Dass man sich bei manchen Ländern wundert, was die geografisch und/oder politisch zu Europa gehören lässt, ist wahr. Das ist schon abenteuerlich, wer plötzlich alles zu Europa gehören will.
ZitatOriginal geschrieben von Zeus
Aber wen würdest du denn gern für Deutschland auftreten sehen. Peter Fox, Mia, Rammstein, Grönemeier oder eher Helene Fischer, Kastelruther Spatzen o.ä.
Die Frage ist falsch gestellt. Es geht nicht darum wer antritt, sondern dass der Song in den Rahmen der Veranstaltung passt und ein bisschen peppig rüberkommt.
Ein Roger Cicero mag in seinem Metier gut sein, aber Swing reißt bei einer Schlagerveranstaltung keinen vom Hocker. Und wenn die meisten Länder sehr gut aussehende Sängerinnen oder Tänzerinnen haben, reißt ein 50er-Jahre-Püppchen wie Dita von Teese nichts vom Teller, denn das ist zu speziell und richtig sexy geht anders. Keiner versteht, was das soll... Wobei man auch nicht verkennen darf, dass genügend weibliche Zuschauer aller Altersklassen zuschauen, die es sowieso nicht anmacht wenn da Mädels tanzen.
Unsere Ergebnisse kranken an schlecht gemachter Musik, weniger an unseren Interpreten. Einfach nur bekanntere Bands hinschicken reicht nicht, wenn die dann immer zu spezielle Sachen darbieten. Die No Angels waren durchaus keine Unbekannten. Retortenband hin oder her, singen können sie - und dennoch sind sie abgestürzt - weil ihr Lied total schlecht war.
In Aserbaidschan weiß keiner wer Rammstein oder Lindenberg ist - aber man merkt, ob die Musik ins Ohr geht. Und das ist bei unseren Beiträgen zuletzt nie der Fall gewesen. Es waren grottige Songs, bei denen einem die Ohren bluten, und die Darbietung war auch unterirdisch oder zu eigen.
Das peinliche Gehampel von Corinna May (die blinde Sängerin), Countrymusik von Texas Lightning (seichtes Liedchen, aber keiner versteht was Country auf dem ESC zu suchen hat), das Gejammer von Max Mutzke (Eintagsfliege), Roger Cicero mit Swing, der nicht zur Veranstaltung passt, ein völlig uninspirierter, unmelodischer Song von den No Angels, oder jetzt ein ebenso nichtssagender Song mit einer nicht verständlichen "50er-Jahre-Show" - das ist nicht die Art von seichtem, leichtgängigen Pop, mit dem man flächendeckend mindestens mittlere Ergebnisse einfährt.
In den letzten Jahren war jeder deutschen Beitrag in meinen Ohren unmelodisch, unharmonisch, das "gewisse Etwas" fehlte immer - und die Ergebnisse waren, wie nicht anders zu erwarten - und zu Recht - schlecht.
Als 2001 Michelle mit "Wer Liebe lebt" angetreten ist, landete sie prompt auf Platz 8. Meiner Meinung nach folgerichtig, denn das ist ein nicht zu spezielles, eingängiges Liedchen mit Wiedererkennungswert. Michelle hat eine saugeile Stimme, sieht gut aus, und vor allem: das Lied nervt nicht durch unmelodische Passagen. Ein schlichter Auftritt und keine unverständliche Show, deren Sinn niemand begreift. Es geht also durchaus, wenn die Auswahl des Songs stimmt.
Egal ob Norwegen, Island oder Aserbaidschan - bei allen, vor allem den beiden Letztgenannten, kam irgendwas rüber. Ich habe hier schon während der Veranstaltung - für jeden nachlesbar - geschrieben, dass diese Songs gefielen. Andere haben sich ähnlich geäußert.
"Wie zufällig" spielten diese beiden dann auch vorne mit. Ich will damit nicht meine Hellseherkunst oder "Siehste, ich hab's gewusst" betonen, sondern diese Sache zeigt, dass man sehr wohl schnell spürt, welche Art von Musik ankommt.
Würden wir auch solche Titel bringen, wären wir auch weiter vorne. Wenn wir aber weiter unverständliche Performance zu unschönen Liedern darbieten, kann es natürlich nichts werden mit einer guten Platzierung.
Übrigens hat die Punkteschieberei keinen Einfluss auf den Gewinner gehabt. Norwegen hatte fast die doppelte Punktezahl als die Nr. 2 und 3. Das ist also keineswegs ein Ergebnis von Gönnern aus den Nachbarländern gewesen.