Griechenland und Geldentwertung?

  • Zitat

    Original geschrieben von Anja Terchova
    Ob Deflation oder Inflation ist fuer die Anleger meist egal wen die Zinssätze stimmen. Das Konsumverhalten wird sich dadurch auch nicht aendern.

    Das Problem ist aber, dass es a) Bargeld gibt und, dass es b) keinen negativen Guthabenzins auf Bankguthaben geben kann (sonst: Ausweichen auf Bargeldhaltung).


    D.h. bei -3% Inflation (also Deflation=Preisverfall) lohnt es sich sowohl bei Geld auf dem Bankkonto (0% Zinsen) als auch mit Bargeld (natürlich ebenfalls 0% Zinsen, d.h. ~3% Realzinsen!!), den Konsum tendentiell eher in die Zukunft zu verschieben, was dei Lage weiter verschlimmert, da eine niedrigere Konsumnachfrage weiter fallende Preise nach sich zieht. Ein Teufelskreis. Das ist bei Inflation anders. Solange ich mein Guthaben mit 1-2% Zinsen zzgl. Inflationsrate verzinst bekomme ist mir, wie du sagst, alles egal. Man sollte aber auch nicht vergessen, dass die Anpassungsmechanismen langsam sind. D.h. bei hohen Inflationsraten und starken Schwankungen in den Inflationsraten kann man dennoch real verlieren.


    Fishboneman
    Ich glaube du verwechselst da was. Natürlich spielt es keine Rolle, welche Recheneinheit man hat. Ob DM oder am nächsten Tag Euro war relativ egal. Der Wechsel von DM auf Euro war aber mitnichten eine Geldmengenredkution, es hat sich nur die Recheneinheit geändert. Sorry, falls ich's immer noch nicht verstanden hab. ;)


    Okay, dein neuster Beitrag ist klarer. Jetzt weiß ich was du meinst. Ein Preisverfall kann natürlich auch durch mangelnde Nachfrage bedingt sein. Und auch so kann man in eine Deflationsspirale kommen. Stell dir vor, es gibt 3% Deflation und dennoch verleiht die Zentralbank weiterhin Geld für 2%. D.h. der Realzins beträgt krasse ~5% (2%+3%). Der Konsum würde noch mehr in die Zukunft verschoben. Deshalb ist eine Nullzinspolitik (=Geldmengenwachstum) hier vielleicht gar nicht so übel. Das würde den Realzins auf ~3% (0%+3%) senken, es würde heute mehr konsumiert (und die Preise würden wieder steigen). Das andere sind deine angesprochenen Fehler bei der Messung der Inflation, da ist sicher nicht alles Gold, was glänzt.

    »Wer Sicherheit der Freiheit vorzieht, ist zu Recht ein Sklave« (Aristoteles)

  • Zitat

    Original geschrieben von Hellwach
    Ob DM oder am nächsten Tag Euro war relativ egal. Der Wechsel von DM auf Euro war aber mitnichten eine Geldmengenredkution, es hat sich nur die Recheneinheit geändert. Sorry, falls ich's immer noch nicht verstanden hab. ;)


    Mein Beispiel war nicht auf die Euro-Umstellung bezogen, ich wollte damit nur sagen, dass es wichtig ist, dass die Geldmenge sich nicht inflationär (d.h. von einer bestimmten Seite mit träge reagierendem Preisverhältnis) in den Markt schleicht - da dadurch immer einige mehr Verlieren als andere (im zwar im Normalfall eh schon die "Ärmeren").


