NOKIA REINVENTED - Neues von der neuen Nokia Corp.

  • Der Staat hat eingegriffen, ja. Die Rechnungen folgen aber noch.
    Sie werden deutlich ausfallen. Da liegt das Problem, wenn der Staat eingreift.
    Man hätte die eine oder andere Bank pleite gehen lassen sollen. Das ist nicht geschehen.


    Dank staatlicher Regulierung werden wir bald nicht nur weiter Problemstaaten finanzieren, sondern auch noch über den europäischen Haftungsverbund portugiesische, spanische und weitere private Banken. Mir hätte die Alternative besser gefallen, wenn ein paar wenige durch eine Bankenpleite Verluste gemacht hätten, als nun langfristig alle. Dann hätten alle verstanden, dass Risiken auch schlagen können. Jetzt bleibt am Ende des Tages, dass man sein Festgeld ruhig bei einer wenig solventen Bank anlegen kann. Denn die Allgemeinheit zahlt schon, wenn es da knallt. Meiner Meinung nach der falsche Ansatz. Wer hohe Risiken wegen des Zins oder der Rendite eingeht, soll auch die Verluste tragen, wenn sie schlagen. Nun aber zahlen das die Kleinanleger, die brav ihr Geld sicher auf dem Sparbuch bei konservativen und sicheren Banken hatten, die eben nicht das große Rad drehten und nun gerade wegen ihrer konservativen Ausrichtung bei Zockerbanken einspringen müssen, wenn der Haftungsverbund feststellt, dass das nötig ist. Eine schöne Regulierung des Staates: Konservative Banken haften nun für Zockerbanken, und die machen mit hohen Zinsen aufgrund höher Risiken den Konservativen Konkurrenz. Diese lehrt nur: Weiter volle Pulle Risiken eingehen; irgendwer zahlt schon. Hier hätte der Markt ohne Regulierung schneller in aller Deutlichkeit klar gemacht, dass da ein Risiko besteht. Jetzt wird das vernebelt; in etwa so, als gebe es keine Hedgefonds und Leerverkäufer, die wenn es nötig ist, aufräumen. Das hat schon Aschenputtel gemacht. Die guten ins Tröpfchen, die schlechten ins ...


    Aber auch hier gibt es unterschiedliche Positionen.


    Eine Medaille hat immer zwei Kehrseiten.
    Beide Seiten haben ihre Daseinsberechtigung (auch die Leerverkäufer und Hedgefonds).
    Es gibt immer ein Pro und ein Contra.


    Euch einen schönen Abend ;)

  • derAL


    Du bist gegen Regulierung. Deinen Ausführungen kann ich jedoch nicht oder nur bedingt folgen. Vielleicht hast Du es ja auch anders gemeint.


    Ich bin auch gegen staatliche Eingriffe in den Markt. Jedoch hat der Staat die Pflicht (Du hast es an anderer Stelle mMn ähnlich geschrieben), dass er für den Markt Rahmenbedingungen schafft, in der sich der Markt frei bewegen kann, damit es nicht zu Auswüchsen kommt.


    Und diese Rahmenbedingen hat der Staat sträflich vernachlässigt oder bestehende Rahmenbedingungen zum Schaden der Allgemeinheit wieder gestrichen (z.B. Uptick-Rule. Keine Ahnung, ob die wieder eingeführt wurde. Nur als ein Bsp.)


    Die jetzigen staatlichen Eingriffe, die Du so verurteilst, wären gar nicht oder kaum notwendig gewesen, wäre der Staat seiner Verantwortung für vernünftige Rahmenbedingungen nachgekommen. Bei der Finanzkrise sieht es ähnlich aus.


    Freie Märkte ja aber einen völlig freien Markt kann es nicht geben, denn dann setzen sich immer Personen ohne Skrupel und Gewissen durch und die größten Betrüger.


    Auch Dir einen schönen Abend.
    VG

  • Hi-Hi, jetzt müssen wir nur aufpassen dass jeder das so reguliert bekommt, wie er das gerne hätte :D
    Und wenn´s am Ende nicht passt, macht nix - dann wird eben nachreguliert (Stichwort: Bewertungsreserven der Versicherer).
    Fakt ist: der Ehrliche ist immer der Dumme und die Rechnungen bezahlen immer die Anderen.
    Gewinne werden privatisiert und die Verluste sozialisiert (wie die Sparer die Bankenrettung).



    Und meine Moral von der Geschicht: Traue niemand der nach freiem Markt schreit.

    Zuguterletzt sind wir gar nicht allzuweit auseinander wenn ich die letzten Äußerungen so lese.
    Im Ergebnis von Nachregulierung finden notwendige Entwicklungen nicht statt, da bin ich bei AL.
    Ein fester Rahmen, der für alle gleichermaßen gilt, das wäre super Bandit.

