Ukraine / Krimkrise

  • Zitat

    Original geschrieben von frank_aus_wedau
    Weil die Lieferungen an die Ukraine per Rückfluss aus der Slowakei den Bedarf sicher nicht decken werden, dürfte es spätestens im Februar richtig eng werden. Möglicherweise resultiert hieraus Einigungspotenzial für eine Lösung, mit der alle leben können und wo ein Ausgleich gefunden wird. Am Ende muss jedenfalls eine Wiederaufnahme der Gaslieferungen durch Russland stehen - was aber Zugeständnisse aller Beteiligter voraussetzt.


    Bleiben EU und Ukraine stur, könnte es in der Ukraine wirklich frostig werden. Und damit wäre auch niemandem gedient.

    Unerträglich, wie hier wieder jemand die nächste Putinsche Erpressung herbeisehnt...

  • Wirklich befremdlich, wie jemand, der sonst so sehr für die Einhaltung von (Völker-) Recht und Verträgen ist und schon die demokratisch legitimierten Sanktionen als einen schweren Verstoß gegen den Grundsatz von pacta sunt servanda geißelt, auf der anderen Seite das willkürliche Verhalten Russlands und dessen unmittelbaren, teils katastrophalen Auswirkungen auf die eher ärmliche Bevölkerung in der Ukraine plötzlich als legitime „Realpolitik“ rechtfertigt.
    Frank, irgendwas ist mit dir passiert in diesem Konflikt, sehr seltsam. :flop:

  • Zitat

    Original geschrieben von Jimmythebob
    ..., auf der anderen Seite das willkürliche Verhalten Russlands und dessen unmittelbaren, teils katastrophalen Auswirkungen auf die eher ärmliche Bevölkerung in der Ukraine plötzlich als legitime „Realpolitik“ rechtfertigt.
    ...


    Ich halte es keineswegs für willkürlich, die Belieferung von Kunden, die ihre Rechnungen nicht zu bezahlen pflegen, nur noch gegen Vorkasse durchzuführen. Dieses Prozedere ist das im Kapitalismus übliche. Leistet die Ukraine Vorauszahlungen - wie ich es im übrigen auch mache - wird die Belieferung sogleich wieder aufgenommen.


    Wer diese Vorgaben als willkürlich bezeichnet, verdreht die Tatsachen bis zur Unkenntlichkeit.


    Willkürlich wäre es vielmehr, den nicht zahlungsbereiten Kunden weiter zu beliefern, während alle anderen die von ihnen bezogene Liefermenge tatsächlich bezahlen (müssen).


    Solchen Irrsinn fordert man wahrscheinlich nur deshalb, weil der Aufgeforderte Russland heißt. Für diesen Fall scheint der logische Verstand auszusetzen mit der Folge, dass sonst gängige Denkgesetze willkürlich (hier passt dieser Begriff) auf den Kopf gestellt werden. :rolleyes:



    Zitat

    Original geschrieben von Jimmythebob
    ...
    Frank, irgendwas ist mit dir passiert in diesem Konflikt, ...


    "Passiert" ist bei mir nur, dass ich es unterlassen habe, die "Hassbrille" aufzusetzen, wodurch ich mich in der Lage sehe, den Ukraine-Konflikt an denselben Maßstäben zu messen, die ich auch sonst anlege.


    Und es existieren bei mir auch keine "Altlasten". Die Verbindungen, die ich in die Ukraine hatte, waren tadellos und mindestens so gut wie alle anderen. Dennoch weigere ich mich, der Ukraine den Status eines "bedauernswerten Opfers" zuzubilligen. Während des gesamten Konflikts hatte die neue Führung nichts unterlassen, den Konflikt noch zusätzlich anzuheizen, anstatt um Deeskalation bemüht zu sein.


    Und dafür habe ich nicht dass allergeringste Verständnis - zumal der aus dem Ruder gelaufene Konflikt gerade von dieser Gruppe angezettelt wurde. Und wer ein demokratisch legitimiertes Organ mit Gewalt stürzt, hat bei mir ohnehin schlechte Karten - das gilt aus meiner Sicht auch für Maidan-Aktivisten, deren dahingehender Sonderstatus durch nichts zu rechtfertigen ist.


    Mein Ausgangspunkt:
    Die gewalttätigen Maidan-Aktivisten sind nicht besser als ein bewaffneter Mob in Deutschland, der unserer Bundeskanzlerin nachstellte. Auch das wäre ich nicht zu tolerieren bereit. Oder ginge letzteres etwa in Ordnung?

  • Zitat

    Original geschrieben von frank_aus_wedau
    Dieses Prozedere ist das im Kapitalismus übliche.

    Du meinst den mafia-ähnlichen staatlichen Kapitalismus in Russland. Hierzulande sollten Monopolisten wie Gazprom oder Rosneft längst vom Kartellamt zerschlagen worden sein.

  • Zitat

    Original geschrieben von saintsimon
    Nicht, daß ich viel von Dir halte, da Deine Sprüche meist von geringen Informationsgrad zeugen


    Angesichts Deiner ja legendären Omnieszenz trifft mich dies Urteil natürlich bis ins Mark. Ich werde die Gelegenheit nutzen, um in mich zu gehen und Selbstkritik zu üben.


