Bundespräsident Wulff zurückgetreten - Nachfolger Gauck? | Korruptionsprozess Wulff

  • Zitat

    Original geschrieben von frank_aus_wedau
    ...
    Zum Glück hatte man ja (leider etwas spät aber gerade noch rechtzeitig) bemerkt, dass das Loch, das das politische Ableben der Ministerin von der Leyen gerissen hätte, noch um etliches größer ausgefallen wäre.


    Frankie


    Die v.d. Leyen ist Merkels Mädchen geworden, als potentielle Nachfolgerin kann sie nicht enstorgt werden, wie die Jungs von der Anden-Pakt-Seilschaft.

    LG: V30
    Samsung: Galaxy Tab S2 LTE, A5 (2017);
    Sony: Xperia X Compact;

  • Zitat

    Original geschrieben von Jimmythebob
    Man muss eben Kompromisse eingehen, dazu ist die Linke leider nicht im Stande. Hinterher wird das ganze dann noch als glorreiche Tat dargestellt.


    Das ist aber eine mehr als abenteuerliche Argumentation.


    Gauck vertritt stark bürgerlich-konserative Positionen und hätte daher inhaltlich perfekt als CDU/CSU-Kandidat plaziert werden können. Blöd, dass die CDU nicht auf diese Idee gekommen ist!
    Dass er dann von der SPD aufgeboten wurde war zum Teil auch so gemeint, Druck gegen die CDU und die Kanzlerin aufzubauen: obwohl Gauck unzweifelhaft ein honoriger Mensch ist (den auch ich gerne als Bundespräsident gesehen hätte) wollte man die Kanzlerin mit ihren seichten Kandidaten in die Enge treiben - was ja auch gut funktioniert hat: die SPD hatte so nämlich die wesentlich charismatischere Persönlichkeit am Start...


    Bzgl. der Linken mag es irgendwo noch einen vereinzelten, zurückgebliebenen SED-Kader geben, der tatsächlich wegen alter DDR-Geschichten gegen Gauck war. Dass man dieses aber in den MEdien zum alleinigen Grund hochstilisiert ist einfach falsch. Allein schon die Anzahl an jungen Linken-Abgeordneten, die noch in den Windeln lagen als die DDR sich auflöste (das ist 20 Jahre her!) lässt eine negative Betroffenheit durch Herrn Gauck als Stasi-Aufklärer absurd erscheinen.


    Gauck vertritt in grundlegenden Fragen, Kernthemen der Linken, diametral gegensätzliche Ansichten: er spricht im Bezug auf den Afghanisthan-Krieg und im Bezug auf die Sozialsysteme im Deutschland über genau das Gegenteil dessen, was die Linke vertritt. Dass er damit nicht mehr der Wunschkandidat der Linken ist, liegt auf der Hand. Das muss man auch mal so zur Kenntnis nehmen und nicht permanent ignorieren nur weil man sich eine andere Wahrnehmung zurechtgelegt hat und nicht bereit ist sein falsches Bild zu korrigieren.


    Obendrein gab es seitens der SPD den ganzen Monat über, bis gestern vor dem 3. Wahlgang, keine Anstalten sich mit den Linken über einen Kandidaten - auch die Personalie Gauck - zu verständigen. Unter den Umständen konnte man nicht erwarten, dass die Linken sich dennoch zu Steigbügelhaltern der SPD-Rochaden machen. Keine Partei hätte sich in dieser Situation anders verhalten als die Linken, niemand würde sich zum Stimmvieh einer anderen Partei machen, wenn keine Kommunikation da ist und der Kandidat um 180° unterschiedliche Positionen vertritt.


    Die Linken haben Wulff damit NICHT ins Amt gehievt, sondern sie haben sich im 3. Wahlgang enthalten. Das ist konsequent wenn sich zu diesem Zeitpunkt nur noch 2 Kandidaten anboten, denen man beiden nicht zustimmt. Obendrein wäre Gauck zu diesem Zeitpunkt auch nicht mehr BP geworden, denn die Stimmenmehrheit von schwarz-gelb hätte selbst bei geschlossener Gauck-Wahl aller Linken obsiegt.


    Ich bin ein Gauck-Fan gewesen und bedauere, dass er das Rennen nicht gemacht hat. Wulff wird das Amt schnörkellos ausfüllen, fraglich ist nur, ob er auch unbequem und mehr als ein Grußonkel sein wird.


