Das größte Problem hat o2 Telefónica nicht mit der Vermarktung (auch wenn die mich seit vielen Jahren auch nicht mehr anspricht), sondern mit ihrer Strategie bzw. Weitsicht. Die wechselt sie zwar nicht wie andere ihre Unterhosen, aber für meinen Geschmack zu häufig. Das war auch schon so, als ich den Münchnern gegenüber noch wesentlich unkritischer war. Ob es an fehlendem Mut, sich gegen Madrid zu positionieren, oder an volatilen Finanzressourcen liegt? Vermutlich eine Mischung aus beidem.
Bei der Einführung jeder neuen RAN-Technologie hieß es, dass - im Gegensatz zu GSM oder den letzten Malen - "dieses Mal" alle dieselben Startmöglichkeiten hätten und man "dieses Mal" nicht ins Hintertreffen geriete. Dann merkte o2 Telefónica bei 3G und LTE (und gefühlt auch bei 5G) offenbar, dass es doch alles etwas teurer als ursprünglich gedacht wird und proklamierte daraufhin die nur von ihr selbst umjubelte "Smart Follower"-Strategie, die aber jedes Mal eher den Anschein von "wer zu spät kommt, den bestraft das Leben" hatte.
Dass Bundle-Kunden weniger zu Churn neigen, hat sich nun offenbar (wieder) bis in die Vorstandsetagen von o2 Telefónica herumgesprochen. Schon 2009 begannen die Verhandlungen zur Übernahme der HanseNet mit "Festnetz" und IPTV. 2013 wurde dann das "Festnetz" (also die Glasfaser) an Versatel verkauft, IPTV wurde nicht mehr vermarktet, nur die Kunden wurden behalten... man brauchte das Geld für die Quasi-Übernahme von E-Plus, wurde wieder (oder eigentlich: blieb) ein reiner Mobilfunker. o2TV gibt es ja nun auch schon wieder einige Jahre, bis 2024 (?) über waipu.tv, danach über die Telefónica-eigene Plattform aus Spanien - mit Kundenzahlen, die vermutlich so gering sind, dass sich o2 Telefónica nicht traut, diese gesondert in ihren Finanzberichten auszuweisen. Im Festnetz mietet man sich bei der DTAG (DSL und Glasfaser) und Vodafone (Coax) und noch einigen lokalen/regionalen Betreibern ein, das Glasfaser-Ausbau-Joint Venture mit der Allianz, "UGG", korrigiert seine Ausbaupläne inzwischen regelmäßig nach unten, wird also nie ein großes Standbein für das Festnetz-Geschäft von o2 Telefónica werden können, das mit 2,5 Millionen Kunden im Vergleich zu Telekom, Vodafone und 1&1 ohnehin sehr überschaubar ist. In beiden Bereichen hatte man mit der HanseNet vor 15 Jahren schon etwas (nicht nur Infrastruktur, sondern auch Know-how) in der Hand, worauf und womit man vieles, was man heute krampfhaft nachzubauen versucht, hätte aufbauen können.
Mal abgesehen davon, dass "MEHRbilfunk" in meinen Augen und Ohren zu sehr als "gewollt, aber nicht gekonnt" herüberkommt, ist der Zug doch - wieder einmal - längst abgefahren. Höchstens über den Preis kann man da noch wirklich etwas erreichen, aber damit reduziert man auch die Marge. "o2 can do" wird hinter vorgehaltener Hand ja oft auch zu "o2 can do billig" erweitert... woher das wohl kommt?! 