    Schönes Wochenende

  • Ich bin Befürworter eines starken Ordnungsrahmens, innerhalb dessen sich Marktkräfte völlig frei bewegen können. Der Staat kann in Extremsituationen ja gerne kurzfristig eingreifen, im Sinne Hilfe zur Selbsthilfe, allerdings in einem nur sehr begrenzten Handlungsradius. Alles, was über diesen Radius hinaus geht, ist Privatvergnügen für Investoren. Bedeutet, schlagen dort dennoch Risiken, dann treten für diese Verluste ein, die sie ohne wenn und aber dann alleine tragen und stemmen müssen. Das ist allerdings nicht geschehen.


    Der Rahmen wurde deutlich gesprengt. Heute finanzieren die Steuerzahler nicht nur eigene systemrelevante Banken, die in der Finanzkrise stark getroffen wurden, sondern praktisch fast alle Staaten und Banken um uns herum. Und das nach einer Zeit, wo Deutschland sich die Agenda 2010 als Fastenkur verordnete und sich andere Länder unter dem Deckmantel eines einheitlichen Guten-Euro-Bonitäts-Zinses endlich Konsum und Wohlstand auf Kreditbasis gönnten und kräftige Schlücke aus der Lohnpulle nahmen und das selbst noch während der Krise trotz Rettungsprogramme taten (siehe Italien; Frankreich hat sein Problem noch immer nicht so richtig erkannt).


    Heute sollen wir die Löhne erhöhen, um Europa zu helfen. Wir sind aber nicht das Problem. Das Problem ist, dass das Lohnniveau und damit die Lohnstückkosten in der Europeripherie zu hoch sind, für das, was am Ende des konjunkturellen Handelns rauskommt. Und Deutschland im Vergleich dazu besonders attraktiv. Aber anstatt zu begreifen, dass Sparen und Lohnzurückhaltung angesagt ist, zeigt man lieber auf Deutschland und fordert, dass dort die Löhne steigen sollen (nach dem Motto, steigen diese stark, sind unsere Lohnstückkosten schon relativ gesehen niedriger) und dass man wieder Schulden machen soll für Konjunkturprogramme (Frankreichs und Italiens jüngste Forderungen).


    Diese staatlichen Eingriffe sind Gift für Europa. Die europäischen Schuldenquoten sind heute höher als vor und während der Krise. Damit ist die Krise nur vertagt worden. Die staatlichen Eingriffe haben sie damit nicht gelöst. Wir befinden uns lediglich in einer Phase der relativen Ruhe.

  • Du meinst beim "die Lohnstückkosten in der Europeripherie zu hoch sind" genau wen? Deutschland zieht zur Drückung der hiesigen Lohnkosten doch jede Menge Personal aus Polen, Griechenland, Spanien oder Portugal ein. Die Industrie jammert genau aus diesem Grund regelmäßig in der Presse über angeblichen Fachkräftemangel und macht Lobbyarbeit bei der Bundesregierung zur weiteren Senkung von Einwanderungshürden. Freies Spiel der Kräfte, ne?


    Gleichzeitig erwarten die Personalkasper schlüsselfertige Leute für irgendwelchen Spezialquatsch, während hochqualifizierte Abgänger ein unbezahltes Praktikum nach dem anderen leisten, oder schreiben hunderte von vergeblichen Bewerbungen. Ab vierzig bist du in der IT-Branche Alteisen. Bei mir hat mal einer angerufen und gefragt, wie er Rumänen importieren und einstellen kann. Weil hier alles so teuer ist.


    derAl, das passt doch irgendwie nicht mit deinen wohlgewählten Worten zusammen. Die Börse gehört deutlich besser reguliert, was aber von den genannten Interessengruppen verhindert wird. Weil sonst nicht mehr einerseits Gewinne durch Quasi-Betrug abgeschöpft, und der Schaden auf die Allgemeinheit abgewälzt werden kann.

    Viele Grüße,
    Wolfgang
    Seit zehn Jahren wollte ich schon sterben, aber ich war zu gesund! [F.Sch.]
    * Europas Hightech-Industrie wird irrelevant *

  • Und ich bin Befürworter Nokias.
    Was zum Kuckuck haben die Börsendiskusionen hier (in diesem Thema) verloren?
    Das Thema ist schon interessant, aber...
    Wenns schon um Ordnung geht, dann gründet doch euren eigenen Börsen Thread!