    Eine fiktive Halbierung,Verdoppelung, Verdreifachung oder ähnliches quer komplett über alle Marktteilnehmer wäre hingegen nicht schlimm, es würde sich nur die Recheneinheit verändern (wie bei der Euroeinführung, ja ; )

  • Zitat

    Original geschrieben von Hellwach
    D.h. bei -3% Inflation (also Deflation=Preisverfall) lohnt es sich sowohl bei Geld auf dem Bankkonto (0% Zinsen) als auch mit Bargeld (natürlich ebenfalls 0% Zinsen, d.h. ~3% Realzinsen!!), den Konsum tendentiell eher in die Zukunft zu verschieben, was dei Lage weiter verschlimmert, da eine niedrigere Konsumnachfrage weiter fallende Preise nach sich zieht. Ein Teufelskreis. Das ist bei Inflation anders. Solange ich mein Guthaben mit 1-2% Zinsen zzgl. Inflationsrate verzinst bekomme ist mir, wie du sagst, alles egal. Man sollte aber auch nicht vergessen, dass die Anpassungsmechanismen langsam sind. D.h. bei hohen Inflationsraten und starken Schwankungen in den Inflationsraten kann man dennoch real verlieren.


    Aber denke gerade bei Privathaushalten und auch kleinen Unternehmen spielt das alles keine so grosse Rolle, sondern die persoenliche Situation entscheidet immer noch.


    Wenn Geld da ist, ein neues Produkt kommt da man unbedingt haben will, oder ein Unternehmen einen neuen Auftrag hat dan wird konsumiert und investiert, auch wenn man man beim sparen verdienen wuerde, und die Zinsen nicht so guenstig sind


    Wenn kein Geld da ist, die Leute Angst vor der Zukunft haben, keine neuen Produkte auf dem Markt sind, ein Unternehmen keine Auftraege hat, dan wird auch bei niedrigen Zinsen oder Inflation nicht konsumiert oder investiert

  • Zitat

    Original geschrieben von Anja Terchova
    ...
    Wenn kein Geld da ist, die Leute Angst vor der Zukunft haben ... dan wird auch bei niedrigen Zinsen oder Inflation nicht konsumiert oder investiert


    Das ist wahrscheinlich aber nicht die große Masse.


    In meinem Bekanntenkreis habe ich jedenfalls niemanden, der aus diesen Gründen sein Konsumverhalten bisher wesentlich eingeschränkt hat.


    Die Überlegungen, aus steuerlichen oder sonstigen finanztechnischen Gründen Anschaffungen zurückzustellen oder vorzuziehen, gibt es nach wie vor.


    Ich denke mal, dass der Großteil der Geldbewegungen von Personen durchgeführt wird, die ins Muster von Hellwach passen.


    Und die für meisten, die jetzt kein Geld/Zukunftsängste haben, war das vor der Finanzkrise sicher auch schon so. Auch bei diesem Personenkreis hat sich meiner Einschätzung nach wenig geändert.


    Im Großen Ganzen mag es solche Auswirkungen geben - persönlich habe ich aber keine wesentlichen Änderungen feststellen können. Das mag sich aber noch ändern.


    Frankie

  • Hallo!


    In der Süddeutschen steht:

    Zitat

    Samaras ließ daraufhin wissen, er werde sich nicht der Forderung der Euro-Zonen-Chefs beugen, die von ihm eine schriftliche Garantie für die Umsetzung der bereits mit Brüssel vereinbarten Spar- und Reformschritte verlangen. Sein Wort müsse genügen, meinte Samaras und sprach von einer Frage der "nationalen Würde". EU-Währungskommissar Olli Rehn reagierte prompt und bestand auf der schriftlichen Zusicherung, wie sie auch der damalige konservative Oppositionsführer in Portugal, Pedro Passos Coelho, in diesem Jahr vor den Parlamentswahlen in seinem Land abgegeben hat. Coelho ist inzwischen Ministerpräsident.


    Quelle: Süddeutsche von heute


    Der griechische Oppositionsführer möchte die Garantien lieber mündlich geben, im Gegensatz zu Portugal, und das klingt im Kontext fast so, als spräche er den Portugiesen die nationale Würde ab. (auch wenn er das nicht so gemeint hat.)