    Ich verstehe aber die Linken und finde, dass sie objektiv nicht anders handeln konnten. Ganz unabhängig vom politischen Standort, hier konnten sie nicht anders abstimmen weil man ihnen jedwede andere Verhaltensweise um so mehr hätte ankreiden können.


    Zitat

    Original geschrieben von Jimmythebob
    Davon ab ist ein BP auch kein Politiker, was Herr Gauck über Hartz IV denkt spielt also überhaupt keine praktische Rolle.


    Was ist er denn, ein Bulettenbrater? :confused: Natürlich ist das ein Politiker! Und da der BP eine moralische Authorität sein soll spielt es sehr wohl eine riesengroße Rolle, wie er zu gesellschaftspolitischen Themen der Gegenwart steht. Obendrein repräsentiert er als Staatsoberhaupt alle Bürger; wenn er dann Positionen vertritt, die vielen Bürgern nicht liegen, ist das natürlich relevant.

    Ich dachte immer es sei technisch unmöglich mit jemandem Sex zu haben, der Dörte heißt...

  • Zitat

    Original geschrieben von Printus
    Gauck vertritt in grundlegenden Fragen, Kernthemen der Linken, diametral gegensätzliche Ansichten: er spricht im Bezug auf den Afghanisthan-Krieg und im Bezug auf die Sozialsysteme im Deutschland über genau das Gegenteil dessen, was die Linke vertritt. Dass er damit nicht mehr der Wunschkandidat der Linken ist, liegt auf der Hand. Das muss man auch mal so zur Kenntnis nehmen und nicht permanent ignorieren nur weil man sich eine andere Wahrnehmung zurechtgelegt hat und nicht bereit ist sein falsches Bild zu korrigieren.


    Das ist natürlich das, was Gysi und Co. nicht müde werden zu behaupten und ich gehe mal stark davon aus, dass deine Aussage daher rührt und nicht, weil du dich tatsächlich mit den Ansichten Gaucks auseinandergesetzt hast.
    Nochmal, eine Wahl, bei der es lediglich 2 Kandiaten gibt (ich lasse den Nazi jetzt mal außen vor), endet immer in einem Kompromiss! Es wird nie für alle Wahlleute DEN perfekten Kandidaten geben. Dennoch haben es die bisherigen Parteien zu Stande bekommen dann eben den Kandidaten zu wählen, der ihrer Meinung nach am besten geeignet ist. Bestes Beispiel ist die Wahl von Richard v. Weizsäckers, der parteiübergreifend als einer der besten BPs angesehen wird, die Deutschland je hatte. Dieser war auch konservativ und sogar Mitglied im CDU-Vorstand. Trotzdem hat die SPD bei seiner Wiederwahl auf einen Gegenkandidaten verzichtet! Es ging ihr damals eben nicht um Parteienspielchen wie der Linken gestern.


    Zitat

    Original geschrieben von Printus
    Obendrein gab es seitens der SPD den ganzen Monat über, bis gestern vor dem 3. Wahlgang, keine Anstalten sich mit den Linken über einen Kandidaten zu verständigen


    Absolutes Kindergartengehabe. Mehr fällt mir dazu nicht ein.


    Zitat

    Original geschrieben von Printus
    Die Linken haben Wulff damit NICHT ins Amt gehievt, sondern sie haben sich im 3. Wahlgang enthalten.


    Das ist falsch! Wenn es bei der Zahl der Abweichler wie im ersten Wahlgang geblieben wäre, hätte Gauck mit den Stimmen der Linken gewählt werden können. Eine Enthaltung ist damit eine Stimme für Wulff gewesen. Auch als Linken-Politiker muss man Verantwortung übernehmen, davor hat sich die Linke gestern versucht zu drücken, und dass obwohl ihr doch angeblich so sehr an einem Politikwechsel gelegen ist! Erbärmlich.


    Zitat

    Original geschrieben von Printus
    Natürlich ist das ein Politiker! Und da der BP eine moralische Authorität sein soll spielt es sehr wohl eine riesengroße Rolle, wie er zu gesellschaftspolitischen Themen der Gegenwart steht. Obendrein repräsentiert er als Staatsoberhaupt alle Bürger; wenn er dann Positionen vertritt, die vielen Bürgern nicht liegen, ist das natürlich relevant.


