Beiträge von geos

    Ich hätte Deutschland in Parzellen aufgeteilt den Netzausbau ausgeschrieben: Bedingung: Wer baut, muss jeden Anbieter auf sein Netz lassen. Wer den Zuschlag bekommt und nicht binnen eine Frist baut, bekommt eine Konventionalstrafe oder eine vorab Kaution nicht zurück. Das hätte bedeutet, das in Posemuckel Anbieter A und in klein-Düdeldorf anbieter B gebaut hätte, der Kunde wäre aber bei seinem Anbieter "T", "V" oder so geblieben. :-)


    Was haben wir jetzt? Gebastel und Gemurkse und wo es sich halbwegs für sie rechnet, sammelt Big T die Trümmer auf und baut dann aus, aber halt nicht überall.

    Beispiele? Deutsche Glasfaser, UGG etc. sagen Ausbau ab. Bürger verzweifelt.

    Zunächst einmal haben wir nicht überall Gebastel und Gemurkse; es gibt durchaus Leute, die in akzeptabler Zeit einen FTTH-Anschluss bekommen haben, der einfach funktioniert.

    Die Frage ist allerdings, ob die Situation besser wäre mit dem Modell, das Du vorschlägst. Ich denke nein.

    In dem Modell müsste ein Investor ein Gebiet komplett ausbauen und würde dann Geld von der Telefongesellschaft, die den Anschluss nutzt, bekommen, wohl einen vom Staat festgelegten Satz (der sicherlich auch nicht exorbitant hoch sein kann, denn sonst wäre der FTTH-Anschluss für den Endkunden noch teurer).

    Der ausbauende Investor hätte allerdings, da er nicht an die Endkunden vermarktet, null Einfluss auf den Anteil derjenigen Anschlüsse, die durch den Endkunden überhaupt genutzt werden. Er hat hier also ein Umsatzrisiko und kann selbst nichts machen. Es wäre in dem Szenario auch durchaus vorstellbar, dass Telekom, O2 und Vodafone in vielen Gegenden dann z.B. verstärkt Breitbandanschlüsse über ihr 5G-Netz vermarkten (T-Mobile US macht sowas z.B. tatsächlich verstärkt).

    Dazu kommt das Risiko der Pönalen für verzögerten Netzausbau. Muss in der Kalkulation mit eingepreist werden.

    Für welchen Investor rechnet sich das? Ich denke dass es noch schwerer als jetzt schon wäre, überhaupt Investoren für den Glasfaserausbau zu finden.

    Die heutigen Herausforderungen höhere Kapitalkosten als noch vor sechs Jahren, Knappheit an Ausbaukapazitäten, deutlich gestiegene Baukosten, Insolvenz von Bauunternehmen; Zugangsproblematik/Ausbauproblematik NE4 in MFH wären genauso vorhanden.

    Ich glaube nicht, dass wir mit dem vorgeschlagenen Modell eine bessere Situation hätten; im Gegenteil.


    In der oben zitierten Marktanalyse von Anfang 2025 hat der VATM für Ende 2025 24,8 Mio. mit Glasfaser (FTTH, FTTB) versorgbare Haushalte, davon 9,9 Mio. tatsächlich angeschlossen (Homes Connected), davon 3,8 Mio. durch die Telekom, 6,1 Mio. durch andere FTTH-Anbieter, der Rest (14,9 Mio.) Homes Passed.

    Die Gründe für letzteres sind sicher vielfältig (kein Interesse an FTTH, keine Einwilligung vom Eigentümer zum Ausbau in MFH), liegen aber auf der Verbraucher- und Eigentümerseite. Der Glasfaseranbieter hat sicher größtes Interesse daran, soviele Haushalte wie möglich in seinem Ausbaugebiet als zahlende Kunden anzuschließen.

    Ich sehe nicht, wie das durch einen Ausbau durch einen "regionalen Generalinvestor" anders aussehen sollte.


