele Politiker nehmen mal eine Auszeit und kehren dann (leider) dennoch wieder (ohne größere Anstrengung) in irgendein Amt oder einen Aufsichtsrat zurück, wenn sie sich von ihrem "Burnout" erholt haben. Über seine Rente braucht er sich erst gar keinen Kopf machen, die ist für ihn im blümschen Sinne sicher. Verurteilen würde ich ihn dennoch nicht. Er ist ein Politiker unserer Zeit und trägt damit zur gesellschaftlichen Entwicklung bei, die im Laufe der Geschichte immer durch Höhen und Tiefen gekennzeichnet war. Problematisch ist aber, dass sich unsere Gesellschaft seit der Ära Kohl durch eine Nulllinie auszeichnet.

  • Ich bin Herrn Oettinger richtig dankbar, daß er für ein schönes Thema für einen TT-Politik-Thread gesorgt hat. :D


    Bisher habe ich mich köstlich amüsiert, obwohl der Thread für meinen Geschmack noch nicht ganz das sonst übliche TT-Politik-Stammtisch-Niveau erreicht hat. Da müßt ihr noch ein bißchen nachlegen... :p


    @ BB007: Wie das Leben und Wirken eines Menschen einzuordnen sind, bestimmt sicherlich nicht der BGH mit irgendwelchen Pauschalurteilen. Es ist nicht umsonst Sache der Geschichtswissenschaften, und nicht der Jurisprudenz, mittels historischer Quellen (die natürlich streng wissenschaftlich auf ihre Authentizität, Glaubwürdigkeit usw.) überprüft werden müssen, die Biographie eines Individuums zu schreiben oder zu überprüfen. Juristen sind höchstens dafür zuständig, festzustellen, in wie weit nach jeweils geltendem Recht Straftatbestände in dieser Biografie vorliegen mögen. Dort, wo Juristen sich in allgemeine moralische Bewertung ergehen, sollte m. E. höchstes Mißtrauen angebracht sein - gleichgültig, ob es sich bei diesen Juristen um Herrn Oettinger oder einen Richter am BGH handelt.

    Viele Grüße und einen Happy Day


    Guy Fawkes was the only person ever to enter Parliament with honest intentions.

  • Zitat

    Original geschrieben von superuser_reload
    [URL=http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID6620842_NAV_REF1,00.html]Oettinger bleibt bei seiner Aussage[/URL]


    Und aus nämlicher Quelle: Baden-württembergische SPD-Chefin Ute Vogt fordert Oettingers Rücktritt, Zentralrat der Juden ebenfalls.


    Daß die baden-württembergische SPD gerne den Rücktritt von Herrn Oettinger sähe, ist ja verständlich. Aber daß auch der Zentralrat der Juden bereits beschlossen hat, daß Oettinger zurücktreten muß, verwundert nun doch ein wenig. Denn eigentlich geht es hier doch gar nicht um Herrn Oettinger, sondern um den Herrn Filbinger und um das, was der während der NS-Zeit so alles angestellt hat oder haben soll, und da war der Herr Filbinger nach meinem Kenntnisstand nie in irgendwelche Holocaust-Geschichten verwickelt. :rolleyes:

    Viele Grüße und einen Happy Day


    Guy Fawkes was the only person ever to enter Parliament with honest intentions.

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