Europäische Schuldenunion - ist der Politik überhaupt noch zu trauen?

  • Wenn die Nordstaaten Griechenland die Tür weisen, wird das der EU einen Schlag versetzen, von der sie sich nur sehr schwer erholen wird. UKIP und auch die Reste der AfD wird es freuen (auch wenn die AfD interessanterweise von der Entwicklung nicht profitiert, sondern sich lieber selbst zerlegt), aber für die europäische Politik wird das keine gute Lösung sein. Und peinlich ist es darüber hinaus, wenn es die EU nicht schafft, dieses vergleichsweise kleine Problem zu lösen.


    Ich hoffe, dass sich die Franzosen spätestens morgen durchsetzen.

  • Zitat

    Original geschrieben von schmidt3
    Ich denke schon, daß ich Dein Posting begriffen habe, glaube allerdings nicht, daß eine solche Partei willens oder auch nur in der Lage ist, ihre Wähler so zu veräppeln wie Frau Merkel ihre CDU.


    Die einzige Regierung, die Ihr Volk in schon unverschämter Weise veräppelt ist die griechische.


    Daneben glaube ich nicht an ein nachhaltiges Strukturproblem für die EU. Natürlich wäre der Grexit kein Imagegewinn, aber man wird seine Lehre aus den vergangenen 5 Jahren ziehen und die ohnehin durch Grossbrittanien geforderten Reformen recht zügig angehen.
    So gesehen, hätte die derzeit schlimme Situation vielleicht doch noch sein Gutes.

    Viele Grüße
    +-<=|:-)*

  • Zitat

    Original geschrieben von Robert Beloe
    ...
    Ich hoffe, dass sich die Franzosen spätestens morgen durchsetzen.


    Ich halte dagegen.


    Wie stehen die Wetten? Im UK wird doch auf alles und jedes gewettet ...

  • Zitat

    Original geschrieben von frank_aus_wedau
    Ich halte dagegen.


    Wie stehen die Wetten? Im UK wird doch auf alles und jedes gewettet ...


    Wird interessant: Der Finnische Sender Yle hat berichtet, daß die "wahren Finnen" mit dem Bruch der Regierungskoalition drohen, sollte die finnische Regierung dem "dritten Rettungspaket" zustimmen. Mal sehen, ob sich wieder einmal eine europäische Regierung für die Aufrechterhaltung des eurofetischistischen Wahnsinns ins Schwert stürzt. Hatten wir ja 2011 schon einmal in der Slowakei.

  • robert:


    Zitat

    Wenn die Nordstaaten Griechenland die Tür weisen, wird das der EU einen Schlag versetzen, von der sie sich nur sehr schwer erholen wird.


    Politisch eventuell bzw. tatsächlich bis zu einem ; wirtschaftlich eher nicht. Die Frage ist: Deine Alternative? Bislang habe ich davon noch nichts gelesen; mein Standpunkt ist z.B. klar.


    Zitat

    Und peinlich ist es darüber hinaus, wenn es die EU nicht schafft, dieses vergleichsweise kleine Problem zu lösen.


    Kleines Problem? Bitte?


    Zitat

    Ich hoffe, dass sich die Franzosen spätestens morgen durchsetzen.


    Das hoffe ich nicht; denn die Franzosen spielen ihr eigenes Spiel.....

    Suche: aktuell nichts


    30 positiv in der "neuen" Vertrauensliste, ??x mal positiv in der "Alten"..:-)


    Insider: Die Plaaaaaattttttttforrrrrrrrmmmmmmmmmm brennt nicht mehr, sie ist abgesoffen.....!

  • Der "politische Schlag", den auch ich befürchte, kann aber durch Hilfsgelder - die bei einem Grexit ja nicht obsolet würden - zumindest abgefedert werden.


    Zeigen sich die Europäer solidarisch mit finanziell angeschlagenen Griechen, könnte das Anfangs sicher belastete (Vertrauens-)Verhältnis wieder gerichtet werden. Und: Auch Griechenland hat in Sachen Vertrauensaufbau einiges wieder gut zu machen.


