Warum gibt es in Deutschland keine Vignetten?


  • Ich denke, die streckenbezogene Maut in den Nachbarländern FR und IT war seinerzeit für die Schweiz durchaus ein Argument, um als erster in Europa die Vignette einzuführen. Die Schweizer Vignette ist mit einem Jahrespreis von 40 SFr auch etwa nur so teuer wie eine einmalige Autobahnfahrt von Saarbrücken nach Paris.


    Was du "Maut nach ursprünglichem Muster" nennst, das trifft zumindest für Frankreich durchaus zu - bei den Mautstrecken handelt es sich durchgehend um eine "zusätzliche Verkehrsverbindung". Quasi parallel dazu gibt es auch immer eine Alternativstrecke in Form einer Nationalstraße, die gratis sein muss. Auf der Autobahn wird vor jedem mautpflichtigen Abschnitt ("péage") eine mautfreie Alternative zum nächstgrößeren Ort ausgeschildert, so dass der Benutzer klar die Wahl hat. Auf der mautfreien Umgehungsstrecke dauert es freilich bedeutend länger...
    Es gibt auch längere französische Autobahnabschnitte, die mautfrei sind - z.B. in der Normandie die Strecke Caen-Rennes oder die A75 vom Mittelmeer zum Massif Central. Dabei handelt es sich um ausgebaute ehemalige Nationalstraßen, für die es eben keine kostenfreie Alternative mehr gibt.


    Also, für mich war die Schweizer Vignette durchaus ein Tabubruch und schlechter Präzedenzfall, aber in Frankreich ist das schon historisch gewachsen und hat Tradition.

  • Es ist nunmal wie es ist und (schon immer) war. Zahlen darf Deutschland immer. Aber wenn Deutschland kassieren will, dann blocken die anderen Staaten mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln.

    Wenn die Kuh schon im Brunnen liegt, ist es unsinnig noch einen Deckel draufzumachen.


    Öffne Dein Herz und Du wirst die Welt sehen,

    öffne Deinen Geist und Du wirst sie verstehen.

  • Zitat

    Original geschrieben von rmol
    ...
    Was du "Maut nach ursprünglichem Muster" nennst, das trifft zumindest für Frankreich durchaus zu - bei den Mautstrecken handelt es sich durchgehend um eine "zusätzliche Verkehrsverbindung". Quasi parallel dazu gibt es auch immer eine Alternativstrecke in Form einer Nationalstraße, die gratis sein muss. Auf der Autobahn wird vor jedem mautpflichtigen Abschnitt ("péage") eine mautfreie Alternative zum nächstgrößeren Ort ausgeschildert, so dass der Benutzer klar die Wahl hat. Auf der mautfreien Umgehungsstrecke dauert es freilich bedeutend länger...
    ...


    Das meine ich in der Tat - genau das.


    Allerdings stellt sich bezogen auf heutige Verhältnisse die Frage, ob Autobahnen wirklich noch ein Luxus sind, oder ob sie inzwischen nicht unverzichtbarer Teil einer Verkehrsinfrastruktur sind, die der Bürger als Standard erwarten darf.


    Ich persönlich sehe Autobahnen inzwischen als Standard an. Kein Staat könnte es sich leisten, auf Autobahnen zu verzichten, die auch deshalb (oder gerade deswegen) erforderlich sind, weil der Staat seinen Bürgern eine Mobilität abverlangt, die ohne Autobahnen nicht (mehr) zu erbringen ist.


    Wenn die EU europaweite Standards schafft, die Nationalstaaten einzuhalten haben, gehörte eine vernünftige Verkehrsinfrastrukktur aus meiner Sicht zwingend dazu. Weil die EU aber inzwischen viele Mitglieder hat, die an der Maut gut verdienen, dürfte diese Form der Kleinstaaterei fortbestehen. Das Hemd sitzt eben näher als die Hose, wie man formuliert ... oder anders gesagt: Beim Geld hört die Freundschaft auf ... wenn es sich um die Generierung von Einnahmen handelt.

  • Zitat

    Original geschrieben von frank_aus_wedau
    Allerdings stellt sich bezogen auf heutige Verhältnisse die Frage, ob Autobahnen wirklich noch ein Luxus sind, oder ob sie inzwischen nicht unverzichtbarer Teil einer Verkehrsinfrastruktur sind, die der Bürger als Standard erwarten darf.


    Ich persönlich sehe Autobahnen inzwischen als Standard an. Kein Staat könnte es sich leisten, auf Autobahnen zu verzichten, die auch deshalb (oder gerade deswegen) erforderlich sind, weil der Staat seinen Bürgern eine Mobilität abverlangt, die ohne Autobahnen nicht (mehr) zu erbringen ist.

    Sehe ich ähnlich, die wirtschaftliche Entwicklung hier ist gerade auch der guten Verkehrsinfrastruktur geschuldert, die besser als in anderen Staaten ist.
    Von Ländern mit traditioneller streckenbezogener Maut wirst du aber kein Umschwenken von einen Tag auf den anderen erwarten können, zumal es sich um die Staaten mit den größten Schuldenproblemen handelt.
    Da sind längerfristige Lösungen gefragt...


    Zitat

    Original geschrieben von frank_aus_wedau
    Wenn die EU europaweite Standards schafft, die Nationalstaaten einzuhalten haben, gehörte eine vernünftige Verkehrsinfrastrukktur aus meiner Sicht zwingend dazu.