    Frage: falls die Zusicherung also nur mündlich gegeben wird, sollten die hilfswilligen Euroländer die Geldscheine der nächsten Kredit-Tranche dann vielleicht besser nicht als Brief schicken sondern nach Athen faxen? ;)


    In einem Tk-Forum kann man so eine nicht ganz ernstgemeinte Frage ruhig stellen denke ich mal :)

  • Zitat

    Original geschrieben von iStephan
    ...
    Frage: falls die Zusicherung also nur mündlich gegeben wird, sollten die hilfswilligen Euroländer die Geldscheine der nächsten Kredit-Tranche dann vielleicht besser nicht als Brief schicken sondern nach Athen faxen? ;)
    ...


    Eine schriftliche Zusicherung wäre ebensoviel Wert, wie eine mündliche ... im Ernstfall nämlich rein gar nix. Die Gedanken zur Form der Erklärung könnte man zur Lösung eines sinnvolleren Problems einsetzen.


    Der einzig gescheite Weg zur Lösung des griechischen innerstaatlichen Problems wäre die geplante Volksabstimmung gewesen. Dann hätte das Volk selbst sich für eine der beiden Alternativen entscheiden müssen. Den Euro behalten und gleichzeitig über die damit verbundenen Sparvorgaben zu maulen ist für das Volk ohne eigene Festlegung natürlich eine sehr bequeme Lösung.


    Hätte das Volk für den Erhalt des Euro gestimmt (wovon ich ausgehe), hätten große Organisationen wie die Gewerkschaften nämlich nicht mehr zu Generalstreiks aufrufen können, ohne ihre Glaubwürdigkeit komplett einzubüßen. Die abgeblasene Abstimmung ist für die destruktiven Kräfte in Griechenland wie ein Sechser im Lotto.


    Frank

  • a) schade - rein psychologisch hat es in Portugal aber durchaus einen Unterschied gemacht
    b) freut mich dass du in diesem thread vorbeischaust
    c) an welches triftigere Problem hättest du denn gedacht, das von Adolf Arndt angedeutete wär ja schonmal ein guter Anfang.
    d) ich finde die Äquivalenz ist mit gefaxten Geldscheinen zu mündl/schriftl. Nix-Wert-Erklärungen besser gewahrt ...


    -- -
    Edit: ja, der auf Herrn P. ausgeübte Druck durch Frau M. und Herrn S. war eigentlich total kontraproduktiv. Komischerweise wurden erst jetzt - nach abgeblasenem Referendum - die Zahlen richtig bekannt dass 75% der Griechen für Beibehaltung des Euro waren. Das hätte Papandreou ja für sich nutzen können für die Stärkung seiner Position, bzw. um den von dir angedeuteten Effekt zu erzielen. Aber nun ja, es scheint "gelaufen".

  • Zitat

    Original geschrieben von iStephan
    ...
    d) ich finde die Äquivalenz ist mit gefaxten Geldscheinen zu mündl/schriftl. Nix-Wert-Erklärungen besser gewahrt ...
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    "Euros nach Athen tragen" ist eine uralte griechische Redensart ... faxen gabs damals noch nicht und kann deshalb nicht gemeint sein. :)

  • Im Augenblick kauft der neue Präsident der EZB, Draghi, Spitzname "Dr. Draghisch" massiv Staatsanleihen der sogenannten PIGS auf, am meisten (wen wundert es) die von Italien...... Das ist eben massives Gelddrucken und das führt ganz klar zur Inflation.


    Das wir beim Euro aber solches Inflationsgeld wie in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts in Deutschland sehen denke ich nicht, da würde der Euro vorher zerfallen sein.


    Also Millionen-Banknoten wird es wohl keine geben.


    Geldentwertung bis hin zu Inflationsraten um 20 - 25 % pro Jahr, im schlimmsten Fall pro Monat, zumindest eine Zeit lang bis zum Ausstieg von Staaten oder Bürgern (Geld raus aus der Währung, rein in Gold und Silber) / Zerfall des Euro halte ich aber bei sehr exzessivem Gelddrucken / monetisieren von "PIG-Anleihen" durchaus für möglich. Und das werden wir alle schmerzlich spüren.


    LG

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