    Von den angeschlossenen 9,9 Mio. Haushalten erwartete der VATM nur bei 6,1 Mio. einen aktiven Glasfaservertrag (der Rest sind vermutlich meistens Anschlüsse aus den Anfangszeiten des Ausbaus, wo die Anbieter einfach auch ohne Vertrag ausgebaut haben; in letzter Zeit ist das m.W. eher seltener)

    Ich lese aus den Zahlen heraus, dass in Deutschland durchaus ausgebaut wird. Über 50% der Haushalte in Deutschland könnten nach diesen Zahlen bereits prinzipiell FTTH oder FTTB erhalten. Allerdings hat nur eine Minderheit der Haushalte und/oder der Hausbesitzer Interesse daran.


    Der Zug ist aber abgefahren, das hätte schon vor 30 Jahren gemacht werden müssen, als das Zeitalter von D-Netz began.

    Es war genau bei der Einführung der D-Netze, als die Politik in Westdeutschland sich entschloss, im Telekommunikationsmarkt auf privatwirtschaftlichen Wettbewerb statt auf staatlich gelenktes Monopol zu setzen.

    Aber diese "einfache" Lösung findet leider nicht statt :-(

    Die "einfache" Lösung, die Du vorschlägst, ist ein staatlicher FTTH-Ausbau.

    Als Steuerzahler (und als Verbraucher) bin ich froh, dass das nicht gemacht hat.


    In den 1980er Jahren hat die Deutsche Bundespost es auch nicht geschafft, Westdeutschland flächendeckend mit Kabelfernsehanschlüssen auszustatten (und es ist dabei ausdrücklich vollkommen unerheblich, ob man Kabelfernsehanschlüsse oder die verwendete Kupfer-Coax-Technologie gut oder schlecht findet; um diesen Aspekt geht es dabei nicht).

    Es gibt wie gesagt in den meisten Gebieten gar keine Förderung. Daher ist Deine Forderung dort schon implizit umgesetzt.

    Dort, wo gefördert wird, kann m.W. nach die Gemeinde die Regeln festlegen (sicherlich in Grenzen). Falls das bei Dir der Fall sein sollte, sprich doch mal mit Deinen Gemeinderatsvertretern über Deine Idee.

    Ist es übrigens nicht schon heute so, dass es in einem Gebiet maximal einmalig eine Förderung für FTTH-Ausbau geben darf und alles danach Wettbewerbsverzerrung wäre?

    In den meisten Gegenden Deutschlands gibt es gar keine Förderung. Falls es in Deiner Gemeinde anders aussieht, dann versuch mal mit Deinen Gemeinderatsvertretern über das Thema ins Gespräch zu kommen. Dort werden solche Dinge (und vieles mehr, was Geld kostet) typischerweise entschieden.


    Was FTTH-Anbieter an Neukundenangeboten auflegen (z.B. Anschluss "kostenlos"), ist ja deren Geschäftsentscheidung, und das machen sie nicht, weil sie den Leuten etwas Gutes tun wollen, sondern weil sie sie gerne als zahlende Kunden gewinnen möchten.

    Leider kann man nicht sagen, wer aus der Vergangenheit nicht lernt, muss eben in Zukunft draufzahlen. Netze sind keine Individualentscheidungen.

    Netze sind in einem privatisierten Telekommunikationsmarkt, wie es ihn in den meisten westlichen Ländern einschließlich Deutschland gibt, unternehmerische Investitionsentscheidungen (ähnlich wie die Eröffnung oder Schließung einer Bankfiliale, eines Supermarkts oder einer Tankstelle).

    Und Abschlüsse von TK-Verträgen durch Verbraucher sind Individualentscheidungen, ähnlich wie für Bankdienstleistungen oder das Einkaufsverhalten.

    Und natürlich mag es sein, dass ein Verbraucher für schlechte/falsche Entscheidungen draufzahlt.

    Bitte akzeptiere oder nimm zumindest zur Kenntnis, dass Telekommunikation in Deutschland (wie in den meisten westlichen Ländern) keine staatliche Aufgabe, sondern ein privatwirtschaftlicher Sektor ist, ähnlich wie Supermärkte, Banken oder Tankstellen .

    (wenn es anders wäre, gäbe es als Nebeneffekt vermutlich z.B. Teltarif gar nicht, auf jeden Fall wären die Kosten für den Verbraucher deutlich höher und das Angebot deutlich kleiner, wenn alles zentral vom Postministerium vorgegeben werden würde).