    Nein, ein Bundespräsident ist eben kein Politiker, sondern soll diese kontrollieren und überparteilich agieren.
    Die Bürger hätten Gauck gerne als Präsidenten gehabt, das haben alle Umfragen ergeben. Dass er Positionen vertritt, die "vielen Bürgern nicht liegen", kann also nicht so ganz der Wahrheit entsprechen.

  • Zitat

    Original geschrieben von Jimmythebob
    Das ist natürlich das, was Gysi und Co. nicht müde werden zu behaupten


    Es ist aber logisch schlüssig und deswegen kann man das nicht einfach so wegwischen wie du es machst.


    Zitat

    Original geschrieben von Jimmythebob
    Nochmal, eine Wahl, bei der es lediglich 2 Kandiaten gibt (ich lasse den Nazi jetzt mal außen vor), endet immer in einem Kompromiss!


    Nö. In einer freien Wahl hatten alle die Möglichkeit für den einen, den anderen oder mit Enthaltung zu stimmen.


    Zitat

    Original geschrieben von Jimmythebob
    Dieser war auch konservativ und sogar Mitglied im CDU-Vorstand. Trotzdem hat die SPD bei seiner Wiederwahl auf einen Gegenkandidaten verzichtet


    Ein unsinniger Vergleich. Damals war es so, aber jetzt waren die Verhältnisse andere.


    Zitat

    Original geschrieben von Jimmythebob
    Absolutes Kindergartengehabe. Mehr fällt mir dazu nicht ein.


    Das merkt man. Sachliche Argumente kann man diskutieren, Meinungen nicht.


    Zitat

    Original geschrieben von Jimmythebob
    Wenn es bei der Zahl der Abweichler wie im ersten Wahlgang geblieben wäre, hätte Gauck mit den Stimmen der Linken gewählt werden können. Eine Enthaltung ist damit eine Stimme für Wulff gewesen


    Zu diesem Zeitpunkt hat die Linke sich nicht enthalten. Sie hatten in den beiden ersten Wahlgängen eine eigene Kandidatin am Start und haben für diese votiert.


    Zitat

    Original geschrieben von Jimmythebob
    Auch als Linken-Politiker muss man Verantwortung übernehmen, davor hat sich die Linke gestern versucht zu drücken, und dass obwohl ihr doch angeblich so sehr an einem Politikwechsel gelegen ist


    Welchen Politikwechsel hätte es denn deiner Meinung nach gegeben? Es ist doch reine Spekulation, was passiert wäre. Selbst wenn Gauck neuer BP geworden wäre - dann würden die Wellen jetzt zwar noch höher geschlagen, aber ob die Regierung gekippt wäre oder nicht steht in den Sternen. Und wenn sie gekippt wäre: wie Neuwahlen ausgehen würden und ob es zugunsten der Linken laufen würde - das ist alles so schwammig und hypothetisch, dass es kaum reicht um daran sein Abstimmungsverhalten in der Bundesversammlung auszurichten.


    Beim Thema Verantwortung könnte man auch mal darüber nachdenken wieso fast 50 Abweichler von schwarz-gelb die Bundeskanzlerin in eine sehr unangenehme Lage brachten. Anstatt auf den Linken rumzukloppen ist das ein wesentlich interessanteres Thema, denn da geht es um die Regierungskoalition und ihren Zustand.


    Zitat

    Original geschrieben von Jimmythebob
    Nein, ein Bundespräsident ist eben kein Politiker


    Du solltest deine staatsrechtlichen Kenntnisse dringend auffrischen.


    Zitat

    Original geschrieben von Jimmythebob
    Die Bürger hätten Gauck gerne als Präsidenten gehabt, das haben alle Umfragen ergeben. Dass er Positionen vertritt, die "vielen Bürgern nicht liegen", kann also nicht so ganz der Wahrheit entsprechen.