    Es geht in der Sache ganz sicher nicht darum, Griechenland oder der griechischen Bevölkerung Leid zuzufügen - das will niemand, auch die Osteuropäer nicht. Aber Griechenland im Euroraum wäre ein chronisch Kranker, der austherapiert ist und ein europäisches Dauerstreitthema würde. Der hier drohende latente Streit würde die EU sicher mehr belasten, als ein kurzer, allerdings heftiger Krach mit Griechenland ... welcher sich auf Dauer ohnehin nicht vermeiden ließe.


    Aber gut ... ich gestehe zu, dass man auch eine andere Position vertreten kann.

  • Zitat

    Original geschrieben von Robert Beloe
    Wenn die Nordstaaten Griechenland die Tür weisen, wird das der EU einen Schlag versetzen, von der sie sich nur sehr schwer erholen wird.

    Die Folgen würden vor allem die Stabilität und Sicherheit Europas beeinträchtigen. Griechenland hat immerhin die größte Armee der EU und ist vor allem für die USA von strategischer Bedeutung.
    Es wäre der erste 'Failed State' innerhalb Europas. Als ob wir nicht schon genug Probleme mit Flüchtlingen aus Nordafrika, Syrien etc hätten.


    Ich würde den Griechen ja gern eine isländische Lösung gönnen (Island war das einzige Land, das seine Banken nicht rettete und den EU-Beitrittsantrag zurückzog). Aber ich glaube, dass die Griechen gar keine Zeit bekämen, das umzusetzen. Das Gezerre um diesen strategischen Flecken Europas wird kaum auf friedlichem Wege gelöst werden.


    Die Griechische Bevölkerung tut mir aufrichtig leid, zumal sie bisher noch nie etwas von irgend einem Rettungpaket abbekommen haben. Für all jene Teilnehmer hier, die nach Bildzeitungsmanier auf die 'faulen Griechen', 'griechischen Trickbetrüger' etc schimpfen, hier mal zur Kenntnis, worum es tatsächlich bei der letzten 'Rettung' Griechenlands ging:


    Der Chef-Ökonom des IWF hat gerade öffentlich zugegeben, dass das letzte Rettungspaket nicht für Griechenland, sondern zur Rettung der Banken gegeben wurde. :apaul:


    Dass gegenwärtig so leichtfertig mit dem Grexit umgegangen wird, liegt doch nur daran, dass es dieses Mal 'nur' um Steuergelder geht. Würde Geld eines Rettungspaketes dieses Mal tatsächlich in GR ankommen, hätte das Land eine reelle Chance.


    PS: Ich bin wahrlich kein Freund der US-Politik und begrüße Entscheidungen gegen deren egomanische Politik.
    Ein Grexit wäre aber in diesem Fall ein Pyrrhussieg :flop:

  • Zitat

    Original geschrieben von Gallium
    Es wäre der erste 'Failed State' innerhalb Europas.


    Das ist er bereits.
    Siehe auch dazu den Hinweis Blanchards auf den mangelnden griechischen Reformwillen.
    Die Frage ist, ob so ein Staat im Euro bleiben und von anderen finanziert werden muss.


    Zitat

    Original geschrieben von Gallium
    Der Chef-Ökonom des IWF hat gerade öffentlich zugegeben, dass das letzte Rettungspaket nicht für Griechenland, sondern zur Rettung der Banken gegeben wurde.


    Im Grunde wussten wir das doch alle?!


    Wenn wir aber schon zitieren, möchte ich anmerken, dass er auch (bzgl. des ersten Programms) davon spricht, dass die griechischen Haushalte profitiert haben:


    "Diese Hilfsmaßnahme kam aber nicht nur ausländischen Banken, sondern auch griechischen Einlegern und Haushalten zugute, da ein Drittel der Schulden von griechischen Banken und anderen Finanzinstitutionen Griechenlands gehalten wurde."


    http://www.imf.org/external/german/np/blog/2015/070915g.pdf


    Zitat

    Original geschrieben von Gallium
    Dass gegenwärtig so leichtfertig mit dem Grexit umgegangen wird, liegt doch nur daran, dass es dieses Mal 'nur' um Steuergelder geht. Würde Geld eines Rettungspaketes dieses Mal tatsächlich in GR ankommen, hätte das Land eine reelle Chance.