    Die Regulierung im Kupfernetz ist deswegen so umfassend, weil die Telekom das Kupfernetz aus Monopolzeiten der Bundespost übernommen hat.

    Natürlich könnte man auch bei neuer Infrastruktur wie FTTH stärkere regulatorische Zwänge vorschreiben, aber dann wäre der Ausbau noch unattraktiver. Dass die Telekom z.T. (noch?) dem Bund gehört, dürfte in der Praxis komplett irrelevant sein. Der Bund (Minderheitsaktionär) mischt sich nicht in die Produkt-, Ausbau- oder Preisstrategie ein. Und natürlich muss die DTAG als börsennotiertes Unternehmen Rendite erwirtschaften. Das gilt aber ebenso, z.T. sogar noch deutlich härter, da kurzfristiger, für andere Investoren im Glasfasermarkt.


    Was die Lust oder Unlust von Hausbesitzern angeht, so wird langfristig auch das der Markt regeln. Wohnungen mit FTTH werden sich vermutlich preislich besser vermieten als solche ohne.


    m.W. muss übrigens auch die Telekom nicht andere Anbieter auf ihr FTTH-Netz lassen. Sie hat (aus eigenem Interesse) mit einigen Anbietern Vorleistervereinbarungen abgeschlossen, aber sie ist nicht verpflichtet, bedingungslos das mit jedem Anbieter zu tun (ebensowenig wie andere FTTH-Betreiber). Vergl. z.B. https://www.verbraucherzentral…tzzugang-fuer-alle-114061

    Kann, nicht muss. Zeig mir eine Statistik, für welchen Prozentsatz der VDSL-Anschlüsse ein anderes Unternehmen als die Telekom gefördert wurde. Wenn die private Konkurrenz ihren Ausbau beendet, weil das Investitionsklima sich ändert, bekommt niemand mehr einen kostenlosen Glasfaseranschluss. Ob der Staat oder der Kunde zahlt, lasse ich dahingestellt, aber die Telekom wird kassieren, und wer nicht zahlt wird am langen Arm des Monopolisten verhungern.

    Gerade bei der Neuerschließung von Gebieten mit Glasfaser ist die Telekom kein Monopolist. Jedes Unternehmen kann sich dafür oder dagegen entscheiden, Glasfaser auszubauen und anzubieten. Es gibt dafür keine (Gebiets-) Monopole.

    Das Thema "Investitionsklima" gilt übrigens für alle Anbieter.


    Wenn ein Anschluss erstmal gebaut ist, ist aus *Sicht des jeweiligen Verbrauchers*, der FTTH möchte, der Anschlussbesitzer für ihn ein Monopolist, solange sich nicht ein zweiter findet, der auch anbietet (was eher selten der Fall sein dürfte, aber nicht ausgeschlossen).

    Das gilt unabhängig davon, welchen Marktanteil der Anbieter bundesweit hat.

    Menschen, die sich, obwohl es sie fast nichts kostet, gegen neue Infrastruktur entscheiden, weil sie glauben, dass in einem Bereich steten Wachstums eine Technik reicht, die nicht mehr weiterentwickelt wird, sind Trottel.

    Nicht jeder teilt Deine Maßstäbe, was "fast nichts" ist. Ich finde es schon sehr anmaßend, Bürger, die ihre Bedürfnisse anders einschätzen als Du Deine offenbar, als Trottel zu verunglimpfen. Es gibt wie gesagt heute schon etliche Leute, die gar keinen Festnetzanschluss haben. Wieso sollten sie jetzt sich für FTTH interessieren?

    Lass jeden nach seiner Fasson (un-) glücklich werden.


    Was für Häuser: hab ich geschrieben: 176 Mehrfamilienhäuser ( MFH ) mit ings. 1250 Wohnungen - wieviel FTTH haben wollten, gibt keine Infos zu.

    Schade, das wäre eine interessante Angabe gewesen, aber vermutlich wird der Anbieter das, zumal wenn er nicht ausbaut, tunlichst nicht veröffentlichen.