    Den meisten Bürgern ist einfach der Mann sympathisch, er hat Charisma. Außerdem spricht sein Lebenslauf eine klare Sprache. Vor allem aber ist es jemand, der anders redet als der ganze uniforme Berliner Politikerhaufen - und er ist überparteilich, kein Parteisoldat seit er aus dem Kindergarten gekommen ist.
    Dass er darüber hinaus teilweise sehr konserative Positionen vertritt wissen viele einfach nicht, es hätte sie aber auch nicht gestört weil jemand nicht zwangsläufig in allen Positionen deckungsgleiche Meinungen haben muss um ihn für ein bestimmtes Amt passend zu finden.

    Ich dachte immer es sei technisch unmöglich mit jemandem Sex zu haben, der Dörte heißt...

  • ich hab heute morgen im deutschlandfunk einen ausschnitt aus einem kommentar der welt zur bundespräsidentenwahl gelesen - es kommt immer auf die sichtweise an ;)


    ""Man kann aber auch eine ganz andere Sicht auf diese Wahl haben", meint hingegen die Zeitung DIE WELT:
    "Angela Merkel hat nach 2004 und 2009 bereits zum dritten Mal ihren Kandidaten für das Schloss Bellevue durchgesetzt. Sie hat dabei erleben können, wie Rot-Rot-Grün sich öffentlich zerstritten haben. Sie hat erleben können, dass selbst ein charismatischer Kandidat wie Joachim Gauck nicht die Kraft hat, Merkels Plan zu durchkreuzen. Die als eine Schwäche Merkels dargestellte Zahl der Abweichler hat überdies gezeigt, dass es die Knute nicht gibt, von der behauptet wurde, dass Merkel sie schwinge. Die CDU ist kein Kanzlerinnenwahlverein", heißt es in der WELT. "

  • Meine Meinung:


    Den Bundespräsidenten hat das Volk zu nominieren und zu wählen.


    Die Position des Bundespräsidenten ist doch eh so schwach das man davon ausgehen muß das es bei dem heutigen Wahlverfahren nur um Parteigeplänkel und Posten Geschacher geht aber nicht darum einen Menschen mit Charakter in dieses Amt zu bringen.


    Der neue Bundespräsident von mir als Präsidiales Sommerloch bezeichnet wird der teuerste den Deutschland je hatte. Aber Geld spielt ja bei allen Parteien keine Rolle
    mehr. Hurra wir sind Pleite jetzt spielt sparen eh keine Rolle mehr.


    Gruß Coltan

    "It's not denial. I'm just selective about the reality I accept."

  • Auch eine interessante Sichtweise :)
    Interessant wäre auch das folgende Szenario gewesen: Rot-Grün spricht sich mit den Linken ab - diese bringen ihre Kandidatin nur als Täuschungsmanöver ins Rennen. Die Schwarz-Gelben Abweichler verlassen sich darauf, dass Links ihre eigene Kandidatin wählt.
    DAS hätte einen Knall gegeben ;)


    Wie auch immer: Wulff ist neuer Präsident, Merkel ist einen großen Konkurenten losgewerden, die Regierung wird wohl nicht zerfallen (zumindest nicht wegen der Wahl) und Gauck vielleicht in 5 Jahren Präsident.

  • Zitat

    Original geschrieben von Printus
    Dass er darüber hinaus teilweise sehr konserative Positionen vertritt wissen viele einfach nicht, es hätte sie aber auch nicht gestört weil jemand nicht zwangsläufig in allen Positionen deckungsgleiche Meinungen haben muss um ihn für ein bestimmtes Amt passend zu finden.


    Jetzt doch? :confused:


    Edit: Lass es gut sein, Printus. Du findest das Verhalten der Linken konsequent und ehrenhaft, ich finde es populistisch und entwaffnent. Ich glaube hier können wir keinen Konsens finden.

  • Zitat

    Original geschrieben von Printus
    ...


    Die Linken haben Wulff damit NICHT ins Amt gehievt, sondern sie haben sich im 3. Wahlgang enthalten. Das ist konsequent wenn sich zu diesem Zeitpunkt nur noch 2 Kandidaten anboten, denen man beiden nicht zustimmt. Obendrein wäre Gauck zu diesem Zeitpunkt auch nicht mehr BP geworden, denn die Stimmenmehrheit von schwarz-gelb hätte selbst bei geschlossener Gauck-Wahl aller Linken obsiegt.


    ...


    Etwas naiv die Begründung. Oder weißt Du sicher, daß nicht einige der Linken Wulff gewählt haben?

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