    Die EU soll vorschreiben, welcher Staat an welcher Stelle wie Straßen zu bauen hat? Ich glaube das geht schief, die Leute wollen eher weniger EU-weite Regulierung als mehr.

  • Zitat

    Original geschrieben von rmol
    ...
    Die EU soll vorschreiben, welcher Staat an welcher Stelle wie Straßen zu bauen hat? Ich glaube das geht schief, die Leute wollen eher weniger EU-weite Regulierung als mehr.


    Vielleicht hatte ich mich missverständlich ausgedrückt. Nicht WO die Nationalstaaten ein flächendeckendes Straßennetz zu errichten haben, soll festgegelgt werden, sondern DASS jeder Staat ein solches zu unterhalten hat, welches innerhalb der EU im Wege der Gegenseitigkeit (zumindest) von EU-Bürgern als Bestandteil der Grundversorgung ohne Erhebung von Zusatzkosten genutzt werden kann.


    Die Mautgedanken des Horst aus Hinterland treffen doch nur auf ein positives Echo in der Bevölkerung, weil sie dem Gedanken "wie du mir, so ich dir" Genüge tun. Aber genau das ist es doch, dem die EU innerhalb ihrer Mitgliedsstaaten entgegentreten müsste. Oder sehe ich das falsch?

  • Zitat

    Original geschrieben von frank_aus_wedau
    Vielleicht hatte ich mich missverständlich ausgedrückt. Nicht WO die Nationalstaaten ein flächendeckendes Straßennetz zu errichten haben, soll festgegelgt werden, sondern DASS jeder Staat ein solches zu unterhalten hat, welches innerhalb der EU im Wege der Gegenseitigkeit (zumindest) von EU-Bürgern als Bestandteil der Grundversorgung ohne Erhebung von Zusatzkosten genutzt werden kann.

    Ein solches Netz gibt es in Frankreich, allerdings überwiegend in Form von Nationalstraßen.


    Wer mehr will, muss mehr zahlen - das ist wie bei der Telekom :D


    Zitat

    Original geschrieben von frank_aus_wedau
    Die Mautgedanken des Horst aus Hinterland treffen doch nur auf ein positives Echo in der Bevölkerung, weil sie dem Gedanken "wie du mir, so ich dir" Genüge tun. Aber genau das ist es doch, dem die EU innerhalb ihrer Mitgliedsstaaten entgegentreten müsste. Oder sehe ich das falsch?

    Europapolitisch erscheint das zunächst sinnvoll, führt aber genau zu solchen Ressentiments, die ja nicht unbegründet sind und letztendlich die EU-Gegner auf den Plan rufen.


    Der Strauß sagte mal, dass rechts von der CSU kein Platz für eine demokratisch legitimierte Partei sein darf, und diese Tradition setzt der Horst fort, ohne anti-europäisch zu wirken (meine Meinung).

  • Es wird vergessen dass im EU-Parlament auch solche Staaten sitzen, die von Deutschland immer nur verlangen, aber Deutschland nichts zugestehen wollen. Es wird also nichts aus "Einigkeit und Gleichheit".

    Wenn die Kuh schon im Brunnen liegt, ist es unsinnig noch einen Deckel draufzumachen.


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  • Zitat

    Original geschrieben von eigs
    Natürlich hat das auch die Asfinag erkannt und führt daher Kontrollen durch.
    Es gibt dafür sogar Vignettenscanner.
    Es wird ein ein Überblicksbild mit Kennzeichen und ein Detailbild von der Windschutzscheibe aufgenommen.

    Hier heißt es dazu:

    Zitat

    * Kontrollmethoden: Kontrolliert wird hauptsächlich mittels Videokamera und stichprobenartig auf Autobahnratsstätten, Zu- und Abfahrten.
    * Strafen: Bei einer Verletzung der Mautpflicht wird für PKW eine Ersatzmaut von € 120 und für Motorräder € 65 eingehoben, bei Manipulationen der jeweils doppelte Betrag. Das ergab im Jahr 2006 für die ASFINAG 9,6 Millionen Euro (132 Millionen Schilling).
    * Mautpreller: Im Jahr 2011 hat die ASFINAG ca 131.000 Mautpreller erwischt und bestraft, im Jahr 2005 waren es erst 70.000 Mautpreller. Die meisten Mautpreller kamen mit ca. 22.000 Lenkern aus Deutschland, gefolgt von Österreichern mit ca 14.000 Fällen. Bei den LKWs wurden 2006 54.000 Mautpreller erwischt.


    Die dort ebenfalls zu findende Aussage

    Zitat

    Vorweg: In Österreich ist - laut Auskunft der ASFINAG Mag. Ingrid Partl vom 29.3.2010 - der Abschnitt auf der A12 ab Staatsgrenze bei Kiefersfelden bis zur Anschlussstelle Kufstein Süd für PKWs bis 3,5t die einzige Ausnahme bzgl. Kontrolle der Einhaltung der Vignettenpflicht.

    ist seit 01.12.2013 nicht mehr gültig.

  • Irgendwo ist es ja verständlich, wenn unser Bergvolk endlich auch befestigte Wege für seine Fuhrwerke haben will und diese Wege anders nicht zu finanzieren sind. :D


    Da haben wir Autofahrer doch ein Einsehen ...

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