    Ich denke, es geht eben im Falle Griechenlands nicht ums Geld.
    Es geht um notwendige Strukturreformen.
    Darum, dass das Land ein tragfähiges Budget aufstellt und einhält.
    Und daran, dass das Land wettbewerbsfähig wird.


  • Mir geht es auch in erster Linie um die politischen Folgen. Das EU-Projekt wäre damit nachhaltig beschädigt, und, was vielleicht ebenso schlimm ist, das Verhältnis zu Frankreich, Deutschlands wichtigstem internationalem Partner, ebenfalls. Frau Merkel muss jetzt zeigen, dass sie wirklich die Statur eines Adenauer oder Brandt hat. Die Einigung darf m.E. in keinem Fall an Deutschland scheitern, das wäre katastrophal. Das sollen dann mal die Finnen, Balten und Slowaken schön selbst auf ihre Kappe nehmen. Und machen wir uns nichts vor: Selbst bei wirtschaftlicher und technischer Nothilfe hätte ein plötzlicher Ausstieg Griechenlands aus der Eurozone schlimme Folgen für die dortige Wirtschaft und für die Bevölkerung.


    Inzwischen bin ich auch der Meinung, dass Schäuble als Finanzminister entlassen bzw. in einen anderen Ministerposten versetzt werden muss. Natürlich hat die griechische Regierung etliche Fehler gemacht und sich gewaltig verzockt - aber ich weiß nicht, wie überzeugend es sich in 50 Jahren in einer Geschichte Europas liest, dass man wegen mangelndem Vertrauen in eine populistische und nationalistische Regierung das Land und möglicherweise die EU in den Abgrund stößt.


    Unterdessen kommen aus Spanien einige mE gute Vorschläge, wie Vertrauen in die Umsetzung von Reformen hergestellt werden könnte:


    http://www.ekathimerini.com/19…ent/how-to-avoid-a-grexit

  • Zitat

    Original geschrieben von Applied
    Wenn wir aber schon zitieren, möchte ich anmerken, dass er auch (bzgl. des ersten Programms) davon spricht, dass die griechischen Haushalte profitiert haben:

    Hört sich das nicht eher wie der Versuch einer Rechtfertigung an?!
    Welche 'griechischen Haushalte' haben denn da profitiert? Die Rentner mit 250,- Monatsrente, Die Erwerbstätigen mit 30% weniger Lohn? ...
    Wohl eher wieder mal die der Vermögenden, die größtenteils der korrupten Kaste angehörten und sich nach der 'Rettung' ins Ausland flüchteten (zumindest ihr Vermögen)

    Zitat

    Ich denke, es geht eben im Falle Griechenlands nicht ums Geld.

    Zweifellos, denn in anderen Fällen wurden Schulden unter viel weicheren Auflagen erlassen - ohne großes Tam-tam und mediales Bildzeitungs-Gegröhle :eek:

    Zitat

    Es geht um notwendige Strukturreformen.
    Darum, dass das Land ein tragfähiges Budget aufstellt und einhält.
    Und daran, dass das Land wettbewerbsfähig wird.

    Auch... aber vor allem geht es um Politische Machtspielchen...
    ...und nicht zuletzt auch um 80Mrd deutsche Bürgschaften, die beim Grexit schlagartig fällig werden.


    PS: Wenn wir schon aus dem IWF-Statement zitieren, finde das Statement zur gescheiterten Austeritätspolitik bemerkenswert:

    Zitat

    Der Produktionsrückgang des Landes fiel in der Tat weitaus stärker aus als vorhergesagt. Multiplikatoren waren größer als ursprünglich angenommen.

    Ich denke, der Mann will sich hier nicht zu seinem fachlichen Unvermögen bekennen (was ihm sowieso keiner glaubt) sondern sich einfach hinter einer Schutzbehauptung verstecken :apaul:

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