    Zurück in die Zukunft - Vom NOKIA 808 Pureview übers iPhone X zum 15 Pro MAX :):thumbup:

  • Du hast recht, das ist etwas abseits. Aber Nokia wurde genau durch diese Spekulantenspielchen zerschlagen. Die Unfähigkeit/Trägheit des Managements darf man natürlich nicht außer acht lassen. Nur geht mir mal wieder die Galle, wenn so ein Vorgang zur Normalität erklärt werden soll. Wie wenn man dir ständig Knüppel vor die Füße wirft, und wenn du stolperst, sagt, siehste, du kannst nicht laufen.

    Viele Grüße,
    Wolfgang
    Seit zehn Jahren wollte ich schon sterben, aber ich war zu gesund! [F.Sch.]
    * Europas Hightech-Industrie wird irrelevant *

  • Zitat

    Original geschrieben von Wolfgang Denda
    Aber Nokia wurde genau durch diese Spekulantenspielchen zerschlagen. Die Unfähigkeit/Trägheit des Managements darf man natürlich nicht außer acht lassen.


    Haben wir die gleiche Zeit erlebt ?
    Die Unfähigkeit des Managements war nicht nur Beiwerk, es war die eigentliche Ursache. Es war nicht nur der eine Ausrutscher. Es waren mehrere Jahre, in dem sich ein Fehler an den nächsten reihte. Das ist unweigerlich tödlich in der IT-Welt.


    Gerade bei Nokia sollte man die Spekulanten schön aus dem Spiel lassen. Das vernebelt nur die Wahrheit.
    So sehe ich das jedenfalls. ;)


    VG

  • Ein Satz noch zu den Lohnstückkosten: Ich habe damit folgendes gemeint. Wenn Du internationaler Investor bist und auf Europa blickst, dann kannst Du erkennen, dass in Deutschland mit der Agenda 2010 die Lohnstückkosten im relativen Vergleich zu anderen europäischen Ländern gesunken sind. Das hat Deutschland wettbewerbsfähiger gemacht und ist auch Grund für die konjunkturelle sehr gute Situation der vergangenen Jahre.
    In der Europeripherie gab es keine derartigen Entwicklungen wie in Deutschland. Anstatt sich ähnlich fit wie Deutschland mit seiner Agenda 2010 zu machen, nutzten diese Staaten den niedrigen Europa-hat-einen-guten-und-damit-niedrigen-Bonitäts-Zins für Konsum, kräftige Lohnsteigerungen und für eine stärkere Verschuldung. Im relativen Vergleich sind die Lohnstückkosten von Spanien, Portugal, Italien aber auch Frankreich (der neue kranke Mann Europas) usw. in den letzten Jahren vor der Krise mächtig angestiegen. Teilweise auch noch bereits mit Ausbruch der Krise. Das hat deren Wettbewerbsfähigkeit enorm belastet. Anstatt aber deutlich zu sparen oder einen ähnlichen Weg wie die Agenda 2010 einzuschlagen, möchten sie zur Bewältigung der eigenen Wachstumsschwäche (Stichwort unter anderem Lohnstückkostenzuwachs des vergangenen Jahrzehnts) es nun gerne sehen, dass in Deutschland die Löhne steigen (damit dort die Wettbewerbsfähigkeit im relativen Vergleich wieder sinkt) oder dass die Sparbemühungen aufgeweicht werden und durch schuldenfinanzierte Konjunkturprogramme ersetzt werden; natürlich ohne Lohnzurückhaltungen etwa in Frankreich oder Italien.


    Setzen sich diese Forderungen neben dem europäischen Haftungsverbund bei Banken (konservative haften für kapitalschwache Zockerbanken), dann führt die dann weitere Regulierung erneut zu höheren Schulden, welche die Allgemeinheit dann letztlich bezahlen muss. Salopp gesagt: Der deutsche Arbeitnehmer hat sich in Lohnzurückhaltungen geübt und als Dank darf er nun die Lohnsteigerungen anderer Ländern finanzieren, da sich diese übernommen haben. Schöner staatlicher Eingriff.


    Aber Klaus hat Recht. Wir entfernen uns zu sehr vom eigentlichen Themas. Die Börse und der Kapitalmarkt gehören zur Wirtschaft, aber auch zur Branche Mobilfunk und Co.. Deshalb wird das Themengebiet immer wieder mal eingebracht. Diesmal diente der Kapitalmarkt dazu, zu zeigen, weshalb Nokia dort positiver gesehen wird, als es so manche, die Nokias Untergang ausruften, betrachten. Wir sind aber zu weit vom Kernthema weggegangen. Beschränken wir uns also damit, Nokia im Kontext des Kaitalmarktes hin und wieder mal zu betrachten, natürlich neben weiteren Aspekten. ;)

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