    Zitat

    Original geschrieben von saintsimon
    aber zeig uns doch mal, wo in der Original-Rede die Gewichtung hervorgeht, von der Medwedjew faselt?


    http://www.washingtonpost.com/…7-1a7368204804_story.html


    Weder Medwedew (noch ich) haben irgendwo von dieser "Gewichtung gefaselt", die Redaktion des Focus hat Obamas Rede so interpretiert, wie sie wohl die meisten des Lesens mächtigen interpretieren würden. Obama hat diese drei Punkte, wie Du möglicherweise in dem von Dir selbst verlinkten Artikel wirst feststellen können, in eben dieser Reihenfolge angesprochen. Ob er damit tatsächlich eine Gewichtung vornehmen wollte, entzieht sich meiner Kenntnis, möglicherweise sogar der Deinen. Sie überhaupt in einem Atemzug zu nennen, ist jedoch bestenfalls dumm, wahrscheinlich aber eher eine gezielte Provokation. Schließlich stehen Wahlen vor der Tür und die Demokraten haben ja schwer mit Obamas Schwächlings-Image zu kämpfen.


    Zitat

    Original geschrieben von saintsimon
    Mal abgesehen davon, daß die russische Staatspropaganda sich gerne in Atomkriegs- und Vernichtungsphantasien ergeht, und dafür auch übt. Soweit ist die IS zum Glück noch nicht.
    https://www.youtube.com/watch?v=EkMT_oLempE
    "Russia is threatening to turn USA into radioactive ash"


    Letztlich sagt die "russische Staatspropaganda" eigentlich nichts anderes, als daß Rußland auf einen Angriff mit Nuklearwaffen mit einem nuklearen Gegenschlag reagieren würde und dies wohl auch erfolgreich könnte. Das finde ich nun, ehrlich gesagt, nicht allzu überraschend. Ich könnte mir sogar vorstellen, daß die USA ihrerseits selbst unter ihrem Friedensnobelpreisträger-Präsidenten auf einen nuklearen Erstschlag seitens Rußland entsprechend reagieren würde. Aber das magst Du natürlich anders sehen.

  • Zitat

    Original geschrieben von rmol
    Du meinst den mafia-ähnlichen staatlichen Kapitalismus in Russland. ...


    Nein, ich meine den (mafia-ähnlichen) Kapitalismus weltweit.


    Zahle ich meine Telefonrechnung der Telekom nicht, wird mein Anschluss gesperrt. Übertreibe ich es mit meiner Zahlungsunwilligkeit, lande ich irgendwann im Register einer Auskunftei, so dass ich auch bei anderen Anbietern nur noch gegen Vorkasse bedient werde - wenn überhaupt. Verkünde ich meine Zahlungsunwilligkeit gar über die Medien (wie etwa im falle der Ukraine), dürfte dasselbe gelten.


    Dieses "mafia-ähnliche" Vorgehen (also die Nichtbelieferung fauler Kundschaft) hat bishar kein Kartellamt untersagt - auch nicht in Deutschland.

  • Aktion und Reaktion sind aber zwei verschiedene Paar Schuhe. Man übt das, was man als eigene Handlungsmöglichkeit oder für von außen aufgezwungene Reaktionsmöglichkeit hält. Es wird ja wohl niemand denken, daß entweder die Russen oder die Amerikaner über Jahrzehnte hinweg gerade das üben, was sie tatsächlich nicht als eigene Erstschlagoption oder als Verteidigungszwang betrachten.


    Und immer wieder von der möglicherweise mangels Energiezufuhr erfrierenden Ukraine find ich zynisch bis dort hinaus. Ob Russland als gefühlter Nachfolger der stalinschen Sowjetunion dazu fähig wäre, das weiß ich natürlich nicht. Ganz sicher aber ist, daß Russlands Gegner das bei umgekehrter Konstellation nicht so handhaben würde, sondern wie gehabt nach Kräften helfen würde, unabhänging von politischmilitärischgesellschaftlicher Gegnerschaft. Auf Entstehung von Not und Selbstaufgabe zu spekulieren verachte wohl nicht nur ich sondergleichen.

    Je suis Charlie

  • Zitat

    Original geschrieben von saintsimon
    Selten so einen uninformierten und widersprüchlichen Quatsch gelesen.


    Das hat möglicherweise mit Deinen offenkundigen Problemen beim Textverständnis zu tun.



    Zitat

    Original geschrieben von saintsimon
    Du blendest krampfhaft aus, daß sich die Europäer ganz ohne irgendwelche amerikanische Einflüsterungen ganz objektiv durch Russland bedroht sehen, niemand sieht schon mal in Putins repressiver Feudalherrschaft in Russland und der Drohkulissen gegenüber ein Leuchtturm der Freiheit.


    Wenn Du Dich etwas anstrengst und das, was ich geschrieben habe, noch einmal durchliest (am besten ganz langsam), dann wirst Du möglicherweise erkennen, daß sich der Begriff "Leuchtturm der Freiheit" keineswegs auf Rußland, sondern auf die USA (allerdings zu einer anderen Zeit) bezog.


