Mir fällt eine allgemeine und viel größere Aufgeregtheit auf, Menschen müssen ständig alles und sich erklären, bis ins letzte Detail. Ein Statement wird nicht mehr als Statement hingenommen.
Es wird dann ellenlang und immer wieder nachgefragt, bis ins letzte Detail, und dann auch wieder bewertet und wieder nachgefragt, bis der andere endlich die Meinung des Nachfragers akzeptiert - was natürlich fast nie passiert.
Ist auch viel und vor allem in Foren der bei Chats zu beobachten. (Moderiere ein Forum für Motorsport im weitesten Sinn, ca. 25.000 Beiträge, auch krank! 😂)
Ich denke das ist diese unnormale Zeit wegen des Virus, ich beobachte das aber schon länger, und denke die Leute sind auch ziemlich gereizt, weil sie zu viel online sind, und sich nicht um sich selbst kümmern, bzw. sich nicht oder zu wenig in die Natur oder nach draußen begeben, oder zu wenig Bewegung haben, heutzutage.
Wenn man nicht gerade in Quarantäne oder Isolierung ist, ich verstehe nicht das man nicht nach draußen geht. Während des Shutdown im Frühjahr war ich praktisch alleine draußen. Radeln oder Walken im Grünen, oder einfach die Natur genießen. Oder mal durch die leere Stadtkulisse. Ich fühlte mich da aber etwas wie in einer "The Walking Dead" Kulisse. Besonders in der halb abgesperrte Shopping Mall. Einige Läden waren sichtbar überhastet verlassen worden, und offen war die Anlage wegen eines einzelnen Ladens im hintersten Winkel, eine Drogerie die öffnen durfte.
Was mir derweil in der für mich eher entspannten und irgendwie auch interessanten Zeit nicht sofort aufgefallen ist, weil ich viel draußen war, ist, dass die Stimmung mehrerer Leute ziemlich gekippt ist. Bei denen die ich nicht jeden Tag sehe oder spreche, wie weiter entfernt wohnende Angehörige. Über mehrere Wochen Abstand ist der Kontrast da nochmal stärker wahrnehmbar als wie wenn man täglich Kontakt hätte.
Aber gereizt und aufgeregt wären da Untertreibungen. Das Spektrum reicht eher von emotional völlig instabil, bis zu aggressiv feindselig. Und andere Meinungen akzeptieren? (Die Erwähnung dieses Punktes bewog mich hier zu antworten, weil das 1a passt.) - Nein!
Es gibt offene Konfrontation. Es wird um das Thema herum über unwichtige Nebendetails gestritten, und dabei auch persönlich beleidigt. Und im Verlauf aber auch Psychospielchen wie Gaslighting angewendet. Und eher wird dabei ein (entgültiges) Familienzerwürfnis riskiert, bzw. herbeigeführt, als dass man dem anderen seine Meinung zugesteht. Oder in anderem Fall führt eine simple Meinungsäußerung unerwartet zum emotionalen Zusammenbruch.
Und dass Leute in der Öffentlichkeit aneinander geraten, sicher nichts prinzipiell neues, aber in der Häufigkeit kenne ich das so auch nicht.
Das ist die Welt offline Welt draußen. Aber es sind ja alles Menschen... die selben denke ich.
Online, eine ziemlich kleine Nische im Gamingbereich, da ist es in der Community schon vor Corona gekippt. Mich hat es deshalb dort komplett vertrieben. Die Aktiveren, die mehr online waren als der Durchschnitt waren da auch die Treiber dieser Entwicklung. (Ähnlich deiner Schilderungen, und dann wurde es persönlich und hässlich, was zur Schließung des Forums führte. Ersatz gibt es zwar, aber wie es dort jetzt läuft entzieht sich meiner Kenntnis.)
Hatte dem nicht allzu viel Bedeutung zugemessen. Aber nachdem auch von anderen ähnliches beobachtet wird, ist es wohl eine umfassendere Entwicklung.
Sich nicht um sich kümmern, viel online sein, nicht rausgehen und wenig Bewegung. Bedingt sich das nicht schon gegenseitig? Corona verstärkt das noch, wenn man da nicht aktiv gegensteuert. Dazu kommt dann noch 'Coronastress'. Ich denke du liegst da schon richtig. Wobei ich da noch den Faktor der "menschlichen Distanz" dazugeben möchte. So wie der Rückzug nach Hause (in die Onlinewelt) führen auch Coronamaßnahmen wie Masken zur emotionalen Entfernung der Menschen voneinander, selbst wenn sie sich räumlich begegnen. Das hat sicher auch einen Einfluss auf den Umgang miteinander, on- und offline.