    Zitat

    Original geschrieben von saintsimon
    Seit dem Einmarsch in Georgien und erst recht seit Putins wiederkehr gibt es immer wieder militärische Provokationen durch russisches Militär gegen Nachbarstaaten, z.B. durch eindringen von Militärflugzeugen in deren Luftraum und simulierte Angriffe. Auch die Militärübungen mit nuklearen Erstschlägen gegen Nachbarn wirken auf diese ziemlich abstossend.


    Gerade der bewaffnete Raubüberfall Russlands auf die Ukraine hat russische Unterschriften unter Verträge und Abkommen (budapester memorandum z.B.) wertlos gemacht und der nato noch mehr Zulauf verschafft.
    Finnland und Schweden verstärken nun erst recht ihre Zusammenarbeit mit der Nato - woraufhin den Russen nichts besseres einfällt, als mit dem 3. Weltkrieg zu drohen:
    http://www.defensenews.com/art…d-Against-NATO-Membership


    Auch hier scheinst Du von falschen Voraussetzungen auszugehen. Ich habe stets die Position vertreten, daß der hierzulande leider weit verbreitete Kinderglaube, Europa sei nach dem Zerfall des Warschauer Paktes zu einer Insel des ewigen Friedens geworden, brandgefährlich ist. Allerdings konnte keine der im Bundestag vertretenen Parteien der Versuchung wiederstehen, die vermeintliche "Friedensdividende" anderweitig zu verfrühstücken und die Bundeswehr bis zur Lächerlichkeit zu demontieren. Leider gilt das nicht nur für Deutschland, sondern in mehr oder weniger ähnlichem Umfang für fast alle europäischen NATO-Staaten. Daß es den Russen nicht verborgen bleiben würde, daß die europäischen Staaten in militärischer Hinsicht mit heruntergelassenen Hosen dastehen, war auch unschwer vorherzusehen. Putin hat richtig bemerkt, daß seine Truppen in zwei Tagen in Riga, Warschau und Bukarest sein könnten. Ich würde dem noch hinzufügen, daß sie bis zum Rhein und zum Ärmelkanal vermutlich auch nicht viel länger als eine Woche brauchen würden. Und zu glauben, daß die USA unter Obama wegen eines konventionellen russischen Angriffs auf Mitteleuropa einen Nuklearkrieg beginnen würden, halte ich auch für eher naiv. Diese Erkenntnis ist für mich allerdings ein Grund mehr, daß es aus deutscher Sicht nicht sehr weise wäre, Rußland für die geopolitischen Interessen der USA in der Ukraine weiter zu provozieren. Wer (militärisch) so schwach ist wie Deutschland, ist eben einfach nicht in der Position, dicke Backen zu machen. Vielleicht zieht aus dieser Situation ja auch die politische Linke in Deutschland, die an diesem Schlamassel ja die Hauptschuld trägt, endlich die Lehre, daß militärische Ohnmacht doch nicht ganz so erstrebenswert ist. Ich glaube es allerdings nicht.

  • Zitat

    Original geschrieben von schmidt3
    Und zu glauben, daß die USA unter Obama wegen eines konventionellen russischen Angriffs auf Mitteleuropa einen Nuklearkrieg beginnen würden, halte ich auch für eher naiv. Diese Erkenntnis ist für mich allerdings ein Grund mehr, daß es aus deutscher Sicht nicht sehr weise wäre, Rußland für die geopolitischen Interessen der USA in der Ukraine weiter zu provozieren.


    Die USA vielleicht nicht, aber es gibt ja noch ein paar Atommächte in Europa. Im Übrigen bestätigt deine Argumentation meine persönliche These, warum es plötzlich so viele "Putin-Versteher" gibt.


    Aus Angst vor einem Krieg in Europa, möchte man den vermeintlich starken Russen milde Stimmen und ja alles unterlassen, was ihn provozieren könnte (sogar dein O-Ton). Die Tatsache, dass Russland in höchstem Maße aggressiv vorgeht und zur Machterweiterung Mittel des finstersten 19 Jahrhunderts nutzt, wird entweder ignoriert oder schlicht so lange geleugnet, bis man es wahrscheinlich selber glaubt. Man fängt an mit zweierlei Maß zu messen, demokratische und selbstbestimmte Entscheidungen zu NATO-Mitgliedschaften von bestimmten Ländern als illegitim zu bezeichnen ("ist doch klar, dass Russland sich bedroht fühlt"), usw.


    Genauso haben die USA, England und alle Mächte auch zwischen '33 und '39 reagiert, weil nicht wahr sein kann, was nicht wahr sein darf. Doch diese Appeasement-Politik ist gescheitert und sie würde auch bei Putin scheitern. Das wird von diesen Personen leider übersehen und so sind in deren Augen einfach alle Handlungen derer falsch, die aus der Geschichte gelernt haben. Das ist schade, aber psychologisch sicher zu erklären.

Jetzt mitmachen!

Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!